[Downburst] 26.07.2008 - Rebberlah (CE, Niedersachsen)

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Thilo Kühne
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[Downburst] 26.07.2008 - Rebberlah (CE, Niedersachsen)

Beitrag von Thilo Kühne » Sonntag 27. Juli 2008, 11:15

Hallo,

in der UWZ gab es gestern diese Meldung:

"Niedersachsen Landkreis Celle, PLZ 29348
gemeldet am 26.07.2008 um 21:29 Uhr

Am 26.07. gegen 18:00 Uhr quasi aus fast heiterem
Himmel, in der näheren Umgebung waren zwar einige
Gewitterzellen zu erkennen und eine kleinere
Dunkle Wolke über Eschede zu erkennen, bildete
sich in Rebberlah (bei Eschede) ein mini Tornado
dem dutzende Bäume (Eichen und Buchen mit
Stammdurchmesser bis 1,20m) zum Opfer fielen. Die
Gebäudeschäden sind glücklicher Weise überschaubar
geblieben. Die kompletten Feuerwehren der SG
Eschede waren mehrere Stunden im Einsatz."
Quelle: Unwetterzentrale Deutschland, Benutzermeldungen, 26.07.2008, 2129 CEST

viele Grüße,
Thilo
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Seb66
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Re: [Verdacht] 26.07.2008 - Rebberlah (CE, Niedersachsen)

Beitrag von Seb66 » Sonntag 27. Juli 2008, 14:13

Sehr interessant. Ich hoffe nur es gibt vielleicht noch Meldungen aus dem Raum hannover. Denn ich habe eine interessante Sichtung gehabt, wobei ich mir nicht sicher bin was es war! Es sah von weiten aus wie ein Schlauch. Werde die anderen vier Bilder mal aneinander reihen und Animieren. Leider passt das mit dem Ort nicht überein. Wir haben das in "ding" in Richtung Hannover an Vechelde vorbei. Wobei dies aus der Regenwand heraus kam. Bisher nahm man in einem Forum an es sei ein eventueller Funnel oder ein Böenfrontzahn.

Danke jedenfalls für diese Meldung. Vielleicht bestätigt sich da noch mehr.

Thomas Sävert
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Re: [Verdacht] 26.07.2008 - Rebberlah (CE, Niedersachsen)

Beitrag von Thomas Sävert » Dienstag 29. Juli 2008, 07:21

Hallo zusammen,

nur als Zwischeninfo: Jemand war und ist noch mal vor Ort und ist auch genau instruiert. Fotos der Schäden sind auch gemacht, mehr kommt also noch die Tage. Vor allem die Vegetationsschäden sind heftig, Gebäudeschäden halten sich zum Glück in Grenzen.

Grüße, Thomas Sävert
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Sven Lüke
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Re: [Verdacht] 26.07.2008 - Rebberlah (CE, Niedersachsen)

Beitrag von Sven Lüke » Samstag 23. August 2008, 08:51

Martin Hubrig war gestern vor Ort und hat den Schaden untersucht. Seinen Ergebnissen nach eindeutig ein Downburst. Genaueres wird er später dazu selbst schreiben.

Grüße, Sven

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Re: [Downburst] 26.07.2008 - Rebberlah (CE, Niedersachsen)

Beitrag von Forstexperte » Sonntag 24. August 2008, 10:16

Hallo Sven, Hallo zusammen,

hier nun der angekündigte Bericht:

Im Rahmen der diesjährigen Waldzustandserhebung war ich auch in Eschede nordöstl. von Celle, Niedersachsen. Dort erfuhr ich von einem angeblich durch einen Tornado angerichteten Sturmschaden im Westteil der kleinen Ortschaft Rebberlah knapp 5 km westlich von Eschede. Das Ereignis fand am Samstagabend des 26. Juli, etwa gegen 18:00 MESZ statt, weil dann die Feuerwehr alarmiert worden sei. Zu dieser Zeit habe es in Eschede nur leicht (große Tropfen!) geregnet und sogar die Sonne geschienen. Ein Gewitter war weiter entfernt gewesen.
Ich nahm mir eine gute h Zeit und sah mir den Schaden von Ort an. Obwohl auch die Forstschäden schon zu einem erheblichen Teil aufgearbeitet waren, war noch erkennbar, dass es sich hier in der Spitze um ein T4/F2-Ereignis gehandelt hat. Es handelt sich um z .T. ca. ha große totale Bestandesschäden. Auch zahlreiche Randbäume waren der Last des Sturmes nicht gewachsen. Der Anteil an Windbruch zu Windwurf war wegen der bereits fortgeschrittenen Aufarbeitung leider nicht mehr erkennbar, wohl aber die Fallrichtungen der Bäume anhand der Wurzelteller. Einige Eichen hatten einen BHD von über 1m, was natürlich einen eindrucksvollen Schaden darstellt. Allerdings war der Boden überwiegend ein trockener, leichter Sandboden ohne allzufeste Wurzelverankerung. Demnach und auch anhand der Aussagen des zuständigen Försters überwog der Anteil an Wurf zu Bruch. Es gab aber auch einige Baumbrüche, auch einige abgedrehte Eichen seien dabei gewesen. Der Gesamtschaden beläuft sich auf ca. 1000 Fm, davon überwiegend Eiche. Daneben, Buche, Kiefer und Douglasie.

