[Downburst] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

In diesem Board werden Ereignisse gesammelt, die nachweislich keine Tornadofälle sind, sowie Ereignisse bei denen noch kein hinreichender Verdacht auf einen Tornadofall vorliegt.
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Cumulus Humilis
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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Cumulus Humilis » Mittwoch 8. Juli 2015, 14:14

Hallo,

auf dem Bild von Oliver kann man ja gut erkennen wie hochbasig der Aufwind war, die Videos zeigen dann auch eindeutig einen Downburst, damit sollte der Fall klar sein, denke ich.

Gruß,
Andreas
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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Jörg » Mittwoch 8. Juli 2015, 16:40

Cumulus Humilis hat geschrieben:die Videos zeigen dann auch eindeutig einen Downburst

aber was für einen! nicht von schlechten eltern! ich denke auch den fall können wir so sehr abhaken wie die lernresistenten medien mit ihrer voreiligkeit :boese:

Gruß
Jörg
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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von StormCatcher » Mittwoch 8. Juli 2015, 18:44

So, hier nun die versprochenen Bilder der Schäden in Framersheim. Diese konnte ich ca. eine Stunde nachdem die Superzelle über den Ort gezogen war dokumentieren.

Ich lasse die Bilder jetzt einfach mal so stehen, denke sie sprechen für sich.

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Grüße Sebastian

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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Cumulus Humilis » Mittwoch 8. Juli 2015, 22:49

Hallo Sebastian,

vielen Dank für die Bilder. Wäre super wenn Du noch auf einer Karte (Google Maps oder so) markieren könntest, wo die Schadensorte sind, damit man eine räumliche Vorstellung bekommt.

Gruß,
Andreas
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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Peter.R.Hofmann » Mittwoch 8. Juli 2015, 22:58

Die Bilder die ich da sehe erinnern mich an Downburst den ich mit Oliver in Germersheim abgefahren und abgelaufen bin mit dem Kollegen auf Raunheim ist aber schon 2-3 jahre her.
Die Bilder die ich heute gesehen habe, als ich mit dem LKW dort unterwegs war erinnerten mich auch an die ereignisse damals.
Wenn es ein Tornado gewesen wäre müssten in den Isolierungen auch Äste oder ähnliches stecken, das konnte Ich aber nicht sehen beim durchfahren.

Ups ist schon länger her:
Artikel vom 16.07.09 in der Rheinpfalz Germersheim, Wörth
Ein Frosch der im Brunnen lebt,
beurteilt das Ausmaß des Himmels
nach dem Brunnenrand.

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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von StormCatcher » Mittwoch 8. Juli 2015, 23:20

Hallo Andreas,

das kann ich gerne machen.
Ich konnte auch nicht alle Schäden im Ort ablichten, da Feuerwehr und THW gerade mit den Absicherungs- und Aufräumarbeiten begonnen hatten und ich deren Arbeit nicht stören wollte. Wenn ich die Zeit finde, fahre ich die Tage noch einmal durch Framersheim, um weitere Schäden festzuhalten.

Grüße
Sebastian

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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von StormCatcher » Donnerstag 9. Juli 2015, 21:43

So, hier nun eine Übersichtskarte von Framersheim:

Rote Punkte mit Zahlen: Aufnahmeort der Bilder in der Reihenfolge, wie ich sie hier hochgeladen habe.
Gelbe Punkte: Weitere Schäden im Ort, die ich am 07.07. bei der Durchfahrt gesehen habe
Blaue Pfeile: Fallrichtung der umgestürzten Bäume und gleichzeitig Verfachtungsrichtung von Trümmerteilen

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(Tut mir Leid Leute, aber jetzt leider nur als vergrößerbares Vorschaubild, da er mir die rechte Hälfte der Bilder abschneidet, warum auch immer. Habe hier im Forum bisher noch keine Lösung für das Problem gefunden. :oops:
Bei meinen Schadensbildern fehlt übrigens auch der rechte Teil...)

Grüße
Sebastian

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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Cumulus Humilis » Donnerstag 9. Juli 2015, 22:58

Hallo Sebastian,

vielen Dank, das ist schon mal sehr hilfreich!

Die Sache mit den abgeschnittenen Bildern ist bekannt, vor dem Servercrash letztes Jahr hatten wir dafür eine Lösung. Vielleicht bekommt es unser Technischer Leiter ja mal wieder hin. Es soll ja auch mal eine neue Version der Forensoftware geben, hoffen wir, daß das Problem spätestens dann behoben ist. Inzwischen kann man sich behelfen, indem man einen Rechtsklick auf das Bild macht und dann das Bild über "Grafik anzeigen" in einem anderen Tab oder Fenster aufmacht. Dann sieht man es vollständig. Umständlich aber momentan wohl der einzige Workaround.

