[Tornado] 01.08.1877 - Zehdenick (Brandenburg)

Thomas Sävert
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[Tornado] 01.08.1877 - Zehdenick (Brandenburg)

Beitrag von Thomas Sävert »

Hallo zusammen,

ich mache das mal zum Thema hier, nachdem Thilo und ich etwas recherchiert haben zu einer "Sturmkatastrophe" im Jahr 1877 in Zehdenick (befindet sich an der Havel im Landkreis OHV, 55 km N von Berlin):

Aus einem Artikel der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 10.07.2002:

"Kampf der Wolkenmassen - Große Sturmkatastrophe in Zehdenick vor 125 Jahren
ULRICH DREWIN Wie hier, so hat die große Sturmkatastrophe auch in Zehdenick und in der Umgegend gewütet, etwa in der Länge von drei, in der Breite von eineinhalb Meilen, von Gransee bis Groß-Dölln und Groß-Schönebeck, von Bergsdorf bis Hammelspring."

Das betroffene Gebiet hat demnach etwa eine Ost-West-Ausdehnung von ca. 25 km und eine Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 16 km. Insgesamt 13 Mühlen wurden zerstört, ebenso insgesamt 75.000 Fensterscheiben in dem Gebiet:

"Geht man durch die Berliner Straße in Zehdenick, dann ist heute noch am Haus Nummer49, Tabak- und Lottogeschäft Griebnitz, unterhalb der Dachrinne einen Dachschiefer in der Wand zu entdecken."

Wäre interessant, da mal nachzuschauen, ob das heute noch da steckt, die Info ist ein paar Jahre alt.

Weitere Artikel aus derselben Quelle:

ZWANZIG MENSCHEN BEIM STURM VERSCHÜTTET (MAZ, 12.06.2002)
"Vom Magistrat in Zehdenick wird das gemeldete Unglück in einem Bericht vom 07.August 1877 leider in vollem Maße bestätigt. Derselbe teilte mit, dass Leichen aufgefundenen wurden. [...]"

TIEFES MITGEFÜHL FÜR STURM-OPFER (MAZ, 14.06.2002)
"Der verursachte Schaden beläuft sich auf Hunderttausende. Das unterzeichnete Komitee richtet die dringende Bitte an alle Mitbürger, den so viel bewährten Wohltätigkeitssinn auch in diesem so schweren Unglück walten zu lassen. [...]"

AUS ALLEN DEUTSCHEN GAUEN FLOSSEN GABEN REICHLICH HERBEI (MAZ, 21.06.2002)
"1877 zog ein schrecklicher Sturm über Zehdenick hinweg, der sogar Todesopfer forderte. Die Verwüstung war so groß, dass ein Komitee das ganze Land um Hilfe bat. [...]"

Es findet sich auch ein Beitrag zu verheerendem Hagelschlag im Zusammenhang mit diesem Ereignis.

Gruß, Thomas Sävert
Zuletzt geändert von Thomas Sävert am Sonntag 4. November 2007, 16:02, insgesamt 2-mal geändert.
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Thilo Kühne
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Beitrag von Thilo Kühne »

Hallo Thomas,

danke für die Themaeröffnung.

Wie ich dir schon per Mail schrieb, sehe ich ein Problem in dem Umfang des Schadensgebietes. Sei es die Triangel-Angabe "Gransee, Groß Dölln, Groß Schönebeck", als auch die Angabe "Bergsdorf, Hammelspring". Bei beiden Varianten läge Zehdenick fast genau im Zentrum.

In diesem riesigen Areal liegen ja noch andere Ortschaften - habe dazu mal eben kurz eine Übersicht angefertigt:

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Kurz gesagt: Man müsste die Quelle von U.Drewin genauer kennen um hier eine Ursache schlussfolgern zu können. Sicherlich wäre es sinnvoll, auch in den Ortschroniken der Ortschaften innerhalb dieses Areals (siehe Karte) zu forschen. Es wäre ja möglich, dass das beschriebene Areal "lediglich" das gesamte Schadensgebiet nennt - ob Tornado(-s), Hagelschlag und/oder Downbursts lässt sich hier ja nicht klären bzw wird nicht genauer differenziert, mit Ausnahme eines schweren Hagelschlags in Zehdenick selber.

