Tornado Warnmanagement

In diesem Board kann über Tornados im Allgemeinen und deren Entstehungsmöglichkeiten diskutiert werden.
Axel F.
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Tornado Warnmanagement

Beitrag von Axel F. » Dienstag 1. Juni 2010, 07:23

Ich bin mal so frei und eröffne hier im allgemeinen Tornadobereich mal ein Diskussionsthema zum Warmanagement in Deutschland. Der Anlaß ist ja bekannt und vielleicht ist es ja sogar eine Möglichkeit für uns als Verein Skywarn Deutschland e.V. sowas wie ein Impulsgeber zu sein. Klar müssen dafür erstmal gewaltige Vorurteile ausgeräumt, verkrustete Hierarchien durch Fachlichkeit ausgehebelt werden, aber aufgrund des doch noch brandaktuellen Falles bieten sich hier gute Chancen aufgrund es hohen medialen Interesses (zumindest in den betroffenen Region) vielleicht doch etwas für die Aufklärung und Sicherheit der bevölkerung zu bewirken. Schließlich haben wir, explizit in Sachsen aus dem Hochwasser 2002 bzw. Brandenburg 97 auch etwas gelernt.

Ich gehe mal auf Thilo Kühnes Post ein:
Thilo Kühne hat geschrieben:Hallo Bärenfänger,

in Deutschland treffen drei Probleme diesbezüglich unmittelbar aufeinander... zwei davon zu lösen wäre vielleicht nicht das Problem, aber das Dritte durchaus.

1. Es wird vor Tornadopotential gewarnt (äquivalent der US-amerikanischen Tornado Watch), aber eine explizite Direktwarnung vor dem Ereignis, wenn es ausgelöst wurde und bereits vorhanden ist bzw. Anzeichen darauf hindeuten (äquivalent des US-amerikanischen Tornado Warning), gibt es bei uns nicht direkt. Um explizit vor Tornados warnen zu können kommt Punkt 2 ins Spiel.

2. Noch zu wenig aktive Chaser am Ort des Geschehens.

3. Warnweitergabe bzw. -ausgabe der Wetterdienste erreicht zwar recht zeitnah die angebundenen FFs der Gemeinden, aber nicht direkt Privatpersonen. Hier müsste TV und Radio die Warnungen quasi live übernehmen und einblenden bzw. das laufende Programm (Radio) unterbrechen. Bei staatlichen Medien wär das durchsetzbar, aber bei privaten Medien entscheiden die Medien selbst ob so etwas zur Senderstrategie gehören soll oder nicht. So bestünde immer die Gefahr, dass viele Menschen von einer Bedrohung, auch bei Tornadowarnungen, nichts davon mitbekommen.

viele Grüße,
Thilo

PS: ich würde darum sehr bitte, dieses Thema nicht hier in dieser Topic zu besprechen... ggf. dafür im entprechenden Board eine Topic dazu einrichten. Danke.
Ich meinerseits möchte ergänzend hinzufügen, daß intuitiv am Pfingstmontag, ein hohes Tornadopotential dargestellt wurde. Estofex hatte uns in Ostsachsen auf Level 2 gesetzt und damit mutig "geforcasted". Einige von uns haben die Entwicklung der von Nordwesten hereinziehenden Zellen aufmerksam beobachtet im vollen Wissen, welches Potential in der Region herrscht.
Mir absolut unverständlich ist es, daß unsere sächsischen Radiosender (MDR, RTL) in ihren Wetterberichten erst ca. 10-11 Uhr überhaupt Gewitteroptionen in ihre redaktionellen Ergüsse für die Bevölkerung reingenommen haben. Dabei hatten wir in unseren Diskussionen schon Tage vorher eine gewisse Brisanz, vor allem aber Potential für den Pfingsmontag "geortet".

Frage: Warum bringen DWD und Meteomedia, welche die Sender ja füttern dieses Potential nicht klarer an den Mann, sprich die Medien?

Die UWZ hatte ab ca. 13 Uhr Akutwarnungen für die Regionen draussen, der DWD versendete seine Warnungen gegen 15:45 per email, als unsereins schon lange das Hook im Visir hatte und den Atem anhielt.

Frage: Warum dieses Zögern, diese zeitliche Diskrepanz zwischen den beiden großen Diensten?

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, daß der DWD erstmalig für den 1.8.2008 am Vortag eine amtliche Unwetterwarnung vor Tornados rausgab. Ich habe in mich reingrinst, wie die Radiomoderatoren ganz verblüfft diese Meldungen weitergaben und "analysierten" daß es ja ach so ungewöhnlich bei uns sei. Passiert ist am 1.8. damals außer etlichen Hagelschäden nix, aber das Potential war da, eine gewisse Sensibilisierung der Bevölkerung und Medien aber auch.
Sicher dürfen die Warnungen nicht inflationär ausgegeben werden, weil sie sonst unglaubwürdig werden, wenn nix passiert, das Risiko besteht immer, wenn es um Extreme geht und diese nicht eintreffen (bestes Beispiele ist aktuell Daisy gewesen).

