[Tornado] 29.04.1858 - Magdeburg (MD|ST)

Antworten
Benutzeravatar
bärenfänger
Beiträge: 1460
Registriert: Montag 31. Mai 2010, 23:54
Wohnort: Sollstedt/Wipper [ ] Leipzig [x]

[Tornado] 29.04.1858 - Magdeburg (MD|ST)

Beitrag von bärenfänger » Donnerstag 16. Februar 2012, 14:10

Bericht einer Windhose, die über Magdeburg zog, zum Glück ohne nennenswerte Schäden.

http://books.google.de/books?id=kh9EAAA ... rg&f=false" onclick="window.open(this.href);return false;

Gruß und Gut Pfad,
Olli.
Regionaler Ansprechpartner Leipzig-Südharz-Nordthüringen

Benutzeravatar
bärenfänger
Beiträge: 1460
Registriert: Montag 31. Mai 2010, 23:54
Wohnort: Sollstedt/Wipper [ ] Leipzig [x]

Re: [Tornado] 29.04.1858 - Magdeburg (MD|ST)

Beitrag von bärenfänger » Freitag 17. Februar 2012, 00:19

Status kann zurückgesetzt werden, wenn sich unsere Experten hier einig sind, dass ein sehr ausgeprägter Staubteufel Ende April abends nach 20 Uhr möglich ist.
Dem Bericht entnehmend scheint die Verdunkelung des Himmels nämlich eine Folge des aufgewirbelten Staubes zu sein.

Gruß und Gut Pfad,
Olli.
Regionaler Ansprechpartner Leipzig-Südharz-Nordthüringen

Thomas Sävert
Beiträge: 2823
Registriert: Mittwoch 12. April 2006, 22:21
Wohnort: Velbert
Kontaktdaten:

Re: [Tornado] 29.04.1858 - Magdeburg (MD|ST)

Beitrag von Thomas Sävert » Sonntag 19. Februar 2012, 16:02

Hallo Olli,

nein, ich denke, den Status sollten wir so lassen. Einen Staubteufel halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Grüße, Thomas Sävert
Tornadoliste Deutschland
http://www.tornadoliste.de

Axel F.
Beiträge: 877
Registriert: Montag 3. März 2008, 15:17
Wohnort: Oberlausitz
Kontaktdaten:

Re: [Tornado] 29.04.1858 - Magdeburg (MD|ST)

Beitrag von Axel F. » Sonntag 19. Februar 2012, 18:03

Ich denke auch, bei einem Toten fällt der Staubteufel wohl raus.

Dort ist auch noch ein Fall am 30.4.1858 in Frankenberg/Eder erwähnt - auch mehr als plausibel

http://maps.google.de/maps?q=Frankenber ... rankenberg+(Eder" onclick="window.open(this.href);return false;),+Kassel,+Hessen&t=m&z=10

Thomas Sävert
Beiträge: 2823
Registriert: Mittwoch 12. April 2006, 22:21
Wohnort: Velbert
Kontaktdaten:

Re: [Tornado] 29.04.1858 - Magdeburg (MD|ST)

Beitrag von Thomas Sävert » Sonntag 19. Februar 2012, 18:14

Axel F. hat geschrieben:Ich denke auch, bei einem Toten fällt der Staubteufel wohl raus.

Dort ist auch noch ein Fall am 30.4.1858 in Frankenberg/Eder erwähnt - auch mehr als plausibel

http://maps.google.de/maps?q=Frankenber ... rankenberg+(Eder" onclick="window.open(this.href);return false;),+Kassel,+Hessen&t=m&z=10
Zu Frankenberg gibt es schon einen Thread, der war aber auch am 29.04.

Grüße, Thomas Sävert
Tornadoliste Deutschland
http://www.tornadoliste.de

Axel F.
Beiträge: 877
Registriert: Montag 3. März 2008, 15:17
Wohnort: Oberlausitz
Kontaktdaten:

Re: [Tornado] 29.04.1858 - Magdeburg (MD|ST)

Beitrag von Axel F. » Donnerstag 11. Juli 2013, 14:19

ich schreibs mal hier rein, weil es der einzige Case für den 29. April 1858 ist. Mutmaßlich haben wir es hier mit einer serie (für die, die das Wörtchen Outbreak ungern hören :D ) zu tun.

Verdachtsfälle u.U. in Duisburg, Neuwied, Koblenz und Düsseldorf, Elderfeld und Dortmund. Magdeburg wird erwähnt, Aschersleben, Halle, Erfurt, Bernburg, Dessau sowie eine Beschreibung einer Windhose bei Aderstedt 35 km südlich von Magdeburg.

