[Tornado] 22.06.2007 - Elskop (IZ, Schleswig-Holstein)

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Thomas Sävert
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[Tornado] 22.06.2007 - Elskop (IZ, Schleswig-Holstein)

Beitrag von Thomas Sävert » Samstag 23. Juni 2007, 11:07

Zeitpunkt: kurz vor 17 Uhr MESZ. Schmaler, weit herabreichender Schlauch beobachtet und fotografiert. Über Bodenkontakt und Schäden ist noch nichts bekannt. Die Region ist dünn besiedelt mit kilometerweiten freien Flächen. (stamme aus dem Nachbarort).

Zusatz: Im nördlich angrenzenden Nachbarort Neuenbrook wurde an einer privaten Station beim Durchzug des Gewitters eine Niederschlagsmenge von 41 Litern pro Quadratmeter gemessen! Auch Hagel wurde beobachtet, Größe unbekannt.

Gruß, Thomas Sävert
Zuletzt geändert von Thomas Sävert am Samstag 5. April 2008, 16:20, insgesamt 2-mal geändert.
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Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert » Samstag 23. Juni 2007, 12:49

Hallo zusammen,

es melden sich immer mehr Augenzeugen, so kann der Ort allmählich näher eingegrenzt werden. Der mutmaßliche Tornado trat bei Elskop auf, das liegt etwa 2,5 km südlich der Stadt Krempe. Erste Fotos gibt es hier:

http://www.naturgewalten.de/070622elskop.htm

Bodenkontakt halte ich für sehr wahrscheinlich, ist aber bisher nicht nachgewiesen.

Gruß, Thomas Sävert
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Beitrag von Forstexperte » Samstag 23. Juni 2007, 13:37

Hallo Thomas,
Thomas Sävert hat geschrieben: Erste Fotos gibt es hier:

http://www.naturgewalten.de/070622elskop.htm

Bodenkontakt halte ich für sehr wahrscheinlich, ist aber bisher nicht nachgewiesen.
Sehr interessante Fotos!
Auch wenn Bodenkontaktakt bislang nicht nachgewiesen ist, halte ich den Funnel auf den letzten drei Bildern aufgrund seiner langen Ausprägung und der Ausrichtung zur Erde hin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für einen Tornado.
Siehe auch die Diskussion hier
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?p=26207#26207

und hier:
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?t=3736

Wäre super, wenn hier der Nachweis eines Tornados durch genaue Augenzeugenangaben oder Schäden am Boden gelingt.

Vielleicht lässt sich über die im ersten verlinkten Beitrag angesprochene Faustregel in einiger Zeit sogar eine aussagekräftige Statistik, die eine abgesicherte Aussage ermöglicht erstellen …

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert » Samstag 23. Juni 2007, 14:28

Forstexperte hat geschrieben:Auch wenn Bodenkontaktakt bislang nicht nachgewiesen ist, halte ich den Funnel auf den letzten drei Bildern aufgrund seiner langen Ausprägung und der Ausrichtung zur Erde hin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für einen Tornado.
Wäre super, wenn hier der Nachweis eines Tornados durch genaue Augenzeugenangaben oder Schäden am Boden gelingt.

Hallo Martin,

der Fall sollte sich klären lassen. Denn einerseits leben meine Eltern ganz in der Nähe (5-6 km entfernt) und andererseits kenne ich selbst diverse Leute vor Ort. Wegen der akuten Warnlage kann es etwas dauern, aber vielleicht wird der Fall noch exemplarisch, wer weiß.
Forstexperte hat geschrieben:Vielleicht lässt sich über die im ersten verlinkten Beitrag angesprochene Faustregel in einiger Zeit sogar eine aussagekräftige Statistik, die eine abgesicherte Aussage ermöglicht erstellen …
Das kann ich mir gut vorstellen, wenn wir mehr solche Fälle haben und auch der Bodenkontakt entsprechend untersucht ist.

Viele Grüße,

Thomas Sävert
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Felix Welzenbach

Beitrag von Felix Welzenbach » Donnerstag 28. Juni 2007, 21:55

Würde ich auch bereits als gesicherten Tornadofall führen, da eindeutig über 2/3 der Wegstrecke Wolkenbasis-Boden zurückgelegt wurden. Aufgrund des Erscheinungsbildes und der schwachen Umgebungsscherung erscheint mir ein nichtmesozyklonaler Tornado recht wahrscheinlich.