In Sachsen und Brandeburg sind die alten Sirenen, welche (nach 2002) in jedem noch so kleinen Nest wieder gangbar gemacht wurden, betriebsbereit vorhanden. 3 x Heulen ist Feuer, 3 Minuten auf - und abschwellend ist Atomalarm, das haben wir alle noch gelernt. Aber kann man darauf nicht aufbauen, vor Wetterextremen zu warnen. Ein Tornado wie der am Montag kommt, wenn im Warnmanagement kompetente und entscheidungsfreudige Menschen sitzen nicht mehr so plötzlich, wenn man den Mut hat, wie bei den Amis üblich, mit einer Vorwarnzeit von 3-5 Minuten die Sirenen in Gang zu setzen. Die Tschechen haben übrigens ein flächendeckendes Flüstertütensystem, welches vom Bürgermeisterbüro aus zu bedienen ist und die Bevölkerung neben Sirenentönen auch dorfweise mit Durchsagen warnen kann. Solche primitiv aber sehr effektiven Strukturen hätte ich mir am Flutmontag im August 2002 für die Täler in Sachsen gewünscht. In unserer Hightechwelt hat damals alles versagt, in Weesenstein (im Müglitztal allgemein, aber auch in den anderen Tälern) kamen die Flutwellen für die Bevölkerung, welche nicht am Radio saß absolut überraschend, obwohl wir Kilometer entfernt um das Potential wußten.

Ich denke, hier sind erstmal ein paar Sachen in den Ring geworfen, ich hoffe, das Thema wird mal ein bißchen aufgegriffen und vielleicht schaffen wir es, hier ein paar Impulse für die Sicherheit geben zu können. Vielleicht kann ja Sachsen sowas wie Pionierarbeit leisten, der Innenminister (dem das Katastrophenmanagement untersteht) ist ein zugänglicher Mensch und Realist, deshalb sehe ich gute Chancen, solange Großenhain noch "gärt" hier etwas zu bewegen, was u.U. sogar bundesweit einen Warnstandard bringen könnte.

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Klaus B.
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von Klaus B. » Dienstag 1. Juni 2010, 11:50

Hallo,

ich habe mich schon vor einiger Zeit gefragt, warum ein hochmodernes Warnsystem aktiv ist (DWD), das schon seit 2005 in der Lage ist automatisiert vollständige Tornadowarnungen zu generieren, wenn diese nirgends bzw. nur da ankommen, wo sie der Bevölkerung nichts nutzen. Wozu dann der ganze technische Aufwand?
Hier ein Beispiel aus dem Jahre 2005:
Bild
Quelle: dwd-paper "Automatic detection and nowcasting of radar signatures"

Eine konkrete Warnung an eine Feuerwehrleitstelle oder Behörde herauszugeben, heißt eigentlich nur "drauf einstellen Männer - wir müssen eventuell noch Schäden beseitigen", aber erst nach dem Ereignis. Es ist doch Sache der Politik dafür zu sorgen, dass die Warnungen zeitnah in den Medien herausgegeben werden, ob sie wollen oder nicht. Lieber umsonst warnen als gar nicht. Noch besser wäre ein kostenloser sms-service, weil fast jeder mittlerweile ein Handy mit sich rumschleppt, während Radio ,TV und Computer zu Hause bleiben.
Die Unwetterzentrale warnt meiner Meinung nach viel besser und zeitiger, obwohl sie auch nur die Radarprodukte des DWD zur Hand hat.

Gruß, Klaus
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von Cumulus Humilis » Dienstag 1. Juni 2010, 16:36

Hallo,

die Sache ist komplizierter, als sie vielleicht auf den ersten Blick erscheint!

Bevor man in eine Diskussion einsteigt, wer wann warum warnt, muß die Zielgruppe der Warnung, sprich die Bevölkerung, erst mal darauf vorbereitet werden. Sonst ist die ganze Warnerei sinnlos, verbreitet Ratlosigkeit, schlimmstenfalls Panik und hat keinen Nutzwert. Wir diskutieren das Thema Tornados hier im Forum in dem Bewußtsein, daß sowas auch bei uns auftritt (häufiger als viele glauben) und mit dem Wissen wie man damit umgehen muß. Ich behaupte, dem überwiegenden Anteil der Bevölkerung ist beides völlig unklar! Einen Vergleich zwischen den USA und Deutschland zu ziehen, ist erst mal wenig sinnvoll. In den USA wird mit Wettergefahren völlig anders umgegangen als bei uns, sowohl was Behördenarbeit als auch (viel wichtiger) das Bewußtsein der Bevölkerung angeht.

