Tornados und Globale Erwärmung - Steigt die Zahl doch?

In diesem Board kann über Tornados im Allgemeinen und deren Entstehungsmöglichkeiten diskutiert werden.
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bärenfänger
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Tornados und Globale Erwärmung - Steigt die Zahl doch?

Beitrag von bärenfänger » Mittwoch 7. März 2012, 10:17

Ich stieß soeben auf einen interessanten Artikel über die Verlängerung der Tornadosaison, speziell in den Vereinigten Staaten, und damit auch einen möglichen Anstieg der Zahl der Tornados pro Jahr.

http://www.reuters.com/article/2012/03/ ... W620120305" onclick="window.open(this.href);return false;

Bisher galt, dass die Zahl wahrscheinlich in etwa gleichbleibend ist; nicht zuletzt, weil die Erwärmung nach bisheriger Erkenntnis Bedingungen schafft, die die Tornadobildung sowohl begünstigen als auch Abschwächen.

Genaues werden wir natürlich nur wissen, wenn die Zahl noch einige Jahre beobachtet wird und wir dann entsprechende Daten vorliegen haben, aus denen Schlüsse gezogen werden können.

Jedoch wird die Diskussion neu entfacht.


Grüße und Gut Pfad,
Olli.
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terrandi
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Re: Tornados und Globale Erwärmung - Steigt die Zahl doch?

Beitrag von terrandi » Donnerstag 26. Juli 2012, 09:27

Das ist ein interessanter Bericht, der natürlich erstmal eine Momentaufnahme darstellt, die sich aber speziell dieses Jahr mit starken Veränderungen gezeigt hat. Auffällig war der sehr frühe Beginn mit den Outbrakes und dann die "Flaute" wärend der eigendlich Hauptsaison. Das war schon auffällig. Aber analog hatte wir das im Hurrikanjahr mit Katrina ja auch, mit einer nie (also in überwachter Zeit) dagewesenen Anzahl an Hurrikans, die auf schlimme Zeiten deuteten, was aber (vorerst) nicht eintrat. Erst die weiteren möglichst genauen Aufzeichnungen der Extremwetterereignisse wird in einigen Jahre zeigen, ob sich die Tendenz fortsetzt, oder es nur ein klimatischer Ausrutscher über einen begrenzten Zeitraum war. Ich bin mir sicher, dass die derzeitige Klimaveränderung auch starke Einflüsse auf Extremwetter hat, aber ich wäre dennoch vorsichtig mit Spekulationen, die eine Steigerung bestimmter Phänomene daraus ableitet.
Grüße, Andi
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Thilo Kühne
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Re: Tornados und Globale Erwärmung - Steigt die Zahl doch?

Beitrag von Thilo Kühne » Donnerstag 26. Juli 2012, 23:03

Danke Olli für's thematisieren und verlinken.


Wenn man den Inhalt des Artikels mal auf die Komponente "Tornados und globale Erwärmung" herunterbräche, dann sieht man, dass es dazu keine Aussage gibt, sondern eben die Vermutung, dass eine Erwärmung vor allem der freien Atmosphäre in den küstennahen Gebieten der USA eine größere Zahl an Gewittersituationen mit Tornadosbildung geben könnte. Man könnte also vermuten, dass es bei gleichbleibender Erwärmungstendenz mehr Tornados geben könnte, aber es könnte auch umgekehrt sein, bzw. darauf mitunter gar keinen Einfluss haben. Mir ist Robert Trapp zweimal bisher begegnet, einmal in 2009 in Landshut und 2011 in Palma. Beide Male war seine Grundaussage zur Veränderlichkeit der Tornadoklimatologie so, dass man eben einfach keine Aussage dazu treffen kann, außer dass man sich die extremen Ereignisse /Häufungen anschaut. Ein großes Manko dabei ist eben auch, dass, trotz der Tornadoforschung in den USA seit Mitte der 1950er Jahre, dieser bisher fast 60-jährige Zeitraum einfach nicht ausreicht um aus den Grunddaten eine neue Tendenz innerhalb der letzten 10 bis 15 Jahre herauszulesen. Schaut man sich aber die extremen Häufungen an, so sieht man, dass 2011 hier bisher das Extrema war, aber gefolgt von 1974 muss man sich fragen, was in den vielen Jahren dazwischen passiert ist. Ein ebensolches Extremereignis wie den Tri-State-Tornado gab es bereits vor dem Zweiten Weltkrieg. So ein Extremereignis wie in 2011 kann sich vielleicht 2013 wiederholen, oder aber eben auch erst 2077...

Ein weiterer wichtiger Punkt kommt ins Spiel: Der Zeitpunkt solcher Artikel. Anscheinend gab es diese Veröffentlichung via Reuters nachdem es mal wieder ein Tornado-Outbreak gab. Zumindest ist das der Triggerpunkt für diesen Artikel. Die Öffentlichkeit hat ein klares Interesse an der Kernfrage in wie fern sich die Klimaerwärmung auf Tornados auswirken könnte. Die Beantwortung bleibt im klaren Konjunktiv zurück, aber das finde ich gut, denn es entspricht dem, was dem Erkenntisstand entspricht, auch wenn es nicht befriedigt.

Grüße,
T
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Re: Tornados und Globale Erwärmung - Steigt die Zahl doch?

Beitrag von Westsachse » Samstag 28. Juli 2012, 08:25

Ein gutes Gegenbeispiel zu den angeblich steigenden Zahlen ist der bisherige Juli 2012 in den USA. Bis heute (der 28.) nur 12 Tornados! Wenn da kein kleiner Outbreak dazu kommt, geht der Monat in die Rekordbücher ein mit den wenigsten Tornados, die es jemals im Juli in den USA gab. Da wird nun schon von zwei EF1 in den Nachrichten/Zeitungen groß berichtet.

Da ist ja bei uns fast mehr Action in diesem Monat :wink:
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bärenfänger
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Re: Tornados und Globale Erwärmung - Steigt die Zahl doch?

Beitrag von bärenfänger » Samstag 28. Juli 2012, 10:18

Nach dem März 2012 und dem letzten Jahr, haben die auch ne kleine Ruhepause verdient.
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Re: Tornados und Globale Erwärmung - Steigt die Zahl doch?

Beitrag von Sebastian A. » Montag 15. Juli 2013, 15:17

In Deutschland stehen wir in Moment bei 5 bestätigten :/ die Dunkelziffer ist zwar hoch aber irgendwie sind das doch sehr wenige im gegensatz zu den letzten Jahren.

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Re: Tornados und Globale Erwärmung - Steigt die Zahl doch?

Beitrag von bärenfänger » Montag 15. Juli 2013, 17:40

Klingt ja, als ob du das bedauerst, Sebastian. Da es auf der Welt schon genug Katastrophen gibt und weite Teile Deutschlands dieses Jahr schon genug gestraft sind durch Hochwasser, ist es doch erst recht egal.
Tornados sind kompliziert, so wie das Wetter. Darum können sie auftreten, wann sie "wollen" und wo und wie oft.
Statistiken sind hier absolut wertlos, denn sie können dir auch nicht im Ansatz sagen, was passieren wird und erst recht nicht wo.

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