Gruß,
Andreas
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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Matthias (Lübeck) » Freitag 10. Juli 2015, 08:07

Die Fallrichtungen würden klar einen Downburst zeigen. Was mich aber etwas skeptisch macht ist dann aber doch die Fallrichtung nach NNW. Die Zelle zog von WSW nach ONO. :scratch:

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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von StormCatcher » Freitag 10. Juli 2015, 19:31

Matthias (Lübeck) hat geschrieben:Die Fallrichtungen würden klar einen Downburst zeigen. Was mich aber etwas skeptisch macht ist dann aber doch die Fallrichtung nach NNW. Die Zelle zog von WSW nach ONO. :scratch:
Ich denke das liegt an den orographischen Gegebenheiten vor Ort. Der größte Teil von Framersheim liegt in einer Senke, die die Richtung des Downburst am Boden stark beeinflusst haben dürfte.

Grüße
Sebastian

Oliver
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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Oliver » Samstag 11. Juli 2015, 00:02

Nabend,

genau das mit der Orografie kann ich nach der Analyse vor Ort nur unterstreichen. Wir haben heute auch noch Schadengebiete erfasst, die in der ersten eingezeichneten Analyse noch gar nicht aufgetaucht sind (weiter südlich / südwestlich). Es wird wohl einige Tage dauern, bis ich die gesammelten Daten aufbereitet und ausgewertet habe. Anhand diverser Augenzeugenberichte erscheint es mir sicher, dass es ein Downburst war. Wobei wir noch nicht ganz sicher sind, ob es nur einer war oder zwei aufeinander folgende mit verschiedenen Ausbreitungsrichtungen. Insbesondere am Selztal entlang ist eine recht lange Schneise mit moderaten Schäden (bis etwa T2) zu finden.

Der heftigste Schaden, den wir vor Ort gefunden haben, ist die Verfrachtung eines schweren Dachbalkens über eine Distanz von deutlich über 100 m. Wir werden versuchen, anhand der Geometrie des Objekts die Geschwindigkeit zu berechnen, die für ein Abheben und ca. 150 m "Segelflug" mindestens benötigt wird. Diese wird dann hoffentlich Aufschluss geben, mit welcher Intensität wir es zu tun haben. Die Vegetationsschäden, die ich gesehen habe, liegen alle noch im unteren F2-Bereich, zumal die total zerstörten Bäume Pappeln waren (Weichlaubholz). Wären es Eichen, hätten wir hier schon T6/F3 vorliegen.

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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Benjamin » Samstag 11. Juli 2015, 13:31

Hallo,

kurz zur Wurfrichtung: Wenn man sich die Niederschlagsentwicklung auf dem Radar anschaut passt die schon sehr gut. Der linienhafte Starkiederschlag breitete sich auch nordwärts aus - gerade bei (wie hier) v.a. thermischen Downbursts ist der Kurs der Zelle weniger ursächlich für die Richtung der Fallwinde. Orographische Ursachen können hier, müssen aber nicht wesentlicher Faktor für die Burst-Richtung sein.

Grüße
Benjamin

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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Oliver » Samstag 11. Juli 2015, 16:11

Immerhin habe ich schon mal ein paar Bilder fertig. Die Übersichtskarte folgt morgen oder am Montag. Wegen eines Bugs in der Forensoftware werden die Bilder wahrscheinlich nur zur Hälfte dargestellt. Einfach Rechtsklick auf das Bild und "In neuem Tab öffnen" sollte das Problem lösen und man sieht die Bilder im Ganzen.