Tornados sind bei uns einfach nicht als relevante Gefahrenelemente im Bewußtsein - Punkt. Eine Broschüre des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BBK) macht das deutlich:

http://www.bbk.bund.de/cln_027/nn_40232 ... achen.html" onclick="window.open(this.href);return false;

Hierin werden bei Wettergefahren Tornados nicht mal namentlich erwähnt. Man spricht von "Wirbelstürmen" und setzt dahinter "Windhosen" in Klammern und Anführungszeichen. Auf die Gefahren wird nicht näher eingegangen. Der lapidare Satz: "Letztere [gemeint sind Wirbelstürme] führen, durch den heftig rotierenden Schlauch des Trichters, Trümmer und Schmutzteile mit sich" ist kaum geignet eine Sensibilität für das Phänomen aufzubauen. Zwar werden richtige Verhaltensweisen beschrieben, aber verglichen mit den Hinweisen und Aufklärungskampanien der USA ist das minimalistisch.

Was wäre wohl passiert, wenn man in Großenhain die Sirenen Daueralarm hätte blasen lassen oder Laufschrift im Fernsehen vor einem aufziehenden Tornado gewarnt hätte? Bevor man anfängt zu warnen, muß eine ordentliche Wissensbasis in der Bevölkerung geschaffen werden und klar gestellt werden mit was man es überhaupt zu tun hat, welches Verhalten richtig und welches sinnlos oder gar gefährlich ist. Solange die Gefahr "Tornado" klein geredet oder einfach als nicht relevant angesehen wird, ist ein Tornadowarnmanagement vergebliche Mühe!

Betrachtet man die Personenschäden oder auch durch Warnung vermeidbare Sachschäden durch Tornados in den vergangenen 2 - 3 Jahrzehnten in Deutschland und vergleicht sie mit anderen Wetterrisiken (Sturzflut, Hochwasser), haben sie tatsächlich keinen hohen Stellenwert. Das ist zwar gut so, erklärt aber eben auch das mangelnde Interesse der "Offiziellen" an Vorbereitung und Warnung der Bevölkerung vor dieser Gefahr. Man vergisst leicht, daß das Risiko für einen bestimmten Ort in den USA auch nicht viel größer ist, als das Risiko für einen Ort bei uns. Ich denke man muß kein Warnmanagement aufziehen wie im mittleren Westen der USA, aber mehr Aufklärung und in Verbindung damit auch gezielte, zeitnahe Warnungen ließen sich sicher ohne hohen Aufwand realisieren. Unabdingbar ist dafür aber, daß Politik und Behörden der Sinn und die Notwendigkeit bewußt werden.

Das Aussenden ggf. notwendiger Warnungen über den öffentlichen Rundfunk ist ein sekundäres Problem. Zwar haben die Redakteure (auch bei den "Öffentlich-Rechlichen") bis zu einer gewissen Eskalationsstufe die Verantwortung wann sie was senden, aber die Medienstaatsverträge sehen durchaus (auch für die Privaten!) die Verpflichtung zur Verbreitung von Hinweisen und Warnungen vor - auch unverzüglich mit Beeinflussung oder Unterbrechung des laufenden Programmes. Das gilt selbstverständlich nur für Ausnahmesituationen und es wäre erheblich besser, wenn die Redaktionen von sich aus ein Interesse an der Verbreitung sicherheitsrelevanter Meldungen hätten. Das bekommen sie jedoch nur wenn dafür Nachfrage besteht (wie z. B. für Verkehrsmeldungen). Die, und damit schließt sich der Kreis, kann aber nur von einer aufgeklärten gefahrenbewußten Bevölkerung kommen.

Noch ein Wort zu Sirenen: Ich sehe sie bestenfalls als Ergänzung an. Sirenen sind eigentlich überholt und erfüllen vielfach (z. B. auf Grund guter Geräuschdämmung moderner Gebäude) ihre Aufgaben nur noch unzureichend. Sicher könnte man die Dichte erhöhen, aber die Dinger sind zu wartungsintensiv und teuer. Warnungen über Rundfunk und Handy (Stichwort: Zellinfo) sind sinnvoller, zumal sie auch besser zu konkretisieren sind.

Mein Fazit: Man kann darüber steiten, wer wie vor Tornados warnen soll. Ohne eine Bevölkerung, die für solche Warnungen vorher sensibilisiert und aufnahmefähig gemacht wurde, haben die Warnungen jedoch wenig Wert!

