[Verdacht] 01.03.2008 - Wilsenroth (Landkreis LM, Hessen)

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Gerrit Rudolph, Limburg/L
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[Verdacht] 01.03.2008 - Wilsenroth (Landkreis LM, Hessen)

Beitrag von Gerrit Rudolph, Limburg/L » Sonntag 16. März 2008, 17:14

Hallo zusammen,

Vorbemerkung:
Dieser Fall ist nicht ganz einfach, deshalb sollte ggf. eine zweite oder dritte Expertenmeinung eingeholt werden- wenn also jemand Zeit und Lust hat, bitte raus fahren und gucken!

Auf den Fall wurde ich bei der Lektüre der Nassauischen Neuen Presse, Artikel vom 08.03.08, aufmerksam: http://www.rhein-main.net/sixcms/list.p ... id=4375146

Der nächstgelegene Ort ist Wilsenroth, Ortsteil der Gemeinde Dornburg im Landkreis Limburg- Weilburg. Der Schadenbereich gehört aber zur Gemarkung Frickhofen, Hauptort der Gemeinde.

Hier ein Link zur Google- Maps- Karte; die Ortsmarken markieren zwei räumlich getrennte Schadensbereiche:
http://maps.google.de/maps/ms?ie=UTF8&h ... 78f30f9458

(Vorbemerkung zu den Fallmustern: Leider waren die Forstleute schneller. Die Fallmuster musste ich am 15. und 16. März anhand der Stumpf- und Wurzeltellerrichtungen vermuten. Inwieweit die Rückearbeiten das Bild verfälschten, ist daher schwer zu sagen. Auffällig hoch ist in beiden Fällen der Anteil aufrechter Stümpfe, ich vermute daher, dass ein großer Teil der Bäume gebrochen und nicht etwa gestürzt ist.)
Beide Schadensfelder sind in Fichtenbeständen entstanden.
Das nördliche Schadensfeld ist breitflächig, fächerartig, mit divergentem Fallmuster. Hier spricht das Bild mit ziemlicher Sicherheit für einen Downburst. Ich will mich deshalb damit nicht zu lange aufhalten und belasse es bei einem Google Earth- Bild und einigen Fotos, die den Schaden von der L3364 aus betrachtet von rechts nach links ins Blickfeld nehmen. Viel interessanter ist nämlich das südliche Schadensfeld...
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Die Fotos wurden am Abend aufgenommen. Der Autofocus und die Dämmerung... deshalb wieder einmal Probleme mit der Bildschärfe. Standort: Straßenrand, der Blick schweift um 180° von rechts nach links.
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So, nun zum südlichen Schadensteil.
Auch hier zuerst eine Google Earth- Zeichnung, mit geschätzter Abgrenzung der Schneise und rekonstruierten Fallrichtungen. Punkte symbolisieren aufrechte Stümpfe und damit vermutlich abgebrochene Stämme. Ob diese Stämme von den Nachbarn umgerissen wurden oder vom Wind- das kann man nicht mehr feststellen.
Es sind nicht alle Stämme wiedergegeben. Diese Zeichnung ist mit aller Vorsicht zu genießen, aber sie macht irgendwie nachdenklich, nicht wahr? Darum bin ich auch der Meinung, dass noch jemand anders rausfahren sollte. Die Stümpfe laufen nicht weg...
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(Ja ja...Ich versuche bei Gelegenheit, die Zeichnung zu verbessern, aber ich will irgendwann mit dem Bericht fertig werden, deshalb lassen wir es jetzt erstmal...)

Die Wurfrichtung Süd- Südost dominiert insgesamt, aber im Gegensatz zur großen Schneise im Norden gibt es einige Merkwürdigkeiten:
1. Verhältnis Länge/ Breite (geschätzt ca. 40m), dabei sehr scharfe Ränder;
2. Die Wurf- und Kipprichtungen der Stümpfe sind teilweise auffällig konvergent, teilweise (am Ende der Schneise vor allem) sogar entgegengesetzt, eindeutige Divergenz ist eher selten;
3. Die Südschneise (T?) hat keine Verbindung zu Nordschneise (D), denn zwischen der Landesstraße und dem Schneisenbeginn blieb ein Streifen Fichten stehen;
4. Der unbeschädigte Fichtenbestand westlich der Schneise unterscheidet sich praktisch nicht vom gefällten Bereich (sieht man auch auf dem Luftbild), die Grenze ist dennoch messerscharf.
5. Am Schneisenende hört zwar der Fichtenbestand auf, aber auch die Sturmschäden. Keine Hinweise auf "Ausfließen", also sich abschwächende Schadensspur am Ende.

