31.05.2013 El Reno, OK

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Forstexperte
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31.05.2013 El Reno, OK

Beitrag von Forstexperte » Freitag 7. Juni 2013, 22:49

Hallo zusammen,

der El Reno Tornado vom 31. Mai 2013 in Oklahoma, nahe Oklahoma City, dem auch 4 Chaser, darunter Tim Samaras zum Opfer gefallen sind, war mit einer max. Spurbreite von 2,6 Meilen der breiteste jemals in den USA und wohl auch weltweit registrierte. 2,6 Meilen entsprechen ca. 4,2 km!


Vom Team Howard Bluestein wurde per Doppler-Radar eine max. Geschwindigkeit von 296 Meilen ermittelt,. Das entspricht 476 km/h. Damit wäre rein nach der Geschwindigkeit das F5/T11-Kriterium erfüllt.
Das Team von Joshua Wurman ermittelte an anderer Stelle ebenfalls per Doppler-Radar 246-258 mph. Das entspricht 415 km/h oder F4/T9.
http://newsok.com/article/3841672" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.washingtonpost.com/blogs/cap ... mph-winds/" onclick="window.open(this.href);return false;

Und Greg Forbes hat ebenfalls auf Doppler-Messungen basierend eine maximale Geschwindigkeit in den randlichen Suction-Vortices von 285 Meilen ermittelt, das entspricht etwa 459 km/h oder F5/T10.
https://www.facebook.com/twcdrforbes/po ... 2700703201" onclick="window.open(this.href);return false;


Damit wurde dieser Tornado, der am Boden mangels fester Hindernisse offenbar nur EF-3 Schäden angerichtet hatte, aufgrund der Messungen mit Doppler-Radars nachträglich in die höchste Intensität, nämlich EF5 eingestuft.


Interessant finde ich hierbei, dass der Mindestwert für EF5 um fast 100 Meilen überschritten wurde. Die per Doppler ermittelten Geschwindigkeiten passen sogar viel besser zu den alten Fujita-Werten als zu denen in der EF-Skala.
http://www.spc.noaa.gov/faq/tornado/ef-scale.html" onclick="window.open(this.href);return false;


Der Meteorologe Marc Weinberg nennt lt. folgender Quelle sogar eine Geschwindigkeit von 343 mph, das entspricht ca. 552 km/h und wäre im F6-Bereicht nach der alten F-Skala.
http://www.examiner.com/article/el-reno ... do-history" onclick="window.open(this.href);return false;


Hier noch mehr, auch zur Gefährlichkeit und der Frage warum dieser Sturm auch sehr erfahrenen Storm-Chasern zum Verhängnis wurde:
http://fox41blogs.typepad.com/wdrb_weat ... nside.html" onclick="window.open(this.href);return false;
http://fox41blogs.typepad.com/wdrb_weat ... rnado.html" onclick="window.open(this.href);return false;


Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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bärenfänger
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Re: 31.05.2013 El Reno, OK

Beitrag von bärenfänger » Freitag 7. Juni 2013, 23:03

Danke für diese Übersicht, Martin. Wirklich höchst interessant, was da durch die Velocity-Scans ans Tageslicht gekommen ist.

Grüße und Gut Pfad,
Olli.
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Cumulus Humilis
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Re: 31.05.2013 El Reno, OK

Beitrag von Cumulus Humilis » Montag 10. Juni 2013, 03:34

Hallo Martin,

vielen Dank für die Zusammenstellung dieser Informationen.

Die Dopplermessungen und die Tatsache der nachträglichen Hochstufung des Tornados zeigen für mich klar zwei Dinge:

1. Vegetationsschäden sind bei den Schadensindikatoren (DIs) auf jeden Fall zu wenig berücksichtigt. Die Gegend ist mir ja nicht unbekannt und ich bin überzeugt, daß eine genaue Betrachtung der Vegetationschäden ebenfalls klare Hinweise auf (E)F4 bzw. (E)F5 geliefert hätte. Bäume gibt bzw. gab es dort mit Sicherheit genug. Die bloße Unterscheidung zwischen "soft wood" und "hard wood" ist offenkundig völlig unzureichend und praktisch nur Gebäudeschäden als DIs zu verwenden, führt, wie hier geschehen, zur Fehleinstufung, wenn die stärksten Winde über unbebautem Gelände auftreten. Das kann doch nicht im Sinne korrekter Datenerhebung sein.

2. Auch wenn die WMO Dopplermessungen offenbar nicht traut, gibt es wenig Zweifel an der Genauigkeit, jedenfalls wenn bestimmte Regeln eingehalten werden, worauf man sich bei Wurman und Bluestein mit Sicherheit verlassen kann. Die prinzipielle Zuverlässigkeit des Messverfahrens ist tausendfach bewiesen - in den verschiedensten Geschwindigkeitsbereichen. Leider steht in dem Bericht von Marc Weinberg nicht, woher der Wert von 343 mph stammt. Es könnte sich um einen Peak des Velocityscans handeln, den man so aber nicht verwenden kann, da Objekte in der Trümmerwolke schon mal durch Impulsübertragung extrem beschleunigt werden können und so ein falsches Bild der tatsächlichen Rotationsgeschwindigkeit zeigen. Andererseits hat Weinberg bei einigen DOW-Messkampangen mitgearbeitet, so daß ihm ein solcher Fehler wohl kaum unterläuft. Und für möglich halte ich die Geschwindigkeit durchaus, denn die Suction Vorticies am Rande eines so großen und schnell rotierenden Vortex können durch die Impulserhaltung sicher extreme Werte erreichen.