Gruß,
Andreas
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von Gerrit Rudolph, Limburg/L » Dienstag 1. Juni 2010, 17:16

Hallo,

dem von Andreas geschriebenen möchte ich hinzufügen: Wir haben neulich selbst erlebt, wie Teile der Bevölkerung des mittleren Westens der USA auf Tornadosirenen und Warnungen unvernünftig bis dämlich reagieren, obwohl man doch erwarten sollte, dass die Leute dort einigermaßen informiert sind.
Warum sollte man dann von der schlecht informierten deutschen Öffentlichkeit die richtigen Verhaltensweisen erwarten?

Gruß, Gerrit

Axel F.
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von Axel F. » Mittwoch 2. Juni 2010, 10:43

Danke für Eure Statements, es ist sicher das größte aller Probleme, unsere teilweise klischeehafte Mehrzahl der Bevölkerung überhaupt zu sensibilisieren aber wann, wenn nicht nach solch einem Ereignis, kann man am Besten genau dort ansetzen.

Die Broschüre des Bundes (danke Andreas) ist ein Armutszeugnis, was Unwetterereignisse betrifft. Wie gesagt, meine Motivation bestand eben in der Aktualität der Thematik sowie der Chance, über das sächsische Innenministerium (dort kann ich zum aktuellen IM den Kontakt herstellen bzw. auch sein Interesse an der Thematik vorfühlen) einen Einstieg zu finden, hier endlich nachzubessern sowie durch unseren Verein die Chance zu nutzen, fachlich und in Pionierarbeit gezielt zuzuarbeiten. Es ist aber eine Entscheidung des Vorstandes, bzw. der Mitglieder, ob dies überhaupt gewollt ist.

Ich persönlich sehe hier doch erheblichen Handlungsbedarf.

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Cumulus Humilis
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von Cumulus Humilis » Donnerstag 3. Juni 2010, 02:28

Hallo Axel,

ich stimme Dir unbedingt zu, daß reichlich Handlungsbedarf hinsichtlich der Aufklärung über Gefahren durch Tornados und Schwergewitterfolgen im allgemeinen besteht!

Da dies klar den Bereich des Katastrophenschutzes, bzw. der Katastrophenprävention betrifft, sind die Innenministerien der Länder an sich genau die richtigen Ansprechpartner, denn sie sind die verantwortlichen, weisungsbefugten Stellen. Ohne die Unterstützung der Politik sehe ich sowieso kaum Chancen das Thema gegenüber der Bevölkerung mit dem nötigen Nachdruck darzustellen. Daher würde ich den Kontakt grundsätzlich begrüßen. Dies muß natürlich in Absprache und Verbindung mit dem Vorstand in geeigneter, sachlicher Form erfolgen. Daß sowas auch schnell mal zum Eigentor werden kann, brauche ich Dir sicher nicht zu sagen... ;-)

Gruß,
Andreas
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von EDGE-Henning » Donnerstag 3. Juni 2010, 08:14

Noch ein Wort zu Sirenen: Ich sehe sie bestenfalls als Ergänzung an. Sirenen sind eigentlich überholt und erfüllen vielfach (z. B. auf Grund guter Geräuschdämmung moderner Gebäude) ihre Aufgaben nur noch unzureichend. Sicher könnte man die Dichte erhöhen, aber die Dinger sind zu wartungsintensiv und teuer. Warnungen über Rundfunk und Handy (Stichwort: Zellinfo) sind sinnvoller, zumal sie auch besser zu konkretisieren sind.
Genau das sehe ich völlig anders. Auch in gedämmten Gebäuden ist eine Sirene durchaus Nachts hörbar. Im Gegensatz dazu ist mein Mobiltelefon ausgeschaltet oder Stumm, man kennt ja Werbeanrufe, die mittlerweile auch abends um 22 Uhr eintreffen. Auch das Radio ist Nachts bei mir aus.

Unser Highttech ist mittlerweile auch viel zu "High", also zu kompliziert. Wo man früher in problematischen Gegenden (Bergland etc.) früher einen verauschten Radioempfang hatte, kommt heute viel fach NIX aus dem Gerät, weil der Digitale Datenstrom nicht ausreicht.

Dazu sind in Arztpraxen, um ein Beispiel zu nenen, der Handybetrieb verboten, was ich allerdings auch befürworte. Der betrieb und die Unterhaltung einer Sirene ist ganz gewiss sehr viel weniger Aufwändig, als die Wartung eines Mobilfunksenders.

In den USA ist übrigens in einigen Staaten des Vorhandensein eines betriebsfähigen Radios gesetzlich vorgeschrieben, zumindest in gewerblichen Fahrzeugen.

