[Verdacht] 01.03.2008 - Halle/Westf. (Kreis GT, NRW)

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Forstexperte
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[Verdacht] 01.03.2008 - Halle/Westf. (Kreis GT, NRW)

Beitrag von Forstexperte » Dienstag 4. März 2008, 23:43

Hallo zusammen,

Aufgrund dieses Zeitungsberichtes muss ich ein Ereignis in meiner Nähe auch erst mal als Verdachtsfall setzen. In der Tornadoliste von Thomas Sävert ist dieser auch als Tornado-Verdachtsfall gelistet.
Diesen werde ich am Samstagvormittag aufzuklären versuchen.

Hier der Zeitungstext:
„Wie schnell sich der Sturm durch besondere Gegebenheiten des Geländes zu zerstörerischer Kraft hätte entfalten können, zeigt sich im Staatswald in der Nähe des Hesseltals. 50 bis 60 stattliche Bäume, vor allem Buchen, wurden von der Gewalt einer örtlich auftretenden Windhose umgerissen. Manche der Bäume wurden mitsamt ihrer Wurzelteller aus dem Boden gerissen, andere zersplitterten zu bizarren Monumenten der beeindruckenden Zerstörungskraft der Naturgewalt Wind.“
Quelle: Haller Kreisblatt
http://www.haller-kreisblatt.de/hk-temp ... d-harmlos/

Ich vermute stark, dass die Wörter „örtlich auftretenden Windhose“ aufgrund der lokal verstärkten Windwirkung und nicht wegen eines tatsächlichen Tornados gewählt wurden, aber mal sehen. In meiner Gegend hab ich bis jetzt nur Einzel- oder kleinere Nesterwürfe beobachtet, letztere in von Kyrill aufgerissenen und damit labilisierten Waldbeständen.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert » Mittwoch 5. März 2008, 05:33

Moin Martin,

ein erster Bericht zu diesem Fall folgt heute im Laufe des Tages, früher geht es leider nicht. Im Moment könnte mein Tag gern 6 Stunden mehr haben, dann wären wir wohl schon bei einigen Fällen etwas weiter.

Grüße, Thomas Sävert
Tornadoliste Deutschland
http://www.tornadoliste.de

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Beitrag von Thomas Sävert » Mittwoch 5. März 2008, 17:39

Hallo zusammen,

hier ein Bericht zum Fall:

http://www.naturgewalten.de/080301halle.htm

Was hier in der Schneise 2 wirklich passierte, ist offen, aber eifach eine sehr starke Böe als Ursache wahrscheinlicher als ein Tornado.

Gruß, Thomas Sävert
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Beitrag von Forstexperte » Mittwoch 5. März 2008, 20:06

Hallo Thomas,

einen Tornado halte ich aufgrund der auf den Fotos zu sehenden Fallbilder für nahezu ausgeschlossen.
Ich werde trotzdem am Samstag dorthin fahren und einen kleinen Spaziergang machen.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitrag von Heiko Wichmann » Donnerstag 6. März 2008, 00:29

Hallo Thomas,

ich denke auch das die Bilder erst mal alle Möglichkeiten offen lassen.


@Martin,
bei dem zersplitterten Stamm auf einem der Bilder ist mir im ersten Augenblick ein Blitz eingefallen. Vielleicht kannst du da mal nachschauen.

Grüsse Heiko
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Beitrag von Forstexperte » Samstag 8. März 2008, 15:19

Hallo zusammen,

ich war vorhin dort und habe mir beide Schadenbereiche angesehen.
Die Schäden waren etwas größer als man aus dem bisherigen Bericht von Roman Russland entnehmen kann. Habe insges. ca. 40 Bilder geschossen.
Leider komme ich erst nächste Woche zum einstellen, da das WE ab gleich bis Morgen abend verplant ist.
Beim östlichen Schaden ist die Sache klar, hier ist es aufgrund der Orographie u. Waldkanteneffekten zum Schaden gekommen, den ich dort mit T2 bewerte.

