02.06.2007 - Kivertsy (Volyns'ka Obl.) / Ukraine

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Thilo Kühne
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02.06.2007 - Kivertsy (Volyns'ka Obl.) / Ukraine

Beitrag von Thilo Kühne » Mittwoch 13. Juni 2007, 21:33

Hallo zusammen,

am Abend des 02.06.2007 zog ein Tornado durch den Ort Kivertsy (Volyns'ka Oblast', 15 km NO von Luts'k / westl. Ukraine). Vermutlich ereignete sich dieser gegen 17.30 UTC.
Dieses Ereignis ist das bisher best dokumentierteste in der Ukraine überhaupt - ein Unwetterinteressierter aus Luts'k hat sich die Schäden angesehen und umfangreich dokumentiert, zudem konnte er Augenzeugen vor Ort finden, welche den Tornado gefilmt haben! Ein wirklich beängstigender Tornado! Für europäisches Tornado-Filmmaterial unvergleichbar (das meine ich eher in Bezug zur Form des Tornados)!

Der liebe Dima aus Luts'k sah sich wie gesagt am 03.06.2007 die Schäden vor Ort an und übergab mir die Erlaubnis jene Fotos hier veröffentlichen zu dürfen. Aufgrund der Fülle des Fotomaterials ist es hier möglich eine genaue Intensitätseinstufung in Torro/Fujita vorzunehmen. Die Spurlänge des Tornados beträgt einige Kilometer.

Hier die Schadensfotos aus Kivertsy:

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Mit freundlicher Genehmigung von Dima aus Luts'k.

Ich versuche noch Sceen-Shots von dem Tornado-Video anzufertigen. Die kommen dann auch hier rein.

viele Grüße,
Thilo
Zuletzt geändert von Thilo Kühne am Sonntag 22. Juli 2007, 00:19, insgesamt 2-mal geändert.
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knolt
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Beitrag von knolt » Mittwoch 13. Juni 2007, 22:18

Hi Thilo

Ich würde auf jeden Fall die eingestürzten Giebelwände nicht zu hoch bewerten, weil wenn der Dachstuhl und Teile des Daches über der eingestürzten Giebelwand noch intakt sind spricht das, denke ich, für ziemlich instabile Giebelwände.

Gruß Malte
Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel. - Paul Watzlawick

Thilo Kühne
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Beitrag von Thilo Kühne » Mittwoch 13. Juni 2007, 22:38

Hallo Malte,

das sehe ich auch so. Es ist schon sehr verwunderlich, dass Giebelwände einstürzen, obwohl das Dach nicht fortgerissen wurde. Ähnliches Problem der Begutachtung solcher Schäden haben wir auch in den ländlichen polnischen Gebieten - in der Ukraine scheint das also auch so zu sein.

Aufgrund der Forstschäden würde ich schon T3/F1 vermuten... höheres wäre eher unzutreffend (auch bzw vor allem in Bezug zu den Gebäudeschäden).

Aber bin mal gespannt was der Martin dazu sagt.


Grüße,
Thilo
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knolt
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Beitrag von knolt » Mittwoch 13. Juni 2007, 23:05

Ist das von dir erwähnte Video des Tornados eigentlich irgendwo einsehbar?
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Beitrag von Thilo Kühne » Donnerstag 14. Juni 2007, 00:48

Das Video habe ich von Dima über ICQ zugesand bekommen. Es ist online nicht verfügbar, also auch nicht verlinkbar. Ich hab's aber auf'm Rechner.

So, hier die Fotos des Tornados (entstammen dem Video).

Der Tornado zog anfangs leicht am Betrachter vorbei, bevor er dann direkt auf den Filmer zusteuerte. Das rote Backsteingebäude vor dem Wäldchen ist bei den Schadensbildern unter "1" wiederzufinden.
Da das Video als 3gp.-Datei sehr klein ist, sind auch die Fotos klein (vergrößern macht das ganze nur grobpixelig)

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Die Bewohner des Hauses suchten kurz nach dem letzten Foto (letzte Videosequenz) im Keller ihres Hauses Schutz.

Grüße,
Thilo
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Beitrag von Cumulus Humilis » Donnerstag 14. Juni 2007, 10:50

Ich finde das ist ein sehr aufschlußreicher Bildbericht. Vielen Dank an Dima!
Was die Giebelwände betrifft, ist das wohl nur so zu erklähren, daß die Leute sehr sparsam mit Mörtel, bzw. dem Zement im Mörtel umgegangen sind. Die Steine sind / waren offenbar nur zusammen "geheftet".