In der BRD verschwinden aus gewerblichen Fahrzeugen immer mehr Radios wegen der GEZ-Abzocke.

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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von bärenfänger » Donnerstag 3. Juni 2010, 12:22

Also, wenn man sich auf wikipedia verlassen kann, dann gilt anscheinend folgendes:
Sirenen sind durch die massenhafte Aufstellung im Kalten Krieg fast überall verfügbar und daher das beste Mittel die Bevölkerung großflächig zu warnen. Allerdings wurden nach 1990 so viele der Zivilschutzsirenen wieder demontiert, dass ein Neuaufbau des alten Netzes sehr kostenintensiv wäre. Außerdem kennen nur noch wenige die Bedeutung der verschiedenen Sirenensignale. Außerdem müsste für Extremwetterwarnungen ein neues einprägsames Signal geschaffen werden. Des Weiteren könnte hier die Europäische Union mal gute Arbeit leisten, denn ein Sirenensignal, kann in verschiedenen europäischen Ländern unterschiedliche Bedeutungen haben. Das kann bei ausländischen Mitbürgern zu Verwirrung oder gar falschem Verhalten führen (z.B. in Luxemburg ist unser Feueralarm glaub ich ein ABC-Alarm).

Nun zu den SMS: Laut wiki ist unser Handynetz nicht für Massen-SMS über 25.000 gleichzeitig ausgelegt. Kann sein, dass sich das mittlerweile geändert hat.
Fernseher und Radio halte ich daher immer noch für die wichtigsten Mittel um konkret warnen zu können.

Angeblich können auch über Funkuhren derartige Nachrichten übermittelt werden.
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von Cumulus Humilis » Donnerstag 3. Juni 2010, 13:42

Hallo Henning,

nur um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht mir nicht darum, die Sirenen ganz abzuschaffen, aber die Erfahrung zeigt nun mal, daß sie zahlreiche Nachteile haben und als alleiniges oder primäres Warnmittel nicht ausreichen. Je nach Windrichtung würde ich von der Sirene hier im Ort nicht geweckt - und ich kann sie fast sehen! In anderen Ortsteilen ist sie im Haus bei geschlossenen Fenstern kaum hörbar, geschweige denn, daß jemand dadurch geweckt würde. Es müsste (mindestens) eine weitere Sirene installiert werden, um wirklich Sicherheit zu bieten. Die Situation ist in zahlreichen anderen Orten, zumindest hier in der Gegend, nicht anders. Sieht man die Kosten die auf die Kommunen zukämen in Relation zum (individuellen) Risikopotential, dürfte mit erheblichem Widerstand zu rechnen sein. In Zeiten knapper Kassen ist ein solches Ansinnen schlicht aussichtslos.

Die Mobilfunksender kosten die Kommunen dagegen nichts. Allerdings gebe ich Dir Recht, daß auch Warnungen über Handy kein "Allheilmittel" sind. Gründe dafür hast Du ja genannt. Dennoch ermöglichen Sie es, einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung zu erreichen. Technisch gibt es übrigens bei vielen Mobiltelefonen Möglichkeiten, nur bestimmte Anrufe oder Nachrichten durch zu lassen.
(@bärenfänger: Es ging nicht um SMS sondern um Zellinfo. Das ist etwas anderes!)

Es gab mal die Idee, Rauchmelder (die zum Glück vielerorts inzwischen Pflicht sind oder werden) mit Empfängern auszurüsten und als Sirenenersatz / -ergänzung zu nutzen. Ich fand diese Idee sehr gut, habe aber seit längerem nichts mehr davon gehört. Keine Ahnung warum sich das nicht durchgesetzt hat.

Was das Radio angeht, hast Du leider auch nicht Unrecht: Der analoge Empfang ist stellenweise erheblich schlechter geworden, seit auf Digitalradio umgestellt wird. Aber von Unterversorgung kann man in Siedlungsgebieten meiner Meinung nach (noch) nicht sprechen, sie darf auch nicht aufkommen. GEZ ist ein anderes Thema...

