Geisterwolke über dem Norden

Das Forum für alle Wetterthemen, wie z.B. Prognosen, Vorhersagen und Diskussionen.
Bernd
Beiträge: 194
Registriert: Dienstag 20. Juli 2004, 15:28
Wohnort: Isernhagen, Niedersachsen

Geisterwolke über dem Norden

Beitrag von Bernd » Freitag 24. Februar 2006, 11:28

Bericht Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 24.02.2006

Eine Geisterwolke zog über den Norden

Ein rätselhaftes Himmelsphänomen zwischen Ostfriesland und Kassel beschäftigt die Meteorologen: „Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu.“

Von Mathias Klein
Hannover. Meteorologen rätseln über ein Phänomen. Am 19. Juli vergangenen Jahres war auf den Radarbildern über Norddeutschland eine dichte Regenwolke zu sehen: An dem Dienstag erstreckte sich von den Ostfriesischen Inseln bis nach Hessen die scheinbare Wolke auf einer Länge von 400 Kilometern. Bis zu 100 Kilometer breit war die Wolke auf dem Radarbild. Und es regnete stark, jedenfalls dokumentieren das die Aufnahmen.
Aber das stimmt alles gar nicht. Es gab am 19. Juli 2005 kein dickes Wolkenband über dem Mittagshimmel und es regnete auch nicht stark. „Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu“, sagt Karsten Brandt, Meteorologe und Geschäftsführer beim Wetterdienst Donnerwetter in Bonn. Gemeinsam mit allen Wetterexperten aus Deutschland und den Niederlanden ist sich Brandt einig, dass es für die Geisterwolke keine natürliche Erklärung gibt (wie Vogelflug oder Kerosin aus einem Flugzeug). Auch die Radaranlagen hätten sich nicht getäuscht, die Aufnahmen wurden unabhängig voneinander in den Niederlanden, in Emden und in Hannover vom Deutschen Wetterdienst gemacht.
Brandt vermutet „geheime militärische Experimente“ als Ursache für die Geisterwolke. „Es wurde künstlich in die Wetterentwicklung eingegriffen und das kann nur von Militärs gemacht werden“, sagt der Meteorologe. Er hat deshalb jetzt bei der Staatsanwaltschaft Bonn Strafanzeige gegen unbekannt wegen großflächiger Umweltverschmutzung und Irreführung der Öffentlichkeit gestellt.
Entdeckt hatte das Phänomen ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Jörg Asmus war aufgefallen, dass das Radarbild und das tatsächliche Wetter nicht übereinstimmten. Gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland und den Niederlanden, einem Physiker vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen sowie einem Geowissenschaftler der Bundeswehr kommt er zu einem Ergebnis: Es wurden Teilchen in die Atmosphäre ausgebracht, die vermutlich den Niederschlagsradar stören sollten.
Die Teilchen wurden an der holländischen Nordseeküste in einer Höhe von sechs Kilometer ausgesetzt, berichtet Brandt. „Bei der großen Menge müssen das drei Flugzeuge gewesen sein“, erklärt er. Der Wetterexperte hat drei mögliche Erklärungen für das militärische Experiment. Die Militärs könnten einen Terroranschlag simuliert haben und wollten herausfinden, wie sich eine Substanz über Holland und Niedersachsen verbreitet. Oder man könnte ein Wetterexperiment gemacht haben. Eine weitere Möglichkeit könnte der Versuch sein, die Wettervorhersage zu beeinflussen.
Im Zweiten Weltkrieg hatten Militärs versucht, im Radar des Feindes Verwirrung zu stiften. Damals machten sie das mit kleinen Streifen aus Stanniolpapier. Die am 19. Juli 2005 verwendeten Teilchen sind so leicht, dass sie mit geringer Sinkgeschwindigkeit durch die Luft fliegen und so groß, dass sie Radarstrahlen reflektieren.
Möglicherweise wurde mit dem Experiment die Umwelt großflächig verschmutzt, meint Brandt. Denn östlich einer Linie Lüneburg – Kassel fing die scheinbare Wolke am Nachmittag an, sich aufzulösen. „Die Teilchen sind dann über dem östlichen Niedersachsen und in Ostdeutschland runtergekommen.“
Skywarn Niedersachsen Region 7

Unwetterbeobachter
Beiträge: 49
Registriert: Mittwoch 14. September 2005, 11:03
Wohnort: Rüdersdorf
Kontaktdaten:

Rätselhaft

Beitrag von Unwetterbeobachter » Freitag 24. Februar 2006, 18:06

Habe schonmal auf anderen Seiten von solchen Experimenten gelesen. Hier geht es wirklich nicht mit richtigen Dingen zu.

