[tornado] 18.01.2007 - Brachwitz (Brandenburg)

Thilo Kühne
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[tornado] 18.01.2007 - Brachwitz (Brandenburg)

Beitrag von Thilo Kühne » Dienstag 23. Januar 2007, 03:13

Hallo,

habe dieses Erstposting zu diesem Fall wieder herausgenommen, weil es in der folgenden Schadensanalyse eh behandelt wird (siehe ein Posting weiter):

Grüße,
Thilo
Zuletzt geändert von Thilo Kühne am Freitag 30. März 2007, 12:54, insgesamt 3-mal geändert.
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Thilo Kühne
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Beitrag von Thilo Kühne » Freitag 26. Januar 2007, 16:20

ANALYSE zum Tornadoverdachtsfall in BRACHWITZ, RAMBOLDTHEIDE (Waldgebiet), KEMNITZ und NETTGENDORF (Landkreis Potsdam-Mittelmark und Landkreis Teltow-Fläming, Brandenburg)

Dieser Fall ist recht schwierig. Nachfolgend werde ich die Schneise, die Schadensorte, die Dachverfrachtung in Brachwitz und Kemnitz darstellen. Zudem erfolgt eine Fallrichtungsanalyse des betroffenen Waldgebietes in der Ramboldtheide südlich von Brachwitz.

1. KURZÜBERSICHT

- 1.1.1 weiträumig:
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- 1.1.2 kleinräumig mit Schneise:
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1.2 Daten zur vorliegenden Schneise

Länge: 11,2 km (im letzten Abschnitt bei der Gemarkung Nettgendorf unsicher; bei Variante „?“ betrüge die Länge der Schneise 10,7 km)
Breite: min: 50 m / max: 450 m
Breite im Verlauf:
- Abschnitt Brachwitz: bis 450 m
- Abschnitt Ramboldtheide: variierend zwischen 150 m und 250 m
- Abschnitt Kemnitz (1,5 km nördlich von Niebelhorst): ca. 200 m
- Abschnitt Kemnitz (Westteil): bis 120 m
- Abschnitt Kemnitz (Nordteil): bis 120 m
- Abschnitt Nettgendorf (Waldgebiet Nasse Heide): geschätzt bis 100 m
Richtungsverlauf: von W nach O (im Verlauf leicht variierend in östliche Richtungen)

1.3 Besonderheiten:
- Im Verlauf Brachwitz und Ramboldtheide befinden sich zwei Mündungsschneisen, welche sich mit der Hauptschneise aus WNW- / NW-Richtung vereinigen. Die erste Mündungsschneise zieht sich vom westlichen Ortsrand von Brachwitz in Richtung OSO und SO durch den südlichen Ortsbereich. Die Breite dieser Schneise ist sehr schmal – max. 20 bis 30 m. Eine weitere Mündungsschneise ist ca. 1,5 km östlich von Brachwitz zu verzeichnen. Diese beginnt bereits im Wald (Ramboldtheide) und zieht sich leicht verbreiternd zur Hauptschneise. Die Breite dieser Schneise beträgt anfangs nur 30 m, an der Mündungsmarke bis 100 m.

2. Schadensanalyse der Hauptschneise, Abschnitt Brachwitz

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zu 1:
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Der Kiefernbestand in diesem fast 500 Meter breitem Areal wurde beschädigt und zum Teil völlig zerstört. Die Bäume wurden überwiegend entwurzelt. Auf dem Foto ist auch zu erkennen, dass einige einzelne Bäume im oberen Teil abgeknickt wurden oder sogar ganz verschont blieben.

zu 2:
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Dieses Foto wurde vom Standort des Brachwitzer Friedhofs aufgenommen. Es zeigt die beschädigte Kapelle (beschädigt durch einen entwurzelten Baum). Im Hintergrund ist der flächige Schaden in westlicher Richtung zu sehen (siehe auch 1). Der Baum vor der Kapelle wies keinerlei Schäden auf (links im Bild).

zu 3:
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Der nördliche Rand der Schneise nahe den ersten Häusern am äußersten Süden Brachwitzes. Man sieht, wie stark der Schneisenrand begrenzt ist. In diesem Bereich wurde alles entwurzelt. Nur am äußersten Rand der Schneise wurden einzelne Kiefern "nur" abgeknickt.

zu 4:
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Aufgenommen auf der gegenüberliegenden Seite zu Foto 3 direkt an der Landstraße. Die meisten Bäume lagen hier nicht entlang der Schneisenführung, sondern entlang der Straßenführung (ca. 40°-60° Abweichung von der Hauptfallrichtung).

zu 5:
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Ebenfalls von der Landstraße aufgenommen. Es zeigt die südliche Begrenzung des Friedhofs in der Mitte der Hauptschneise (fotografiert in westliche Richtung)

zu 6:
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Zwischen den weiten entwurzelten Flächen, gab es auch Baumreihen, vor allem in der Nähe des südlichen Schneisenbereichs, welche nur geringe bis keine sichtbaren Schäden aufwiesen.
Hier ein weiteres Foto von diesem Standort in Richtung Süden fotografiert (gut zu erkennen ist die recht einheitliche Fallrichtung):
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3. Fallrichtungsanalyse im Bereich Brachwitz (Hauptschneise)

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ANMERKUNG: Diese gezeichnete Karte ist nicht Maßstabsgetreu. Die Pfeile markieren nicht jeden einzelnen Baum, sondern geben eine Fallrichtungstendenz mehrerer Bäume in einem relativen Umfeld an.