Was die Verpflichtung zum Vorhalten eines betriebsfähigen Radios in den USA angeht, ist mir das nicht bekannt. Wie schon gesagt, möchte ich den Vergleich mit den USA nicht zu sehr ausdehnen, denn das ganze KatS- und Notfallmanagement unterscheidet sich stark von unserem. Auch die Voraussetzungen sind andere. Dennoch will ich kurz auf das "Wetterradio" eingehen:

Man kann in den USA Geräte kaufen, die - zusätzlich zum regulären Radioempfang oder auch nur speziell - den Empfang bestimmer Frequenzen erlauben, auf denen vom nationalen Wetterdienst NOAA den ganzen Tag ausschließlich Wetterinformationen gesendet werden. Diese Geräte lassen sich so einstellen, daß sie nur einschalten, wenn eine Warnmeldung ausgegeben wird. Da die Warnmeldungen regionalisiert sind, erhält man nur relevante Durchsagen, wenn man das will. Man sollte meinen, daß sich diese Geräte großer Beliebtheit erfreuen. - Nun, mein Eindruck ist ein anderer, was aber daran liegen kann, daß in den USA die Fernsehgeräte gern 24 Stunden durchlaufen und man meint, die Warungen so auch mitzubekommen... ;-) Ich erinnere mich an 2008, als Leute in einer - sagen wir etwas abgelegenen - Gegend in Arkansas, erstaunt waren, als wir (Touristen) ihnen so ein Wetterradio zeigten. Arkansas und Missouri beklagen jährlich die meisten Tornadoopfer...

Damit sind wir wieder beim meiner Grundthese: Die besten Warnmittel nützen nichts, wenn die Bevölkerung (technisch und mental) nicht empfangsbereit ist.

Gruß,
Andreas
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von bärenfänger » Donnerstag 16. September 2010, 23:13

Hallo an alle Skywarner.

Ich hole dieses Thema noch mal aus der Mottenkiste hervor, weil ich es sehr wichtig finde, dass darüber diskutiert wird.
Vielleicht finden wir nach einigem Grübeln und mehreren Vorschlägen etwas durchaus Verwertbares, bei dem man über eine praktische Umsetzung nachdenken könnte.

Ich bin nach wie vor dafür, dass in Deutschland Tornadowarnungen wichtig sind. Irgendein (entschuldigt meine Wortwahl) bescheuerter Meteorologe hat mal im Fernsehen gesagt, dass im Gegensatz zu Hitzewellen und Hochwasserereignissen in den vergangenen Jahren "nur" ein paar Leute ums Leben gekommen sind. Da frage ich mich doch ernsthaft:
"Sind wir schon emotional so verroht, dass es auf Einzelschicksale nicht mehr ankommt?"
Ich sage: Nein!
Genauso, wie wir Warnungen vor Hochwasser und Hinweise für Hitzewellen brauchen, benötigen wir Warnungen für Unwetterereignisse, die schwierig oder kaum vorhersagbar sind. Gerade da empfinde ich auch die Forschung nach wie vor als unabdingbar. Ich kenne genügend Videos aus den USA, die zeigen, wie leichtsinnig teilweise mit Tornadowarnungen umgegangen wird. Aber in öffentlichen Einrichtungen sind sie Pflicht und es werden Übungen durchgeführt, genau wie Feuerübungen. Im öffentlichen Bereich hätten wir ebenfalls in Deutschland die Möglichkeit, die Menschen zu sensibilisieren.

Im Fall Großenhain, war es eine Fügung (bedingt durch den Feiertag), dass nicht mehr passiert ist. Eine rechtzeitige Tornadowarnung wäre hier sogar anhand des Radarbildes möglich gewesen. Einen Tag später hätte die Opferzahl wahrscheinlich höher gewesen. Dann hätte der Fall wahrscheinlich solche Wellen geschlagen, dass sogar in höheren Ebenen über die Notwendigkeit eines organisierten Warnsystems diskutiert worden wäre.
Die Tornadohäufigkeit in Deutschland ist vielleicht nicht so hoch wie in den USA (das Hauptgegenargument nach der Wirtschaftlichkeit), aber die Bevölkerungs- und Siedlungsdichte ist hier doch um ein Vielfaches höher. Weshalb auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ort getroffen wird im Falle eines Tornados höher ist. Des Weiteren sprechen die Schäden eine deutliche Sprache. Sie gehen jedes Jahr weit in die Millionen, dieses Jahr sogar in den neunstelligen Bereich.


Mein Vorschlag ist daher, dass ein Konzept des DWD und anderer Beobachter (Skywarn?) sowie weiterer zuverlässiger Quellen explizite Tornadowarnungen vorsieht und nicht nur gemäß des amerikanischen Tornado-Watch auf eine eventuelle Gefahr z.B. bei einem Frontdurchgang so grob hingewiesen wird, dass der Hinweis ins Leere läuft.

Das Konzept sollte ein Kooperationprogramm mit möglichst vielen Rundfunkanstalten vorsehen, damit Warnungen über Radio und Fernsehen ausgestrahlt werden können.
Des Weiteren sollten Sirenen (auch wenn sie vielerorts schon demontiert sind) mit einbezogen werden. So kann eine große Zahl Menschen sofort über eine drohende Gefahr informiert werden. Ich empfehle daher das Signal für Luftangriff (dauerhaft auf- und abschwellend), weil es den Gegebenheiten am ehesten nahe kommt.
SMS und Zellinfo könnten im unmittelbar betroffenen Bereich eingesetzt werden. Internet, Funkuhren, Spezialradios und Pager sind weitere technische Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen.

