19. - 22.07.2011 | v.a. Bayern, Sachsen | Dauerregen

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bärenfänger
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19. - 22.07.2011 | v.a. Bayern, Sachsen | Dauerregen

Beitrag von bärenfänger » Montag 25. Juli 2011, 00:35

Synoptische Übersicht

Ein Tiefdruckgebiet über Westeuropa verlagerte seinen Schwerpunkt nach Süddeutschland (Quelle: DWD). Durch die daraus resultierende Südströmung entstand ein Leetief auf der Alpennordseite durch das um die Alpen herum noch mehr feuchte Mittelmeerluft herangeführt wurde. Dadurch wurde in den Medien oft der Eindruck vermittelt, es handele sich um ein Vb-Tief.
Eine solche Wetterlage setzt jedoch eine Nordwestwetterlage über Westeuropa voraus, die ein Atlantiktief in der Regel über die Biskaya ins westliche Mittelmeer drängt. Dort kann ein solches Tief viel Energie in Form feuchtwarmer Luft über der aufgeheizten Wasserfläche aufnehmen, wodurch es weiter verstärkt wird. Oft sorgen starke nachströmende Saharawinde oder ein blockierendes Hoch im Osten dann dafür, dass das Tief um oder über die Alpen nach Norden wandert, wo es an den in der Zugbahn liegenden Gebirgen dann oft zu extremen Niederschlagssummen kommen kann. Bekannte Hochwasserlagen wie Oderflut 1997, Elbeflut 2002 oder Alpenhochwasser 2005 entstammen einem derartigen Tiefdruckgebiet.
Diese Situation war diesmal nicht gegeben, wenn auch die Auswirkungen denen eines Vb-Tiefs sehr ähnlich waren.

Bild

(Quelle: Wetterzentrale)

19.07.2011

Vor dem Eintreffen des Leetiefs war ein Zusammenströmen feuchtwarmer Luft im nördlichen Alpenvorland gegeben. Die in der Luft enthaltene Energie entsprach zwar nicht derjenigen, die sonst bei Schwergewitterlagen üblich ist, jedoch sorgte eine relativ starke Geschwindigkeitsscherung des Windes durch einen darüber liegenden Ausläufer des Jetstreams für einen hohen Organisationsgrad der konvektiven Entwicklungen.
So bildete sich am Abend im Allgäu ein Gewittercluster mit eingelagerter Superzelle. Das Unwetter brachte Sturmböen, Starkregen und Hagel von bis zu 4cm Korngröße hervor. Im weiteren Verlauf entwickelte sich daraus ein kurzes aber sehr intensives, zeitweise linienförmiges Gewittercluster, das sich WNW-wärts verlagerte, dabei München passierte und noch bis zum späten Abend im östlichen Oberbayern aktiv war. Parallel dazu entwickelten sich auch einzelne Gewitter in der fränkischen Region.

Bild
Superzelle im Alpenvorland, Foto: Daniel Eggert

Pressemeldungen:

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Videos:

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Unabhängig davon traf noch am frühen Abend ein großes Regengebiet in Baden-Württemberg ein, das sich nur langsam ostwärts verlagerte und an Intensität zunahm. Bis Mitternacht hatte es Schwaben und fast den gesamten Freistaat Bayern eingenommen.

20.07.2011

In den Morgenstunden erstreckte sich das Regengebiet im Wesentlichen zweiarmig vom nördlichen Württemberg ausgehend jeweils zu den Alpen und zum Erzgebirge. Zu dieser Zeit waren die höchsten Niederschlagsmengen am östlichen Alpenrand und in Franken zu verzeichnen. Bis zum Abend zogen sich die Niederschläge vor allem an den Alpenrand zurück, griffen aber nun zunehmend auf Ostbayern, Sachsen und Südbrandenburg über. Hier begannen vor allem die Pegel kleinerer Flüsse zu steigen.

Pressemeldungen:

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21.07.2011

Während sich die Hauptniederschläge im Laufe des Tages zunehmend auf Ostsachsen, Brandenburg und Vorpommern beschränkten, hielt mit einer nordwestlichen Strömung wechselhaftes mit Gewittern durchsetztes Schauerwetter Einzug. Derweil fielen die Pegel in Bayern wieder, doch in Ostsachsen blieb die Lage ob der andauernden Regenfälle angespannt. Die großen Flüsse jedoch stellten weniger eine Gefahr dar, da ihre Pegel durch die über das Jahr nur gering ausgefallenen Niederschläge nur niedrig waren und viel Wasser fassen konnten.

Die Niederschläge erreichten bis zum Mittag teilweise beträchtliche Summen:

Aschau (Oberbayern) – 125 Liter/Quadratmeter
Gräfenberg (Franken) – 121 Liter/Quadratmeter
Kubschütz (Ostsachsen) – 107 Liter/Quadratmeter
Boxberg (Ostsachsen) – 102 Liter/Quadratmeter

(Quelle: DWD)

22.07.2011

Auch an diesem Tage hielten die Niederschläge im Osten an und verlagerten sich im Laufe des Tages nur langsam nordwärts. Bis Mitternacht lag das Regengebiet etwa in einem Streifen von der Lausitz bis nach Schleswig-Holstein.
Bis zum folgenden Morgen hatten sich die Niederschläge in den Nordosten zurückgezogen, ließen aber auch dort bald nach.
Insgesamt ist festzustellen, dass die Niederschläge vor allem in der Mitte weitaus weniger ausgedehnt ausfielen als zunächst prognostiziert. So nahm der Deutsche Wetterdienst schon im Laufe des 20.07.2011 viele Unwetterwarnungen vorwiegend in Thüringen zurück. Der Schwerpunkt lag weiter östlich als erwartet, sodass auch Westpolen und Tschechien betroffen waren.

Die Schäden durch Hochwasser hielten sich glücklicherweise in Grenzen verglichen mit ähnlichen Hochwassersituationen.
Besonders hohe Wasserstände verzeichneten in Bayern der Regen und seine Nebenflüsse, in Sachsen die Neiße und die obere Spree.

(letzte Änderung: 10.04.2012)

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