Thilo Kühne
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Beitrag von Thilo Kühne » Freitag 29. Juni 2007, 00:17

Hallo zusammen,

ich schließe mich hier Felix' Meinung an. Dieser Fall kann mM als Tornado geführt werden. Ich stütze mich vor allem auf das letzte Foto auf Thomas' Seite.

Ebenso träfe dies für die Fälle Neuhardenberg und Hubertshofen anhand der ersten Fotos zu.

Im Allgemeinen konnte ich bisher in Erfahrung bringen, dass solche weit herab reichenden Trichterwolken auch in den USA als Tornados geführt werden (falls nichts Näheres zu den Schäden bekannt ist, dann wird dieser als F0 ("no demages to man-made structure") geführt).

Diese Einstufung wäre für diesen Fall, sowie den beiden anderen (Hubertshofen ist ja aufgrund der Schäden bestätigt), mM völlig vertretbar.


Grüße,
Thilo
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Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert » Freitag 29. Juni 2007, 06:25

Hallo zusammen,

mal ein Zwischenbericht: Einen eindeutigen Nachweis für einen Bodenkontakt habe ich noch nicht, es dürfte auch sehr schwierig werden. Immerhin konnte der genaue Ort bei Elskop, südlich von Krempe, knapp 50 Kilometer nordwestlich von Hamburg, inzwischen festgestellt werden, aber das nützt sehr wenig. Denn die Gegens besteht aus feuchtem, schwerem Marschboden, der durch die Regenfälle der vergangenen Wochen zusätzlich durchnässt ist. Staub konnte hier also nicht aufgewirbelt werden. Auch sonst gab es kaum etwas (Ausnahme folgt gleich) zu beschädigen, selbst ein F2 hätte nicht viel anrichten können, es sind riesige, weite Felder, die Orte liegen bei uns etwas verstreut.

Beobachtet haben den murmaßlichen Tornado diverse Leute, weitere Fotos wird es bestimmt auch noch geben. Eine Beobachtung finde ich sehr interessant: An der Stelle stehen mitten auf den Feldern einige riesige Windkraftanlagen, nicht die normalen kleinen, sondern eine sehr große Ausgabe. Der Schlauch reichte bis zu einer dieser Anlagen herunter, durch die er sozusagen durchschnitten wurde. Anwohner berichteten, dass danach sozusagen der unterste Teil des Schlauches wie abgeschnitten fehlte. Vielleicht hat ja diesen Moment jemand mit einer Kamera festgehalten. So unwahrscheinlich ist dies gar nicht, da der Schlauch sich ja eine ganze Weile hielt. Ich versuche noch an Messwerte von der Windkraftanlage zu kommen.

Alles in allem stimme ich Thilo zu, selbst ohne Schäden (die stabile Windkraftanlage blieb unversehrt) dürfte ein Bodenkontakt so gut wie sicher sein.

Gruß, Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert » Samstag 30. Juni 2007, 19:18

Hallo zusammen,

der Fall ist bestätigt, der sichtbare (!) Teil des Wirbels reichte bis zu einer Windkraftanlage herunter, die sich sichtbar plötzlich sehr schnell drehte. Dass es keine Schäden gab - zumindest sind bisher keine bekannt - liegt daran, dass außer der Windkraftanlage einfach nichts beschädigt hätte werden können.

Gruß, Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert » Samstag 5. April 2008, 16:20

Hallo zusammen,

der Fall liegt zwar etwas zurück, aber ich habe in den vergangenen Wochen und Monaten noch ein paar Augenzeugen auftreiben können, dazu u.a. noch diese Fotos, aufgenommen in Beidenfleth (in der Karte links oben):

http://www.naturgewalten.de/070622beidenfleth.htm

Der Fall ist zu 100% gesichert, Bodenkontakt ist nachgewiesen. in der ESWD steht leider noch: "Kein Bodenkontakt + Schäden nachgewiesen. Aufgrund der Fotos mit der Länge des Funnels ist Bodenkontakt wahrscheinlich. Andreas Friedrich
This report has an incomplete verification."

Gruß, Thomas Sävert
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