02.03.1987 spektakulärer Eisregen - 28 Bilder, ca. 3 MB

Das Forum für alle Wetterthemen, wie z.B. Prognosen, Vorhersagen und Diskussionen.
Antworten
Forstexperte
Beirat
Beiträge: 2009
Registriert: Mittwoch 27. August 2003, 22:06
Wohnort: 49326 Melle-Wellingholzhausen

02.03.1987 spektakulärer Eisregen - 28 Bilder, ca. 3 MB

Beitrag von Forstexperte »

Hallo Skywarner,

Zum 20. Jahrestag eines der größten und schlimmsten Eisregenereignisse in Mitteleuropa im letzten Jahrhundert kann ich mit ein bisschen Stolz 28 mir zur Verfügung gestellte Bilder präsentieren. In dieser Form sind mir von einem deutschen Eisregenereignis (im amerikanischen als Ice Storm = Eissturm bezeichnet) bislang so gut wie keine Bilder aus dem Netz bekannt. Bei Google werdet ihr außerhalb des Forums hier oder demjenigen der Wetterzentrale kaum etwas finden und wenn, dann nur einzelne Bilder oder kurze Berichte.

Es gibt aber ganz sicher zahlreiche Bilder, zumal Schäden nicht nur in Niedersachsen, sondern mind. auch in Hessen und Bayern aufgetreten sind.

Siehe z.B. dieses Zitat eines beim googeln gefundenen Links:
Der Schrecken und die Faszination zugleich sind dem Besucher anläßlich der Fotoausstellung zum Eisregen vom März 1987 nachträglich noch in die Glieder gefahren.“
Quelle:
http://www.paderborn.de/microsite/adam_" onclick="window.open(this.href);return false; ... o_8189.php

und 1 SW-Bild hier:
http://www.zu-den-zuegen.de/seiten/menschliche/32.htm" onclick="window.open(this.href);return false;

Alle Bilder wurden nach dem 2. März (am 3. und 4.) aufgenommen.

Die ersten 4 sind von meiner Frau Petra in Melle - Wellingholzhausen aufgenommen worden. Die 3 nachfolgenden, von mir gesannten Dias von meinem Bruder Frank im Bereich Versmold-Peckeloh (Ostmünsterland, bzw. nördl. Lkr. Gütersloh). Ebenso wie die 21 von mir gesannten Dias meines Vaters Manfred.

Ich selbst war damals in Süderbrarup (zwischen Eckernförde u. Flensburg) stationiert und habe das Ereignis nur vom Hörensagen mitbekommen.
Als ich mehrere Tage später in die Heimat kam, war das Eis - sonnenbedingt größtenteils - geschmolzen. Dennoch wiesen viele umgebogene oder zerbrochene Sträucher und Bäume auf ein außergewöhnlich starkes Eisregenereignis hin. Einzelne Äste sollen immerhin 4-5 cm dick mit Eis überzogen gewesen sein. Am eindruckvollsten fand ich eine (nach der Forstperiode entdeckte) abgebrochene Fichtenkrone, die mit der Spitze voran vermutlich fast 0,5 m tief in der Erde stecke. Diese ließ sich auch mit kräftigem hin- und herwackeln nicht mehr umstoßen, geschweige denn aus der Erde bekommen.

Es gab neben dem Aspekt, dass viele Straßen für mind. 1-2 Tage unpassierbar waren auch schlimmere Auswirkungen auf die Infrastruktur, z.B.
http://www.wetterzentrale.de/cgi-bin/we" onclick="window.open(this.href);return false; ... ead=277298
und zahlreiche Baumschäden (bundesweit vermutl. sogar >1 Mio. m³ Bruchholz, da auch in Bayern mehrere 100 000 m³ anfielen (Zeitungsartikel).


Zur synoptischen Situation an diesem Tag gibt es auf der Naturgewalten-Seite von Thomas Sävert - Board Unwetterberichte - einen Originaltext mit Karte aus der Berliner Wetterkarte von Prof. Wehry am 2.3.1987 (von Thomas Sävert zitiert):
http://www.saevert.de/870302eisregen.htm" onclick="window.open(this.href);return false;



