Hinweise zu Landminen

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Makolki
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Hinweise zu Landminen

Beitrag von Makolki » Freitag 14. November 2008, 03:50

Aus gegebenem Anlass stelle ich hier ein Thema ein, welches ihr nicht so gerne lest, aber es erscheint notwendig!

Ich will auch keine Panik verbreiten, oder gar Naherholungsgebiete schädigen.

Aber....

Vor einigen Tagen machten ausländische Bekannte von mir im Nationalpark Eifel Urlaub und hielten die deutlichen Warnhinweise vor Minen für einen blöden Gag. Auch die Hinweise, daß Hunde anzuleinen wären hielten sie für einen jugendlichen Spaß! So etwas in Deutschland? Niemals!!!!

Nun gibt es in der Familie einen Trauerfall und den Göttern sei Dank ist es "nur" ein Tier.

Es mag unwahrscheinlich erscheinen, aber auch in unserem dicht besiedelten Land gibt es noch Bereiche, die trotz aller modernen Technik nicht betreten werden können. Sie werden normalerweise deutlich "bewarnt"!
In eben diesem Nationalpark liegen immer noch Unmengen der berüchtigten Glasminen 43, der Wehrmacht, die annähernd nicht aufklärbar sind. Das begründet, daß es auch in diesem Land Warnschilder und Absperrungen gibt, die man nicht als Spaß abtun sollte.

Übrigens nicht nur im Nationalpark Eifel!

Trefft ihr auf solche Kennzeichnungen nehmt sie bitte sehr ernst, bewegt euch nicht über die Absperrungen und informiert euch ggf. bei der Polizei ob Absperrungen in dem Bereich ernst zu nehmen sind.
Leider werden diese Warnmarkierungen immer wieder von nicht nachdenkenden Personen als "Andenken" entfernt, oder mutwillig abgerissen.

Bemerkt ihr eine solche mutwillige Entfernung, oder findet ihr eine am Boden liegende Kennzeichnung, meldet das bitte umgehend der Polizei und entfernt euch nicht bis sie da ist und den Bereich wieder schließen kann.
Davon können Menschenleben abhängen.

Solltet ihr feststellen,daß ihr innerhalb solcher Absperrungen steht, habt ihr mehrere Möglichkeiten. Wenn ihr den Weg, den ihr gekommen seid anhand eurer Fußspuren noch erkennen könnt, geht in eben diesen Fußspuren zurück, weicht nicht davon ab.

Das ist die absolute "Notmöglichkeit", von der ich deutlich abrate!!!!

Sie sollte nur vollzogen werden, wenn kein Handy zur Verfügung steht, eine absolute Notlage besteht oder man aus anderen Gründen über mehrere Stunden keine Verbindung zu Rettungsdiensten herstellen kann.

Wenn ihr ein Handy dabei habt, ist die beste Möglichkeit sofort die 112, oder 110 zu rufen und sich nicht einen Zentimeter zu bewegen. Wenn ihr Kinder dabei habt, macht ihnen unbedingt klar, daß sie stehen bleiben müssen. Jeder Zentimeter kann zum Problem werden.

Die Rettungskräfte wissen was zu tun ist und holen euch garantiert da raus, sie sind in diesen Bereichen speziell ausgebildet, ihr müsst nur Ruhe bewahren.

Aus manchen Kriegsfilmen mögen sich Bedenken entwickeln das Handy zu benutzen. Grundsätzlich kein falscher Gedanke, auch die Wehrmacht hat mit Funkzündern experimentiert und ein Handy könnte diese auslösen, aber sie sind ziemlich sicher nicht mehr aktiv und waren in der Glasmine nicht eingebaut.

Tiere sind in solch einem Fall ein Problem, egal wie gerne ihr sie habt, ruft sie NICHT zu euch. Wenn sie trotzdem kommen, könnt ihr kaum etwas dagegen tun, sind sie aber bei euch nehmt sie sofort kurz und lasst sie nicht mehr laufen.

Manch "schlauer Charakter" denkt möglicherweise, ich schicke meinen Hund los und wo er lang kann kann ich das auch. Vergesst es, entweder hatte das Tier Glück, oder der Auslösedruck des leichten Tieres hat für die Mine nicht gereicht. Bei einem Menschen würde er reichen!!!