Die Schadensschneise war allerdings mit ca. 300 m Breite und ca. 1 km Länge für einen Tornado recht breit und kurz. Zudem waren die Fallrichtungen ziemlich einheitlich von OSO nach WNW (mit Tendenz von OI nach W). Auffällig war dann aber eine Divergenz am linken (südlichen) Schneisenrand erkennbar. Hier ging die Fallrichtung bis von SO nach NW. Und am rechten (nördlichen) Schneisenrand konnte ich in einem kleinen, noch nicht aufgearbeiteten Feldgehölz Fallrichtungen von SO nach NW (mit leichter Tendenz zu von SSO nach NNO erkennen. Somit war doch eine recht deutliche Divergenz erkennbar. Zusammen mit der Schneisenform entspricht das Schadensbild vor Ort also überhaupt nicht demjenigen eines Tornados.

Der zuständige Förster wohnt am Ende der Schneise und hat das Ereignis mitbekommen, allerdings nicht so wie wir, sondern als jemand, der noch schnell versucht die gröbsten Schäden zu verhindern, da im Haus aufgrund der warmen Witterung noch viele Fenster offen waren, dies es galt zu schließen. Er hatte unmittelbar vor dem Sturm eine dunkle Wolkenwand, die bis zu Erde rechte, beobachtet. Rotation konnte der nicht beobachten. Plötzlich ging alles sehr schnell. Es gab riesige Regentropfen (solch große habe er noch nie gesehen) und es kam ein schlimmer Sturm auf. Das Getöse sei so laut gewesen, dass das Bersten und Fallen der Bäume nicht zu hören gewesen sei. Von den Auswirkungen des ca. 2 bis 3 minütigen Sturmes habe er ach zunächst gar nichts mitbekommen, da er wie wild durchs Haus gerannte sei, um Fenster zu schließen und die Auswirkungen durch eindringendes Wasser zu begrenzen. Plötzlich habe das Toben aufgehört und es sei hell geworden –viele heller als vorher- da der Wald von seinem Haus nun stark gelichtet war. Einen Augenzeugen, das den Hergang genau beobachtet habe, konnte er mir nicht nennen. Wohl aber einen Mähdrescherfahrer, der mitten im Geschehen drin war. Dieser habe vom eigentlichen Sturm drum herum aber auch nicht viel mitbekommen. Er habe ein plötzliches lautes Pfeifen gehört, die Maschine habe geruckelt, es wurde dunkel und die Sicht schwand. Als das Ganze nach 2-3 min vorüber war, stellte er fest, dass die Außenspiegel des Mähdreschers fehlten. Ansonsten erlitten er und die Maschine offenbar keinen Schaden.

Als ich dem Förster von meiner Einschätzung , dass der Sturm mit großer Sicherheit ein Downburst und nicht, wie von allen dort gesagt ein Tornado war und ich ihm grob den Ablauf eines Downbursts erklärte, stimmte er mir sogleich zu und hielt dies aufgrund des Erlebten ebenfalls für viel plausibler. Hierzu passt auch die offenbar große Niederschlagsintensität wahrend des Ereignisses und die sehr großen Regentropfen. Vermutlich hat beim Phasenübergang vom Hagel zum Regen die freiwerdende Kälte einen zusätzlichen Abwärtsschub des Luftstroms bewirkt.

Bilder hab ich natürlich einige gemacht. Doch aus Zeitgründen schaffe ich es vorerst nicht, diese hier einzustellen. Aus diesen geht auch nicht unbedingt T oder D hervor, Nur die T4/F2-Intensität lässt sich hiermit ablesen. Zur Klärung eines Sachverhaltes wie T oder D sind einzelne Bilder tatsächlich oft (wie hier) nicht geeignet, sondern erst die Gesamtbetrachtung des Schadens kann in einer größeren Anzahl an Fällen Klarheit bringen.

Für mich ist dieser Fall geklärt. Es war ein T4/F2 Downburst.
Daher bitte ich um ein verschieben dieses Threads in denjenigen für Dokumentationen, Analysen und Recherchen. Die Überschrift hab ich schon geändert.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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