[Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

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Axel F.
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[Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Axel F. » Dienstag 10. Juli 2012, 12:41

Ich denke angesichts dieses Textes aus der heutigen Sächsischen Zeitung ist ein Verdachtsfall gerechtfertigt.
Sturmböen werfen Tausende Bäume um
Von Hartmut Landgraf
Zwischen dem Zeughaus und Hinterhermsdorf hat das Unwetter enorme Schäden angerichtet. Beim Aufräumen ist Eile geboten – denn jetzt droht dem Wald eine neue Gefahr.

Bild
Im Kirnitzschtal ist aus Sicherheitsgründen auch die Radroute nach Hinterdittersbach gesperrt. Dieser Radfahrer ignoriert die Absperrung – und die Gefahr.
Im Alten Zeughaus sammelten sich am Sonnabendnachmittag zahlreiche Flüchtlinge – Wanderer, die es vor dem heraufziehenden Unwetter gerade noch ins Gasthaus schafften. Dann öffnete der Himmel seine Schleusen. „Die Bude war voll, einige Leute mussten sogar stehen“, berichtet Cindy Aumann von der Restaurantmannschaft.

Was für einer Gefahr sie dadurch entgangen waren, wurde erst tags darauf deutlich: In den Wäldern unweit vom Zeughaus am Saupsdorfer Weg, im Thorwaldgebiet und weiter östlich davon haben Sturmböen Tausende Bäume zerbrochen und umgeworfen. Eine Spur der Zerstörung zieht sich bis fast nach Hinterhermsdorf. Stellenweise erinnert das Ausmaß der Schäden an den Orkan Kyrill, der vor fünf Jahren weite Teile Sachsens verwüstete. Der Nationalpark kam damals zwar vergleichsweise glimpflich davon, „nur“ etwa 10000 Kubikmeter Holz gingen hier zu Bruch – immerhin: mehrere Tausend Bäume. Bei dem Unwetter am Sonnabend fielen laut ersten Schätzungen der Nationalparkverwaltung etwa 6000 Kubikmeter Sturmholz an, diesmal konzentriert sich der Schaden allerdings auf ein sehr viel kleineres Gebiet – im Wesentlichen auf vielleicht 100 bis 200 Hektar Wald in den zwei Nationalparkrevieren Zeughaus und Hinterhermsdorf.

Fichten wie ein Flitzbogen

Vereinzelt sieht es aus wie nach einem Kahlschlag, so etwa auf einer ein bis zwei Hektar großen Fläche am Saupsdorfer Weg. Andernorts hat der Wind nur einzelne Bäume umgebrochen oder umgebogen.

Es müssen sehr starke und auf wenige Täler begrenzte Windwirbel gewesen sein, die diese Schäden angerichtet haben – denn anderswo in der Region war von Sturm oder gar orkanartigen Böen nichts zu spüren. Der Deutsche Wetterdienst registrierte am Sonnabendnachmittag in Mittelndorf auf der Nordseite des Kirnitzschtals trotz des Gewitters lediglich Windgeschwindigkeiten von 14 Kilometern pro Stunde – von stürmischen Winden spricht man ab 60 km/h.

Dennoch war erkennbar Wind die Ursache der Schäden. „Wir haben starke Fichten gesehen, die wie ein Flitzbogen gekrümmt waren“, sagt Nationalparkchef Dietrich Butter. Stellenweise wurden die Bäume wie Mikado-Stäbe durcheinandergeworfen, was ebenfalls auf starke Luftverwirbelung hinweist.

Die Naturschutzbehörde musste in dem betroffenen Gebiet sicherheitshalber einige Wanderwege vorübergehend sperren lassen, so etwa den Saupsdorfer Weg vom Zeughaus bis zur Thorwaldbrücke und Abschnitte des hier grün markierten Malerwegs, der vom Teichstein kommend das Kirnitzschtal quert und dann am Großen Pohlshorn vorbei in Richtung Räumichtmühle verläuft. In den verwüsteten Wäldern besteht momentan akute Gefahr für Leib und Leben – Äste, die lose in den Baumkronen hängen, Bäume, die kreuz und quer liegen, zersplitterte Stämme, die sich ineinander verhakt haben und noch unter Spannung stehen. Die Aufräumarbeiten haben schon begonnen.

