[plausibel] 24.05.1979 - Altenburg (Thüringen)

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Thilo Kühne
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[plausibel] 24.05.1979 - Altenburg (Thüringen)

Beitrag von Thilo Kühne » Dienstag 27. März 2007, 23:36

Hallo zusammen,

ich habe heute einen sehr interessanten Augenzeugenbericht zu einem (möglichen) Tornadofall vom Mai 1979 aus dem thüringischen Altenburg bekommen.

Bericht von Fam. Zimmermann aus Fockendorf bei Altenburg:

"Wir hatten seit 1975 einen kleinen Garten mit einem Häuschen in der Gartensparte "Am Waldessaum" in Altenburg. Im Jahr 1979, wohl im Mai, zog ein schlimmer Wirbelwind über dieses Gebiet. Am frühen Nachmittag bildete sich in nächster Nähe ein rotierender gelber kleiner Wirbel am Boden, der rasch zur Wolken aufstieg. Es wurde plötzlich laut und wir flohen kurzerhand in unsere Gartenlaube. Innerhalb von Sekunden erreichte der Wirbelsturm unseren Garten und wir hatten Mühe die Tür zu schließen. Eine Frau von einem benachbarten Gartengrundstück schaffte es nicht mehr rechtzeitig sich in Sicherheit zu bringen. Sie musste sich am Zaun festhalten, um nicht von dem Wirbel fortgetragen zu werden. Das Dach unseres Gartenhäuschens und die Balken wurden fortgetragen und Asbestplatten (Dachabdeckung) wirbelten über dem gesamten Gelände. Man konnte den Wirbelsturm noch 3 bis 4 Minuten in Richtung Osten beobachten. Dort wo er über den Boden zog wurden starke Bäume abgebrochen und noch weitere Dächer fortgerissen. Besonders stark hatte es den Stadtwald und den Bereich der B 93 getroffen. Von der dahinter liegenden Nähmaschinenfabrik hatte es das Dach weggerissen und es flog gegen ein gegenüberliegendes Mietshaus. Wir haben noch einmal mit Verwandten gesprochen, da wir das Jahr nicht mehr genau wussten. Es muss also im Jahr 1979 gewesen sein."


Ein sehr interessanter Bericht, wie ich finde. Was meint Ihr dazu?

Grüße,
Thilo
Zuletzt geändert von Thilo Kühne am Samstag 31. März 2007, 01:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Cumulus Humilis » Mittwoch 28. März 2007, 00:34

Hallo Thilo,

klingt wirklich interessant. Der "gelbe kleine Wirbel der rasch zur Wolke aufstieg" ist ja schon ziemlich eindeutig. Auch die weitere Entwicklung läßt doch recht glaubwürdig auf einen Tornado schließen.

Gruß,
Andreas
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Beitrag von Thomas Sävert » Mittwoch 28. März 2007, 08:38

Hallo zusammen,

klingt auch für mich sehr nach Tornado und würde sehr gut zu den anderen Fällen am 24. Mai 1979 passen. Vielleicht kann ja jemand eine Zeitung vom Folgetag auftreiben, wäre sowieso mal interessant.

Gruß, Thomas Sävert
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Beitrag von Forstexperte » Freitag 30. März 2007, 23:28

Hallo zusammen,

kann mich hier nur den Äußerungen von Andreas und Thomas anschließen.
Ein Tornado ist aufgrund der Beschreibungen sehr wahrscheinlich.
Daher fällt dieses Ereignis in die von Bernold vorgeschlagene Kategorie II (Tornado sehr wahrscheinlich (T)) und sollte in den Datenbanken als Tornado geführt werden.

Und interessant, gab es am 24.05.1979 doch offensichtlich einen T.-Ausbruch. Hier lohnt sich bestimmt eine Suche in den Archiven!

