[Verdacht] 28.05.2007 - Forst (SPN, Brandenburg)

Christian Frohs
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Beitrag von Christian Frohs » Mittwoch 30. Mai 2007, 21:13

Kleiner Nachtrag...
so eben hat mich eine alte Arbeitskollegin aus Forst angerufen... sie berichtete u.a. folgendes:
In Forst direkt großer Hagel, den sie noch nie in ihren über 40 Jahren gesehen hat! Sie sagt so in etwa eiergroßer Hagel. Sie meinte, die Menschen hatten Angst, vom Hagel tödlich verletzt zu werden.
Nahezu fast jedes Auto mit Schäden, Dächer beschädigt, einen Rattansessel auf ihrem Balkon hat es völlig entschärft.
Kurz bevor das Unwetter ankam berichteten sie und die Nachbarn vom Ton, der sich anhörte wie ein lauter Zug, der durch die Straßen zog.
Die Nachbarn, die wiederum im Dorf Mulknitz waren, berichteten dort von schwer beschädigten Carports. Fast alle Bewohner dieses Dorfes beschrieben die Erscheinungen mit einer Windhose und viele verängstigt in ihren Häusern geblieben.
Entwurzelte Bäume direkt in Forst gab es ihrer Aussage nicht, aber viele abgebrochene größere Äste... wie es in Mulknitz aussieht, konnte sie leider nicht herausfinden...

GLG Chrischi
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Christian Frohs
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Beitrag von Christian Frohs » Mittwoch 30. Mai 2007, 23:47

Ich fahre raus, möglicher Bericht wird folgen
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Christian Frohs
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Beitrag von Christian Frohs » Donnerstag 31. Mai 2007, 20:51

Bericht

Sooo, ich bin heute wie gesagt rausgefahren.
Forst: Zuerst schaute ich mich in der Stadt Forst um. Meine Frage an mich selbst danach war einfach nur: "Hier soll ein Unwetter getobt haben?". Nichts, die Straßen und Wege waren sauber, keine Äste, auf den Autos waren keine Spuren von Beulen, die Blumenbeete waren noch immer wunderschön und alle Pflanzen standen so, wie sie immer stehen müssen. Nirgends waren Aufräumarbeiten zu sehen, keine Schäden an Häusern, die Balkone waren sauber usw...
Enttäuscht fuhr ich weiter auf der B112 in Richtung Guben... unterwegs waren links und rechts nur Felder, doch auch die Felder waren sauber, nur ein paar Radspuren der Traktoren bahnten sich da ihren Weg. Die Felder waren meist Gras- und Getreidefelder.
Mulknitz: Ich erreichte dann auch schon Mulknitz, einer von zwei Orten, der in der Zeitung erwähnt wurde. Das Dorf an sich ist nicht sehr groß und besteht zumeist aus kleinen Familienhäusern mit Bauern- oder Pferdehöfen. Ich bog eine Straße ab, wo ich zwei etwas größere Äste auf der Straße sah, sowieso ganz paar Blätter. Ich fuhr langsamer, schaute mir die Bäume an, doch die waren soweit okay. Am Ortsausgang Richtung Gosda kam ein Waldstück: Keine weiteren Spuren... ein paar dünne Äste im Wald, jedoch standen die Bäume so, wie Bäume eben immer stehen müssen. Nach 2 Kilometern kam ein Feld und nachdem ich auch dort nichts sah, drehte ich wieder um und nahm in Mulknitz einen kleinen Feldweg, der sich zwischen Bäumen und Feldern säumte. Ich kam nicht weit, denn der Weg war sehr schlammig, also drehte ich um, doch auch links und rechts dieses Feldweges war nichts zu sehen, was nur dem Hauch eines Sturmes näher kam.
Ich sah drei nette Reiterinnen, die mich (kurioserweise) schon von weitem anlächelten. Ich fragte sie, doch sie meinten nur: "Unser Auto hat paar Minibeulen vom Hagel abbekommen, es war auch sehr windig, aber Windhosen haben wir keine gesehen, es war eher wie ein normales Unwetter, eben nur großer Hagel, in etwa Eiergröße."
Die Spur hielt mich nicht mehr lange und so fuhr ich weiter.
Bohrau: Nachdem links und rechts von der Straße wieder die Felder sauber waren, erreichte ich Bohrau. Hier lagen zwar keine Blätter und Äste auf der Straße, doch von weitem sah ich, dass 2 Häuser kaum noch Dachziegel hatten. Als ich mich näherte, sah ich aber, dass die Häuser eh längst verlassen und heruntergekommen waren. Ich bog nach Klein Bohrau ab... wieder paar Blätter und dünne Zweige von den Pappeln auf den Straßen. Ich machte kurz halt, nahm mein Fernglas und schaute mir die Felder von dieser Seite aus an, bis zum Waldstück, aber wieder nichts auffälliges. Alles wuchs scheinbar so, wie Getreide und Gras wohl im Sommer wachsen muss. Ich machte kehrt und fuhr noch weiter bis Briesnig, doch auch unterwegs und in dem Ort selbst waren keinerlei Spuren vorhanden!