Ich bitte alle darum, sich mal was Konstruktives und möglichst Realisierbares dazu einfallen zu lassen.

Gruß und Gut Pfad,
Oliver.
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von Michl » Freitag 17. September 2010, 00:27

Hallo zusammen,

ich beziehe mich jetzt lediglich auf die Warnsituation hier in Bayern. Für uns in Bayern gibt es 2 große Radiosender, welche umfassende Wettermeldungen bringen. Zum einen "Bayern 3" und natürlich "Antenne Bayern" - beide Sender beziehen ihre Informationen vom DWD und der UWZ, zusätzlich scheint "Antenne Bayern" sogar noch über ein ziemlich genaues Regenradar zu verfügen.
Unwetterwarnungen - gerade zu den extremen Wetterlagen dieses Jahres wurde von beiden Sendern bereits mind. 24 Std.vorher eine mögliche "Tornadowarnung" gewarnt.
Vll. währe ein Ansatzpunkt, die Notdienste, wie Feuerwehr, THW, Sanitätsdienst (Bereitschaft) oder gar die Polizei Direktionen auf diese Gefahren hinzuweisen und zu bitten ihre Internet Präsenzen entsprechend zu ändern.
Oder zumindest z.B. mit der Seite von SYKWARN zu verknüpfen (@Admins: bitte macht euch doch mal Gedanken, wie so eine Verknüpfung aussehen könnte...)

Da ich aus dem öffentlichen Dienst komme und weiß, wie eine Verwaltung funktioniert, würde ich mich gerne als Ansprechpartner für eine Projektgruppe zur Verfügung stellen.

Gruß aus Schwebheim / Unterfranken / Bayern
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von CMM » Freitag 17. September 2010, 07:25

Also ich habe das schon häufiger gesehen, dass in der Unwetterzentrale bei roten Gewitterwarnungen teilweise auch auf Tornadogefahr hingewiesen wird. Allerdings bezweifel ich, dass all zu viele Leute die Seite kennen und regelmäßig angucken.
Im Radio habe ich bisher nur einmal gehört, dass sie vor Tornados gewarnt haben, und das war am 12. Juli.
Zum Thema Sirenen: Ich weiß nicht, wie es anderorts ist, aber hier stehen noch einige Sirenen. Die werden auch jeden Samstag um zwölf geblasen für ein paar Minuten. Die sind großflächig angeordnet, so dass man sie in der ganzen Stadt hört. Was bei so einem Warnsystem vielleicht schwieriger ist, wird sein, dass die meisten Menschen wahrscheinlich eher denken, dass die Russen kommen, um es mal salopp zu sagen, als das ein Tornado kommt.

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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von bärenfänger » Freitag 17. September 2010, 23:33

Das mit den möglichen Warnungen 24 Stunden vorher halte ich für großen Unfug. Man kann zwar anhand der Daten (CAPE, Windscherung usw.) ein gewisses Risiko berechnen. Aber ein Gebiet 24 Stunden vorher vor einem Tornado zu warnen ist schlichtweg UNMÖGLICH. Ein weiterer Nachteil derartiger Meldungen liegt nicht nur in der Ungenauigkeit, sondern vor allem in der daraus resultierenden Ungläubigkeit oder Verunsicherung der Bevölkerung. Angenommen bei einer bestimmten Wetterlage treten Gewitter und vereinzelt isolierte Superzellen auf, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass in den meisten Gebieten gar nichts passiert. Das führt dazu, dass bei nächsten mal gar keiner mehr die Meldungen für voll nimmt.
Mir geht es darum, dass gefährliche Gewitter sowohl über Sturmjäger als auch über Radar permanent verfolgt werden und konkrete Warnungen für ein Gebiet von nicht mehr als 1000km² herausgegeben werden, die dann wieder aktualisiert werden.

Zu den Sirenen muss ich sagen, dass nicht mehr überall Zivilschutzsirenen vorhanden sind, da sie wie oben schon gesagt, nach Ende des Kalten Krieges wieder demontiert wurden. Die Regenerierung würde kaum jemand als nützliche Investition ansehen, geschweige denn unterstützen, da dies weit in die Millionen ginge.
Allerdings ließen sich Personenschäden dezimieren, im Gegensatz zu Sachschäden.