Der Hauptschaden jedoch wird tatsächlich ein vermutlich nicht aufzuklärendes Ereignis bleiben. Hier bin ich mir nicht sicher, ob nur Orographisch und Waldstrukturbedingt, oder ob evt. doch kurzlebiger Tornado. Die Intensität war mit deutlich T3 über das allgemeine Niveau deutlich herausgehoben.
Die insges. ca. 250 m lange Schneise hatte eine W-O Ausrichtung.
Die Fallrichtungen waren zunächst scheisenrichtungskonform, wechselten dann im hinteren, breiteren Teil von SSW nach NNO, also etwa quer zur Schneise. Insgesamt: Die Bäume (überwiegend Buchen, einzelne Fichten) lagen von SSW nach NNO bis bis von WNW nach OSO, also um ca. 90° versetzt. Wie gesagt, später mehr.

Auf der gegenüberligenden Hangseite gab es auch einen größeren Kyrill-Altschaden.

@ Thilo, ich würde diesen Schaden in jedem Fall als T3 Windereignis in deie ESWD aufnehmen. die unklare Ursache würde ich herausstellen.

@ Heieko, Ein Blitzschaden war definitiv nicht dabei, der fragliche Schaden auf dem Handyfoto ist ganz klar ein Sturmschaden.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitrag von Heiko Wichmann » Samstag 8. März 2008, 22:38

Hallo Martin,

danke fürs Nachschauen. Aufgrund der Jahreszeit hätte es mich schon gewundert, aber aus der Perspektive dieses Bildes sah es schon nach einem Blitzschaden aus.


Grüsse Heiko
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Beitrag von Forstexperte » Montag 31. März 2008, 22:43

Hallo zusammen,

hier habe ich, wie auf dem EWK in Hamburg angekündigt, den Fall noch einmal aufgearbeitet und dokumentiert. Zur Übersicht bitte den Beitrag von Roman Russland in der Tornadoliste von Thomas Sävert klicken.
http://www.naturgewalten.de/080301halle.htm" onclick="window.open(this.href);return false;


Zur Ergänzung hier ein Scan der Print-Ausgabe des Haller Kreisblattes.
Interessant ist, dass hier 2 Mal von einer Windhose = Tornado geschrieben wird, in der Bildunterschrift als Schadensursache allerdings Geländeeinflüsse als Ursache deklariert werden:

Bild

Quelle: Haller Kreisblatt vom 03.03.2008


Darüber hinaus habe ich mir ein Ausschnitt aus der TK 25 auf den Maßstab 1 : 2.500 hoch kopiert (10-fache Vergrößerung). Und dort die beiden Schadensbereiche eingetragen.

Bild


Die Ursache des Sturmschadens im Bereich 1 ist klar. Hier waren im Zusammenspiel mit Waldkanten-Effekten und orographischen Einflüssen („Überfallwinde in Verbindung mit Tälchenkanalisierung“) „normale Sturmböen“ die Ursache. Die nächsten 4 Bilder zeigen den dortigen Schaden, der an 2 um knapp 100 m versetzten Stellen aufgetreten ist. Roman Russland hatte nur den östlichen Schaden unmittelbar am Waldrand (Bild 1 und Detailbild 2) gezeigt.

Bild 1:
Dir Fichte im Vordergrund erlitt einen Druckschaden u. wurde tlw. ausgehebelt.

Bild

Bild 2, Detailbild:
Die gebrochene u. zersplitterte Fichte war im Holz gesund.

Bild

Bild 3:
Blickrichtung Osten. Rechts im Hintergrund ist der zuvor gezeigte Schaden Man erkennt, dass eine weitere Fichte in etwa halber Höhe abgebrochen ist. Ganz links der 2. (westliche) Teilschaden im Schadensbereich 1.

Bild

Bild 4:
Zeigt eine Übersicht des 2. (westlichen) Teilschaden im Schadensbereich 1.

Bild

Bild 5:
Hier lässt sich erkennen, dass die dort entwurzelten Fichten relativt tief gewurzelt haben, was auf eine relativ gute Verankerungsfestigkeit hinweist.

Bild

Aufgrund der rel. tiefen Durchwurzelung und dem Bruch zweier im Holz völlig gesunden Fichten ist hier bereits von T2-Intensität, also einer vollen Orkanböe auszugehen. Das war bereits mehr als die im dortigen Gebiet max. aufgetretenen Sturmböen.



