[Plausibel] 18.06.2007 - Neuhardenberg (BRB) - Video!

Thomas Sävert
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[Plausibel] 18.06.2007 - Neuhardenberg (BRB) - Video!

Beitrag von Thomas Sävert »

Hallo zusammen,

ein sehr weit herabreichender glatter, klassischer Schlauch wurde am Abend gegen 20:15 Uhr MESZ gefilmt, Video voraussichtlich nachher bei RTL aktuell bzw. dort im Wetter mit Christian Häckl. Ich gehe zu 99% von Bodenkontakt aus, leider ist ein Baum davor, zumindest in dem Ausschnitt, den ich bisher gesehen habe.

Die wichtigste Frage: Weiß jemand etwas über Schäden dort, gut 50 km östlich von Berlin?

Gruß, Thomas Sävert
Zuletzt geändert von Thomas Sävert am Donnerstag 21. Juni 2007, 16:17, insgesamt 1-mal geändert.
Tornadoliste Deutschland
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Toby86
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Beitrag von Toby86 »

Der Tornado (ich sag lieber erstmal Funnel) wurde eben bei Explosiv gezeigt. Bin mir auch ziemlich sicher das dieser Bodenkontakt hatte, war sehr gut aufgenommen. Ein besonders langer Schlauch wo ich mir schlecht vorstellen kann, das er keinen Bodenkontakt hatte.


Gruß Toby
Thilo Kühne
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Beitrag von Thilo Kühne »

Hallo Thomas,

ui, das waren sehr gute Aufnahmen. Würde auch sagen, dass dieses Gebilde höchst wahrscheinlich Bodenkontakt hatte.

Es ist doch zum im-Dreieck-springen. Normalerweise hat man Schäden und sucht nach der Ursache... dieses Mal hat man eine (sehr wahrscheinliche) Ursache, muss aber nach den Schäden suchen. Och nööö.

Sagt mal, ist dieses Video denn irgendwo einsehbar? Hat RTL keine Videothek online?

Grüße,
Thilo
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Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert »

Hallo zusammen,

das Video wird online zu sehen sein, nur nicht mehr heute, bitte etwas Geduld.

Grüße, Thomas Sävert
Tornadoliste Deutschland
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Thilo Kühne
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Beitrag von Thilo Kühne »

Hallo Thomas,

das sind definitiv gute Nachrichten. Danke.


Grüße
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Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert »

Hallo zusammen,

wie versprochen ist das Video nun online:

http://www.naturgewalten.de/070618neuhardenberg.htm

Gruß, Thomas Sävert
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foto-erzgebirge
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Beitrag von foto-erzgebirge »

Hi,
also für mich ist dies ganz eindeutig, wenn der keinen Bodenkontakt hatte fresse ich n Besen. Auch wenn man dies nicht ganz sieht, Schäden sollten dort auf jeden Fall zufinden sein....


lg
Viele Grüße aus dem Erzgebirge

Die Kunst des Fotografieren ist nicht die Technik sondern die Erfahrung des Fotografen.

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Forstexperte
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Beitrag von Forstexperte »

Hallo zusammen,

wenn man die folgenden Worte, die Nikolai Dotzek vor einiger Zeit bei TorDACH verfasst hat, beherzigt, dann sollten derartig weit aus der Wolke herabreichende Funnel stets als Tornado geführt werden, denn es ist mit großer Sicherheit (>99% ?, auf jeden Fall wohl signifikant) von tornadischen Winden am Boden auszugehen:

„…Entscheidend für die Existenz eines Tornados ist der Bodenkontakt des Wirbels, nicht des Wolkentrichters. Daher wurden leider schon oft schwächere Tornados, deren Wolkentrichter nicht bis zum Boden reichte, fehlerhaft "nur" als Blindtromben klassifiziert, obwohl am Boden Schäden auftraten bzw. der Luftwirbel dort durch aufgewirbelten Staub oder kleinere Trümmerteile sichtbar war. Fälle der Vergangenheit haben zu folgender Faustregel geführt: Handelt es sich um einen recht weit von der Wolkenbasis herab hängenden Trichter, der an der Wolkenbasis zudem eine relativ große Breite aufweist, dann wird der Luftwirbel meist Bodenkontakt haben, und es handelt sich eher um einen schwachen Tornado. Wolkentrichter, bei denen der Luftwirbel keinen Bodenkontakt hat, sind dagegen oft sehr dünn und kurz. …“

Quelle:
http://www.tordach.org/topics/tornadodef_de.htm

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück
Thilo Kühne
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Beitrag von Thilo Kühne »

Hallo Martin,

demnach wäre dieser Fall als Tornado zu führen. Werde morgen dort hin fahren (am WE kommen dann auch noch die weitern offenen Fälle aus BRB dran) - bin mal gespannt was sich vor Ort finden wird.