Sehr interessanter und umfangreicher Bericht vom Fürther Tageblatt vom 8. Mai 1858

http://books.google.de/books?id=Ia1DAAA ... 0Q6AEwBTge" onclick="window.open(this.href);return false;
Ueber den Sturm vom 29. April Abends bringen Zeitungen Details, die denselben als eine sehr merkwürdige metereologische Erscheinung erkennen lassen. So schreibt man aus Duisburg: „Nachmittags gegen 3 Uhr zog ein Gewitter aus S.-W. herauf, das sich aber später gegen Osten wandle und unsere Stadt nicht berührte. Dagegen brach plötzlich ein augenscheinlich mit dem Gewitter in Zusamenhang stehender orkanähnlicher Sturm los. Alles flüchtete und suchte ein sicheres Asyl, Niemand wußte. was dieser Sturm mit der plötzlichen Verfinsterung des Himmels und den Staubmassen zu bedeuten hatte.
Die eben aus der Schule kommenden Kinder weinten vor Angst, man hörte die Rufe: „Feuer und Erdbeben." Die ganze Erscheinung dauerte etwa zehn Minuten. Der Orkan hat arge Verwüstungen angerichtet, vielleicht wird sogar ein Menschenleben zu beklagen sein. Ein beladenes Schiff ging in der Nähe von Wanhein unter, und nur die Leute wurden gerettet. Auf der hiesigen Baumwollen Spinnerei wurde das Dach abgedeckt, dessen herabstürzende Balken einen in der Nähe haltenden Fuhrmann schwer verwundeten und sein Pferd tödteten.
Auf dem eben stattfindenden Jahrmarkte stürzten die Buden ein, und die Krämer flohen mit Hinterlassung ihrer Habseligkeiten. Auf dem Bauplätze der neuen Eisengießerei stürzte eine Mauer ein, drei Arbeiter wurden darunter begraben, kamen aber mit leichten Verwundungen davon.
Alle bei dem Sturme beobachteten Erscheinungen, seine Heftigkeit, seine kurze Dauer, seine wirbelnde Bewegung, ferner die Staubmassen. welche er mit sich führte, machen es wahrscheinlich, daß wir es mit einer ungeheuren Windhose zu thun hatten. — Auch aus N e u w i e d, Koblenz. Düsseldorf wird über die verheerenden Wirkungen des Sturms berichtet. In Elberfeld stieg gegen halb 4 Uhr am westlichen Himmel das Gewitter auf. Die schwarzen Wolken, die von einem heftigen Wind getrieben wurden, färbten sich, indem sie heraufzogen, gelblich und selbst violett und schienen einen höchst gefährlichen Inhalt zu haben. Nebenbei führte der Wind eine solch,' Staubmasse mit sich, daß man deshalb auch in dem hellsten Zimmer für eine kurze Zeit kaum sehen konnte. In D o r t m u n d gab es Nachmittag um 5 Uhr ein starkes Gewitter mit einer 10 Minuten anhaltenden ägyptischen Finsterniß, dem ein erquickender Regen folgte. Wie in Magdeburg hauste der Sturm (zwischen 7 1/2 und 8 1/2 Uhr Abends) auch in Nordbausen, Aschersleben, Halle.

Aus Aschersleben bringt die „Magdeb. Z " folgende interessante Details: „Ich befand mich, schreibt der Korr, am 29. Nachmittags 4 Uhr 28 Min. im Postwagen aus der Chaussee zwischen Bernburg und Aschersleben, und zwar in der Näbe der ZuckerFabrik Zernitz, als ich bei ganz stiller Luft und halbbedecktem Himmel gegen Süden, rechts vom Dorfe Aderstedt und dem Anscheine nach kaum 1/4 Stunde entfernt, eine imposante Wolkenmasse von Dunkelbrauner Farbe sich entwickeln sah, welche von der Erde aufsteigend sich mit einem noch dunkleren Gewölk am Himmel in beträchtlicher Höbe vereinigte. Mit jedem Augenblicke wurde das Phänomen dunkler und drohender, der Postillon stieg vom Bock und hielt seine Pferde an; es war dies jedoch kaum geschehen, als der Postwagen plötzlich von einer dichten Wolke Erde und Sand, ja selbst mit erbsengroßen Steinen überschüttet, von einem furchtbaren Sturme zur Seite geschoben und beinahe umgestürzt wurde. Die Dunkelheit war etwa eine Minute lang eine vollkommen nächtliche, die ganze Erscheinung jedoch in 3 Minuten vorüber; der Wind blieb bei gelindem Regen noch etwa 1/2 Stunde ziemlich heftig, während der Himmel sich aufklärte und den schönsten Sonnenschein zeigte. In Erfurt, Bernburg und Dessau hat man an demselben Abend um 8 3/4 Uhr etwas Aehnliches beobachtet.

Antworten

Zurück zu „Historische (Verdachts)fälle“