Da es also scheinbar keinerlei Hinweise gab auf eine Windhose, brach ich die Suche nach knapp 1,5 Stunden bereits ab. Auf der Rücktour fuhr ich eine andere Strecke und unterwegs sah man immer wieder kleinere Äste liegen, also nichts weltbewegendes!

Abends rief ich Martin (SCE: Freddy) an, der mir erzählte, dass er in der "20-Cent"-Zeitung den Bericht sah und sogar ein Foto mit einer Windhose abgebildet war... Wir wissen es nicht, ob es ein Fake war... Leider hat er die Zeitung nicht mehr...

Bleibt also weiterhin die Frage:
"Immernoch Verdacht oder Abgeschlossen"?
Nach meiner Tour kann ich mir ein Verdacht nicht mehr vorstellen...

LG Chrischi
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Beitrag von BTrader » Donnerstag 31. Mai 2007, 21:39

Interessanter Bericht !

Ich stelle mal eine Theorie auf:

Wenn ich mir vorstelle, daß Hagel dieser Größenordnung runter kommt, sollte das doch auch einen ziemlichen Niederschlagsvorhang erzeugen. Da sich ja die meisten Annahmen auf die Aussage des Herren in der LR beziehen, könnte es vielleicht sein, daß er diesen Vorhang als "Windhose" interpretiert hat - wie immer er selbst den Begriff dann auch genau definieren mag. Sowas sieht ja auch für einen unbedarften Herrn aus, als ob Wolken sich dem Boden nähern. Evtl. auch ein Microburst ?

Die Experten mögen mir mein Halbwissen verzeihen, aber das wäre eine Erklärung für mich, zumal auch Zeitungen ja bei solchen Ereignissen nicht gerade zu Untertreibungen neigen.

Beste Grüße aus Görlitz

Bodo

Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert » Donnerstag 31. Mai 2007, 21:46

Hallo zusammen,

ich habe das Foto in der LR gesehen, leider nur in einer Mini-Version, auf der sich nicht unterscheiden lässt, ob das eine weit herunter reichende Böenfront oder ein Tornado ist; einen Niederschlagsvorhang möchte ich ausschließen.

Gruß, Thomas Sävert
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Beitrag von BTrader » Donnerstag 31. Mai 2007, 21:49

Sorry, das Foto hab ich eben erst zur Kenntnis genommen - ja sicher, zumindest bezüglich des Fotos ziehe ich meine These natürlich zurück.

Gruß Bodo

Uwe Reiss
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Beitrag von Uwe Reiss » Donnerstag 31. Mai 2007, 22:24

Thomas Sävert hat geschrieben:Hallo zusammen,

ich habe das Foto in der LR gesehen, leider nur in einer Mini-Version, auf der sich nicht unterscheiden lässt, ob das eine weit herunter reichende Böenfront oder ein Tornado ist; einen Niederschlagsvorhang möchte ich ausschließen.

Gruß, Thomas Sävert
Hallo Thomas,

weiteres Vorgehen? Gibt es besseres Bildmaterial oder konkretere Schadensmeldungen?

Gruss

Uwe

Martin21

Beitrag von Martin21 » Freitag 1. Juni 2007, 15:02

Hallo zusammen!

Bin zwar relativ neu hier, interessiere mich dennoch für diesen Vorfall.
Ich habe einen nahen Verwandten, der ungefähr 4 kilometer südlich von Forst wohnt, und der berichtet mir dort von etwa Tischtennisball-Großen Hagelkörnern. Weiß nicht aber Faust-Groß hört sich doch etwas seltsam an oder?...

