Ende Mai/Anfang Juni | Überregionale Hochwasserlage

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bärenfänger
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Ende Mai/Anfang Juni | Überregionale Hochwasserlage

Beitrag von bärenfänger » Sonntag 2. Juni 2013, 00:43


Hochwasser in Passau

Synoptische Übersicht und Wettergeschehen

Eine umgekehrte Omega-Wetterlage bewirkte seit Mitte Mai ein Verharren der Druckgebiete über Mittel und Westeuropa. Anfangs lag dabei zumindest der Osten Deutschlands noch unter dem Einfluss der Warmluft auf der Vorderseite der Ausläufer des gewaltigen atlantischen Tiefkomplexes, was zu ersten Gewittern führte (siehe http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?f=64&t=10368" onclick="window.open(this.href);return false;). Diese Konstellation verlagerte sich aber etwa ab dem 20.05. langsam nach Osten, um dann endgültig stehen zu bleiben. Dabei sorgte ein Kaltluftvorstoß, der verspätete Eisheilige brachte, beim Auftreffen auf feuchtwarme Mittelmeerluft für die Entstehung eines abgeschnürten Tiefdruckgebietes über dem östlichen Mitteleuropa. Aufgrund dessen kann man nicht von einer klassischen Vb-Wetterlage sprechen; siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Vb-Wetterlage" onclick="window.open(this.href);return false;). Dieses Tief nahm fortwährend Energie auf der Südseite vom Mittelmeer auf und ließ die resultierenden Niederschläge über Deutschland, Tschechien, Österreich und der Schweiz niedergehen.
Der Niederschlagsschwerpunkt lag zunächst in Südniedersachsen und Nordhessen, sowie Westthüringen. Im weiteren Verlauf schwenkte ein weiteres Tief von Südfrankreich nach Deutschland. Dieses sorgte vor allem in der Eifel und dem Hunsrück für Regen. Zwischen den beiden Tiefs befand sich eine milde Zone, in der sich Schauer und Gewitter entwickelten. Auf der Vorderseite des westlichen Tiefs wurde dem östlichen über Norditalien weitere feuchtwarme Luft zugeführt. Dadurch kam es vor allem in Thüringen (Thüringer Wald, Holzland, Thüringer Schiefergebirge, Rhön, Vogtland), Sachsen-Anhalt (Harz), Baden-Württemberg und Nordbayern (Fichtelgebirge, Rhön, Fränkische Alb, Oberpfälzer Wald, Vogtland), sowie in Sachsen (Vogtland, Erzgebirge) zu anhaltenden Regenfällen. Zu diesem Zeitpunkt gab der Deutsche Wetterdienst bekannt, dass bereits ein großer Teil deutschen Bodens im Mai so durchnässt war, wie seit 50 Jahren nicht mehr. Immer mehr feuchte Luft gelangte über Osteuropa nach Deutschland und brachte vor allem der Osthälfte weitere Schauer, Gewitter und Dauerregen. Durch das langsam nordostwärts abziehende Tief kam es daher zu einer milden und Regenreichen Nordströmung, die vor allem im Erzgebirge, im Vogtland, im Oberpfälzer Wald, im Böhmerwald und in den Alpen zu extremen Niederschlägen führte.

Hochwassergebiete

Den Niederschlägen folgend lag der Schwerpunkt der Flut zunächst in Südniedersachsen, Westthüringen und Nordhessen. Danach verlagerte er sich nach Mittel- und Ostthüringen, Westsachsen, Süd-Sachsen-Anhalt und Nordbayern. Später dehnte es sich auf ganz Sachsen und Bayern sowie teilweise Südbrandenburg und Baden-Württemberg aus. Der Rhein war infolge des Hochwassers an seinen Nebenflüssen Neckar und Main auch kurzzeitig betroffen. Im Donaugebiet blieben die Pegel vor allem in Niederbayern lange Zeit extrem hoch. Nach dem Rückgang der Fluten am Oberlauf von Weißer Elster, Saale und Mulde war auch die Elbe durch langanhaltende Niederschläge in Tschechien betroffen. Eine Flutwelle ließ den Strom an allen tangierten Städten (Dresden, Meißen, Torgau, Mühlberg, Dessau) bedrohlich ansteigen, örtlich höher als beim Hochwasser von 2002. Flussabwärts wurden neue Rekordfluten u.a. in Magdeburg, Tangermünde, Wittenberge, Hitzacker und weiteren Orten erreicht. Die Elbe nahm teilweise eine extreme Breite an (15km bei Tangermünde). Durch den ausgeprägten Hochwasserscheitel des Flusses gab es Rückstau am Unterlauf von Mulde und Saale, was dort zu langanhaltenden Überschwemmungen führte (v.a. Bernburg an der Saale, Calbe). Durch den langanhaltenden Hochwasserscheitel kam es an vielen Stellen im Saale- und Elbegebiet zu Dammbrüchen, sodass tausende Menschen evakuiert werden mussten. Am 09.06. gar wurden in den v.a. östlich der Elbe gelegenen Stadtteilen Magdeburgs allein 23.000 Menschen aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Auch Österreich, die Schweiz, Polen, Tschechien und Ungarn waren vom Hochwasser betroffen.