Grüße,
Thilo
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Benjamin
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Beitrag von Benjamin »

Handelt es sich um einen recht weit von der Wolkenbasis herab hängenden Trichter, der an der Wolkenbasis zudem eine relativ große Breite aufweist, dann wird der Luftwirbel meist Bodenkontakt haben, und es handelt sich eher um einen schwachen Tornado. Wolkentrichter, bei denen der Luftwirbel keinen Bodenkontakt hat, sind dagegen oft sehr dünn und kurz. …“
"...recht...relativ...meist...eher. ....oft.." Von "an Sicherheit grenzenden
Wahrscheinlichkeiten" ist da nicht die Rede, ebenso wenig von
"tornadischen Winden".

So sehr wir uns auch Faustregeln wünschen, es wird sie kaum geben.
Es bleibt bei der Einschätzung des Einzelfalls - nach bestem Wissen
und Gewissen.

Nicht zuletzt durch das abknickende Ende des Funnels ist Bodenkontakt in
diesem Fall wohl sehr wahrscheinlich.

Gruß
Benjamin




[/b]
Norbert Rupsch
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Beitrag von Norbert Rupsch »

Die Zelle ist nordwestlich von Berlin entstanden. Laut Tetris-Aufriss hatte diese über dem betroffenen Gebiet höchste Reflektivität. Über Polen erfolgte nochmal eine Reorganisierung.
Hier die Radardaten:
http://student.met.fu-berlin.de/~nrupsch/Radar/070618/

Schöne Grüße
Norbert
Uwe Reiss
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Beitrag von Uwe Reiss »

@ Benjamin,

das mit der Faustregel sehe ich genau so. Der Einzelfall lässt in der Summe sicher bestimmte Ahnungen zu. Habe aber schon soviel Material gesehen, dass man schlussfolgern muss: Zu jeder Ausnahme gibt es zur Bestätigung der Regel garantiert noch eine weitere Ausnahme. Somit bleibt der Untersuchungsgegenstand der Einzelfall. Das sehe ich auch immer im Zusammenhang mit sich ändernden Voraussetzungen.

Rein optisch könnten "nach der Faustregel" Schäden im F2-Bereich möglich erscheinen. Die sind dann mit Sicherheit auffindbar. Nach der Reflektivität (danke Norbert) war ja ausreichend Energie "on air". Aber halt rein optisch.

Gruss

Uwe
todd
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Beitrag von todd »

ich denke auch auf jeden fall das dies ein tornado ist....
Im video ist für mich sehr gut zu erkennen, das er kontakt auf dem Boden hatte. Ich bin mir zu 99,00% sicher, so wie die meisten hier, wie gesagt, man brauch die Fakten von den Schäden.
Suttgart wird Bundesligameister!!!
Thilo Kühne
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Beitrag von Thilo Kühne »

Hallo zusammen,

ich war heute in der Region Neuhardenberg und Umgebung. Eine direkte Schneise habe ich in dem einsehbaren und zugänglichen Gebiet um Neuhardenberg und weiter nordwestlich bei Altfriedland nicht erkennen können. Ich bin auch die Region weiter nordwestlich bei Gottesgabe, Neufriedland und weiter östlich und südöstlich bei Neufeld, Quappendorf, Neu Rosenthal und Bärwinkel abgefahren. In Neu Rosenthal traf ich einen Anwohner eines einzelnen Hofes, welcher einen recht guten Überblick auf das gesamte Gebiet hatte. Jener meinte, dass der Tornado direkt bei Neuhardenberg über dem Flugplatzareal stattfand. Also bin ich wieder in Richtung Flugplatz gefahren um zu schauen, aber das gesamte Areal des Flugplatzes ist Sperrgebiet (Flugplatz + Übungsstätte der Bundespolizei, ca. 300 ha groß). Hier hatte ich leider keinen Zugang. Vom Sperrzaun an einer Betonstraße aus konnte man aber einen schneisenartigen Forstschaden sehen, welcher sich in dem Sperrgebiet befand (schien schon geräumt zu sein). Dies fiel auf, weil der Waldbestand aus Laubbäumen bestand und flächig sehr dicht war. Habe hiervon auch Fotos gemacht, es ist aber aufgrund der Entfernung nur marginal etwas zu erkennen - leider! Die Fotos kann ich bei Bedarf auch posten, aber wie gesagt, man erkennt kaum etwas.