Nun zum interessanten Schadensbereich 2
M. M. nach wird es hier keine Aufklärung bzgl. der Sturmart geben. In diesem Bereich ist eine Schneise von insgesamt etwa 250 bis 300 m Länge entstanden. Die Breite variiert von anfangs < 10 m bis zu gut 30 m im Bereich ab etwa der Mitte und nimmt zum Ende wieder ab. Auf der Karte entsteht der Eindruck, als sei die Schneise breiter. Doch dies liegt an den gefallenen, teilweise über 35 m hohen Buchen, die teilweise um mehr als 20 m in ansonsten nicht tangierte Bestandesteile hineingestürzt sind. Der Verlauf der Schneisenrichtung ist insgesamt etwa von WSW nach ONO. Zu Beginn verläuft die Schneise von W nach O, biegt dann aber in eine eher nordöstliche Richtung ab.


Bild 6:
Blickrichtung etwa WNW.
Beginn der Schneise auf einem schmalen Hügelrücken. Breite hier nur eine Baumreihe.
Die Person auf dem Bild (und weiteren nachfolgenden) ist meine 10-jährige Tochter Lea-Christina.

Bild

Bild 7:
Blickrichtung etwa ONO.
Etwa 20 m nach Beginn der Schneise. Hier wurde eine rel. schlanke, aber gut verankerte Buche entwurzelt. Breite hier nur eine Baumreihe.

Bild

Bild 8:
Blickrichtung etwa ONO.
Etwa derselbe Standpunkt wie im Bild zuvor (Bild7). Hier kann erkennen, dass 2 Fichten in etwa halber Baumhöhe Stammbruch erlitten haben.

Bild

Bild 9:
Blickrichtung etwa N.
Hier noch einmal derselbe Schadensbereich in seitlicher Übersicht.
Die kahle Fläche im Hintergrund ist ein Kyrill-Altschaden. Dazwischen befindet sich ein schmales Kerbtälchen, welches auf diesem Bild nur ansatzweise erkennbar ist.

Bild

Bild 10:
Blickrichtung etwa (O)NO.
Hier hat man eine Übersicht nach den etwa ersten 50 Schadens - m über den weiteren Schneisenverlauf.

Bild

Bild 11:
Blickrichtung etwa WNW.
Blick von etwa der Schneisenmitte zurück. Hier ist die Schneise deutlich breiter geworden. Allerdings ist in diesem Bereich auch die Bestockung geringer gewesen. Hier lässt sich das flache Kerbtälchen gut erkennen.

Bild

Bild 12:
Blickrichtung etwa NO.
Blick von etwa der Schneisenmitte zum Ende der Schneise.
Die Schäden auf der gegenüberliegenden Hangseite sind bis auf eine gefallene Fichte knapp links der Bildmitte sind sämtlich Kyrill-Altschäden.

Bild

Bild 13:
Blickrichtung etwa NO.
Blick von etwa der Schneisenmitte, von Bild 12 etwa 20 m weiter schräg hangabwärts zum Ende der Schneise.
Oberhalb von Lea-Christina - vor dem dichteren Fichtenbestand lässt sich die aktuell geworfene Fichte erkennen. Diese zeigt schön konvergent zu den am Ende der Schneise gefallenen Buchen. Die ist ein Tornadoindiz. Allerdings könnte die Fichte auch zu einem späteren Zeitpunkt gefallen sein.

Bild

Bild 14:
Blickrichtung etwa ONO.
Blick von etwa der Schneisenmitte, etwas weiter zum Ende hin. Hier lässt sich die Abweichung in der Fallrichtung etwa quer zum Schneisenverlauf gut erkennen. Die vordere Buche ist noch Schneisenkonform gefallen, die dahinter stehenden nicht mehr. Dies ist ein rel. deutliches Tornadoindiz. Allerdings könnten die Buchen auch aufgrund des Microrelifes und der Tatsache, dass diese zum Tälchengrund frei schwingen konnten, abweichend von der Zugrichtung gefallen sein. In Zugrichtung, bzw. hangaufwärts wurden diese beim Schwingen durch Nachbarindividuen gestützt, bzw. zurückgefedert. Auch könnte der rel. lockere Boden ein hangabwärts gerichtetes Fallen unterstützt haben.

Bild

Bild 15:
Blickrichtung etwa ONO.
Blick etwas weiter, bereits vom Schneisenende aus zum Ende der Schneise links der Bildmitte. Detailaufnahme. Man sieht schön, wie stark die Rinde bei Gegenschlagen des Stammes abgeschlagen wurde. Derartige Rindenschäden sind neben den Faserausrissschäden, die v. a. in der Zeit des Saftstromes entstehen, von den Rindenschäden durch „Sandstrahl-Effekt“ zu unterscheiden.