Gruß,
Andreas
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Beitrag von Thilo Kühne » Donnerstag 14. Juni 2007, 11:11

Hallo Andreas,

ich hoffe hier auf eine Zusammenarbeit mit Dima und anderen aus der nordwestlichen Ukraine. Er hat mir auch schon Lesematerial zu zwei verheerenden Tornados dieser Region von 1987 geschickt. Demnach könnte es am 20.07.1987 zwei F4-Tornados dort gegeben haben. Die Beschreibungen sind erschreckend - das könnte laut den Infos auch in Richtung "blown away" gehen... also theoretisch F5. Mehr dazu aber später.

Bei dem aktuellen Fall finde ich die Bauweise auch recht interessant:

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Schau dir hier mal den "Dachstuhl" an. Das ist eher nur eine Halterung für die Wellasbestplatten - Winkelmaß und Wasserwaagen scheints dort auch nicht zu geben :? .
Ich würde das von der Intensität her aber auch nicht zu tief ansetzten, da solche Wellasbestplatten doch recht gut Gewicht haben und an dem Brettergestell (alias "Dachstuhl") fest verschraubt waren. Da würde ich schon mindestens T2 ansetzen. Da die Dächer und auch die Giebelwände keinerlei Dämmung haben kann man sich auch das hier erklären:
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Die Giebelwände sind eingestürzt, obwohl nur wenige Wellasbestplatten am Dach fehlen. Ich erkläre mir das so, dass der Wind durch die einzelnen fortgewehten Platten im oberen Geschoss direkt auf die Giebelwände wirken konnte... die magere Bauweise der Giebelwände tat hier dann ein übriges.
Nur an einem Haus wurde das Dach komplett fortgerissen, ansonsten sind die Dachgestelle noch vorhanden. Wie gesagt, ich sehe diesen Tornado nicht stärker als F1, aber eben auch nicht schwächer.

viele Grüße,
Thilo

PS: zu dem Fall aus Schweden den du gepostet hast werd ich später noch etwas schreiben. Der wurde im ESWD als F2 angegeben. Die mir bekannten Fotos der Schäden zeigt dies aber nicht.
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Beitrag von Cumulus Humilis » Donnerstag 14. Juni 2007, 11:36

Hallo Thilo,

was den "Dachstuhl" angeht gebe ich Dir Recht, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht, ist er wahrscheinlich doch recht stabil, vor allem wenn die Konstruktion gut vernagelt oder verschraubt ist (vielleicht war ja nur der Zement knapp :wink: ). Zudem besitzt sie ja eine gewisse Elastizität, mit Sicherheit mehr als die "zusammengepappten" Ziegelsteine. So eine lockere Ziegelwand hält keiner großen Druckbelastung stand und kollabiert sofort, auch wenn nur ein Teil nachgibt. T2 ist aber bestimmt nicht überbewertet.

Gruß,
Andreas
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Beitrag von Forstexperte » Samstag 16. Juni 2007, 13:35

Hallo Thilo,

Vielen Dank Dir und Dima aus Luts'k für diese wirklich umfangreiche Zusammenstellung!

Die Bewertung der Intensität anhand der Gebäudeschäden halte ich in der Tat für schwierig, da von der Bausubstanz nicht mit unseren mitteleuropäischen Standards vergleichbar.

Die Baumschäden auf diesen Fotos stufe ich allerdings klar in T4/F2.

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Totalschäden am Erlen- und Kiefernbestand, auch am Waldaußenrand aus Erlen.
Ist aber kein richtiger, niedrig betraufter und damit sehr sturmfester Waldrand gewesen. Das würde dann sogar T5-Intensität bedeuten.

Aber mit T4/F2 denke ich, ist das Ereignis nicht überbewertet.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitrag von Uwe Reiss » Samstag 16. Juni 2007, 19:46

Hallo Thilo,

in der Bewertung dieser sehr beeindruckenden Analyse aus der Ukraine(wirklich gute Fotos) möchte ich mich hier Martin voll anschliessen. Derartige Baumschäden erinnern mich schon fast an Motten. Ein F1 hinterlässt in gut geschlossenen gewachsenen Beständenen u.U. kaum bzw. nur kleine Schäden.

Die Bausubstanzschäden sind mit Sicherheit nicht nach der F-Skala bewertbar. Da geb ich Dir recht. Aber die abgerissenen Verklinkerung im unteren Teil des Hauses spricht mehr oder weniger für sich, heisst F2-T4. Wenn der "neue Spotter" Dima zukünftig Verfrachtungen und Trümmereinschläge noch mehr in den Betracht bezieht, wird das Ganze sicher besser verifizierbar. Fakt ist: Ein guter Anfang, um das Ende der europäischen Alley zu finden...

Gruss

Uwe[/b]

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