Die Aussagekraft der nun folgenden Fotos ist diskussionswürdig, aber ich stelle sie trotzdem rein:
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Bild 1; Standort ist der Weg, der die Schneise in W-O Richtung schneidet, Blickrichtung zum nordwestlichen Ende:
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Bild 2, Blick zur Nordostecke, an der östlichen Schneisenkante entlang:
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Bild 3, Blick vom Weg aus in den südlichen Schneisenteil:
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Bild 4, etwas mehr in die Mitte des südlichen Schneisenteils gerichtet:
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Bild 5 zeigt auf den östlichen Rand des südlichen Schneisenteils, Standort immer noch nahe an besagtem Weg:
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Bild 6 zeigt wieder die nordöstliche Ecke und den nördlichen Schneisenbeginn. Die Fichten im Bild sind der Schneisenanfang! Man sieht den Downburst- Schadensbereich jenseits der Straße hell hindurchscheinen. Die helle Ecke in der rechten Bildhälfte ist die Schneisenecke.
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Und Bild 7 stellt einen Versuch dar, die gesamte Schneise von ihrem nördlichen Anfang aus ins Bild zu nehmen:
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Ich ziehe vorläufig folgende Schlüsse:
1. Der Schaden nördlich der Straße war mit ziemlicher Sicherheit ein Downburst.
2. Der Schaden südlich der Straße ist zwar sehr nahe benachbart zum nördlichen Schaden, aber möglicherweise von einem Tornado verursacht worden. Der Verdacht steht auf wackeligen Beinen, ist aber durchaus berechtigt. Daher ja auch "Verdacht". Leider konnten die Fallmuster direkt nach dem Sturm nicht mehr überprüft woden, weil "viel zu schnell" Ordnung gemacht wurde.
Um den Verdacht zu überprüfen, sollte- wie bereits erwähnt- ein anderer unabhängig von mir nochmals rausfahren. Es gibt den einen oder anderen, der dafür in Frage käme...
Abgesehen davon sollten diejenigen, die Zugriff auf Radararchive haben, nach verdächtigen Signaturen im Zusammenhang mit Emma am fraglichen Ort suchen.
So meine Damen und Herren, das war´s vorerst!

Gruß, Gerrit

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Beitrag von Forstexperte » Samstag 22. März 2008, 13:59

Hallo Gerrit,

vielen dank für Deinen schonen und übersichtlichen Bericht!

Doch leider wage ich es nicht, aufgrund des hier vorgestellten Bild- und Kartenmaterials eindeutige Schlüsse zu fällen.
Leider ist der Schaden schon vor Deinem Besuch aufgearbeitet worden, so dass hier evt. Spuren verwischt wurden. Das hast Du ja selbst beschrieben. Das Problem ist dass es sich hier um einen rel. wenig sturmfesten Fichtenbestand gehandelt hat. Zudem gibt es vermutlich standörtliche Unterschiede im Gelände, die in erster Linie unterschiedliche Verankerungsfestigkeiten der Fichten und damit auch randscharfe Sturmschäden bedingen. Und es gibt Bestandesgrenzen, die zu einer lokalen Abwandlung des Windprofils, kleinräumigen Verwirbelungen und ebenfalls randscharfen Sturmschäden führen können.
Zudem würde ich das Verhältnis von Schneisenlänge und Breite hier noch nicht als deutliches Tornadoindiz werten (dieses sollte größer 10 sein).

Ob wirklich ein hoher Stammbruchanteil dabei war (was für höhere Windgeschwindigkeiten spricht) oder nur die Wurzelteller nach dem Abschneiden der Stämme vollständig zurückgefallen sind, lässt sich auch nicht mehr feststellen. Hier könnte ein nachfragen beim Förster Aufschluss bringen.