4 Bilder aus Melle-Wellingholzhausen (Osnabrücker Land), Copyright bei meiner Frau Petra Hubrig.

Bild

Bild

Bild

Bild


3 Bilder aus Versmold-Peckeloh (Ostwestfalen). Copyright bei meinem Bruder Frank Hubrig.

Bild

Bild

Bild


21 Bilder aus Versmold-Peckeloh (Ostwestfalen). Copyright bei meinem Vater Manfred Hubrig.

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild


Am 29./30.12.1988 gab es in Teilen OWL´s und den im O und SO angrenzenden Regionen übrigens noch einmal ein vergleichbar katastrophales "Eissturmereignis". Insgesamt fielen den beiden Ereignissen viele 100.000 m³ Bäume, aber auch Dutzende großer Überlandleitungen (110-380 kV) zum Opfer. Es hätte nicht viel gefehlt, dann wären zeitweise nicht nur 10.000e, sondern mehrere Mio. Menschen (auch die gesamten Göttinger!) ohne Strom gewesen.

Hier mein Bericht, den ich am 17.01.2002 hierüber im Forum der Wetterzentrale geschrieben habe, einkopiert:

„Vom 30.11. bis zum 2.12.1988 gab es in Ostwestfalen-Lippe und mindestens den angrenzenden Landesteilen von Niedersachsen und Hessen ein teilweise noch katastrophaleres Eisregenereignis. In der Nacht vom 30.11. zum 1.12. setzte bei Temperaturen knapp unter 0°C gefrierender Regen ein, der bis zum 2.12. anhielt. Die gefallene Menge war recht ergiebig, aus meiner Erinnerung her deutlich über 10 mm, so dass alles mit einer bis mehrere cm dicken Eisschicht überzogen war. Dies bedeutete z.B. für große Bäume tonnenschwere Eislasten. Denen fielen allein im Teutoburger Wald, dem Eggegebirge und dem NRW-Teil des Weserberglandes mehrere 100.000 Fm Wald zum Opfer. Der größte zusammenhängende Einzeltotalschaden (dies war in einem ca. 80 jährigen, also mittelalten Buchenwald) im Eggegebirge bei Bad Driburg maß immerhin über 6 ha.
Soweit mir noch bekannt ist, fielen insbesondere in Südniedersachsen auch etliche große Stahlgittermaste in sich zusammen, so dass die regionale Stromversorgung gefährdet war.
Was für eine Wetterlage war für dieses Ereignis genau verantwortlich?
Im Gegensatz zum 2.3.1987 folgte damals eine Milderung.
Im von mir erlebten Bereich - war damals Forstpraktikant im Forstamt Bielefeld - setzte der Eisregen erst bei ca. 100 m ü.NN ein, darunter gabs nur Regen. Der Teutoburger Wald war also eine scharfe Grenze.
Außerdem ging die ganze Sache fast bei Windstille ab. Lediglich die Niederschlagsmenge war hoch.“
Quelle:
http://www.wetterzentrale.de/cgi-bin/we" onclick="window.open(this.href);return false; ... ead=152775

Bei diesem 2. Ereignis habe ich große Bäume wie "Glaspaläste" zusammenbrechen sehen. Ein schönes, aber auch sehr gefährliches Schauspiel. Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei. Damals war übrigens ein befristetes Waldbetretungsverbot erlassen worden (wurde übers Radio verbreitet).


Und am 24.12.2002 gab es in Teilen Nordwestdeutschlands ein weiteres markantes, aber bei weitem nicht mehr so spektakuläres Eisregenereignis:

Bericht von Andreas Schoring:
http://www.wetterzentrale.de/cgi-bin/we" onclick="window.open(this.href);return false; ... ead=277268

Bericht von CiCay (Christian Schöps):
http://www.wetterzentrale.de/cgi-bin/we" onclick="window.open(this.href);return false; ... ead=277863

Und meine Worte dazu:
„…Das auch das Weihnachtsereignis von 2002 nicht ganz ohne war, belegen die im Forum gezeigten Bilder und viele zusammengebrochene Bäume, die ich am 28.12.02 auf der Fahrt von Bremen nach Cuxhaven sehen konnte. …“
http://www.wetter-zentrale.com/cgi-bin/" onclick="window.open(this.href);return false; ... ead=309503

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück
YoungChaser
Beiträge: 171
Registriert: Samstag 11. November 2006, 14:45
Wohnort: Fulda
Kontaktdaten:

Beitrag von YoungChaser »

Danke für deinen Bericht. Sind gute Bilder dabei und ich finddie Bilder erschreckend und schön zu gleich
Benutzeravatar
Sven Lüke
Ehrenmitglied
Beiträge: 4339
Registriert: Mittwoch 27. August 2003, 18:38
Wohnort: Osnabrück / Lotte-Wersen

Beitrag von Sven Lüke »

Danke für den Bericht - kann mich auch noch daran erinnern. Bei meinen Eltern müssten auch noch Bilder davon rumliegen, vielleicht sogar noch Super8-Filmaufnahmen. Werde mal meinen Dad dazu befragen...