Schöne Grüße,
Martin21

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Beitrag von Thilo Kühne » Freitag 1. Juni 2007, 15:36

Hallo Martin,

ja, dass mit dem "faustgroß" wurde ja bereits als übertrieben verworfen, obwohl Hagelschlag äußerst begrenzt auch stark in der Größe variieren kann.

Die 3 bis 4 cm Hagel scheinen aber bestätigt zu sein.


Grüße,
Thilo
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Beitrag von Thilo Kühne » Freitag 1. Juni 2007, 15:44

Hallo Chrischi,

danke für deinen Bericht.


Ein Tornado muss nicht zwangsläufig auch schwere Schäden verursachen. Das geschilderte Schadensbild kann von signifikantem Hagelschlag verursacht worden sein. Aber wenn man sich vor Augen hält, dass ein F0-Tornado auch nicht mehr als ein paar abgebrochene kleinere Äste und Blätter hinterlässt, dann kann man ein solches Ereignis auch schwerlich vor Ort belegen. Hierfür könnten ausschießlich unabhängige und glaubwürdige Augenzeugen sprechen.
Wenn wie im vorliegenden Fall Hagelschlag mit einem Tornado-Verdacht an einem Ort vorliegt, dann grenzt es mM fast an eine Unmöglichkeit, die Schäden zu trennen.

Da die Augenzeugen nicht eindeutig von einem Torando sprechen, bzw einige diesen gesehen haben wollen und andere nix bemerkt haben wollen, sehe ich hier den Verdacht nur noch als "schwach vorhanden". Man müsste schauen, ob ein expliziter Verdacht noch gerechtfertigt ist.


Grüße,
Thilo
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Christian Frohs
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Beitrag von Christian Frohs » Sonntag 3. Juni 2007, 17:29

@Thilo:
Danke, ich werde es mir merken :)

Bekam gerade den Hinweis eines Augenzeugen, dass er tatsächlich einen "Wolkenrüssel" in Richtung Boden erblicken konnte, so, wie es in der Zeitung abgebildet war!

Zitat vom Zeugen: "aber genauso, wie es auf dem Bild zu sehen war, hab ich es auch gesehen und an einen entstehenden Tornadorüssel gedacht"

Er hat auch ein Video gedreht und versucht es mir zu schicken... Vielleicht finde ich nähere Infos und melde mich dann nochmal...

LG Chrischi
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Beitrag von Christian Frohs » Sonntag 3. Juni 2007, 22:21

Hallo, freundlicherweise hat mir ein guter Freund folgendes Video zusammengestellt, was die Ausmaße eines Hagelsturms zeigt.

Das Video findet ihr unter:
http://www.youtube.com/watch?v=_-lnaN-JQdg

Zitat: "Dieses Video entstand am 28.05.2007 in Forst (Lausitz) - Brandenburg bei einem Unwetter. Kurz davor sah ich eine Wolke, welche wie der Rüssel einer Windhose aussah - eine graue nach unten zulaufende Wolke. Ich konnte gerade noch rechtzeitig die Dachfenster schliessen. Kurz danach ging es auch schon los. Es schossen erbsen- bis golfballgrosse Hagelkörner vom Himmel. Diverse Autos im Umfeld wurden stark beschädigt und hatten zig Dellen im Blech bzw. gerissene Scheiben. Im weiteren Umfeld gingen auch Gewächshäuser und Dachfenster zu Bruch..."

LG Chrischi
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FeuerwehrCB

Hagel in Forst

Beitrag von FeuerwehrCB » Dienstag 12. Juni 2007, 20:41


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Beitrag von Thilo Kühne » Sonntag 22. Juli 2007, 01:44

Hallo zusammen,

ich habe mich heute mit einer Familie aus Forst getroffen.

zum Hagel: Der größte Hagelstein wurde vermessen: 6,5 cm i.D..

zum Tornadoverdacht: Es wurde mir beschrieben, dass eine rotierende Staubwolke mit einer sehr tief reichenden "Art Wolkenfetzen" durch den Ort fegte. Diese trug Mülltonnen und Dachzigel fort.

Ich würde hier in Richtung Gustnado tendieren.


Grüße,
Thilo
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Beitrag von foto-erzgebirge » Sonntag 22. Juli 2007, 12:10

Hmm Gustnado treten meist an Böenfronten auf. wenn hier aber solch großer Hagel gefallen ist, war demnach mehr eine Superzelle im Spiel....
Viele Grüße aus dem Erzgebirge

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