Ohne diese Information würde ich die Intensität an beiden Stellen erst mal vorsichtig in T2 einstufen.
Bzgl. der Ursache wie zuvor heute schon geschrieben: Unbekanntes Windereignis.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Gerrit Rudolph, Limburg/L
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Beitrag von Gerrit Rudolph, Limburg/L » Samstag 22. März 2008, 15:16

Hallo Martin,

Der Tornadoverdacht steht wirklich auf wackeligen Beinen, dennoch halte ich den Status "Verdacht" für berechtigt (anders als in Obertiefenbach, wo ich für die Verschiebung des Threads plädiere.)

Es gibt m. E. eine gewisse Häufung von Indizien auf der T- Seite- aber auch nicht mehr.

Gegen den T- Verdacht spricht allerdings die Nähe zu einem eindeutigen Downburstschaden, auch noch in Verlängerung desselben.
Zwischen der Straße und der "Südschneise" blieb- wie beschrieben- ein Streifen stehen. Dies lässt sich m. E. auch durch die Randständigkeit dieser Fichten erklären (reicht auch eine Landesstraße mitten im Wald, um "Randfichten" zu erzeugen?)
Die Schneise ist in der Tat sehr schmal, aber auch sehr kurz. Ein Tornado kann deshalb nur für Sekunden in ausreichender Stärke am Boden gewesen sein.
Die Schadensarten sind möglicherweise auch verwischt worden. Die aufrechten Stümpfe lassen sogar drei Erklärungen zu:
1. Abgebrochene Bäume
2. Nach dem Aufarbeiten zurückgefallene Wurzelteller
3. Bäume mit Druckschäden, denn diese hätten am Boden noch aufrechte Stämme. Sowohl in der Süd- als auch in der Nordschneise haben Bäume mit Druckschäden gefehlt. Möglicherweise haben sie aber vor der Aufarbeitung existiert.
Die Gründlichkeit der Forstarbeiter hat möglicherweise am Erscheinungsbild der Schneise erheblichen Anteil...

Schöne Ostern,

Gerrit

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Beitrag von Forstexperte » Samstag 22. März 2008, 15:26

Hallo Gerrit,
Gerrit Rudolph, Limburg/L hat geschrieben: ... Zwischen der Straße und der "Südschneise" blieb- wie beschrieben- ein Streifen stehen. Dies lässt sich m. E. auch durch die Randständigkeit dieser Fichten erklären (reicht auch eine Landesstraße mitten im Wald, um "Randfichten" zu erzeugen?)
Ja, das sind dann zwar keine echten Randbäume. Aber für eine gegenüber dem restlichen Bestand sigifikant erhöhte Stabilität reicht das meiner Erfahrung nach in jedem Fall, denn die Straße besteht ja vermutlich schon seit dem Beginn des Bestandes. Damit konnten sich die Baumindividuuen im Randbereich Zeit ihres Lebens an eine erhöhte Windbesalstung und weitere Randeffekte, die der Baumstabilität zuträglich sind, anpassen.
Das ist somit ein plausibler Grund fürs stehen bleiben.
Die Schneise ist in der Tat sehr schmal, aber auch sehr kurz. Ein Tornado kann deshalb nur für Sekunden in ausreichender Stärke am Boden gewesen sein.
Sicher möglich. Aber auch eine normale Fallböe könnte einen darartigen Schaden erzeugen.
Die Schadensarten sind möglicherweise auch verwischt worden. Die aufrechten Stümpfe lassen sogar drei Erklärungen zu:
1. Abgebrochene Bäume
2. Nach dem Aufarbeiten zurückgefallene Wurzelteller
3. Bäume mit Druckschäden, denn diese hätten am Boden noch aufrechte Stämme. Sowohl in der Süd- als auch in der Nordschneise haben Bäume mit Druckschäden gefehlt. Möglicherweise haben sie aber vor der Aufarbeitung existiert.
Die Gründlichkeit der Forstarbeiter hat möglicherweise am Erscheinungsbild der Schneise erheblichen Anteil...
Genau, Druckschäden kämen auch noch in Betracht, sind hier aber, wenn diese überhaupt auftraten, vermutl. eher untergeordnet gewesen. Ja, die Aufarbeitung der Schäden hat das Schadensbild zumindest verwischt.

Dir ebenfalls Schöne Ostern,
Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Auskunft vom zuständigen Revierförster

Beitrag von Gerrit Rudolph, Limburg/L » Montag 31. März 2008, 20:31

Hallo,

Neue Informationen! Ich habe mit dem Revierförster (Revierförsterei Hadamar- Dornburg) korrespondiert. Hier die entscheidenden Auszüge; ich lasse Namen und Nebensächlichkeiten weg.