Mal schauen was sich noch ergibt.

viele Grüße,
Thilo
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Beitrag von Heiko Wichmann »

Hallo,

ich war in Zehdenick und habe Fotos gemacht.
Als Datum steht so jetzt der 01.08.1877 fest.
Leider konnte die Eigentümerin des Hauses keine Angaben machen, versprach aber die Vorbesitzer zu fragen.
Mir wurde geraten den Herrn Drewin zu befragen. Es gibt also vielversprechende Ansätze.
Ich habe auch schon einige Ortschroniken gelesen.
Ein Hinweis gibt es in der Chronik von Wentow (ca. 10km NW Zehdenicks)
Dort soll 1877 (leider ohne Datum) der Blitz eine Scheune in Brand gesetzt haben. Da bin ich aber noch dran.

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Grüsse Heiko
Zuletzt geändert von Heiko Wichmann am Sonntag 28. Oktober 2007, 19:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert »

Hallo Heiko,

das klingt tatsächlich vielversprechend. Ich habe auch noch einen Hinweis: Am 01. August 1877 starb der Pastor Carl Otto Gotthard Heinrichs der Gemeinde Eichhorst, 22 km ESE. von Zehdenick. Die Todesursache ist mir nicht bekannt, aber wäre ja schon ein großer Zufall, wenn es keinen Zusammenhang zum Unwetter gab. Er war erst 57 Jahre alt, was nicht unbedingt auf einen natürlichen Tod hindeutet. Vielleicht einfach mal die Friedhöfe von Wentow bis Eichhorst abklappern? Liegt ja alles etwa auf einer Linie, Entfernung etwa 33 Kilometer.

Gruß, Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert »

Und vom Amt für Forstwirtschaft noch dies aus dem Revier Groß Schönebeck:

"So warf ein Orkan am 1. August 1877 ca. 60.000 fm, das ist die vierfache Menge des jährlichen Nutzungssatzes. Am 14. Oktober 1881 entstand nochmals ein Sturmschaden von 1000 fm Holz."

Liegt ebenfalls genau in dieser Linie und 60.000 fm ist eine ganz schön große Menge. An diesem 01. August 1877 scheint etwas großes passiert zu sein.

Gruß, Thomas Sävert
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Sven Lüke
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Beitrag von Sven Lüke »

Spannend wie ein Krimi, Eure Nachforschungen.... Danke...

Grüße, Sven
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Beitrag von Thilo Kühne »

Hallo Heiko,

vielen Dank für den Zehdenick-Trip + Foto. Hoffentlich klappt der Kontakt mit Herrn Drewin. Bin mal gespannt.

viele Grüße,
Thilo


PS: Es ist schon seltsam... durch Zehdenick + Umland bin ich jahrelang gefahren um zu meinen Großeltern zu kommen. Man sieht das jetzt it anderen Augen.
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Beitrag von Heiko Wichmann »

Hallo,

für mich ist das ebenfalls eine sehr spannende Recherche.
Das diese Region anfällig ist für besondere Ereignisse weis ich ja, aber sowas!!!
Ich bin ja in Zehdenick geboren und etwas weiter nördlich in Marienthal
aufgewachsen. Diese verheerenden Schäden in so einem kleinen Gebiet,
daß gibt mir auch zu denken.
Ich hab das mal umgerechnet. Hier sind in einem Gebiet der Grösse
ca. 30 mal 40km 60.000 fm Holz gefallen.
"Kyrill" hat im Bereich des Amtes für Forstwirtschaft Templin, mit einer ungefähren Ausdehnung von 100 mal 40km, die gleiche Menge Holz zu Fall gebracht. Das ist ein Drittel Fläche bei gleicher Leistung!!!

@Thomas,
des Pastors Frau kam aus Mirow(Mecklenburg), vielleicht waren die auf dem Weg dorthin (Besuch?)

Grüsse Heiko
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Beitrag von Heiko Wichmann »

Hallo,

@Thomas,

ich habe in einer Chronik einen Hinweis darauf entdeckt, das Carl Otto Gotthard Heinrichs Pastor in Eichhorst im LK Mecklenburg - Strelitz war und nicht in Eichhorst im LK Barnim.
Als Anhaltspunkt für die Recherche scheidet er damit aus, schade.
Dieses Eichhorst liegt ca. 18 km östlich von Neubrandenburg.

Wer es nachlesen möchte,
http://portal.hsb.hs-wismar.de/pub/lbmv ... 9749X.html

Grüsse Heiko
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Beitrag von Thilo Kühne »

Hallo zusammen,

Heiko und ich trafen uns gestern mit Herrn Drewin (Ortschronist) in Zehdenick.