Vor allem im mittleren Schneisenbereich gibt es ein einheitliches Fallmuster. Lediglich an den Außenseiten der Schneise finden sich abweichende Muster. Am Nordrand nahe dem Ortseingang Brachwitz beträgt diese zwischen 40° und 60° Abweichung. Ähnliche Abweichung (und Richtung) findet sich im Südbereich. Ein direkt kreuzendes Fallmuster einzelner Bäume in einem eng begrenzten Umfeld ist äußerst selten, so zB zwischen dem Friedhof und dem Ortseingang westseits der Straße. Es lässt sich festhalten, dass die Bäume im südlichen Bereich in Richtung Mitte der Schneise gefallen sind, also hinführend. Je näher die Bäume an der Mitter der Schneise standen, desto stärker sind diese der Hauptfallrichtung angepasst. Diese Tendenz ist am ausgeprägtesten. Auf der Darstellung ist im oberen rechten Abschnitt auch die Brachwitzer Mündungsschneise zu erkennen. Mit zunehmender Näherung an die Hauptschneise vereinheitlichen sich auch die Fallrichtungen und passen sich final der Hauptfallrichtung von WNW her an.

4. Brachwitzer Mündungsschneise

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zu 7:
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Zerstörter Heuunterstand. Die Verfrachtungen der Trümmerteile erfolgte in Richtung Osten und Ostsüdost.

zu 8:

Direkt im Ort wurde auf der westlichen Seite der Brachwitzer Dorfstraße ein Kleingehöft getroffen. Hier wurde das Dach komplett abgehoben und um einen bestimmten Winkel während des Abhebens gedreht. Nur so ist es vielleicht zu erklären, dass der "Südteil"(so wie es jetzt liegt) des Daches gehalten hat, während der "Nordteil"(so wie es jetzt liegt) komplett auseinander gerissen wurde. Ich vermute hier ein "Lifting" von Norden her. Die Drehachse lagerte vermutlich auf dem zerstörten "Nordteil" der Dachkonstruktion. Das nebenstehende Wohnhaus trägt keine Schäden - weder an Antennen, noch an Dachziegeln. Das Dach gehört zu einem Wirtschaftsgebäude, welches im 90°-Winkel zur Straße ausgerichtet ist. Da das Dach aber nun in Ausrichtung des Straßenverlaufs liegt, wäre ein Lifting und Drehen sehr wahrscheinlich... bzw die einzige mir erschließbare Möglichkeit. Auf dem ersten Foto ist auch ein kleiner Gartenbaum zu erkennen, welcher gebrochen wurde. Andere Gewächse blieben weitgehend unversehrt. Hier die Fotos zu 8:
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zu 9:
Hier wurden nach Augenzeugenaussagen die gegenüberliegenden Häuser (ggü zu 8 ) durch Trümmerteile beschädigt. Fenster und Türen sollen dabei zerstört bzw beschädigt worden sein. Eine Anwohnerin beschrieb mir hier, dass selbst "schwere Gegenstände pötzlich im Wohnzimmer lagen". Noch eine Anmerkung dazu: Bei dem Standort handelt es sich um eine Art Dorfanger mit ca. 40 m Breite. Hier die Fotos zu den Schäden:
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zu 10:
Das Haus der örtlichen FFW befindet sich schräg gegenüber zu 8 , direkt in der Mitte des Angers. Es gab Schäden an dem Dach und Einschlagsspuren am Schlauchturm (in 5 bis 8 m Höhe):
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Es ist auch zu erwähnen, dass die gesamte oberirdische Lichtleitung in diesem Bereich ( 8 bis 10 ) auf einer Länge von 100 Metern heruntergerissen wurde. Selbst am Mittwoch (24.01.2007) hatten die Anwohner kein Licht und auch keinen Strom!

zu 11:
Die Markierung „11“ bezeichnet die flächigen Verfrachtungen. Am Montag waren Anwohner und Hilfskräfte damit beschäftigt, auf dem freien Feld östlich von Brachwitz Trümmerteile zu bergen. Ein großes Trümmerteil (ein großer und stabiler Balken) traf 600 m östlich des Ortes die Stromleitung, welche in diesem Bereich umgerissen wurde.

