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2013 - Das Jahr des Hagels?

Verfasst: Samstag 18. Januar 2014, 21:27
von bärenfänger
Das Jahr 2013 ist nach der Auswertung aller Wetterstationen des DWD als relativ ausgeglichenes Jahr zu sehen. Etwas zu warm, etwas zu wenig Sonne, etwas zu wenig Niederschlag. Manch einer wird das nicht nachvollziehen können angesichts des langanhaltenden Winters oder der verheerenden Hochwasserkatastrophe des Frühsommers.
Doch solche Extremereignisse entfallen in der Regel bei der Gesamtbetrachtung des Jahres; denn da geht es um den Durchschnitt (Temperatur) bzw. um Summen (Niederschlag, Sonnenscheindauer).
Betrachtet man jedoch das Schadensausmaß, so war insbesondere das frühsommerliche Hochwasser in ganz Mitteleuropa die wohl prägendste und zugleich teuerste Naturkatastrophe mit einem Gesamtschaden von rund 11,7 Mrd. Euro.
Prägend war und ist diese Flut nicht nur, weil sie vielerorts die schwerste seit über einem halben Jahrtausend war mit, sondern auch, weil die Folgen, die Betroffenen bis heute begleiten. Mehrere Menschen mussten ihr Leben lassen und von der riesigen Schadenssumme war nicht einmal ein Fünftel (2,3 Mrd. Euro) versichert. Dadurch wurde das Hochwasser für viele zu einer existenziellen Bedrohung.

Den Bericht zu Hochwasserlage im Frühsommer finden Sie HIER.

Weit schlimmer jedoch traf es im Herbst die Menschen in Südostasien, wo mehrere Taifune, darunter einer der stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen, ganze Landstriche komplett verwüsteten und tausende von Todesopfern forderten. Die Schäden sind bis heute nicht abzusehen, da viele Menschen in diesen Ländern keinen Schutz durch Versicherungen besitzen.

Kommen wir nun aber wieder in heimische Gefilde zu einer anderen, räumlich begrenzteren Extremwetterart: dem Hagel.
Hagel fällt in der Regel aus Wolken mit starker Konvektion. Das sind zumeist Gewitter.
Solange Hagel kleiner als 2cm im Durchmesser bleibt und nicht allzu lang anhält, halten sich die Schäden in Grenzen. Sie treten dann lediglich auf, wenn der Hagel mit starken Windböen auf unser Hab und Gut niederprasselt. Sobald die Korngrößen jedoch zunehmen, steigt auch das Ausmaß der Schäden erheblich. Diese reichen dann durchaus von der Verbeulung der Autokarosserie bishin zur kompletten Entlaubung von Bäumen sowie zur Zerstörung von Fenstern, Fassaden und Dächern. Nicht zuletzt stellt großer Hagel auch eine sehr erhebliche Gefahr für Leib und Leben von Mensch und Tier dar.
Die nachfolgende Hagelintensitäts-Skala gibt über die Auswirkungen genauer Auskunft:

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Hagel gab es auch im Jahre 2013 wieder reichlich. Dabei wurden gleich zwei deutsche Rekorde gebrochen.

Der erste Rekord ergibt sich aus den versicherten Schäden. Mit 2,8 Mrd. Euro stellten die Hagelstürme Ende Juli das für die Versicherungswirtschaft weltweit teuerste Einzelereignis dar. Der Gesamtschaden belief sich gar auf 3,6 Mrd. Euro. Insbesondere der Hagelsturm in Süddeutschland am 28. Juli übertraf dabei deutlich die Schäden des bisherigen Rekordhalters, den Münchener Hagelsturm von 1984.
Auf die 12 Tage vom 26. Juli bis zum 6. August 2013 entfallen allein 46 der 98 in der ESWD bestätigten Großhagelfälle für das Jahr 2013, das sind etwa 47% in weniger als zwei Wochen.

Der zweite Rekord ist der des größten sicher gemessenen Hagelkornes, das je auf deutschen Boden fiel. Es fiel am 6. August in Undingen (Gemeinde Sonnenbühl) auf der Schwäbischen Alb vom Himmel, hatte einen Durchmesser von 14,1cm und wog 360g.


Bericht zum Undinger Riesenhagel von Marco Kaschuba

Die Berichte zu den verheerenden Unwettern finden sie hier:

http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?f=78&t=10540
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?f=78&t=10542
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?f=78&t=10555
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?f=78&t=10578
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?f=78&t=10589

2013 kann also durchaus als Jahr des Hagels bezeichnet werden, eher jedoch als das Jahr des Hagels und der großen Flut.

Quelle der Schadenshöhen: Munich RE


(letzte Aktualisierung: 18.01.2014; 22:18)