Ach ja, zum Thema Auslösedruck, dort wo ihr steht ist es sicher, kommt nicht auf die Idee euch zu setzen, weil es etwas länger dauert. Nur der Bereich unmittelbar unter euren Schuhsohlen ist sicher!

Solltet ihr in diesen Bereichen drei Stifte bemerken, die aus dem Boden ragen, habt ihr "Glück", die Glasmine wurde oft mit "Topfminen" (reinen Splitterminen) verlegt.

Ihr habt deswegen Glück, weil ihr sofort stehen bleiben könnt und wisst, was los ist, die Glasminen seht ihr im Normalfall nicht.

Diese Stifte dürft ihr keinesfalls berühren, denn Topfminen springen aus dem Boden und detonieren etwa 1 m darüber. Sie verstreuen ihre Metallsplitter bis zu 100 m weit.

Schert euch nicht darum, ob man euch bei den Rettungskräften ernst nimmt und versucht nicht auf eigene Faust dort heraus zu kommen um euch nicht zu "blamieren".

Sie werden euch garantiert ernst nehmen und besser einmal "Panik" gemacht, als einen Trauerfall in der Familie zu haben.

Ich muß zu Minen wahrscheinlich wenig schreiben, aber die Glasmine ist besonders heimtückisch, da sie gleichzeitig als Druckmine durch Sprengstoff wirkt, also einen Abriß von Körperteilen oder den Tod bewirken kann und durch ihren Glaskörper gleichzeitig eine Splittermine ist. Die Glassplitter sind im Körper nicht besonders einfach zu finden, auch ein Röntgengerät hat da scheinbar je nach Splittergröße seine Schwierigkeiten. Diese Mine ist nicht metallisch,also mit dem Minensuchgerät nicht zu finden. Durch ihren Glaskörper, den man sich wie ein Einmachglas vorstellen muß, kann sie eine halbe Ewigkeit scharf bleiben, weil kein Wasser in den Innenraum dringt, welches das Innenleben unbrauchbar machen könnte.

Solltet ihr innerhalb der Absperrungen ein solches Teil sehen, oder vermuten ---> 110, oder 112, die Leute wissen was zu tun ist.

Aus rechtlichen Gründen verweise ich darauf, daß ich als nicht offiziell bestellter Experte keine bindenden Verhaltensmaßregeln geben darf und will. Die erwähnten Möglichkeiten basieren auf militärischen Erfahrungen, sollten aber ggf. in entsprechend gefährdeten Gebieten unbedingt mit den Behörden vor Ort abgestimmt werden, die auch einen Überblick über die Gefahrenlage geben können.

Und nun ein ganz deutlicher Hinweis an uns alle, in diesen Bereichen kann es auch zu Sturmereignissen kommen, es versteht sich von selbst, das sich ein Chasing in verdächtigen Bereichen weiträumig absolut verbietet. Ich muß wohl nicht extra erwähnen, daß ein Tornado diese Dinger weiträumig verteilen kann OHNE sie auszulösen! Sicher denken die Rettungskräfte bei der Schadensbeseitigung daran, aber es kann nicht schaden, sie trotzdem daran zu erinnern.

Gruß Marius
"Gum biodh Eòin Gràidh nan Gàidheal fillte ri dealbh fo bheatha."

Joerg72
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Re: WARNUNG

Beitrag von Joerg72 » Freitag 14. November 2008, 11:45

Hallo Marius,
eine wirklich ernstzunehmende Sache, die Du da beschreibst. Auch das Du "Tips", "für den Fall der Fälle" gibst, halte ich für richtig! Schließlich streifen grade wir oft durch Wald und Flur und ganz ehrlich? Ich habe an sowas noch nie gedacht! Allerdings denke ich, das diese Gefahr im Deister-Sünteltal nicht wirklich vorhanden ist - zumindest habe ich noch nie Warnungen oder Absperrungen diesbezüglich gesehen. Trotzdem halte ich Dein Posting für absolut richtig und wichtig.