So, wie kleine Gebiete bei UWZ rot markiert werden bei Unwetterwarnungen, könnte man das auch für Tornadowarnungen tun. Dass die Farben unabhängig von der Art des Unwetters sind, ist eine Sache, die mich ein wenig wurmt. Denn so muss man immer erst für seinen Landkreis nachsehen, welche Art von Unwetter bevorsteht. Besser wäre es, wie in den Vereinigten Staaten, die Art des Unwetters an Farben zu orientieren, sodass jeder sofort weiß, was gemeint ist.


Schwierige Sache, kein Zweifel.

Gruß und Gut Pfad,
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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von CMM » Freitag 17. September 2010, 23:59

Also nochmal zu den Sirenen:
In dem Video, was Romy gepostet hat zu dem Pfingstmontagtornado, hört man am Ende auch Sirenen. Einige User bei YouTube haben dann auch geschrieben, dass sie eher Armageddon Stimmung daraus resultieren. Daher wäre es, selbst wenn die Sirenen vorhanden wären, eher Verunsicherung, vielleicht sogar Panikmache, für einige Menschen, wenn sie Sirenen hören. Ich hab zwar auch schon öfters mich gefragt, ob hier die Sirenen angeschaltet werden, wenn eine solche Gefahr droht, sei es nun Tornado oder Sturmflut oder sonstiges, aber wenn man dann mal Samstags Mittag, wenn die Sirenen getestet werden, es verpennt hat, dass sie nur getestet werden, dann krieg man schon ein sehr mulmiges Gefühl. Daher kann ich bärenfänger nur zustimmen, dass Sirenen vielleicht eher zu Verunsicherung führen, die dann irgendwann, wenn doch kein Tornado auf taucht, was wie gesagt durch die (noch) beschränkten Möglichkeiten, sehr schwer vorherzusagen ist, zu Unglaubwürdigkeit führen würde.
Solange nur lokale Radiosender und Internetseiten, wie der DWD und UWZ, vor Tornados warnen, ist glaube ich, ein Warnsystem, wie man es zumindest als Laie aus den USA mitkrieg, nicht möglich in Deutschland.

Übrigens 1000 Quadratkilometer wäre mehr als die doppelte Fläche von Deutschland :D

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Re: Tornado Warnmanagement

Beitrag von bärenfänger » Samstag 18. September 2010, 01:30

:D Also: Eine kleine Geografiestunde. Deutschland hat eine Fläche von 357.000 Quadratkilometern. 1000km² entspricht somit etwa der Durchschnittsfläche eines Landkreises. Du hast das sicher verwechselt mit 1.000.000.

Des Weiteren habe ich geschrieben, dass ich Sirenen befürworte, da viele Menschen an einem Ort gleichzeitig auf eine drohende Gefahr hingewiesen werden können. Allerdings geht das wie gesagt nur dann, wenn eine konkrete Tornadowarnung und eine Kenntnis des Sirenensignals bei der Bevölkerung vorliegt. Dann verhindert man auch eine Panik. Aufklärung und Prävention (sprich: Übungen) sind daher sehr wichtig. Sollte eine konkrete Tornadowarnung vorliegen wäre mein Idealbild folgendes.

Ich gucke gerade Fernsehen. Nebenbei läuft das Radio. Plötzlich höre ich in beiden Medien einen schrillen Ton. Dann folgt eine Ansage: "Wir unterbrechen das laufende Programm für einen Hinweis des Deutschen Wetterdienstes. Ein rotierendes Gewitter (damit es auch alle verstehen nicht Superzelle), dass Tornados produzieren kann (oder produziert hat) über dem östlichen Eichsfeldkreis zieht Richtung NNO. Somit gilt eine Tornadowarnung ab 17:25 sowie eine Warnung vor schwerem Gewitter mit Orkanböen, Starkregen und Hagel für den östlichen Eichsfeldkreis bis 17:35, für den westlichen Landkreis Nordhausen bis 17:50. Besonders betroffen dabei die Orte Bernterode (Worbis), Sollstedt, Obergebra.

Die nächste Aktualisierung erfolgt in fünf Minuten.

Gehen sie in den Keller oder möglichst fensterlose Räume. Schließen Sie alle Türen und Fenster. Lassen Sie Empfangsgeräte eingeschaltet.

Ich wohne in Sollstedt. Draußen geht die Sirene mit speziellem Ton los.
Mein Handy empfängt ne SMS: "Tornadowarnung für ihre Region"

Ich gehe in den Keller. Höre, dass es draußen windig wird und hagelt. Als die Sirene aufhört (17:50) gehe ich wieder hoch und sehe, dass nix passiert ist. ABER: Mir gehts gut!
Regionaler Ansprechpartner Leipzig-Südharz-Nordthüringen

Mitglied Thüringer Storm Chaser e.V.

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