Vor allem die Vegetationsschäden habe ich hier nun etwas detaillierter beschrieben:
Totalschaden an einer Pappel, die als Solitärbaum am östlichen Ortseingang stand. Nicht weit entfernt war ein extrem verbogenes Verkehrsschild zu sehen ("Verbot der Durchfahrt" mit noch zwei Zusatztafeln, davon eine kleine und eine größere). Das massive Stahlrohr ist so sehr geknickt worden, dass es über 75% der Breite gebrochen ist
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Schwer beschädigte große Trauerweide am Feuerwehrgerätehaus am südlichen Ende von Framersheim (Abzweig Oppenheimer Straße Richtung Weingut Lucius). Der Baum war vor dem Sturm kerngesund! Keine einzige Faulstelle ist erkennbar gewesen. Eine zweite Trauerweide hatte ebenfalls massiven Kronenbruch und war schon gefällt, als wir angekommen sind.
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Nahaufnahme des Stamms am Anschnitt
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Weiter südöstlich, noch ein gutes Stück hinter dem Weingut Lucius, hat es eine Reihe Pappeln übel zugerichtet. Die Böe muss so schnell gekommen sein, dass die Bäume allesamt stehen geblieben sind (nicht einer wurde entwurzelt oder auf halber Höhe gebrochen, alle wurden schwer entastet). Ein recht niedriger Hochsitz direkt neben einer der Pappeln wurde nur ein wenig verdreht, ist aber nahezu unversehrt stehen geblieben (das deutet darauf hin, dass der Wind in größerer Höhe um einiges heftiger war als direkt 2-3 m über dem Boden).
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Ein Stück nordöstlich von den Pappeln geht es auf einen recht steilen Hang zu (Höhenunterschied vom Framersheimerbach bis da oben etwa 20 Meter). An diesem Hang sind stabile heckenartige Gehölze teilweise entastet worden. Westlich von diesen betroffenen Bäumen konnten wir anhand der gefiederten Blätter und der Rindenstruktur erkennen, dass daneben etliche Robinien stehen, die ebenfalls Bruchschäden aufwiesen (Ast- und Kronenbrüche, keiner entwurzelt, keiner unten oder mittig gebrochen). Das ist bekanntermaßen sehr hartes und widerstandsfähiges Holz, zumal an so einer Hanglage, wo bei West- und Südwestlagen der Wind üblicherweise noch verstärkt wird, d.h. diese Bäume sind Sturm gewohnt.
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Ich tue mich hier echt schwer mit der Einschätzung der Vegetationsschäden. Wären die betroffenen Bäume keine Pappeln, sondern Eichen, dann wäre das auf jeden Fall ein F3-Schaden. Die Schäden sind jedenfalls heftiger als bei dem Downburst, den ich zusammen mit Peter Hofmann und Bernd Jehle im Juni 2009 bei Herxheim untersucht habe. Dort sind wir zu dem Schluss gekommen, dass das Intensitätsmaximum etwa bei T4/F2 lag (wenn auch nur knapp), weil die Kronenbrüche ausschließlich bei Weichlaubhölzern waren. Die beschädigten Robinien lassen hier vielleicht eine höhere Intensität annehmen.

Weitere besondere Schäden:

Beim Weingut Lucius wurde ein Photovoltaikmodul aus der Anlage herausgerissen und etwa 60 m weit verfrachtet, wo es dann völlig verdreht in einer Esche hängen geblieben ist. Die Eschen dort sind stehen geblieben (sie waren z.T. im Windschatten der Gebäude), allerdings wurden beinahe alle Sträucher ringsherum (ich meine es sind Mirabellen) entwurzelt. Der Boden war sehr trocken und auch nicht besonders tiefgründig, wo die Sträucher standen.

Ebenfalls beim Weingut Lucius wurde eine Dachrinne fast völlig zerstört und Stücke von Eternitziegeln, die von einem Wirtschaftsgebäude des Weinguts stammten, wurden in die Fassade eines anderen Wirtschaftsgebäudes regelrecht (auf der windzugewandten Seite) hineingeschossen. Es gibt keinerlei derartige Schäden auf der windabgewandten Seite (nirgendwo im Ort).
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Ein etwa 25 x 50 x 600 cm großer Dachbalken aus massivem Nadelholz wurde fast 150 m weit verfrachtet. Er löste sich vom windzugewandten Vordach der Sporthalle, wurde mitsamt den Blechen (etwa 70 cm x 4 m pro Blech, es waren 2-3 Stück davon am Balken) hoch in die Luft befördert, flog über das Hallendach und über einen Ballfangzaun, der noch höher als das Vordach war, über das Fußballfeld, krachte dort relativ weit oben (ungefähr auf Höhe der Flutlichter) auf einen Flutlichtmasten, wobei er sämtliche Bleche verlor, und flog weiter, touchierte ein Hausdach (was stark beschädigt wurde, das war mit blauer Plane abgedeckt als wir dort waren), flog über die Straße und krachte dort in den Dachstuhl eines anderen Wohnhauses. Ein zweiter (kürzerer) Balken, der ebenfalls mitgerissen wurde, hat ein in der Oppenheimer Straße parkendes Auto wortwörtlich platt gemacht. Nur mal so ganz nebenbei: Der große Balken wiegt laut Aussage der Feuerwehr etwa zwischen 1,2 und 1,5 Tonnen! Es war großes Glück, dass keine Personen in der Flugbahn dieses Geschosses waren.