Mein erste Mail an ihn enthielt erst eine Bitte, diesen Thread anzuklicken, und dann folgende Fragen:
1. Können Sie beschreiben, wie der kleinräumige Sturmwurf südöstlich der L 3364 vor der Aufarbeitung ausgesehen hat? Es interessieren vor allem die Fallrichtungen, Anteil und Ort von Bäumen mit Druckschäden, Bruchschäden, Umwürfen etc.

2. Hat es noch andere, möglicherweise auffällige Schäden im Umfeld gegeben, die mit „EMMA“ (1. März) zusammenhängen?


Der Förster hat umgehend geantwortet:
1. Im Gegensatz zu der großen Windwurffläche war keine eindeutige Wurfrichtung festzustellen.

2. Es gibt keine weiteren Flächen im Umfeld.
Beide Teilflächen waren durch den Sturm "Kyrill" bereits vorgeschädigt. Deutlich über 90 % der Bäume wurden komplett geworfen. Die Bruchschäden können vernachlässigt werden.

Was in Ihren Augen vielleicht zu schnell ging, musste aus unserer Perspektive umgehend erledigt werden. Durch die sofortige Aufarbeitung musste die Strasse aus Gründen der Verkehrssicherung nur wenige Tage komplett gesperrt werden.


Diese Mail war eine Nachfrage meinerseits wert, und deshalb schrieb ich ihm sofort:

Das „zu schnell“ ist natürlich kein Vorwurf- eher war ich zu langsam…

1. „keine eindeutige Wurfrichtung“- können Sie das näher beschreiben?Hat eine Richtung dominiert? Oder lagen die Bäume ohne erkennbare Richtung „kreuz und quer“? Strebten die umgeworfenen Bäume nach außen (divergentes Fallmuster) oder nach innen (Konvergenz)?

2. Sind die 90% schon von Kyrill verursacht worden, oder war es Emma, bzw. wie äußerte sich die Vorschädigung nach Kyrill?

3. Haben Sie Hinweise auf dem Moment, in dem das (oder die?) Ereignis(se) stattfand(en) (Uhrzeit)?

4. Ach ja, und noch eine Frage: Sind am Rand der Schneisen Bäume nachträglich gefällt worden, um Ränder zu begradigen? Auf diese Idee kam Herr N.n.; dies würde teilweise die Randschärfe erklären.


und der Förster antwortete prompt:

1. Die Bäume lagen ohne erkennbare Richtung "kreuz und quer". Ob Divergenz oder Konvergenz kann im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden.

2. Die 90 % bezieht sich auf die Masse der geworfenen Bäume (Emma). Die Vorschäden durch Kyrill waren kleinflächiger Art (Löcher).

3. Das Schadensereignis fand am ersten Märzwochenende statt. Exakte Uhrzeit nicht feststellbar.

4. Es wurde keine Bäume nachträglich gefällt. Die Randschärfe entstand zufällig.


Ich denke, ein bisschen Licht ins Dunkel brachte die Nachfrage schon...

Gruß, Gerrit

Forstexperte
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Beitrag von Forstexperte » Donnerstag 3. April 2008, 08:24

Hallo Gerrit,

schön, dass hier noch ein Förster umgehend auf derartige Fragen eingeht!

Bleibt für mich folgendes Resümee:

Beide Flächen, auch die südlichere „Tornadoverdachtsfläche“ waren durch Kyrill labilisiert.

Das Ereignis fand in Zusammenhang mit Emma statt.

Es gab keine weiteren nennenswerten Sturmschadensflächen im Umkreis.

Das spricht für ein kleinräumiges, konvektives Sturmereignis.
Gerrit Rudolph, Limburg/L hat geschrieben: 1. Die Bäume lagen ohne erkennbare Richtung "kreuz und quer". Ob Divergenz oder Konvergenz kann im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden.

Hiermit ist sowohl die Möglichkeit für Microburst, als auch Tornado gegeben.

Der Anteil an Bruchschäden lag unter 10 %. Das deutet auf rel. geringe Windgeschwindigkeiten, vermutlich nicht über T2, hin. Dis verringert wiederum die Wahrscheinlichkeit für einen Tornado.

Gerrit Rudolph, Limburg/L hat geschrieben: 4. Es wurde keine Bäume nachträglich gefällt. Die Randschärfe entstand zufällig.