XMarie
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Re: WARNUNG

Beitrag von XMarie » Freitag 14. November 2008, 12:01

Hallo Makolki,
leider ist es wahr!!! :evil: :evil: :evil:
Bei uns in Dorf würde diese Sommer eine Scharfe Bombe entdeckt, als Bauer arbeite auf seinem Acker.
Ich glaube das über auf diese Welt sind leider noch solche „Reste“ von Krieg..... :evil: :evil:

Grüße,XMarie........
Tue, was du willst, aber schade niemanden ...

knolt
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Re: WARNUNG

Beitrag von knolt » Freitag 14. November 2008, 21:38

Hi Leute

Ohne die Existenz solcher böser Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus herunterspielen zu wollen, sollte man vielleicht drauf hinweisen, dass die Wahrscheinlichkeit auf nicht räumbare Minenfelder zu treffen zum Glück in Deutschland eher gering ist und man nicht in jedem 2-3 Wald ein solches vorfindet.
Die Ausnahme sind halt die angesprochenen Minenfelder bei denen die nur äusserst schwer bis gar nicht auffindbare Glasmine 43 in Waldgebieten verlegt wurde, diese sind aber idR so großzügig bewarnt, dass es fast unmöglich ist unwissend in sie hineinzulaufen. Glücklicherweise auch sind Minen und speziell die Glasminen aus verschiedenen Gründen zum Ende des 2 Weltkrieges im Gebiet der heutigen BRD nur noch in geringeren Maße als auf anderen Kriegsschauplätzen eingesetzt worden. Die Gefahr auf Fundmunition und Blindgänger wie z.B Flakgeschosse oder Bordmunition von Flugzeuen zu stoßen ist in Deutschland bedeutend größer als aus Versehen in ein nicht gekennzeichnetes Minenfeld zu laufen. Generell wenn man etwas Verdächtiges findet Finger weg, nicht berühren oder gar bewegen und Polizei über den Fund informieren schon ist man ziemlich auf der sicheren Seite.
Solltet ihr in diesen Bereichen drei Stifte bemerken, die aus dem Boden ragen, habt ihr "Glück", die Glasmine wurde oft mit "Topfminen" (reinen Splitterminen) verlegt.
Ihr habt deswegen Glück, weil ihr sofort stehen bleiben könnt und wisst, was los ist, die Glasminen seht ihr im Normalfall nicht.
Diese Stifte dürft ihr keinesfalls berühren, denn Topfminen springen aus dem Boden und detonieren etwa 1 m darüber. Sie verstreuen ihre Metallsplitter bis zu 100 m weit.
Damit man eine Vorstellung hat wie solche Stifte aussehen würden hier mal ein deutscher Minenzünder aus dem 2 Weltkrieg. Das Foto wurde übrigends von mir in der Lehrsammlung einer zivilen Sprengschule aufgenommen, nicht dass jemand denkt ich horte sowas zu Hause :wink:
Der gesammte Zünder ist 10cm groß und verlegt schauen nur die 3 Dräte aus dem Erdreich hervor.

Bild


Gruß Malte
Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel. - Paul Watzlawick

Forstexperte
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Re: Hinweise zu Landminen

Beitrag von Forstexperte » Sonntag 16. November 2008, 19:20

Hallo zusammen,

ich fühle mich dazu verpflichtet hier ein paar Zeilen zu schreiben.

Das angesprochene Gebiet - den ehemaligen Truppenübungsplatz im Nationalpark Eifel kenne ich übrigens sehr gut. Ich habe dort in 2 Jahren auf fast 3000 ha (30 km²!) eine Bodenkartierung für den Nationalpark (als planerische Grundlage) im Auftrage des Geologischen Dienstes NRW erstellt. Ein Profi-Metalldetektor war bei den Geländearbeiten Pflicht!

Das angesprochene Glasminenfeld war übrigens absolut tabu - auch für alle Soldaten, die dort 6 Jahrzehnte geübt hatten. Lt. Aussagen des zuständigen Bundesförsters hat zumindest offiziell in den über 6 Jahrzehnten seit Ende des Krieges kein Mensch dieses Gebiet betreten – in den Militärkarten war es farbig dick schraffiert.

Eindringliche Warnhinweise bzgl. außerhalb der Wege möglicher Blindgänger stehen an allen Eingängen in die Flächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes Vogelsang im Nationalpark Eifel. Auf die Glasminen wird übrigens nicht explizit hingewiesen, sondern nur auf die Gefahr von Blindgängern aller Art, die dort außerhalb der Wege natürlich überall herumliegen können, auch wenn die Belgier vor ihrem Abzug sicher das allermeiste geräumt haben.
Das Gebiet war neben 6 Jahrzehnten Truppenübungsplatzbetrieb auch Schauplatz blutiger Kriegshandlungen (die Hürtgenwaldschlacht war nicht weit!).

