[Tornado] 20.08.1845 - Trier (St. Mattheis) (TR|RP)

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Axel F.
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[Tornado] 20.08.1845 - Trier (St. Mattheis) (TR|RP)

Beitrag von Axel F. » Donnerstag 11. Juli 2013, 13:42

Trier 20.August Rh. u. M.Z.
Wenig hat gefehlt und es wäre gestern unsere Stadt wahrscheinlich ein einziger Trümmerhaufen geworden. Eine furchtbare Windhose zog sich gestern Nachmittag gegen 5 Uhr von jenseits der Mosel oberhalb Schloß Moiiaise herüber und bald hörten wir ein furchtbares Getöse und Geprassel wie von in Flammen aufgehenden Häusern und in geringer Entfernung oberhalb Trier sahen wir die Luft mit Laub auffliegenden Brettern und fliegenden Tüchern angefüllt.
Die drohende Wolke durch das Wasser der Mosel angezogen, zog sich von fortwährenden Wirbeln gedreht über die Vorstädte St. Mattheis und Heiligkreuz über die Bergeshügel auf dem rechten Moselufer. Uberall die größten Verheerungen anrichtend. Die auf den Fluren noch zurückgebliebenen Korngarben wurden in der Luft umher und darauf größtentheils in die Mosel geschleudert, der größte Theil der Häuser von St. Mattheis und einige von Heiligkreuz wurden ihrer Dächer beraubt, Fenster zersplittert und die Thüren aus den Angeln gehoben, innerhalb der Häuser die größte Zerstörung angerichtet. Pappeln, Obstbäume und Nußbäume entwurzelt oder in der Mitte abgebrochen und auf große Entfernungen fortgeschleudert, der Thurm des neuerbauten Kirchleins auf dem sg. Franze Küppchen (Wall des Franz von Sickingen) wurde wie ein Hut vom Winde mitgenommen. Obstbäume sah man in senkrechter Richtung auf 40 bis 50 Fuß Entfernung vom Wirbelwinde fortgetragen werden und im eigentlichen Sinn des Wortes auf dem Boden umhertanzen, Wagen und andere Gerätschaften ohne alle Spur zerstreut.
Der ganze Flur von St. Mattheis und Heiligkreuz bietet das Bild der größten Zerstörung dar. Man denke sich die Empfindungen und den Schrecken der Einwohner, welche plötzlich unter dem furchtbarsten Geprassel und dem Toben der Wirbelwinde die Dächer ihrer Häuser über sich einstürzen sahen und hörten, man denke sich das Hilferufen und das Angstgeschrei von allen Seiten und man wird begreifen können, daß die Leute das Ende der Welt herangenaht glauben. Alle welche die Zerstörung an den Häusern und den Fluren gesehen, stimmen überein, sie gehe über alle Schilderung. Dem Postwagen konnte erst nach langer Anstrengung durch die barrikadenmäßig über einander gelagerten Baumstämme und Dachtrümmer ein Weg gebahnt werden. Es ist daher ein wahres Wunder zu nennen, daß bei dieser fürchterlichen Zerstörungswuth der Elemente und dem erfolgten Einstürzen der Dächer und Bäume kein Menschenleben verloren ging, nur ein Schiffer, der sich um diese Zeit mit seinem Kahne auf dem Strome befand, soll in einem durch die Windhose gebildeten Abgrund umgeschlagen und spurlos verschwunden seyn. Vorzüglich beklagenswerth ist noch, daß den Einwohnern von St. Mattheis das schon auf den Speichern sich befindende und die zum Trockenen daselbst aufgehangene Wäsche von dem Wirbel fortgerissen und verloren gegangen ist. Aber unsere blieb von der drohenden Wolke verschont, sie wandte sich von St. Mattheis rechts über die Berge, wenn nicht so hätten die Folgen der zerstörenden Elemente und der Verlust an Men schenleben gar nicht bestimmt werden können. Gestern der Sturm zum Theil nachgelassen und heute besonders.
Alles aus der Stadt nach dem Orte der großen Verwüstung hin wo die Leute alle Kräfte aufbieten, um so bald als möglich ihre Häuser vor dem stets drohenden Regen wieder schützen und wohnlich zu machen. Der Schaden ist in annähernden Größe noch nicht bestimmt und es wäre sehr wünschenswerth, daß den unglücklichen Einwohnern beiden Vorstädte denen ihre durch die Wuth der Elemente verloren gegangene Habe in keiner deßfallsigen Anstalt assecurirt war durch freiwillige Unterstützungen des unermüdlichen Wohlthätigkeitssinnes unserer Provinz wieder aufgeholfen werde.
Noch weiß man nicht bis wie weit die drohende Wolke auf ihrem Hinzuge die Zerstörung fortgesetzt hat.
Frankfurter OberAmtsZeitung

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Die Suche nach St. Mattheis ergab dann Mattheiserwald und Mattheiser Schießstand im Süden. Franzis Knüppchen bzw. der Wall des Franz von Sickingen ist der Petrisberg in Trier.

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Cumulus Humilis
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Re: [Tornado] 23.08.1845 Trier (St. Mattheis) (TR | RP)

Beitrag von Cumulus Humilis » Donnerstag 11. Juli 2013, 22:29

Hallo,

mit St. Matteis ist sicher die Benediktinerabtei St. Mathias und ihre Umgebung gemeint. Die liegt direkt am Stadtteil Heiligkreuz, von dem auch die Rede ist.

Gruß,
Andreas
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