Bild

Bild 16:
Blickrichtung etwa NW.
Blick auf das breitere Zentrum der Schneise. Der Schaden auf der gegenüberliegenden Seite ist der bereits erwähnte Kyrill-Altschaden. Die einzelnen gefallenen Bäume auf der gegenüberliegenden Hangseite wurden ebenfalls bereits von Kyrill geworfen.

Bild

Bild 17:
Blickrichtung etwa N.
Blick vom breiteren Zentrum der Schneise Richtung Nordrand. Hier sind die Buchen etwa quer zur Schneisenrichtung gefallen. Alle Bäume auf der gegenüberliegenden Hangseite wurden bis auf die Fichte vor dem dichten Fichtenbestand (s. Kommentar zu Bild 13) bereits von Kyrill geworfen.

Bild

Bild 18:
Blickrichtung etwa W.
Detailfoto des Wurzeltellers einer Buche von der Seite. Auffallend ist neben der Mächtigkeit – der zu sehende Stab ist ein 2 m langer Kartiererzollstock - der lockere und damit gut durchwurzelbare Boden, eine kolluvial überprägte, kalksteindurchmengte Lößlehmfließerde.

Bild

Bild 19:
Blickrichtung etwa ONO.
Detailfoto des Wurzeltellers einer anderen Buche von vorn. Man erkennt den hohen Stein- und teilweise bereits Blockgehalt im tieferen Unterboden. Bei aller Lockerheit ist der Standort bzgl. der Verankerungsfestigkeit doch als gut zu bezeichnen.

Bild


Mein (vorläufiges) Fazit zum Schadensbereich 2:
Tornadoindizien sind vorhanden.
Die Relation Schneisenlänge zu Breite liegt bei nicht viel kleiner 10.
Es ist nach sehr schmalem Schneisenbeginn im mittleren und hinteren Verlauf eine deutliche Abweichung in der Fallrichtung zum Schneisenzentrum erkennbar.
Eine auf der gegenüberliegenden Tälchenseite geworfene Fichte weist schräg zum Schneisenzentrum hin.

Entkräftet können diese Indizien durch folgendes werden:
Eine insgesamt knapp 300 m lange Schneise ist für einen Tornado ziemlich kurz.
Die Buchen sind aus den in Bild 14 beschriebenen Gründen abweichend von der allgemeinen Stoßrichtung gefallen.
Die Fichte auf der gegenüberliegenden Seite wurde durch eine zu einem späteren Zeitpunkt erfolgte Sturmböe zu Fall gebracht.
Und nirgends konnte ich auffällige Verfrachtungen erkennen.

Die Intensität dürfte allerdings bei T3 gelegen haben. Damit bleibt festzuhalten, dass dieses Sturmereignis deutlich über allen mir im hiesigen Raum bislang bekannt gewordenen Windereignissen gelegen hat.

Ich finde, hier haben wir ein gutes Beispiel für ein unbekanntes T3/F1 - Windereignis, welches auch als solches in den Datenbanken verbucht werden sollte.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitrag von Cumulus Humilis » Dienstag 1. April 2008, 17:30

Hallo Martin,

danke für diese ausführliche und detaillierte Analyse. Da sieht man mal wieder wie sehr es gerade bei grenzwertigen Ereignissen auf eine genaue Beobachtung und Dokumentation der Details ankommt!

Eine Frage stellt sich mir bei den Bildern 14 und 19: Da die vordere Buche jeweils auf den beiden anderen liegt, frage ich mich, ob deren Sturz nicht mitursächlich für den beiden anderen und evtl. auch die abweichenden Fallrichtungen gewesen sein kann?

Gruß,
Andreas
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Beitrag von Thilo Kühne » Dienstag 1. April 2008, 18:30

Hallo Martin,
@ Thilo, ich würde diesen Schaden in jedem Fall als T3 Windereignis in deie ESWD aufnehmen. die unklare Ursache würde ich herausstellen.
Wäre kein Problem, aber es gibt in Westfalen drei Halle's. Welches ist der besagte Ort?

Halle 52.0667N 8.3667E
Halle 52.4333N 8.9167E
Halle 51.2000N 7.2833E

ok, letzteres dürfte im Sauerland sein, aber die anderen beiden?