Hier eine Übersichtskarte der Verfrachtungsgebiete: GRÜN= Verfrachtung von ausschließlich schwerem Trümmermaterial (im Waldbereich große Baumteile) / AQUAMARIN=Verfrachtung aller Trümmerteile in ihrer größten Verteilung
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Demnach gab es Verfrachtungen im Bereich von 10 m bis 600 m in östliche Richtungen.

zu 12:
Hier ist eine Art Schneise erkennbar, allerdings nicht sehr deutlich ausgeprägt:
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zu 13:
In diesem Bereich setzt sich die Schneise im großen Waldgebiet fort und schließ 200 m weiter zur Hauptschneise auf:
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Im Vordergrund des Bildes ist auch ein Laubbaum zu sehen, welcher Richtung Norden fiel. Auch zu erkennen ist im Hintergrund der Mündungsbereich, an dessen Rändern die Bäume völlig unbeschädigt zu seien scheinen.

5. Ramboldtheide bis B2

Im weiteren östlichen Verlauf der Schneise zieht sich diese ca. 3 km durch das Waldgebiet der Ramboldtheide. Die Schäden sind hier nicht so stark ausgeprägt. Die Fallrichtungen sind ausschließlich in Richtung Osten:
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Und hier nahe der Überquerung der B2:
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Das Gebiet weiter östlich war nicht direkt zugänglich. Eine Schneise ist aber zu erkennen gewesen.

6. Kemnitz (Westteil)

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zu 14:
Die Schneise kommt hier aus der Richtung Ramboldtheide von Westen her. Einzelne Baumkronen liegen auch auf dem Feld. Dieses Foto zeigt die Schneise in dem schmalen Waldstück sehr gut (aufgenommen von der Allee 0,5 km westlich von Kemnitz aus):
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zu 15:
Bei der Überquerung der Allee wurde ein Alleebaum in der Mitte abgebrochen. Der obere Teil der Eiche fand sich im Waldstück, ca. 50 Meter von dem abgebrochenen Baumstamm entfernt – dieser wurden neben der Längenverfrachtung auch seitwärts um einige Meter transportiert:
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zu 16:
Die Schneise nach der Überquerung der Allee:
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zu 17:
Im gesamten Schneisenbereich ist hier auf dem Gelände eines einzelnen Hofes (ca. 0,4 km westlich von Kemnitz) der mit Abstand größte Gebäudeschaden entstanden. Der hintere Teil des Hofes wurde zerstört. Eine dort befindliche Scheune und eine Garage wurden dem Erdboden gleich gemacht (und das ist keine Übertreibung). Das Dach der Scheune hat es nach Westen hin zerrissen, die Mauersteine liegen im Umkreis von 20 Metern um das Gebäude. Leichtere Teile der Dachkonstruktion wurden bis 100 m im Umkreis transportiert. Die Abdeckung des Gebäudes waren Wellasbestplatten – auf einer leichten Erhebung nordöstlich davon (wovon aus man einen Blick entlang des Schneise bis Pkt 14 hatte) fand ich noch klein gehackte Teile des Wellasbests (hatten ca. die Größe eines Notebooks). Der Zerstörungsgrad des gesamten Gebäudes beträgt nach meinem Ermessen 85-90%! Bäume, welche sich westlich am Hof befinden wurden kaum oder nicht beschädigt. Am nördlichen und nordöstlichen Bereich des Hofes stehen hingegen Laubbäume, welche leicht bis stark beschädigt wurden. Zudem ist von dem Hauptgebäude (Wohngebäude) des Hofes das Dach fortgerissen worden. Zersplitterte Dachziegel finden sich bis zu 300 m entfernt am Waldrand (dazu mehr unter 17a)

Hier die Fotos zu 17 (mit freundlicher Genehmigung der Grundstückseigentümer):
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zu 17a:
Wie schon weiter oben erwähnt wurde hier das Dach des Wohnhauses fortgerissen. Die Aufschlagstelle (in 150 m Entfernung zu Haus) und Dachreste fanden sich auf der Wiese:
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Weitere Dach- und Dachziegelreste finden sich bis an den Waldrand der Schneise in bogenförmiger Verfrachtungsrichtung:
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zu 18:
In diesem Bereich verläuft die Schneise aus einem lichten Kiefernbestand über eine Erhebung (Wiese) und weiter östlich wieder in ein Waldstück bzw. am Rand des Waldstückes entlang. Kleinere Baumreste fanden sich auf der Wiese südlich davon. Die Kiefern im Außenbereich waren ein wenig in Schneisenmitte gefallen, während mittig und am hinteren Schneisenrand die Bäume einheitlich in Ostrichtung lagen:
Bild
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Karte zu den Verfrachtungen von 14 bis 18