...
Kommentar noch dazu:
Unwetter richtet schwere Schäden bei Saupsdorf an
Von Anja Weber
Die Menschen im Hinteren Räumicht von Saupsdorf haben schwere Stunden hinter sich. Nach einem Sturm fehlt der halbe Wald.
Bäume und dicke Äste liegen an der Gnauckmühle im Hinteren Räumicht durcheinander. Ein Gewittersturm am Sonnabendnachmittag hatte unter anderem bei Saupsdorf große Schäden hinterlassen.

So ein Unwetter wie am Sonnabend hätten sie und ihr Mann noch nie erlebt, sagt Elise Schäfer, die in der Gnauckmühle wohnt. „Wir haben weder was gesehen noch gehört, so sehr hat der Regen gegen das Haus gedonnert“, sagt Herbert Schäfer. Dass etwas Schlimmes passiert sein muss, hat seine Frau offenbar gespürt. Noch mit dem Regenschirm ist sie immer wieder rausgegangen, um zu sehen, ob das Unwetter ihr Haus wieder, wie 2010, unter Wasser setzt. Doch der Regen war an diesem Nachmittag das kleinere Übel. Viel schlimmer war der Sturm.

„Das ganze Haus hat gewackelt. Da hat man schon ein bissel Angst“, sagt Elise Schäfer. Denn hinter dem ehemaligen Ferienlager Gnauckmühle erstreckt sich der Wald. Doch diese Bäume blieben stehen. Der Sturm hatte sich regelrecht eine Schneise durchs Räumicht geschlagen. Wie viele Bäume kaputt sind, kann Gotthard Henke, einer der betroffenen Waldeigentümer, nicht sagen. Überall stehen abgeknickte Fichten, hängen Bäume mit den Wurzeln nach oben. Mitarbeiter eines privaten Forstunternehmens bahnen sich einen Weg durch das Chaos an der Alten Hinterhermsdorfer Straße. Bäume, die die Straße versperren, haben sie gekappt.

Stromversorgung unterbrochen

Doch nicht nur ein Teil des Waldes ist zerstört, auch die Elektroversorgung in diesem Gebiet. Einige Bäume haben die Freileitungen zerfetzt, sodass Hinterhermsdorf und Saupsdorf am Sonnabend kurz ohne Strom waren. Die Enso hat das Netz umgeschaltet, sodass die Orte rasch wieder mit Energie versorgt werden konnten. Jetzt müssen Mitarbeiter des Energieunternehmens die Leitungen reparieren. Das ist Schwerstarbeit in dem schlecht zugänglichen Gelände.

Der Sebnitzer OB Mike Ruckh (CDU) war gestern mit dem Ordnungsamt und dem Landratsamt vor Ort, um weitere Maßnahmen zu beraten. So wurde festgelegt, die Straße zu sperren, damit die Aufräumarbeiten zügig vonstattengehen können. Eine akute Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehe jedoch derzeit nicht, sagt Rathaussprecherin Kerstin Nicklisch. Zum Glück waren zum Zeitpunkt des Gewittersturmes keine Ausflügler unterwegs, denn das Hintere Räumicht ist eines der beliebtesten Wandergebiete in dieser Region.
Quelle: http://www.sz-online.de/Nachrichten/Pir ... id-3103222" onclick="window.open(this.href);return false;


Ich bin noch am Überlegen, ob ich statt einer Inspektion der Dresdner Heide, wo Jens und andere schon dran sind, eher dort mal vorbeischaue.

Hier die Lokalität:
http://maps.google.de/maps?hl=de&ll=50. ... 2&t=m&z=14" onclick="window.open(this.href);return false;

Radar Dresden 14:55 Uhr - 1/2 Stunde genau östlich von Pirna direkt an der letzten Ecke zur tschechischen Grenze, etwas über 55 dBz, mutmaßlich rechtsdrehend, wäre also der Zeitpunkt für das Gebiet Saupsdorf etwa 14:35 Uhr-14:40 Uhr

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bärenfänger
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von bärenfänger » Dienstag 10. Juli 2012, 14:58

Klingt auf jeden Fall sehr interessant. Einen Verdacht halte ich also aufgrund der detaillierten Beschreibungen absolut für gerechtfertigt. Kann man denn zur Intensität irgendetwas sagen? Ich denke, vom Foto und den Beschreibungen her sollten wir schon wenigstens bei T2/F1 ansetzen.