Hier nur mal kurz eine kleine Zusammenfassung der Infos die wir von ihm zu diesem Sturmereignis (Ereignisse) bekommen haben:

Hierzu gibt es eine Fülle von Material, also Aufzeichungen, Augenzeugenberichte, Zeitungsberichte und zu unserem Erstaunen auch jede Menge Schadensfotos.
Bzgl. 01.08.1877 vermuten wir mindestens einen Tornado, vielleicht auch zwei. Darüber hinaus vermute ich in Zehdenick einen sehr starken Microburst, welcher Fachwerkhäuser niederdrückte. Die Tornadovermutung basiert auf einer Augenzeugenbeschreibung und mindestens zwei Schadensfotos, die recht deutlich tornadische Schäden vermuten lassen. Auf einem Foto könnte man auch leichte Entrindungserscheiung an einem Baumtorso ausmachen. Die Schäden an den Gebäude könnten im Bereich F2-F3 gelegen haben. Schwerpunkt hier ist der Ort Osterne und der Bereich nordwestlich von Zehdenick, sowie südlich von Zehdenick.

Ich stehe mit Herrn Drewin in Verhandlung zum Erhalt des gesamten Materials in Kopie und werde mit ihm noch mal über den Umfang der Veröffentlichung hier Absprachen führen. Wenn das alles gut geht, dann könnte alles Material hier veröffentlicht werden und stünde so zur Diskussion bereit.

Zu Opferangabe:

Diese konnte ermittelt werden: es gab 4 Tote und 8 Verletzte.


Alles weitere dann später.

viele Grüße,
Thilo
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Beitrag von Heiko Wichmann »

Hallo,

Ich habe eine Karte gefertigt, die das mögliche Gebiet aller aufgetretenen Schäden kennzeichnet, basierend auf Ortsangaben die während unseres Gespräches gefallen sind. Das rote Rechteck markiert das Gebiet der Schäden, das, wie Thilo schon schrieb, sehr gut dokumentiert ist.
Zwischen den blauen Linien sind Schäden in Ortschaften dokumentiert, welche in Zusammenhang mit dem Ereignis stehen.
Von Neuruppin über Löwenberg und Gransee bis nach Angermünde, Chorin, Joachimsthal und Eberswalde.

Zur Klärung der metereologischen Seite wäre es schön, Wetterdaten aus der Altmark und dem östlichen Teil Niedersachsens hinzuzuziehen.
Es könnte ja an diesem Tag über Niedersachsen eine Kaltfront ostwärts gezogen sein, oder, oder... .
Vielleicht findet sich jemand, der Lust hat, in diese Richtung zu recherchieren.

Übrigens: Den Dachschiefer im Giebel des Hauses, in der Berliner Str. 49(siehe Fotos), gab es wirklich. Er ist nach der Sanierung der Fassade in den 60-iger Jahren verschwunden. Schade.

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Grüsse Heiko
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Beitrag von Forstexperte »

Hallo Thilo,
Thilo Kühne hat geschrieben: Bzgl. 01.08.1877 vermuten wir mindestens einen Tornado, vielleicht auch zwei. Darüber hinaus vermute ich in Zehdenick einen sehr starken Microburst, welcher Fachwerkhäuser niederdrückte. Die Tornadovermutung basiert auf einer Augenzeugenbeschreibung und mindestens zwei Schadensfotos, die recht deutlich tornadische Schäden vermuten lassen. Auf einem Foto könnte man auch leichte Entrindungserscheiung an einem Baumtorso ausmachen.
Einen interessanten und offenbar spektakulären Fall, den Du/Ihr da ausgegraben hast/habt.

Ich bin natürlich an den Bildern sehr interessiert, zumal Deine Beschreibungen eines Baumschadens offenbar in Richtung F4-Intensität tendiert.
Aber um zu beurteilen, wie weit der Baum tatsächlich durch Sandstrahl-Effekt entrindet wurde, müsste ich schon das entsprechende Bild sehen.

Von daher drücke ich Euch bzgl. der Erlaubniss um Veröffentlichung der Bilder hier im Forum sehr die Daumen.