Beide Punkte bringen mich zu dem Schluß, daß die EF-Skala einfach nicht ausgereift ist.


Marc Weinbergs Blog zum Thema, warum so viele Chaser in Gefahr geraten sind, finde ich sehr gut und er bestätigt Dinge, über die ich mir in den vergangen Tagen so meine Gedanken gemacht habe. Besonders diese drei Absätze sind bemerkenswert (Quelle der Zitate: http://fox41blogs.typepad.com/wdrb_weat ... rnado.html" onclick="window.open(this.href);return false;):
Staying safe always mean you let the storm dictate how close you could get. Let's look at what the tornado itself dictated in terms of what was a safe distance. This storm had extreme rotation on it and was what we call a multivortex tornado. When you see a multivortex tornado like this one (notice the spinning suction vortices), you simply have to back off since it can intensify REALLY fast as this one did.
Etliche Videos zeigen in der Tat die gewaltige, rasch expandierend Rotation.
Staying safe means you allow direction changes in the tornado, so you do not get in a bad position. I think one of the big things that contributed to so many storm chasers being hit by the El Reno, OK tornado was the left move the tornado made. When you have strong/violent tornadoes, they make this left move as they get ready to weaken a bit and staying safe means you give strong/violent tornadoes room. This tornado was on a right moving storm cell and that is the case on many of the tornadoes that form from extreme instability. The problem was the tornado started to occlude and like all tornadoes that occlude, it made a sharp left move.
Da spricht er etwas an: War es wirklich so unvorhersehbar, daß der Tornado auf Nordkurs geht oder zumindest gehen könnte? In der Ausprägung war es vielleicht ungewöhnlich, aber war nicht die Ausprägung des ganzen Tornados ungewöhnlich? Und daß die Okklusion einer so mächtigen Rotation eine deutlich stärkere Seitwärtsbewegung bewirken kann (muss), als die eines um den Faktor 10 kleineren Vortex, ist physikalisch leicht nachvollziehbar. Ja, ja, hinterher ist man immer schlauer, werden jetzt einige sagen. Aber darum geht es nicht. Alle (und da nehme ich mich nicht aus) die Stormchasing betreiben, müssen sich wirklich ständig fragen, ob sie die Lage noch vollständig überblicken und sie nicht in der Klemme sitzen, wenn etwas schief geht (etwa eine Straße blockiert ist), oder ob es Zeit für einen Taktikwechsel oder gar den Rückzug ist, auch wenn man dadurch eventuell eine spannende Entwicklung verpasst.
It seems the storm chasing community has really fractured over the last 15 years into extreme chasers that will do anything to get closest to the tornado and the legit scientists / spotters. Make no mistake, spotters and scientists are incredibly valuable. They put their lives on the line to help the public during tornadoes and the scientists learn about how tornadoes function to expand our understanding. At the same time, there are a reckless number of chasers out there on the roads taking unnecessary risks to get the best video of tornadoes. I am not sure I am in any position to say who those people are, but the culture has changed. We need to find our way back and remember that we must treat storms with the utmost respect. When the goal is to upstage the next chaser by getting video that is closer to the tornado, then we have lost track of what storm chasing is all about.
Das muß man nicht kommentieren, es ist schlicht die Wahrheit.

Gruß,
Andreas
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Re: 31.05.2013 El Reno, OK

Beitrag von Kleiner-Schwabe » Donnerstag 13. Juni 2013, 18:24

Interpretiere ich das Video falsch oder steht der Stormchaser mitten auf der Autobahn und er hat einfach nur Glück das der Lkwfahrer rechtzeitig reagiert hat ?

http://www.youtube.com/watch?v=A6YvLHe94hc" onclick="window.open(this.href);return false;

Grüße

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Cumulus Humilis
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Re: 31.05.2013 El Reno, OK

Beitrag von Cumulus Humilis » Donnerstag 13. Juni 2013, 21:40

Hallo,

sieht für mich so aus, als ob die Kamera direkt am Straßenrand steht. Ob da jemand dabei steht, oder es eine automatische Kamera ist, kann man ja nicht erkennen.

Gruß,
Andreas
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Re: 31.05.2013 El Reno, OK

Beitrag von CMM » Samstag 15. Juni 2013, 12:58

Moin,

wenn ich die Kommentare des Videos richtig verstehe, dann ist die Kamera hinten am Auto festgemacht. Ich kenne die Situation im ganzen nicht, aber ich denke es war schon sinnvoll dort stehen zu bleiben zumal er ja nicht eine Vollbremsung macht, weil es die Straße runter noch eine heftigere Situation gewesen wäre. Der Fahrer von dem Auto hat sich dann so hingestellt, dass er durch den Truck vom Wind geschützt war und gleichzeitig dem Truck halt gab. In der Beschreibung steht auch, dass der Beschreibung steht auch, dass der Truckfahrer bewusst schneller als es sicher wäre gewesen ist um nicht die Sicht vom Chaser zu verlieren.

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