Viele Grüße, Martin
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Beitrag von Thilo Kühne » Samstag 31. März 2007, 01:30

Moin zusammen,

habe das Datum auf 24.05.1979 gesetzt. Da andere Tornadoereignisse aus dieser Region zu anderen Zeitpunkten im Mai nicht bekannt sind, wäre der 24.05.1979 (vorläufig) ein sehr wahrscheinlicher Zeitpunkt. Die Statusangabe "plausibel" ist noch ein Testphase-Vermerk. Für eine Tornadobestätigung müssten sich noch mehrere Leute der Experten äußern, oder?

Bzgl. 24.05.1979:

Lasst uns noch einmal resümieren was wir bislang vorliegen haben:

Bild
map: ESSL/ESWD

bislang gibt es gesicherte 5 Tornados (1 in Westdeutschland, 1 in Mitteldeutschland und 3 in Ostdeutschland):

1 DE Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen) / F1 / ~2.5 km / 100 m / ? UTC
2 DE Stadtilm (Thüringen) / F2 / 7 km / 100 m / ~1450 UTC
3 DE Schönborn-Eichwald (Brandenburg) / F3 / 19 km / 150 m / ~1600 UTC
4 DE Finsterwalde (Brandenburg) / F2 / path length: ? / path width: ? / ~1610 UTC
5 DE Lübben (Brandenburg) / F2-F3 / path length: ? / path width: ? / ~1640 UTC


@Martin:

Die Archiv-Suche ist eine gute Idee, doch bei den 79'-Fällen kämen ja gleich 5 Bundesländer in Frage: Nordrhein-Westfalen, Hessen (da muss es ja rübergekommen sein!), Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Daher wird es eine ganze Weile dauern, bis wir weiteres zu Tage fördern können. Der Aufwand ist immens.

Grüße,
Thilo
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Beitrag von Forstexperte » Sonntag 1. April 2007, 11:18

Hallo Thilo,
Thilo Kühne hat geschrieben: @Martin:

Die Archiv-Suche ist eine gute Idee, doch bei den 79'-Fällen kämen ja gleich 5 Bundesländer in Frage: Nordrhein-Westfalen, Hessen (da muss es ja rübergekommen sein!), Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Daher wird es eine ganze Weile dauern, bis wir weiteres zu Tage fördern können. Der Aufwand ist immens.
Ich glaube nicht, dass hier immenser Auffwand erforderlich ist, um hier näheres/weiteres ans Tageslicht zu fördern. Klar, dass das nicht mit einer Internet-Recherche von daheim aus geht. Sondern es müssten gezielt die Redaktionen mehrer großer Zeitungen kontaktiert werden. Diese haben oft jeweils mehrere kleine Lokalausgaben unter sich, die aber meistens zentral in einem Archiv geführt werden. In den Regionalnachrichten wird oft in knapper Form auf Ereignisse in der weiteren Region verwiesen, so dass man nach dem Schneeballprinzip hier gezielt weiter suchen kann.
Auf diese Weise bin ich schon mehrmals zu genauen Ergebnissen gekommen.
Doch klar, ohne Zeitaufwand geht das nicht. ...

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitrag von Thomas Sävert » Montag 2. April 2007, 16:01

Thilo Kühne hat geschrieben: bislang gibt es gesicherte 5 Tornados (1 in Westdeutschland, 1 in Mitteldeutschland und 3 in Ostdeutschland):

1 DE Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen) / F1 / ~2.5 km / 100 m / ? UTC
2 DE Stadtilm (Thüringen) / F2 / 7 km / 100 m / ~1450 UTC
3 DE Schönborn-Eichwald (Brandenburg) / F3 / 19 km / 150 m / ~1600 UTC
4 DE Finsterwalde (Brandenburg) / F2 / path length: ? / path width: ? / ~1610 UTC
5 DE Lübben (Brandenburg) / F2-F3 / path length: ? / path width: ? / ~1640 UTC

Grüße,
Thilo

Hallo Thilo,

bin etwas skeptisch, was den Fall Recklinghausen betrifft, denn:

in der genannten Quelle der Münchener Rück steht dieses unter dem Datum 23.06.1978: "Mehr als 100 Dächer wurden beschädigt, zahlreiche Bäume entwurzelt, Gesamtschaden ca. 2 Mio. DM, es gab 3 Verletzte."