An dieser Stelle schiebe ich die Verfrachtungsübersicht zum westlichen Teil von Kemnitz ein.
GRÜN=Verfrachtung von größeren Baumteilen oder größeren Trümmerteilen / AQUAMARIN=Verfrachtung von allen Trümmerteilen
GELB=Wurfrichtung der entsprechenden Gebäudestrukturen bzw des Gebäudedaches
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zu 19:

Am nördlichen Ortsausgang zieht sich die Schneise knapp an Kemnitz vorbei:
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Dort wo die Schneise die Straße nach Nettgendorf kreuzt sind auch Schäden an Laubgehölzen zu sehen:
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zu 19/20:
An diesem Punkt war die Schneise wieder voll ausgeprägt:
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Wie die Schneise weiter verläuft kann ich nur vermuten, da diese hinter Kemnitz in einem großen Waldgebiet verschwindet. Zwei Anhaltspunkte finden sich: (1) Ein schneisenartiger Schaden, welcher die Straße zwischen Zülichendorf und Nettgendorf kreuzt, oder (2) ein schneisenartiger Waldschaden am nördlichen Ausgang des Waldgebietes ca. 1 km WSW von Nettgendorf.



So, und nun dürft ihr mal drüber diskutieren. Wie ich schon vorher schrieb wird dieser Fall nach Indizien geklärt werden müssen – eine typische Eindeutigkeit ist für mich nicht zu erkennen. Bleibt zu diskutieren ob ein Tornado, ein (oder mehrere) Downburst(-s) oder eventuell ein Multivortex-Tornado als Ursache in Frage kämen. Wenn ihr mich fragt, ich weiß es nicht.
Die verursachten Schäden reichen nach mE. bei den Vegetationsschäden von T3+ bis T5+(letzteres wegen der Eiche an der Allee); bei den Gebäudeschäden bin ich mir nicht sicher… würde das irgendwo zwischen T3 und T5 ansiedeln, bei dem einzelnen Hof allerdings T8 vermuten.



Viele Grüße,
Thilo
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Beitrag von Thomas Sävert » Freitag 26. Januar 2007, 22:16

Hallo Thilo,

vielen Dank für die umfangreiche Analyse! Ich bin mir auch nicht sicher, was hier genau passiert ist. Die Verfrachtungen sind schon deutlich. Problem - wie überall am 18.01. - war halt die hohe Zuggeschwindigkeit, durch die kaum verwertbare Fallmuster zu finden sind. T8 ist schon heftig, erscheint mir etwas zu hoch, wenn man den Rest des Hofes sieht. Man müsste mal klären, wie stabil das eingestürzte Gebäude war.

Grüße, Thomas Sävert
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Beitrag von Thilo Kühne » Freitag 26. Januar 2007, 23:21

Hallo Thomas,

bzgl des Hofes meinst du sicherlich den Schaden bei Kemnitz (bei mir mit 17/17a gekennzeichnet). Bei der Scheune hat es sich vermutlich um einen 2-stöckigen Bau gehandelt. Wohl ähnlich dem anderen Scheunenbau auf dem Hof. Auch bei der Sat-Aufnahme bei GoogleEarth wirft dieser Bau einen recht großen Schatten.

Wie ich oben schon erwähnte war das Gebäude mit Wellasbestplatten abgedeckt. Um diese loszureißen bedarf es T2-T3. Die Balken des Dachstuhlrandes wurden allem Anschein nach gebrochen, so dass hier T4 angesetzt werden könnte, das würde bei einem eher weniger stabilen Scheunenbau auch schon ausreichen, um den Steingiebel zum teilweisen Einsturz zu bringen. Die obere Etage ist aber auch vollkommen zerstört. Da würde ich schon T6 ansetzen. T8 ist sicherlich zu hoch gegriffen - es wäre auch nicht nachweisbar, da angrenzende Bäume teilweise gar nicht bis stark beschädigt sind und trotz allem keine T8-Schäden aufweisen. Habe mich da auch ein wenig unklar ausgedrückt... meinte eigentlich "bis T8 als Vermutung".

Die Nachbargebäude wurden auch beschädigt. Diese Schäden wurden aber bereits behoben. Es handelte sich hier bei um den Verlust der Dachabdeckung im mittleren und geringerem Maß. Die meiste Zerstörung wurde also dort angerichtet, wo der Hof der Schneise am nahesten ist.

Man müsste sich mal historisch bebilderte Fälle anschauen (zwischen 1910 und 1940), bei denen ein ähnlicher Schaden verzeichnet werden konnte.

viele Grüße,
Thilo
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Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert » Freitag 26. Januar 2007, 23:36

Hallo Thilo,

Du hattest laut Bericht ja Kontakt zum Hofbesitzer. Vielleicht hat er ja noch ein altes Foto, das wäre schon gut, was meinst Du? Ist das möglich ein solches Foto zu bekommen?

