Tornadische Superzelle in Italien. Weiterer Tornado bei Verona?

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Aaron
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Tornadische Superzelle in Italien. Weiterer Tornado bei Verona?

Beitrag von Aaron » Sonntag 6. September 2020, 14:02

Hallo zusammen :)
Vom 28.-30.08. gab es in Norditalien eine ordentliche Schwergewitterlage, mit gutem Overlap aus Scherung, Helizität und CAPE. Wir waren zum Höhepunkt am Samstag (29.08.) dort unterwegs und hatten einen unglaublichen Chasing Tag mit mehreren Superzellen und tollen Strukturen. Ich schreibe bestimmt noch einen Chasingbericht über den gesamten Tag, aber hier soll es jetzt erstmal um die tornadische Superzelle gehen, die durch den Großraum Verona gezogen ist.
Wir haben die Zelle gegen 14:50 direkt östlich von Verona abgefangen. Uns bot sich schon bei der Suche nach einem geeigneten Chasingpunkt der Anblick auf die beeindruckende Mesozyklone einer klassischen Superzelle.

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Bei der erstbesten Stelle die wir fanden, zeigte sich die Superzelle in voller Pracht: Der vordere Bereich der Meso bewegte sich von links nach rechts, direkt dahinter ging es von rechts nach links - die Low-Level Meso war bereits voll ausgebildet. Und auch die Aufwärtsbewegung war enorm - wie bei einem gewaltigen Staubsauger.

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Weiter rechts gab es einen Inflowtail entlang der FFD Gustfront, der auch nicht von schlechten Eltern war.
Selbst für amerikanische Verhältnisse wäre diese Zelle ein heftiges Kaliber gewesen

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Aber wir hatten ein Problem, denn wir waren genau in der Zugbahn der Meso - und das war nicht nur aufgrund von Hagel oder Starkwind gefährlich, denn hier herrschte akute Tornadogefahr. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: rund 30 Minuten früher hatte die Zelle im vorherigen Zyklus bereits einen Tornado produziert. Wir machten uns schnell auf den Weg zurück zur Autobahn, um nach Osten zu fliehen... so jedenfalls der Plan. Auf dem Weg dorthin reichte ein kurzer Blick nach oben und die enorme Dynamik der Zelle wurde erneut mit bloßem Auge sichtbar. Diesmal allerdings nicht nur durch die Rotations- und Aufwärtsbewegung, sogar die Konvergenz an der RFD Gustfront war ganz einfach erkennen - etwas, das ich so bislang noch nie mit bloßem Auge sehen konnte.

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Endlich kamen wir zur Mautstelle, nur um dann in der Schlange zu warten. Eine gefühlte Ewigkeit später ging es auf die Autobahn nach Osten, aber es war bereits zu spät. Die Zelle hatte uns eingeholt. Heftiger Regen und die starken Böen des RFD ließen uns nur langsam voran kommen. Der Regen war jetzt sehr intensiv, denn die Zelle war gerade dabei sich in eine HP-Superzelle zu wandeln. Gegen 15:05 entdeckten wir durch den heftigen Regen ein Wolkenband mit einer extrem tiefen Absenkung am Ende - die im RFD okkludierte Mesozyklone. Wir waren also mitten im Bereich des "Bärenkäfigs", des gefährlichsten Bereichs in den man beim chasen geraten kann. Zum Glück war die Absenkung östlich und minimal nördlich von uns und entfernte sich mit der nordöstlichen Zugbahn von uns, obwohl wir auf der Autobahn nach Osten unterwegs waren. Durch den starken Regen waren wir uns bei der Absenkung aber nicht sicher worum es sich handelte, oder ob es sogar ein Tornado war. Aber die Videostandbilder mit verstärktem Kontrast sprechen wie ich finde eine eindeutige Sprache:

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Etwa 3 Minuten später waren wir am Rand des Niederschlags angekommen, die Meso war eine dunkle Masse links von uns und Regenbänder zogen vor dem bereits heller werdenden Himmel nach links in Richtung der Rotation. Plötzlich wurde die Meso durch einen Powerflash erhellt, also ein zumindest deutliches Zeichen für extremen Wind.

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Bald darauf gelangten wir vor die Zelle, die sich nun zu einer massiven HP-Superzelle entwickelt hatte. In der Nähe von Vicenza machten wir noch diese Aufnahmen, bevor uns die Zelle nach Nordosten entwischte.

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Aber nochmal zurück zum mutmaßlichen Tornado. Ich bin mir eigentlich sehr sicher, dass es sich um einen Tornado gehandelt hat, denn es passt einfach alles. Die perfekte Stelle für eine okkludierte Mesozyklone, die eher laminare Trichterform der Absenkung und das dunkle Band über dem Boden direkt rechts vom Tornado, was auf einen tornadischen Rear Inflow Jet schließen lässt. Zuvor die starke bodennahe Rotation, sowie der bodennahe Aufwind und die Tatsache, dass es sich generell um eine tornadische Superzelle handelte.
Aber natürlich bin ich als Beobachter nicht ganz unvoreingenommen und bin deshalb auf eure Meinungen gespannt und natürlich auch für Gegenargumente offen.

Viele Grüße, Aaron

PS: Die Diskussion, ob es ein Tornado war passt besser hier hin: viewtopic.php?f=30&t=12752

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