Ich persönlich halte dies für kein Blödsin. Habe die gleiche Meinung.

Gruss Marco
Mache selber Wetterbeobachtungen für Rüdersdorf (Berlin östlich davon) und übertrage diese an bestimmte Archive.

madmars
Beiträge: 115
Registriert: Dienstag 3. Mai 2005, 15:28
Wohnort: Mannheim / Ba-Wü
Kontaktdaten:

Beitrag von madmars » Freitag 24. Februar 2006, 20:04

Wow interesssante, aber doch auch bedenkliche Meldung wie ich finde!

Herman Harperink
Beiträge: 798
Registriert: Mittwoch 27. August 2003, 15:32
Wohnort: 48465 Schüttorf, Niedersachsen Kfz NOH
Kontaktdaten:

Beitrag von Herman Harperink » Samstag 25. Februar 2006, 02:25

In die Niederlanden sind diese Echo's nicht gesehen, und auch auf Archivbilder vom Radar nicht zu sehen.
Anamolie oder und Schwachsinn also.

Herman
Bild

Bernd
Beiträge: 194
Registriert: Dienstag 20. Juli 2004, 15:28
Wohnort: Isernhagen, Niedersachsen

Beitrag von Bernd » Samstag 25. Februar 2006, 10:13

und es geht heute in der HAZ ( 25.02.2006) weiter:

Militär: Die Geisterwolke stammt nicht von uns

Behörden rätseln über Verursacher des Phänomens auf dem Radarschirm / Viele Bürger beunruhigt

Hannover (kau). Die geheimnisvolle Regenwolke, die nur auf dem Radarbild existierte, gibt weiter Rätsel auf. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums hatte die Wolke, die am 19. Juli vergangenen Jahres über Norddeutschland hinwegzog, keinen militärischen Ursprung. „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Wolke von unseren Luftstreitkräften verursacht wurde“, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag. Es habe zu diesem Zeitpunkt keine Übung in diesem Bereich stattgefunden. Zu der Vermutung, es habe ein militärisches Experiment stattgefunden, sagte der Sprecher: „Wir machen solche Dinge nicht.“
Die mysteriöse rund 400 Kilometer lange und 100 Kilometer breite Wolke war im vergangenen Sommer auf dem Niederschlagsradar der Meteorologen zu sehen. „Das Radarecho war sehr stark, wie bei einem Starkregen oder einer Gewitterfront“, sagt Karsten Brandt, Meteorologe und Geschäftsführer beim Wetterdienst Donnerwetter in Bonn. In Wirklichkeit gab es an besagtem Tag aber keine Riesenwolke über dem Norden. Das Phänomen entdeckt hatten Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes, wie kürzlich bekannt wurde.
Die Nachricht von der Wolke hat offenbar viele Menschen aufgeschreckt. „Wir können uns kaum retten vor Anfragen“, mehr als 1000 E-Mails habe er bekommen, auch von Militärexperten, berichtet Brandt. „Viele Bürger sind verärgert, dass offenbar heimlich solche Experimente gemacht werden und verlangen Aufklärung“, sagt Brandt. Der Meteorologe hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Er ist sich „ganz sicher“, dass das Militär der Verursacher war. „Kein Privater kann in sechs Kilometern Höhe operieren.“ Brandt vermutet, dass entweder die Ausbreitung einer Substanz getestet wurde oder jemand versucht hat, dass Wetterradar zu beeinflussen. Wetterexperimente, die nach UN-Regeln verboten sind, seien ebenfalls möglich.
Die „Geisterwolke“ beschäftigt inzwischen die Behörden. „Es ist keine Radioaktivität frei gesetzt worden“, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Strahlenschutz in Salzgitter. „Das hätten wir mit unserem engmaschigen Messnetz sofort bemerkt.“ Das Bundesumweltministerium weiß nichts über eine Verschmutzung von Böden in einem Gebiet zwischen Lüneburg und Kassel. Dort soll sich die Wolke aufgelöst haben. Hätte sie chemische Stoffe oder Teilchen enthalten, hätten diese in diesem Gebiet herunterkommen müssen. In der Fachbehörde des Ministeriums, dem Umweltbundesamt, nimmt man das Phänomen ernst. Es gebe Gerüchte über Experimente mit chemischen Substanzen zur Terrorabwehr, sagt ein Sprecher.
„Wir wussten nichts von der Wolke“, heißt es bei der Deutschen Flugsicherung. Hätte das Radar ein Starkregenfeld angezeigt, hätten Passagiermaschinen ausweichen müssen, erklärt Sprecher Axel Raab. Das sei nach seiner Kenntnis nicht geschehen. Der ehemalige Fluglotse hält eine vom Militär ausgelöste elektronische Störung des Radars dennoch für denkbar. „Früher machten sie das öfter mit kleinen Streifen aus Stanniolpapier, heute geht das, ohne dass hinterher Teilchen vom Himmel fallen.“
Skywarn Niedersachsen Region 7