Grüße, Thomas Sävert
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Beitrag von Thilo Kühne » Freitag 26. Januar 2007, 23:59

Hallo Thomas,

ich könnte das versuchen, obwohl ich keine Kontaktadresse oder Telefonnummer habe. Bin aber am Montag voraussichtlich noch einmal vor Ort (habe da eine Anfrage des rbb bzgl einer Kurzreportage zu diesem Fall) und könnte dort noch einmal vorbei schauen. Trotz des großen Schadens waren die Besitzer sehr freundlich - auch dazu bedarf es seitens der Betroffenen einiges an Überwindung. Die Anwohner waren bei der Beschreibung des Sturmes (auch eine ältere Frau in Brachwitz) den Tränen nahe... es muss also wirklich schlimm gewesen sein.

Aber wie gesagt, mal schauen was sich machen lässt.

Grüße,
Thilo
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Forstexperte
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Beitrag von Forstexperte » Sonntag 28. Januar 2007, 01:50

Hallo Thilo,

vielen Dank für Deine ausführliche und sehr fundierte Schadensanalyse!
Thilo Kühne hat geschrieben:[So, und nun dürft ihr mal drüber diskutieren. Wie ich schon vorher schrieb wird dieser Fall nach Indizien geklärt werden müssen – eine typische Eindeutigkeit ist für mich nicht zu erkennen. Bleibt zu diskutieren ob ein Tornado, ein (oder mehrere) Downburst(-s) oder eventuell ein Multivortex-Tornado als Ursache in Frage kämen. Wenn ihr mich fragt, ich weiß es nicht.
Also sehr stark für Tornado als Verursacher sprechen die z. T. weit verfrachteten Trümmerteile, auch diejenigen mit einem hohen spezifischen Gewicht wie Dachpfannen über eine Distanz von bis zu 300 m. Ich kann mir jedenfalls schwer vorstellen, wie dies durch einen Abwind, auch wenn dieser nach dem Auftreffen auf dem Erdboden in die Waagerechte oder schräg nach oben umgelenkt wird, passieren soll. Einige 10erm sicher, 100 m evt. noch möglich. Aber 300 m schließe ich aus. Ebenso das Beispiel mit der verfrachteten Eiche. Es handelte sich hierbei ja um einen starken Baum mit einem Gewicht im Tonnen-Bereich. Zudem weist er kaum noch Äste und schon gar keine Feinäste oder Reisig mehr auf, hatte also keine guten aerodynamischen Eigenschaften um weit fliegen zu können.

An einigen Stellen (hier meine ich die schweren Gebäudeschäden) war die Wirkung des Sturmes offenbar geradezu chirurgisch. Auch wenn ich in einem scheinbar ähnlichen Fall (Uelzen-Riestedt am 20. März 2004) einen Microburst verteidigt habe (es gab auch einige renommierte Tornadofürsprecher) liegen hier die Dinge deutlich anders.
In Riestedt gab nur einen isolierten F3-Einzelschaden an einer großen, freistehenden Scheune und v. a. keine auch nur annähernd so weiten Verfrachtungen.

Wenn ich nun eine Entscheidung zwischen Tornado, unklar oder Microburstserie treffen soll, sage ich hier Tornado! Damit ist der Fall für mich klar, ebenso, wie derjenige, den wir gestern Nachmittag in OS-Harderberg untersucht haben, kein Tornado war.
Welche Art,von Tornado, ob sogar Mulitvortex kann ich leider nicht beantworten. Ich schließe aber aufgrund des Schadensbildes und der Stärke nichts aus.
Die verursachten Schäden reichen nach mE. bei den Vegetationsschäden von T3+ bis T5+(letzteres wegen der Eiche an der Allee); bei den Gebäudeschäden bin ich mir nicht sicher… würde das irgendwo zwischen T3 und T5 ansiedeln, bei dem einzelnen Hof allerdings T8 vermuten.
Die Forstschäden sehe ich hier im obersten T5-Bereich, mit deutlicher Tendenz zu T6. T6 wird für mich durch den massiven Gebäudeschäden gestützt. Auch ich gehe anhand des Schadenbildes von einer potentiellen Intensität bis in T8 aus, wobei diese Vermutung wahrscheinlich durch statische Mängel des Gebäudes entkräftet werden kann. Nach T6 sieht der Schaden allerdings recht deutlich aus. Aber dass sollte noch diskutiert werden. Vielleicht erfährst Du ja noch etwas über die Festigkeit des zerstörten Gebäudes.

Für F4-verdächtig halte ich auf jeden Fall die Schäden in Kahla (NO Elsterwerda, W von Lauchhammer. Schaut Euch mal dieses Video an:
http://www.rbb-online.de/_/includes/mul ... 68782.html

Von den Schäden gibt’s doch ganz sicher größere Bilder in besserer Auflösung…

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Thilo Kühne
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Beitrag von Thilo Kühne » Sonntag 28. Januar 2007, 03:51

Hallo Martin,

danke für Deine Einschätzung. Nach Deiner Meinung also Tornado. Ich habe mir heute mit etwas Abstand zur Schadensanalyse und zu diesem Fall allgemein noch einmal Gedanken zur Ursache gemacht, mit dem Ergebnis, dass ich einen Tornado (nach Abwägung der Indizien) für die wahrscheinlichste Ursache halte.