Wenn man sich das Google-Earth - Luftbild ansieht, dann erkennt man, dass der Osten und Süden kpl. durch eine Bestandesgrenze markiert wird. Im Norden schließt sich die Straße und daran der nördliche Schadensbereich 1 an. Der südliche Teil der Westseite wird ebenfalls durch einen anderen Bestand begrenzt.
Bleibt also nur der Grenzverlauf im Nordwesten der Schneise, welcher offenbar alleinig sturmbedingt ist. Ob hier eine standörtliche Grenze vorliegt, entzieht sich meiner Kenntnis. Hierzu müsste man den Boden vor Ort untersuchen.

Damit sind für den randscharfen Schneisenverlauf überwiegend Bestandes- und vermutlich auch Standortsgrenzen verantwortlich.

In der Summe halte ich hier einen Tornadoverdacht für rel. gering, aber nicht ausgeschlossen.

Vergleiche diesen Fall bitte auch mit dem von mir untersuchten Fall, der sich ebenfalls am 01.03. ereignete:
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?t=5062

Obwohl dieser m. M. nach deutlichere Tornadoindizien aufweist, kam ich hier, selbst nach einer Untersuchung vor Ort, zu keinem eindeutigen Schluss.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Gerrit Rudolph, Limburg/L
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Beitrag von Gerrit Rudolph, Limburg/L » Donnerstag 3. April 2008, 22:37

Hallo Martin,

Nachdem Du Deine Einschätzung abgegeben hast, will ich auch meine hinzufügen:
1. Die Stellungnahme des Försters hat klargestellt, dass der "Durcheinander"- Eindruck der kleinen Schneise nicht erst nachträglich beim Aufarbeiten zustande kam, sondern beim Ereignis selbst.
2. Es ist alles in allem am wahrscheinlichsten, dass beide Schneisen von Downbursts erzeugt wurden. Ob es der gleiche Downburst war oder zwei verschiedene- das ist Spekulation. Das chaotische Wurfmuster von Schneise Süd kann auch mit dem Vorschaden zusammenhängen- die bereits bestehenden Wurfnester haben ja auch das kleinräumige Windfeld modifiziert und relativ zufällige ungeschützte Flanken hinterlassen. Dies und irgendwelche (Lee-)Verwirbelungen hinter den Straßenrandfichten, fertig ist das Mikado...
4. Bei dem von Dir untersuchten Fall kommt ein gewichtiges Indiz hinzu, nämlich die Schadenslänge im Verhältnis zur Breite. (Anm.: Deine Untersuchung ist in Thomas' Liste noch gar nicht verlinkt...)
3. Der Tornado als Ursache bleibt mit einer gewissen Restwahrscheinlichkeit übrig.
Demnach plädiere ich für ungeklärtes Sturmereignis, wahrscheinlich Downburst, möglicherweise auch Tornado. Wie soll man dies nun ins ESWD eintragen? Eine vom nördlichen Downburstschaden getrennte Eintragung halte ich für nicht ratsam, denn meiner Intuition nach ist die Lösung "ein einziger Downburst" die plausibelste; die Lösung "zwei Downbursts" die zweitplausibelste und "ein Downburst und ein Tornado" die am wenigsten plausible.

Im Vergleich zu deinem Fall ist hier noch die Dichte des Fichtenbestandes einen Augenmerk wert. Das Stoß- und Schwingverhalten solcher dichten und gleichzeitig labilen Bestände bei Sturm ist sicher ein Thema für sich.

Hier noch eine Korrektur:
Bleibt also nur der Grenzverlauf im Nordwesten der Schneise, welcher offenbar alleinig sturmbedingt ist. Ob hier eine standörtliche Grenze vorliegt, entzieht sich meiner Kenntnis. Hierzu müsste man den Boden vor Ort untersuchen.
Du meinst wahrscheinlich die südwestliche Schneisengrenze. Hier ist nämlich im Luftbild kein Unterschied zu erkennen, und vor Ort auch nicht.

Wenn sich kein Widerstand regt, werde ich den Fall ins ESWD als Downburst eintragen. Bleibt noch die Frage, wie er weiter in diesem Forum behandelt werden soll. Ich wäre für den Verbleib als Verdachtsfall.

Schöne Grüße,

Gerrit

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