Eventuell sind hier ähnliche Winddruckberechnungen wie im Falle der fliegenden Mähdrescher in der DDR sinnvoll um die Intensität des Downbursts möglichst genau zu bestimmen. Verkehrsschilder sind genormt, genauso wie die Stahlrohre, an denen sie befestigt sind. Und die Geometrie des schweren Dachbalkens (nehmen wir mal an, dass da 3 Bleche dran waren, die ihm Auftrieb gegeben haben) kennen wir ja auch. Ich denke, damit sollten wir am ehesten die Frage nach der maximalen Intensität klären können - und wir haben dann einen Vergleichswert um die Vegetationsschäden zu bewerten.

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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Oliver » Sonntag 12. Juli 2015, 11:38

Noch etwas: Das bei diesem Ereignis am schwersten beschädigte Wohngebäude ist durch eine besondere Verkettung an Umständen zu Schaden gekommen. Im rechten Winkel zum Wohnhaus ist eine Scheune angebaut gewesen und diese Scheune wurde durch den enormen Winddruck in das Haus gedrückt. Die schweren Schäden am Dachstuhl sind somit höchstwahrscheinlich nicht auf direkte Windeinwirkung, sondern auf Trümmereinschlag von großen Dachbalken / Kanthölzern der Scheune zurückzuführen. Das Haus liegt genau stromabwärts von der Scheune, es gibt also keine Verfrachtungen senkrecht oder gegen die Zugrichtung.

Der Schaden am Dachstuhl der Häuser in der Oppenheimer Straße (genau stromabwärts von der Sporthalle) ist ebenfalls durch Trümmereinschlag entstanden (in diesem Fall waren es Teile vom Vordach der Sporthalle, u.a. der große und schwere Dachbalken). Für mich sieht es derzeit so aus, dass (mit Ausnahme der Verfrachtung des Dachbalkens) alle massiven Schäden, die mit T5+ anzusetzen wären, Sekundärschäden sind und somit nicht primär durch den Wind zustande gekommen sind. Ich bin auf Martins Einschätzung der Vegetationsschäden gespannt, denn diese könnten uns die Frage nach der maximalen Intensität beantworten (wie auch Berechnungen der notwendigen Windgeschwindigkeit für die Verfrachtung des riesigen Balkens). Bei Hartholz wären die Vegetations-Totalschäden klar T6 oder T7, aber bei Weichlaubholz reicht weniger Wind für denselben Effekt. Es ist noch festzuhalten, dass die Pappeln, die Totalschäden erlitten haben, allesamt gesund waren (keine Braunfäule oder dergleichen feststellbar).

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Re: [Verdacht] 07.07.2015 - Framersheim (AZ | RLP)

Beitrag von Forstexperte » Montag 13. Juli 2015, 08:15

Hallo Olli und alle in diesem Thread,

aufgrund der Vegetationsschäden komme ich auf mind. T5 - Intensität.
T6 halte ich auch gut für möglich. In Micheln habe ich einen vergleichbaren Schaden an einer Weide! (die weitestgehend entastet war und von mir ebenfalls als stabil angesehen wurde) damals als F3 eingeschätzt und diesen auch anhand des Baumschadens als F3 Schaden beschreiben. Ich hätte hier keine Bedenken, ebenso zu verfahren, insbesondere, wenn sich F3 auch mit anderen Schäden deckt. Ich bin gespannt, welche Geschwindigkeit bei dem verfrachteten Balken "herauskommt".

Dass ein heftiger Downburst der Verursacher dieser Schäden war, steht ja aufgrund der Beschreibungen der Situation und Beobachtungen außer Frage, hier müssten wir sehen, wohin dieser Thread dann letztendlich hingeschoben werden muss (wohl in den Doku-Thread).
Bezüglich der Windrichtung kann ich sagen, dass ich vor Jahren (Rieste, 2006) einen Verdachtsfall mit Sven Lüke untersucht habe, bei dem der Wind auch aus anderer Richtung kam als die Zelle zog. Das Ereignis damals konnten wir als T4 - Wet-Downburst einstufen. Eine ausführliche Beschreibung findet sich hier:

http://forum.skywarn.de/viewtopic.php?f ... ste#p12110

@ Oliver bei Rechtsklick auf die Bilder komme ich nur auf die Seite, auf der Du diese abgelegt hast, nicht aber auf die Bilder selber.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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