Hierzu habe ich auch mal eine Frage: Wenn ein Tornado mit einer Breite von mindestens 100 Metern über ein dichtes Waldgebiet hinweg geht, greift dann die volle Windintensität im mittleren und oberen Bereich der Bäume (?) oder müsste sie auch direkt über dem Waldboden greifen?

Bzgl der Scheune am Westhof von Kemnitz habe ich da noch einmal via GoogleEarthher angezoomed. Der große Schatten weist demnach auf ein Gebäude mit indentischer Größe wie der der anderen intakten Scheune auf dem Gelände hin. (bei der gestrichelten Schattenlinie habe ich den Schatten der Giebelseite versucht nachzuzeichnen... ist aber nicht mehr gut zu erkennen gewesen). Das Dach war recht steil im Winkel, da die Hinterseite bereits im Schattenbereich liegt. Ähnliche hartwinkelige Scheunen- oder Wohngebäude in Kemnitz weisen auf dem Sat-Bild auch einen solchen Schatten auf:
Bild
zum Vergleich das Foto, welchen den Hof im jetzigen Zustand zeigt (mein Standort lag bei diesem Foto ungefähr dort, wo bei dem Sat-Bild die obere rechte Ecke ist):
Bild

Die Scheune war geschossig (also wie die andere noch vorhandene Scheunen auf dem Grundstück). Wenn wir bei der Statik nun einiges an Instabilität hinzurechnen, dann könnte mM. T4 bereits ausreichen um das Dach (+Dachstuhl) abzuheben und bereits die oberen Giebelwände einzudrücken. Da aber auch das gesamte obere Geschoss fehlt, würde ich ebenso wie Du hier T6 ansetzen (vielleicht auch mit Tendenz zu T6+). Hätte dieses Gebäude einen massiven Charakter mitteleuropäischen Standarts gehabt (zB ein neu errichtetes Wohnhaus), so könnte man bei diesem Ausmaß vielleicht T9 oder T10 vermuten. Abzüglich der Statikmängel etc wäre ein Bereich T6 oder T6+ völlig vertretbar (T7 nicht ausgeschlossen). Nun aber noch eine weitere Überlegung: Würde eine geschossige Scheune nicht auch mehr Stabilität aufweisen als zB eine Großraumscheune ohne Geschoss? Hier würde ich meinen: ja. Vergleichbare Schäden an Großraumscheunen habe ich ja im letzten Jahr von Tornadofällen aus Polen an dich, Nikolai Dotzek und andere geschickt. Die Tendenz war, dass ein solcher Schaden mit T4-T5 eingestuft wurde und das war bei diesen Fällen auch vertretbar. Wenn also eine geschossige Scheune eine höhere Stabilität hätte, dann müsste man hier ebenfalls so verfahren wie ich kurz zuvor beschrieb: T6-T6+ (T7 nicht ausgeschlossen).

Habe auch noch einmal abgewägt, ob ich die Anwohner nach einem Foto oder zu weiteren Auskünften über dieses Bauwerk nochmals befragen sollte (von Thomas kam ja auch die Frage dazu). Abgesehen davon, dass mir der Hofbesitzer bereits das Aussehen der Scheune geschildert hatte fände ich es nicht richtig noch einmal die Leute dazu zu befragten - die haben jetzt erst einmal völlig andere Sorgen und Probleme.

Zu dem rbb-Bericht von Kahla:

Die Schäden sind immens und überdies weitaus flächiger (mehrere Gebäude) und intensiver als die von Kemnitz. Das scheint mir auch in Richtung F4 zu gehen. Besonders der eine Bau, wo noch nicht einmal mehr die unteren Eckmauerwerke stehen geblieben sind. Ein Betroffener schilderte ja, dass er nicht gegen Sturmschäden versichert sei... das ist wirklich bitter. Im Vergleich zu Kahla hatten die Bewohner des Hofes bei Kemnitz ja wirklich noch "Glück".

Zum Fall bei Osnabrück:

Es ist interesant zu sehen, wie sich die Schadensbilder ähneln. Wie schon eingangs erwähnt, der 18.01.2007 wird uns noch einiges an Kopfschmerzen bereiten - die sprichwörtliche Spreu vom Weizen zu trennen ist alles andere als leicht. Gut, dass sich dieser Fall geklärt hat.

viele Grüße,
Thilo
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Beitrag von Thomas Sävert » Sonntag 28. Januar 2007, 09:12

Moin zusammen,

auch ich halte einen Tornado im Fall Brachwitz/Kemnitz für sehr wahrscheinlich und habe dieses so in der Tornadoliste vermerkt. Die Gründe sind bereits alle genannt. Die Stärke ist schwer einschätzbar, von F2 bis F4 ist alles möglich, wobei ich mit der Einschätzung der Schäden auf dem Einzelhof auch vorsichtig wäre. Wir wissen nicht genau, wie stabil das Gebäude war, wir wissen auch nicht, wie gut oder schlecht gemauert wurde etc. Daher trage ich erst mal pauschal F2-F3 als Stärke ein.