Baden-Württemberg:
v.a. Neckar, Donau und Main sowie deren Zuflüsse (zeitweise an rund 50% aller Pegel im Land Hochwasser, davon mehrere mit der höchsten Warnstufe)

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/polit ... 28,2029713" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.suedkurier.de/nachrichten/ba ... 21,6090383" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.rp-online.de/panorama/deutsc ... -1.3437051" onclick="window.open(this.href);return false;


Bayern:
v.a. Donau, Inn und Main sowie fast sämtliche Zuflüsse in deren Einzugsgebiet (zeitweise an mehr als 70% aller Pegel im Land Hochwasser, davon mehrere mit der höchsten Warnstufe)
In mehreren Landkreisen und Städten wie Passau und Rosenheim wurde Katastrophenalarm ausgerufen.
In Passau wurde ein neuer Rekordpegel von 12,89m erreicht (Stand 03.06.; 21.00 Uhr, Quelle: http://www.hnd.bayern.de" onclick="window.open(this.href);return false;). Eine vergleichbare Flut gab es dort zuletzt im ausgehenden Mittelalter.

http://www.spiegel.de/panorama/wetter-h ... 03290.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.augsburger-allgemeine.de/bay ... 68896.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.mittelbayerische.de/nachrich ... ayern.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.sueddeutsche.de/panorama/hoc ... -1.1686755" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.focus.de/panorama/juergentes ... 04379.html" onclick="window.open(this.href);return false;


Brandenburg:
Nach mäßigem Hochwasser an Neiße, Spree, Oder und Schwarzer Elster, stellte vor allem die Flutwelle auf der Elbe mit ihrem langen Hochwasserscheitel eine Bedrohung dar.
http://www.morgenpost.de/brandenburg-ak ... ttern.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.morgenpost.de/brandenburg-ak ... ilfen.html" onclick="window.open(this.href);return false;


Hessen:
v.a. Werra und Fulda sowie deren Zuflüsse am Unterlauf (zeitweise an mehr als 30% aller Pegel im Land Hochwasser, davon mehrere mit der höchsten Warnstufe)

http://www.giessener-allgemeine.de/Home ... id,11.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.hersfelder-zeitung.de/nachri ... 35063.html" onclick="window.open(this.href);return false;


Mecklenburg-Vorpommern:
Das Bundesland wurde zunächst von Hochwasser verschont, dafür wurde es umso härter durch die Flutwelle der Elbe getroffen.
http://www.svz.de/nachrichten/home/top- ... 81d099754a" onclick="window.open(this.href);return false;


Niedersachsen und Schleswig-Holstein:
v.a. Harzzuflüsse der Aller, rund zwei Wochen später Flutwelle an der Elbe, wobei auch das zuvor verschonte Schleswig-Holstein getroffen wurde.

http://www.spiegel.de/panorama/hochwass ... 02610.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.weser-kurier.de/region/niede ... 80474.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/re ... assen.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.kreiszeitung.de/lokales/nied ... 48461.html" onclick="window.open(this.href);return false;


Sachsen:
v.a. Weiße Elster, Mulde, Lausitzer Neiße und Elbe sowie fast sämtliche Zuflüsse in deren Einzugsgebiet (zeitweise an mehr als 90% aller Pegel im Land Hochwasser, davon mehrere mit der höchsten Warnstufe)
Für verschiedene Gebiete, unter anderem den Landkreis Mittelsachsen und Leipziger Land sowie die Städte Leipzig und Dresden, wurde Katastrophenalarm ausgerufen.

http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/T ... 408992.php" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.stern.de/panorama/katastroph ... 19013.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.sz-online.de/nachrichten/hoc ... 86365.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.lvz-online.de/leipzig/cityne ... 90805.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.welt.de/vermischtes/article1 ... chsen.html" onclick="window.open(this.href);return false;


Sachsen-Anhalt:
v.a. Saale, Mulde und deren Zuflüsse (zeitweise an mehr als 50% aller Pegel im Land Hochwasser, davon mehrere mit der höchsten Warnstufe), später Flutwelle an der Elbe

http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/ ... 92348.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/ ... 93746.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.mz-web.de/wirtschaft/hochwas ... 60842.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/ ... 49396.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.spiegel.de/panorama/hochwass ... 04904.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitges ... sen-anhalt" onclick="window.open(this.href);return false;


Thüringen:
v.a. Werra, Saale und Weiße Elster sowie sämtliche Zuflüsse im Einzugsgebiet von Saale und Weißer Elster (zeitweise an mehr als 80% aller Pegel im Land Hochwasser, davon mehrere mit der höchsten Warnstufe)
Im Landkreis Greiz sowie in Gera wurde Katastrophenalarm ausgerufen.

http://www.thueringer-allgemeine.de/sta ... -327282023" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.ovz-online.de/web/ovz/nachri ... 2250843442" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.thueringer-allgemeine.de/web ... 1626823209" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.otz.de/startseite/detail/-/s ... 1371214862" onclick="window.open(this.href);return false;

Insbesondere in Teile Bayerns, Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens wurde die Bundeswehr zur zusätzlichen Unterstützung beordert.


Hochwasser Grimma

Die 90-stündigen Höchstsummen der Niederschläge:

Baden-Württemberg:
Burladingen-Hausen: 154,0 mm
Stötten: 138,1 mm

Bayern:
Aschau-Stein: 405,1 mm
Kreuth-Glashütte: 372,8 mm

Sachsen:
Stützengrün-Hundshübel: 224,0 mm
Carlsfeld: 194,3 mm

Thüringen:
Langenwetzendorf-Göttendorf: 119,0 mm
Ponitz: 113,3 mm

Quelle: Deutscher Wetterdienst


Radaranimation der Hauptniederschläge

Lediglich der äußerste Westen und der Norden, insbesondere der Nordosten waren nicht von Hochwasser betroffen.


(letzte Aktualisierung: 18.01.2014; 21:23)

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