Der Bereich des Glasminenfeldes ist entlang des einzigen dort durchgehenden Wanderweges noch einmal extra abgezäunt (allerdings mit einer leicht überkletterbaren Holzabsperrung) und es wird dort mehrfach vor Munitionskörpern im Gebiet gewarnt. Ich denke, dass ein direkter Hinweis auf Glasminen dieses Gebiet für manche Spinner erst recht interessant macht und diese möglicherweise erst dazu animiert, dass Gebiet zu betreten.

Außerdem herrscht dort überall allein schon aus Naturschutzgründen ein absolutes Wegegebot (die Wege dürfen nirgends verlassen werden!) und ein Anleingebot für Hunde, welche auch kontrolliert werden. Es sind dort ständig mehrere Ranger im Einsatz. Traurig, dass so etwas offenbar wie selbstverständlich missachtet wird. Leider ist für eine flächendeckende Kontrolle das Gebiet natürlich viel zu groß und zu unübersichtlich.

Hier 3 sehr empfehlenswerte Links mit sehr viel Hintergrundwissen zum Thema:

http://www.nationalpark-eifel.de/" onclick="window.open(this.href);return false;

http://www.lernort-vogelsang.de/" onclick="window.open(this.href);return false;

http://www.vogelsang-ip.de/nextshopcms/show.asp?lang=de" onclick="window.open(this.href);return false;


Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Makolki
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Re: Hinweise zu Landminen

Beitrag von Makolki » Sonntag 16. November 2008, 19:52

Hallo Malte und Martin,

ich danke für die Ergänzungen und Kommentare. gerade bei Malte muß ich vollkommen zustimmen, daß die Wahrscheinlichkeit auf Fundmun zu treffen sehr viel höher ist, als die ausgerechnet in solch ein Problemgebiet zu geraten, Aber darum ging es ja ers einmal auch nicht. Danke für die Darstellungen der Zünder, ich hatte keine frei verfügbaren Bilder zur Verfügung. Es gilt zu bedenken, daß diese Zünder heute verrostet sein können und von kleinen Ästen somit kaum zu unterscheiden sind.
Dir Martin auch Dank für die Links und unter bezugnahme auf Telefonate mit Kameraden der Pionierschule der Bundeswehr, wurde ich darauf hingewiesen, deutlich davor zu warnen, egal welche Munition, die angesprochene ohnehin nicht zu bewegen. Dies gelte insbesondere für große Bereiche der neuen Bundesländer, aber auch Schwarzwald und Sauerland, wo eine Beräumung nicht "zu aller Zufriedenheit" stattfinden könne.
"Gum biodh Eòin Gràidh nan Gàidheal fillte ri dealbh fo bheatha."

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Anke Gernhardt
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Re: Hinweise zu Landminen

Beitrag von Anke Gernhardt » Mittwoch 19. November 2008, 10:23

Hallo!

Gute Hinweise!
Im Nationalpark Hainich (hier vor den Toren Eisenachs) gibt es auch solche abgesperrten bzw. bewarnten Bereiche. Was da konkret liegt, steht da nicht. Nur, daß es Minen sind.
hand
Anke
;)

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Re: Hinweise zu Landminen

Beitrag von Peter.R.Hofmann » Mittwoch 19. November 2008, 18:26

Das selbige ist auch in Viernheimer Wald und Lampertheimer Wald zu sehen hier nennt man es Panzerwald.
Warnungen sind Ausgeschildert, hier im Wald war früher der Truppenübungsplatz der US Streitkräfte ebenso gibt ein solches Gebiet bei Babenhausen sowie die Tannsiedlung in Darmstadt ebenfalls Renaturiert.
Ws bifinden sich dennoch Sprengkörper auf dem Gebiet auch in Urberach (odenwald) ist noch solch eine hinterlassenschaft.
Hier in den Gebieten hat aber der Kampfmittelräumdienst Warnschilder aufgestellt.
Ein Frosch der im Brunnen lebt,
beurteilt das Ausmaß des Himmels
nach dem Brunnenrand.

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