Im Fall Kahla ist der Schaden eher höher, es sind 6 Gebäude eingestürzt, weitere 20 wurden meist schwer beschädigt. Ich denk, unter T6 kann man hier nicht ansetzen. Zudem sei bemerkt, dass auch in anderen Orten der Schneise Gebäude eingestürzt sind, so auch in Schwarzheide. Von dort habe ich mittlerweile Bilder der Feuerwehr, vor Veröffentlichung muss ich aber noch Rücksprache halten. Hier liegt auch eine Analyse der gesamten, engen Schneise vor, die allein schon für einen Tornado spricht. Bilder aus Kahla sollen diese Woche kommen, sie sollen (analog) gute Qualität aufweisen. Auch aus Lauchhammer liegen Bilder vor, hier scheinen die Schäden aber schwächer zu sein.

Gruß, Thomas Sävert
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Beitrag von Forstexperte » Sonntag 28. Januar 2007, 12:25

Hallo Thilo,
Thilo Kühne hat geschrieben:Hallo Martin,

danke für Deine Einschätzung. Nach Deiner Meinung also Tornado. Ich habe mir heute mit etwas Abstand zur Schadensanalyse und zu diesem Fall allgemein noch einmal Gedanken zur Ursache gemacht, mit dem Ergebnis, dass ich einen Tornado (nach Abwägung der Indizien) für die wahrscheinlichste Ursache halte.
Man muss auch einmal umgekehrt herum argumentieren.
Ist ein nomaler gradliniger Sturm oder eine Serie von schweren Fallwinden in der Lage, ein solches Schadensmuster zu verursachen.?
Kann es auch eine Kombination aus allen dreien sein: Tornado(s), Microbursts und gradlinige Orkanböen?
Kann ja auch zeitlich versetzt gewesen siein.
Hierzu habe ich auch mal eine Frage: Wenn ein Tornado mit einer Breite von mindestens 100 Metern über ein dichtes Waldgebiet hinweg geht, greift dann die volle Windintensität im mittleren und oberen Bereich der Bäume (?) oder müsste sie auch direkt über dem Waldboden greifen?

Das ist nicht einheitlich. Ich kenne Beispiele dafür, dass zerstörerische Winde nur im oberen Kronenbereich der Bäume gewirkt haben. An anderen Stellen war der Wind auch im Bestandesinneren nahe dem Erdboden so stark, das der Unterstand mit zerstört wurde (waren T5-Ereignisse).
Die Scheune war geschossig (also wie die andere noch vorhandene Scheunen auf dem Grundstück). Nun aber noch eine weitere Überlegung: Würde eine geschossige Scheune nicht auch mehr Stabilität aufweisen als zB eine Großraumscheune ohne Geschoss? Hier würde ich meinen: ja. Vergleichbare Schäden an Großraumscheunen habe ich ja im letzten Jahr von Tornadofällen aus Polen an dich, Nikolai Dotzek und andere geschickt. Die Tendenz war, dass ein solcher Schaden mit T4-T5 eingestuft wurde und das war bei diesen Fällen auch vertretbar. Wenn also eine geschossige Scheune eine höhere Stabilität hätte, dann müsste man hier ebenfalls so verfahren wie ich kurz zuvor beschrieb: T6-T6+ (T7 nicht ausgeschlossen).
Ich bin zwar kein Statiker, aber es liegt auf der Hand: Eine geschossige Scheue ähnelt dem Wabenprinzip und ist bei (vergleichsweise) sonst gleicher Bauweise ganz sicher stabiler als eine Großraumscheune ohne Geschoss. Also ich sehe hier auch eher T6 als T5, was durch die Baumschäden ja nicht zurückgewiesen wird. Da aber die Statik des Gebäudes nicht bekannt war (hier böte sich eine Kontaktaufnahme zum Schadensbegutachter; Versicherungsmenschen an; das habe ich schon mal mit Erfolg und damit klarer Einstufung gemacht), würde ich diesen Schaden zunächst mit einer Spanne von T5-T7 bewerten. Hier stellt sich das Problem einer Einstufung nur anhand nur eines Schadens. T5 mit deutlicher Tendenz zu T6 geben allerdings auch die max. Baumschäden her.
Zu dem rbb-Bericht von Kahla:

Die Schäden sind immens und überdies weitaus flächiger (mehrere Gebäude) und intensiver als die von Kemnitz. Das scheint mir auch in Richtung F4 zu gehen. Besonders der eine Bau, wo noch nicht einmal mehr die unteren Eckmauerwerke stehen geblieben sind. Ein Betroffener schilderte ja, dass er nicht gegen Sturmschäden versichert sei... das ist wirklich bitter. Im Vergleich zu Kahla hatten die Bewohner des Hofes bei Kemnitz ja wirklich noch "Glück".
Mein erster Eindruck hier: Eher T9 als T8. Bin auf die Bilder, die Thomas bekommen wird, sehr gespannt.

viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitrag von Forstexperte » Sonntag 28. Januar 2007, 12:31

Hallo Thomas,
Thomas Sävert hat geschrieben:Moin zusammen,

auch ich halte einen Tornado im Fall Brachwitz/Kemnitz für sehr wahrscheinlich und habe dieses so in der Tornadoliste vermerkt. Die Gründe sind bereits alle genannt. Die Stärke ist schwer einschätzbar, von F2 bis F4 ist alles möglich, wobei ich mit der Einschätzung der Schäden auf dem Einzelhof auch vorsichtig wäre. Wir wissen nicht genau, wie stabil das Gebäude war, wir wissen auch nicht, wie gut oder schlecht gemauert wurde etc. Daher trage ich erst mal pauschal F2-F3 als Stärke ein.
Mit F2-F3 höchstwahrscheinlich durch Tornado als Hauptverursacher kann ich gut leben. Vielleicht läßt sich die unklare statische Situation der völlig zerstörten Scheune noch aufklären. Siehe dazu meine Antwort auf Thilos Beitrag.
Im Fall Kahla ist der Schaden eher höher, es sind 6 Gebäude eingestürzt, weitere 20 wurden meist schwer beschädigt. Ich denk, unter T6 kann man hier nicht ansetzen. Zudem sei bemerkt, dass auch in anderen Orten der Schneise Gebäude eingestürzt sind, so auch in Schwarzheide. Von dort habe ich mittlerweile Bilder der Feuerwehr, vor Veröffentlichung muss ich aber noch Rücksprache halten. Hier liegt auch eine Analyse der gesamten, engen Schneise vor, die allein schon für einen Tornado spricht. Bilder aus Kahla sollen diese Woche kommen, sie sollen (analog) gute Qualität aufweisen. Auch aus Lauchhammer liegen Bilder vor, hier scheinen die Schäden aber schwächer zu sein.
Also, nach dem von mir verlinkten rbb-Video mit dem Titel "Dem Erdboden gleichgemacht"
http://www.rbb-online.de/_/brandenburga ... 68769.html
halte ich sogar T9/F4+ für gut möglich.

Gruß, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Cumulus Humilis
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Beitrag von Cumulus Humilis » Sonntag 28. Januar 2007, 14:20

Erst einmal vielen Dank an Thilo für diesen ausführlichen Bericht! Sowas erfordert ja doch einen hohen Einsatz an Zeit und persönlichem Engagement.
Forstexperte hat geschrieben: Man muss auch einmal umgekehrt herum argumentieren.
Ist ein nomaler gradliniger Sturm oder eine Serie von schweren Fallwinden in der Lage, ein solches Schadensmuster zu verursachen.?
Kann es auch eine Kombination aus allen dreien sein: Tornado(s), Microbursts und gradlinige Orkanböen?
Kann ja auch zeitlich versetzt gewesen siein.
Ich finde das sind wichtige Fragen. Man kann diesen und die anderen Fälle sicher nicht genau wie isolierte Tornado-/Downburstereignisse bei einer "normalen" Schwergewitterlage betrachten. Es scheint mir sehr wahrscheinlich, daß sich Ereignisse überlagert haben. Die Frage ist aber in welcher Art. Dazu wäre es sicher hilfreich, wenn man etwas über den Zeitrahmen und die Chronologie der Zerstörungen wüßte. Es ist ja so nicht auszuschließen, daß gerade die strukturellen Gebäudeschäden stufenweise anwuchsen.

Gruß,
Andreas
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Thilo Kühne
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Beitrag von Thilo Kühne » Sonntag 28. Januar 2007, 23:01

Hallo,

wie ich gerade bei der Märkischen Allgemeinen gelesen habe, gab es durch dieses Sturmereignis in Brachwitz leider eine schwer verletzte Person.

Die weiten Verfrachtungen von Trümmerteilen wurden in diesem Artikel bestätigt:
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/ ... 025/60889/

viele Grüße,
Thilo
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bremer

Beitrag von bremer » Sonntag 28. Januar 2007, 23:54

Moin
Das ist echt übel man, was dort passiert ist.Hoffe doch das dort niemand zu Schaden gekommen ist. Also sprich kein Personenschaden.
Lg

Andreas Kämmer
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Beitrag von Andreas Kämmer » Sonntag 28. Januar 2007, 23:56

les mal einen Beitrag über deinem...

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