Bei TorDACh danmn dieser Eintrag:

24 May 1979 | Recklinghausen | NW 51.5866 07.2274 | T
(2/1, 0.5-5, <100, , , , ) (H, R, Th) (, , , ) ELNW
# Src: D. Fuchs, Promet 4'81, 8-10 ==> Monatl. Witterungsber. DWD;
# Src: Pers. comm. 2000
# Src: Münchener Rückversicherung, Dez. (1998)

Vielleicht kann mal jemand im Promet nachschauen, in der Veröffentlichung der MüRück, die mir vorliegt, steht kein weiterer Eintrag Recklinghausen. Die Wetterlage würde am 23. Juni 1978 auch viel besser passen im Westen Deutschlands. Zu dem Datum im Jahre 1978 gibt es allerdings auch schon einen Eintrag bei TorDACh und auch in der Tornadoliste.

Gruß, Thomas Sävert
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Re: [plausibel] 24.05.1979 - Altenburg (Thüringen)

Beitrag von Axel F. » Donnerstag 17. Mai 2012, 18:50

Da mußte ich doch jetzt glatt mal recherchieren, ob wir hier was vom 24. Mai 79 haben.

Grade kommt im MDR eine Doku über diesen Tag namens "Die Feiertagstornados" - und Thilo und Heiko im Interview :up:
Himmelfahrt 1979, es ist der 24. Mai. Der Tag in Prestewitz bei Großenhain beginnt ruhig. Doch urplötzlich ändert sich das Wetter. Ein Sturm zieht auf und dann fliegen fünf Mähdrescher durch die Luft - jeder 7,5 Tonnen schwer. Häuser werden abgedeckt. Die Werkstätten der damaligen LPG sind nur noch ein Trümmerhaufen. Woher kommen nur diese Kräfte? Noch heute denken Prestewitzer mit Schrecken an diesen Tag. Sie hatten Angst um ihr Leben. Wie verarbeitet man das?

Pfingstmontag 2010, es ist wieder ein 24. Mai. Ein Meteorologe des deutschen Wetterdienstes sitzt in Leipzig vor seinen Computern, sieht die Tornadogefahr und kann dennoch die Bevölkerung nicht vorwarnen. Warum diese Ohnmacht? An diesem Pfingstmontag rasen mindesten sechs Tornados über Sachsen und Sachsen-Anhalt. Wie ist das möglich? Besonders schlimm trifft es Großenhain: Menschen, die beim Kaffeetrinken saßen, werden durch den Tornado gegen ihre Schrankwände gedrückt und Dächer sind in nur wenigen Sekunden komplett abgedeckt. Wie geht es danach weiter?

Arne Voigts besucht Sturmexperten und betroffene Familien und spricht mit ihnen über das Erlebte. Für den 30-jährigen Arne Voigts ist diese Sendung eine neue Herausforderung. Bislang kennen ihn die MDR-Zuschauer vor allem aus der Nachmittagssendung "Hier ab vier". Dort gehört er zum Reporterteam. Die Sendung zeigt einfühlsame und bewegende Gespräche an den Orten des Geschehens. Arne Voigts ist auf den Spuren von Stürmen, die Hab und Gut vernichten und Neuanfänge oft sehr schwer machen können.
Prestewitz bei Großenhain - naja - Öffentlich Rechtliches kommt gleich nach der BILD, Hauptsache die Assoziation zum Pfingsmontagstornado ist redaktionell irgendwie hergestellt. Immerhin liegt Prestewitz (bei Bad Liebenwerda) 35km nördlich von Großenhain.... aber nur 20 von Mühlberg weg. Hätte sich nur mal der rbb drum gekümmert

Müßte ab heute abend in der Mediathek erscheinen:
http://www.mdr.de/mediathek/index.html" onclick="window.open(this.href);return false;

fritz
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Re: [plausibel] 24.05.1979 - Altenburg (Thüringen)

Beitrag von fritz » Montag 18. Juni 2018, 13:54

… ich habe am Ende des Weges des Tornados in Werenzhain am 24.5.79 dringestanden....

Gruß

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