Bis Samstag, schöne Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück
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Beitrag von Thilo Kühne »

Hallo zusammen,

ich habe heute Post bekommen. Die Fotos zum 01.08.1877 sind da. Aus Zeitgründen kann ich dazu nichts weiter schreiben (vielleicht könnte das Heiko übernehmen), nur so viel: Bei vielen der Aufnahmen lässt sich bei genauerem Hinsehen Verfrachtungsmaterial erkennen. Bei dem Foto zum Falkenthaler Weg sind vor allem die Bäume im Vordergrund sehr interessant. Solche Torsoreste sind für meine Begriffe tornadisch.

Falkenthaler Weg (südliche Ortsgrenze Zehdenick):
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Gehöft Boddin (W von Zehdenick):
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Osterne Brennerei (5 km W von Zehdenick):
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Riecker/Niemeyer Windmühle:
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Schäferei:
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es gibt noch zwei weitere Fotos, die poste ich dann demnächst noch.

viele Grüße,
Thilo
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Beitrag von Heiko Wichmann »

Hallo,

zunächst ein Satz zur Erinnerung. In der von mir gefertigten Karte weiter vorn im Beitrag hatte ich den bis heute recherchierten Anfangspunkt der dokumentierten Schäden in der Nähe von Neuruppin eingezeichnet. Weiterhin gab es wie beschrieben Schäden bis nach Eberswalde und Angermünde.

Eine gedachte Linie von Neuruppin über Zehdenick nach Angermünde sollte hier genügen um die Verlagerung des/der Gewitter von WSW nach ONO zu bestimmen. Da der Korridor nach OST immer grösser wird, nehme ich an, das das Gewitter nach Süden hin ständig anbaute, wodurch weitere Gewitter auch in Eberswalde Schäden verursachten. Hier besteht noch grosses Recherchepotential, besonders zwischen den Städten.

Ich habe mal versucht die Aufnahmepunkte der Schadensbilder in eine heutige Karte zu übertragen. Die Bilder der zerstörten Windmühle und der Schäferei muss ich zunächst ausklammern, da bin ich mir noch nicht sicher.
Die anderen drei Bilder, Brennerei/Osterne, Falkenthaler Weg und Boddins Gehoeft, ergeben auf der Karte ein Dreieck. Eine Schneise wäre schon wegen der grossen Breite einem Tornado nicht mehr zuzuordnen.
Also mehrere Tornados aufgrund der zurückgelegten Strecke (>5km)?
Oder doch ein oder mehrere Downbursts, also ein gradliniges Ereignis?
Da bin gespannt was die Auswertung der Bilder hinsichtlich der Schäden ergibt.
Ich denke wir müssen den starken Hagelschlag, der ja auch grosse Zerstörung hervorrief, ganz eng in die Betrachtung mit einbeziehen.

Zwei der Bilder möchte ich mal näher betrachten ohne auf die Intensität der Schäden einzugehen.
1. Die Brennerei (Osterne)
Das wichtigste hier ist meiner Meinung nach der Untertitel "Norderansicht". Am Dachfirst der eingeschossigen Gebäudeteile des Haupthauses kann man erahnen das vor allem die gegenüberliegende Südseite betroffen war. Ich denke ein guter Beweis für die Zugrichtung.
Wodurch ist der Schaden am Dach des rechten Gebäudes (Nordseite) entstanden? Ein Einschlag eines Teiles vom Dach des zweigeschossigen Mittelteiles?

2. Boddins Gehoeft
Das liegt an der heutigen L22 von Zehdenick nach Gransee, am Abzweig Mildenberg.
Ich bin mir sicher das dieses Bild aus nordöstlicher Richtung fotografiert wurde. Die grosse Esse befindet sich auf der Ostseite des Daches. Auch die Scheunen sind heute noch nach Norden und Osten hin angebaut. (damals wurde so gebaut, wegen dem kalten Ostwind im Winter, um das Wohnhaus zu schützen)
Das würde bedeuten das die Scheune nach Norden gekippt ist und nur die Ecke in südwestlicher Richtung stehengeblieben ist. Auf einer Linie scharf links am Haus vorbei gezogen würde man nach Osterene kommen (4km etwa).

Eine Übersichtskarte mach ich wenn alle Bilder geortet sind.

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Beitrag von Felix R »

Heiko Wichmann hat geschrieben: 1. Die Brennerei (Osterne)
Das wichtigste hier ist meiner Meinung nach der Untertitel "Norderansicht".
Hallo!
Danke für deine Recherche!
Aber für mich steht da "Vorderansicht" anstatt "Norderansicht"
Wollte ich nur mal so gesagt haben ;)

MFG Felix
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