[Plausibel] 30.08.2015 - Borgloh (OS|NI)

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[Plausibel] 30.08.2015 - Borgloh (OS|NI)

Beitrag von Forstexperte » Sonntag 6. September 2015, 22:11

Hallo zusammen,

Ich habe aufgrund dieser Beiträge hier (nach dem Ende des Videos öffnen sich Links zu anderen Videos zum Thema):

http://www.os1.tv/nachrichten/nachricht ... reis_31613

und anderer Berichte / Erzählungen heute die betroffenen Bereiche zumindest teilweise abgefahren und komme zum vorläufigen Schluss:

Es gab im Südkreis Osnabrück neben vereinzelten Sturmschäden (T1/F0) 3 Bereiche mit stärkeren Sturmschäden:

1. Üdinghausen, zwischen Bissendorf und Melle-Gesmold unmittelbar nördlich der A30
gelegen. Die Fallrichtungen hier waren zwar nicht einheitlich, sondern innerhalb eines etwa 1 x 2 km großen Gebietes gab es zerstreute Schäden bis in den T2 Bereich, die um bis zu 180° voneinander abwichen. Allerdings lagen die in der Fallrichtung abweichenden Schäden mehrere 100 m auseinander und waren insgesamt nur zerstreut und nicht besonders intensiv.
Überwiegende Fallrichtung war etwa von W nach O bis WNW nach OSO.
Nach den Beschreibungen eines Augenzeugen sinngemäß "Eine weiße Wasser- bzw. Gischtwand, mit einer Sicht von nur wenigen m, die gerade aus Westen kam", muss hier mit hocher Wahrscheinlichkeit von einem „Wet Downburst“ ausgegangen werden.

2. Südlich Melle. Dieser Schadenbereich liegt etwa 5 km ssö. vom 1. Hier finden sich an der Wellingholzhausener Str. knapp 1 km südwestl. der A30 in einem Waldstück einige umgestürzte oder abgebrochen Bäume. Die Fallrichtung liegt im Groben von NW nach So. Aber für eine genauere Betrachtung fehlte hier mir leider die Zeit. Insgesamt machte der T2 Schaden keinen tornadischen Eindruck.

3. Vom Ostrand von Kloster Oesede bis ca. 1 km nordwestl. von Borgloh (überwiegend auf Ortsgebiet von Borgloh), daher auf diese Ortsmarke.
Hier finden sich innerhalb eines weniger als 500 m breiten, etwa 4 km langen Korridors etwas stärkere Schäden, die bis in den unteren T3 Bereich hineinreichen. Neben der Hauptfallrichtung WNW – OSO gibt es hier auch viele Abweichungen von N nach S. Daher will ich hier einen Tornado nicht ausschließen, zumal es im Bereich Oesede ( wenige kam weiter westl.) lt. eines Versicherungsmenschen die stärksten Niederschlagsschäden gegeben hat. Dort sollten innerhalb sehr kurzer Zeit (das meiste innerhalb von ca. 15 min. ca. 40 -50 mm Niederschlag (Regen und kleiner Hagel) gefallen sein.
Einen Tornadoverdacht halte ich hier auf jeden Fall erst einmal für gerechtfertigt.
Leider konnte ich aus Zeitgründen diesen Bereich nicht näher untersuchen. Ich versuche das am kommenden Samstag nachzuholen, die Woche über bin ich aus beruflichen Gründen woanders.

Alle Schäden traten etwa zwischen 07:30 und 07:45 auf, was auch gut mit den Radarbildern übereinstimmt.

LG, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Re: [Plausibel] 30.08.2015 - Borgloh (OS|NI)

Beitrag von Forstexperte » Samstag 19. September 2015, 21:14

Hallo zusammen,

ich habe mir heute Nachmittag noch einmal den Schadensbereich zwischen Kloster Oesede und Borgloh etwas genauer angesehen.

Der Schadenskorridor ist etwa 3, 3 km lang und ca. 400 bis 600 m breit.
Der Schadenskorridor liegt etwa von West nach Ost.
Die max. Intensität ist T3, meistens wurde aber nur T2 erreicht.
Die Hauptfallrichtung ist interessanterweise von N nach S, die zweithäufigste von NW nach SO. Auch W nach O (also in Zugbahnrichtung) kommt vor, aber nicht so häufig. Vereinzelt gibt es auch noch hiervon abweichende Fallrichtungen.

Der westlichste Schaden ist ein Waldstück östlich von Koster Oesede und westlich der Bielefelder Straße. Der östliche Schadens ist ein Waldstückchen am Reitplatz nordwestl. von Borgloh.

Da der überwiegende Teil auf Borgloher Gebiet (gehört zu Hilter a TW) liegt, sollte die Ortsmarke Borgloh bestehen bleiben - auch wenn die Gemarkung Ebbendorf, eine Bauernschaft, die Borgloh zugeordnet ist, ist.
Der größte Einzelschaden entstand in einem kleinen Waldstück zwischen der A33 (Anschlussstelle 11, Borgloh/Kloster Oesede) und dem Brookweg im Osten. Hier gab es auf kleinem Raum (etwa 30 x 100 m) auch vielfach unterschiedliche Fallrichtungen, entweder von N nach S oder W nach O. Leider war der Schaden im Waldstück gerade frisch aufgearbeitet (der Harvester stand noch da). Doch ein paar Wurzelteller ließen noch eine Fallrichtungsermittlung zu und einzelne umgebogene zwischenständige Bäumchen mit Druckschäden ebenfalls.
Ein paar Fotos habe ich gemacht. .
Diese und ein Karte mit den ermittelten Fallrichtungen kann ich aus Zeitgründen leider erst später nachreichen.
Aus einem einzelnen Foto geht hier die Sturmursache wohl aber nicht hervor.

Das Fallmuster - sehr viele Bäume oder Baumteile liegen 45° - 90° quer zur Zugrichtung macht für mich einen sehr tornadischen Eindruck, auch wenn die Schneise in Relation zur Länge und Intensität der Schäden ungewöhnlich breit ist
Ich werde wohl noch einmal dort hin fahren und dann versuchen Augenzeugen für das Geschehnis zu ermitteln.
Solange ist dies meiner Meinung nach ein plausibler, aber noch kein bestätigter Tornado.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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