Grüße, Sven
Benutzeravatar
Cumulus Humilis
1. Vorsitzender
Beiträge: 5702
Registriert: Mittwoch 18. August 2004, 19:39
Wohnort: Im Herzen von Rheinland-Pfalz

Beitrag von Cumulus Humilis »

Tja, auf den Bildern sieht das wirklich schön und friedlich aus, aber es hat eben auch eine sehr unschöne Seite. Auf jeden Fall vielen Dank für den ausführlichen Bericht!

Gruß,
Andreas
--
Potz Blitz!
Thomas Sävert
Beiträge: 2829
Registriert: Mittwoch 12. April 2006, 22:21
Wohnort: Velbert
Kontaktdaten:

Beitrag von Thomas Sävert »

Hallo Martin,

auch von mir ein Dankeschön für die Zusammenstellung mit den beeindruckenden Bildern. Ich selbst war damals im hohen Norden, wo es zwar kalt war, aber eben nicht so gefährlich/spektakulär.

Grüße, Thomas Sävert
Tornadoliste Deutschland
http://www.tornadoliste.de
Imko
Beiträge: 19
Registriert: Freitag 2. März 2007, 22:51
Wohnort: Leer (Ostfriesland)

Beitrag von Imko »

WOW, bizarre Bilder. Erinnert mich ein wenig an den letzten grossen gefrierenden Regen hier. Das war am 24. Dezember 2002, da fiel hier nachts während eines Warmfrontdurchgangs starker Regen, der sofort gefroren war. Da es vorher eine lange Kälteperiode gab, war so ziemlich alles am Boden unterkühlt, und der Regen überzog alles mit einer etwa 3 cm dicken Eisschicht. Das war eine surreale Szenerie. Glücklicherweise setzte aber schon am Nachmittag die Warmluftadvektion ein, so dass alles wieder schmolz....
Moin, Moin und Grüss aus Ostfrieslands gewitterreichster Ecke! ;) ^^
Bastian
Beiträge: 506
Registriert: Sonntag 15. Mai 2005, 14:45
Wohnort: NRW

Beitrag von Bastian »

Jojo, kann mich noch an eine Erzählung meines Lehrers erinnern, der damals mit sein Auto auf den Salzigtter-Lichtenberg hochfahren wollte um nach Hause zu kommen. Während der Steigerung ging natürlich nix mehr und der Wagen rollte trotz Handbremse den Berg wieder runter. Ein Glück konnte er den Wagen ohne Schaden in den Graben "rollen" lassen.

Ich selbst war noch zu Jung und mich an sowas zu erinnern T_T
Bis einer heult.
Sturmkobold
Beiträge: 856
Registriert: Mittwoch 5. April 2006, 20:43
Wohnort: Döhle, Lüneburger Heide
Kontaktdaten:

Beitrag von Sturmkobold »

Guten Morgen!

Sehr beeindruckend. An das Ereignis am Heiligabend 2002 kann ich mich gut erinnern. Mein Mann und ich waren unterwegs von Wietzendorf (Landkreis Soltau-Fallingbostel) nach Winsen (Landkreis Harburg). Durch den Wald ging es nur in Schrittgeschwindigkeit, es kamen uns immer wieder Trupps von Feuerwehrleuten entgegen, die Bäume gefällt haben oder von der Strasse geholt haben. Weiter im Norden war es dann besser.
Ein anderes Ereignis ist mir auch noch im Gedächtnis geblieben. Es war nicht ganz so extrem aber es hat schon gereicht. Am 22.12., das genaue Jahr weiss ich allerdings nicht mehr, wurde Hamburg durch Eisregen lahm gelegt. Das war Anfang der 90'er. Habs nur behalten, weils mein Geburtstag ist. ;) Ich musste in Hamburg arbeiten und in der Mittagspause und auch noch am Abend konnte man sich kaum sicher draussen bewegen.
An 1987 kann ich mich nicht erinnern. War wohl in der Zeit nicht wichtig für mich. Schade eigentlich.

Gruß
Insa
Antworten

Zurück zu „Wetter allgemein“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 8 Gäste