Grüße,
Thilo
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Forstexperte
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Beitrag von Forstexperte »

Hallo Benjamin,
Benjamin hat geschrieben:
Handelt es sich um einen recht weit von der Wolkenbasis herab hängenden Trichter, der an der Wolkenbasis zudem eine relativ große Breite aufweist, dann wird der Luftwirbel meist Bodenkontakt haben, und es handelt sich eher um einen schwachen Tornado. Wolkentrichter, bei denen der Luftwirbel keinen Bodenkontakt hat, sind dagegen oft sehr dünn und kurz. …“
"...recht...relativ...meist...eher. ....oft.." Von "an Sicherheit grenzenden
Wahrscheinlichkeiten" ist da nicht die Rede, ebenso wenig von
"tornadischen Winden".
Zugegebenermaßen die Beschreibung ist schwammig, da die Natur eben eine weite Spannbreite liefert, wobei es sich bei den ersten beiden Adjektiven ja nur um Beschreibungen der Ausprägung des Funnels und nicht der Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Tornados handelt.
Fakt ist: Wenn ich unter einer Funnelcloud schadenbringende Winde habe, dann sind diese tornadisch, auch wenn Nikolai diese Worte in seinem Text nicht benutzt hat.

Ich hab mich bei meiner Aussage „mit großer Sicherheit (>99% ?, auf jeden Fall wohl signifikant)“ schon auf den aktuellen Fall und nicht die Aussage von Nikolai (recht weit) bezogen. Hier reicht der sichtbare Funnel nicht nur recht weit, sonders unbestritten sehr weit bis zum Boden – letztlich verhindern die Bäume den Blick bis zum Erdboden. Und hier ist ein Tornado dank der Schadenssichtung von Thilo offenbar gesichert.
So sehr wir uns auch Faustregeln wünschen, es wird sie kaum geben.
Es bleibt bei der Einschätzung des Einzelfalls - nach bestem Wissen
und Gewissen.
Doswell geht auf die von Dir erhobenen Einwände ausführlich ein:
„Among chasers, it is a common assumption that if a funnel cloud extends halfway or more to the ground from cloud base, there almost certainly is a tornadic circulation at the surface. This may or may not be true in any specific instance ... it probably is more right than wrong. For official purposes, however, such a "storm chaser's rule" is not a legitimate assumption; by definition, one must confirm the existence of a damaging circulation at the surface before the event can legitimately be called a tornado. If such a confirmation cannot be made, the event must be considered to be a funnel cloud or a "possible" tornado.”
Quelle:
http://www.cimms.ou.edu/~doswell/a_torn ... rnado.html

Demnach muss ich Dir recht geben - es muss nach Schäden am Boden oder weiteren Indizien gesucht werden, vor man sicher von Tornado sprechen darf.

Allerdings mit der Einschränkung, dass Doswell sich hier auf die „Caserregel“
- dass, wenn eine Trichterwolke die Hälfte oder mehr der Distanz zwischen Wolkenbasis und Boden überbrückt, beinahe mit Gewissheit eine tornadische Zirkulation am Boden vorliegen müsse -, bezieht.
Bei einer nur halben Distanz von der Wolke bis zum Boden halte ich Zweifel ebenfalls für viel angebrachter als in Fällen, wo mehr als ¾ der Distanz von der Wolkenbasis bis zum Erdboden überbrückt werden (im aktuellen Fall wahrscheinlich noch mehr, aber dies wird durch die Bäume verdeckt).

Freilich, wissenschaftliche Untersuchungen hierüber gibt’s wohl nicht. Aber irgendwann ist m. M. nach die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten bestimmter Dinge (hier tornadische Winde am oder nahe dem Erdboden (< 10 m Höhe) so hoch, dass man in der Praxis von mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sprechen kann. In beiden bislang auch mit Dir diskutierten Fällen (zunächst nur Fotos mit weit herabreichenden Funnels) konnten auch Schäden am Boden nachgewiesen werden.

Gruß, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück
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