Du warst ja vor Ort, könnten wir dieses Ereignis für einen Eintrag noch genauer mit dem Ereignisort (Koordinatenmarke) vermerken. Der Ort der Schäden ist ja nicht Halle, sondern in einem nahegelegenen Waldgebiet.

viele Grüße,
Thilo
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Beitrag von Forstexperte » Dienstag 1. April 2008, 22:13

Hallo Andreas,
Cumulus Humilis hat geschrieben: Eine Frage stellt sich mir bei den Bildern 14 und 19: Da die vordere Buche jeweils auf den beiden anderen liegt, frage ich mich, ob deren Sturz nicht mitursächlich für den beiden anderen und evtl. auch die abweichenden Fallrichtungen gewesen sein kann?
Hallo Andreas,

ja, für die Bäume auf diesen beiden Bildern könnte der Wurf der vorhergehenden Buchen tatsächlich für den Sturz der nachfolgenden (und damit darunter liegenden) mit verantwortlich gewesen sein. Den Aspekt hatte ich vor Ort auch im Kopf, bekam dann aber Zweifel ob dem wirklich so war und vergaß daher ihn hier zu erwähnen. Es ist ganz sicher nicht die alleinige und sicher auch nicht die wichtigste Ursache für das Abweichen in der Fallrichtung gewesen. Dies beweisen die Bilder, die abweichend von der Zugrichtung NO oder NNO offenbar ohne Sekundäreinwirkung gefallene Buchen zeigen. Dis kann man auf den Bildern 11, 13 und 13 in der Mitte (nicht im Vordergrund) erkennen. Außerdem hätten bei einem rein gradlinigen Böenstoß aus W die mitgerissenen Buchen mehr nach O umreißen müssen, zumal der Impuls der zuerst umgerissenen Buche auch Richtung Osten ging.

Lediglich ein statisches Beladen oder starkes kreisförmiges Schwingen der hinteren Buchen mit dem Gewicht der vorherigen hätte die hinteren zur Seite umreißen können. Im dortigen Fall ist der zweite Aspekt wegen der nach N hin fehlenden Bestockung nicht auszuschließen. Damit ist die von Dir erwähnte Möglichkeit für einzelne Individuen gegeben. Aber nur für diejenigen, für die der "Vorgängerbaum" einen genügend großen Hebel auf den nachfolgenden ausüben kann, sprich den optimalen Abstand hat.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitrag von Cumulus Humilis » Dienstag 1. April 2008, 22:49

Hallo Martin,

danke für die Klärung der Frage. Ich hatte schon erwartet, daß Dir der Aspekt nicht entgangen ist, aber manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. ;)

Gruß,
Andreas
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Beitrag von Forstexperte » Dienstag 1. April 2008, 22:56

Hallo Thilo,
Thilo Kühne hat geschrieben:
@ Thilo, ich würde diesen Schaden in jedem Fall als T3 Windereignis in deie ESWD aufnehmen. die unklare Ursache würde ich herausstellen.
Wäre kein Problem, aber es gibt in Westfalen drei Halle's. Welches ist der besagte Ort?

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Halle 52.4333N 8.9167E
Halle 51.2000N 7.2833E
Im Eröffnungsthread hatte ich extra „Halle/Westf. (Kreis GT, NRW)“ geschrieben. Das ist redundant doch eindeutig, denn es gibt nur ein Halle/ Westf. . Und im Kreis Gütersloh (GT) gibt’s auch nur ein Halle. :D
Sorry, aber ein bisschen Lokalpatriotismus musste sein, denn ich komme aus dem Altkreis Halle. :wink:

Die von Dir genannten Koordinaten zu den "Halles" treffen aber auf den Ortskern von Halle/Westf. nicht genau zu.
Lt. TK25 liegt der Ortskern von Halle/Westf. (Kirche, dort ein TP) bei etwa 52° 0357’ N und 8° 2178’ E. Diese Werte habe ich mit einem großen Geodreieck aus der Karte abgetragen.
Wenn ich die ’ - Angaben in Dezimale (x 1,6667) umrechne, komme ich auf 52.0595 N und 8,3630 E, also ungefähr zu Deinem obersten Wert.

Die genauen Koordinaten für den Schadensbereich 2 lauten nach dieser Ermittelungsmethode:
52° 4960’ N und 8° 1967’ E.
In Dezimalen: 52.8267 N und 8.3278 E.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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