Benutzeravatar
Sven Lüke
Ehrenmitglied
Beiträge: 4337
Registriert: Mittwoch 27. August 2003, 18:38
Wohnort: Osnabrück / Lotte-Wersen

Beitrag von Sven Lüke » Samstag 25. Februar 2006, 10:16

Hallo Herman,

die Wolken wurden auch von den Niederländern auf dem Radar gesehen. Und auf dem Radararchiv von IRAS sind diese Wolken auch deutlich zu sehen. Da erkennt man auch, dass die "Wolken" weit über den Niederlanden entstanden waren und dann über Norddeutschland hinwegzogen.

Ich verstehe nur nicht, warum da jetzt, über ein halbes Jahr später, so ein TamTam drum gemacht wird. Der Fall wurde schon vor Monaten untersucht, ein eindeutiges Ergebnis gab es aber nicht. Durch diesen Medienaufruhr versucht sich nur ein privater Wetterdienst in die Öffentlichkeit zu puschen. Die Bevölkerung wird nur unnötig in Besorgnis versetzt und alle sind plötzlich überrascht und die Presse verdreht bewusst/unbewusst Tatsachen und gibt Details falsch wieder.

Der DMG (bei dehnen wir ja auch Mitglied sind) hat diesen Fall ausführlich untersucht:
http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/publi ... 05_3_4.pdf (ab Seite 4)


Dort - und nur dort - wird sachlich mit dem Thema umgegangen und keine Medientamtam veranstaltet.

Grüße, Sven
Zuletzt geändert von Sven Lüke am Samstag 25. Februar 2006, 10:29, insgesamt 3-mal geändert.

Bernd
Beiträge: 194
Registriert: Dienstag 20. Juli 2004, 15:28
Wohnort: Isernhagen, Niedersachsen

Beitrag von Bernd » Samstag 25. Februar 2006, 10:18

Es geht hier um folgende Aufnahmen (Quelle: HAZ 25.02.06)

Am 19. Juli vergangenen Jahres zog das scheinbare Wolkenband (rot gerahmt) über die Niederlande und Norddeutschland. Gegen 14 Uhr hat der Wind das Himmels- phänomen bis zur Weser getrieben (großes Bild). Dort beginnt das Gebilde, sich aufzulösen. Hinter Hannover sinken die Teilchen dann zu Boden und verschmutzen möglicherweise den Boden. Die kleine Radaraufnahme (rechts oben) zeigt das Wolkenband zwei Stunden zuvor über den Niederlanden.

Bild

Bild
Skywarn Niedersachsen Region 7

Bernd
Beiträge: 194
Registriert: Dienstag 20. Juli 2004, 15:28
Wohnort: Isernhagen, Niedersachsen

Beitrag von Bernd » Samstag 25. Februar 2006, 10:22

Hallo Sven,

danke für die Infos vom DMG. Da hat die Zeitung anscheinend etwas langsam recherchiert :lol:.

Können wir der Redaktion das PDF-File von DMG einmal zu Verfügung stellen?

Bernd
Skywarn Niedersachsen Region 7

Forstexperte
Beirat
Beiträge: 2009
Registriert: Mittwoch 27. August 2003, 22:06
Wohnort: 49326 Melle-Wellingholzhausen

Beitrag von Forstexperte » Samstag 25. Februar 2006, 10:25

Hallo zusammen,

das ganze hat schon einen realen Hintergrund:

Dazu Artikel im Hamburger Abendblatt:
http://www.abendblatt.de/daten/2006/02/23/536513.html

Und auch ein wissenschaftlicher Artikel im DMG-Magazin (dort auf den Seiten 6-9 der PDF-Datei oder 4-7 im Heft):
http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/publi ... 05_3_4.pdf

Man beachte folgenden Text, der vorgestern im WZ-Forum gepostet wurde:

Nur zur Info: Der "gute Asmus" ist, wie im HA im ersten Satz erwähnt, beim DWD und hat mit der Anzeige von Donnerwetter nichts, aber auch gar nichts zu tun - nur insoweit, als dass er die im DMG-Magazin veröffentlichte Untersuchung über diese Radarechos initiiert hat. Der Grund hierfür war schlicht Neugierde und die Hoffnung auf Antworten, ganz ohne dass er zuvor eine Fehlprognose abgegeben hätte (Jörg Asmus ist nämlich nicht in der Vorhersage tätig). Er geht auch nicht von "Wetterexperimenten" aus, das wurde erst von Donnerwetter.de bei ihrer Anzeige letzte Woche aufgebracht.
Wenn jemand (@ Jan Hoffmann) ernsthafte Erklärungen für diese Radarstrukturen hat: immer her damit!
Oliver“

Quelle (wandert demnächst ins Archiv, dann ändert sich der Link, wie, das hatte ich hier kürzlich erklärt):
http://www.wetter-zentrale.com/cgi-bin/ ... ead=837013

Also keine Artefakte, da ist ganz sicher was dran. Würde mich auch interessieren. Falls es einen militärischen Hintergrund hatte, wirds sicher nicht einfach sein, hier Licht ans dunkle zu bringen.

Viele Grüße, Martin
Zuletzt geändert von Forstexperte am Sonntag 26. Februar 2006, 12:53, insgesamt 2-mal geändert.
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Benutzeravatar
Sven Lüke
Ehrenmitglied
Beiträge: 4337
Registriert: Mittwoch 27. August 2003, 18:38
Wohnort: Osnabrück / Lotte-Wersen

Beitrag von Sven Lüke » Samstag 25. Februar 2006, 10:27

Hallo Bernd,

die DMD-Hefte sind für jeden zugänglich im Internet. Der Link darf also gerne weitergegeben werden. Es ist wirklich ärgerlich: Da wurde das Phänomen schon vor Monaten untersucht, keine Sau hat es interessiert und nun puscht sich ein privater Wetterdienst damit in die Medien und gibt dutzende Presseinterviews für große und kleine Redakeure, aber keiner weist auf diese Untersuchung der DMG-Mitglieder hin :-/

Grüße, Sven

Herman Harperink
Beiträge: 798
Registriert: Mittwoch 27. August 2003, 15:32
Wohnort: 48465 Schüttorf, Niedersachsen Kfz NOH
Kontaktdaten:

Beitrag von Herman Harperink » Samstag 25. Februar 2006, 10:38

Da ich im Moment rund um die Uhr arbeiten muss komme ich später noch dazu. Ich habe die Radarbilder aus Holland gespeichert, auf denen dieses Phänomen nicht zu sehen ist. Ich habe auch die Niederschlagmengen die am boden gemessen sind am diesen tag.

Herman
Bild

Forstexperte
Beirat
Beiträge: 2009
Registriert: Mittwoch 27. August 2003, 22:06
Wohnort: 49326 Melle-Wellingholzhausen

Beitrag von Forstexperte » Samstag 25. Februar 2006, 10:38

Hi Sven,

hier noch mal der direkte Link zur PDF-File des DMG Magazins :
http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/publi ... 05_3_4.pdf

Allerdings würde ich das Hamburger Abendblatt auch als seriös bezeichnen!

Viele Grüße ins nahe Wersen, Martin.
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Benutzeravatar
Sven Lüke
Ehrenmitglied
Beiträge: 4337
Registriert: Mittwoch 27. August 2003, 18:38
Wohnort: Osnabrück / Lotte-Wersen

Beitrag von Sven Lüke » Samstag 25. Februar 2006, 10:42

Guten Morgen, Martin... 8)

Den Link habe ich weiter oben bereits genannt - noch vor Dir..... :wink:

Grüße, Sven

Bernd
Beiträge: 194
Registriert: Dienstag 20. Juli 2004, 15:28
Wohnort: Isernhagen, Niedersachsen

Beitrag von Bernd » Samstag 25. Februar 2006, 10:50

Ich habe jetzt übrigens unsere Redaktion der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (übrigens ebenfalls ein seriöses Blatt) angeschrieben und auf den Beitrag des DMG hingewiesen. Schaun wir mal, was sie daraus machen.

Bernd
Skywarn Niedersachsen Region 7

Herman Harperink
Beiträge: 798
Registriert: Mittwoch 27. August 2003, 15:32
Wohnort: 48465 Schüttorf, Niedersachsen Kfz NOH
Kontaktdaten:

Beitrag von Herman Harperink » Samstag 25. Februar 2006, 11:21

Link zur Radararchiv Holland:
http://www.weersite.net/?archief&radarbeelden

Herman
Bild

Antworten

Zurück zu „Wetter allgemein“