Grüße und Gut Pfad,
Olli.
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Thilo Kühne
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Thilo Kühne » Dienstag 10. Juli 2012, 15:21

Hallo Axel,

gib mal bitte Bescheid ob oder wann du hinfahren magst.
Wäre für ne Vororterkundung auch zu haben.

lg
Thilo
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Markus - 7km sw von Pirna
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Markus - 7km sw von Pirna » Dienstag 10. Juli 2012, 20:34

Hallo,

ich werde mal morgen mit nem wetterverrückten Kumpel dorthin fahren... Mal sehen was wir von dem Gebiet erwandern können, vllt findet sich auch ein Aussichtsfelsen.

Ich denke bei einer ca. Schneisenlänge von über 5 km über unwegsamen Gelände, wo man direkt überhaupt nicht mit dem AUto rankommt, ist es sinnvoll wenn mehrere Leute das Terrain von verschiedenen Stellen und Seiten aus dokumentieren, natürlich ohne groß Aufsehen zu erregen bei den Aufräumarbeiten.

@Thilo: Ich schreib meine HAndynummer mal vorübergehend in mein Profil, falls du morgen auch vor Ort bis kannste mich mal kontaktieren.

Gruß, Markus

Axel F.
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Axel F. » Dienstag 10. Juli 2012, 21:26

Also Auto fast ein nogo, die Querstraße vom Kirnitzschtal nach Ottendor(Sebnitz) ist mit nem Bauzaun verrammelt.
Jens war vor Ort und ich bin dazugestoßen, wirklich schwer zugängig und "illegal" an jedem Wanderweg ist ein Sperrband und ein Verbotszettel davorgeschnallt :mrgreen: Vor Hinterhermsdorf sieht man von der Straße paar Einzelschäden, der rest ist wirklich im Busche. jens war drin, ziemlich eigenartig. Von punktuell bis massiv, konvergent, divergent, alles da.

Ich arbeite es morgen früh bissel auf, Jens kanns aber besser bewerten. Momentan anders als der Dresdner heide Fall eher tornadisch als burstig, aber schwer einzuordnen.


Achso ich mach morgen noch einen Fall auf, wo ich am Sonntag durch Zufall bei Freunden auf der Zufahrtsstraße durch markante Schäden aufmerksam geworden bin.
Mittlerweile berichtete mir meine Frau durch Ihre Freundin von "Schlauch... Windhose wie im Fernsehen... Tanzende 150 Kilo schwere Oleandertöpfe die es um paar Meter versetzt hatte ...Fassadenfarbe, die von der Fassade in Kaugummiform von der Wand gepellt wurde" - und das ohne meine Infiltration :mrgreen: Ich interviewe sie morgen selber und schau mir intensiver die Schäden im Ort an. Ortslage menelsdorf 2 km nördlich von Reichenbach Oberlausitz. Mutmaßlich von der Zelle herrührend:
http://www4.wetterspiegel.de/stormchase ... adID=14488" onclick="window.open(this.href);return false;

Thilo Kühne
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Thilo Kühne » Mittwoch 11. Juli 2012, 04:00

@Markus:

Danke für das Angebot. Bin ja eher davon ausgegangen, dass da noch keine war bzw. alles etwas unkoordiniert läuft. Bin positiv überrascht, dass gleicher mehrere vor Ort unterwegs waren bzw. sind. Da brauche ich dann nicht mehr hin, sofern genug Material zum Einschätzen vorgelegt werden kann.

Bin gespannt auf eure Vororterkenntnisse.


viele Grüße,
Thilo
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Axel F.
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Axel F. » Mittwoch 11. Juli 2012, 07:46

Die aussagekräftigsten Fotos von Jens samt einer ersten Bewertung stehen hier:

http://kamenz-wetter.de/bilder/20120710 ... 120710.htm" onclick="window.open(this.href);return false;

Ich fasse es später nochmal zusammen. Schäden bis in die Tschechei rein gabs keine mehr, ich war noch in Nixdorf (Mikulasovice), von dort hat man auch punktuell einen Blick auf die Rückseite des Thorwaldes zwischen Saupsdorf und Hihedo, da waren auch keine Auffälligkeiten.
Falls Markus oder Sören Zeit und Lust haben könnt ihr ja mal von der Buschmühle (Zwischen Abzweig nach Ottendorf und Neumannmühle) aus südostwärts einsteigen, es geht aber erstmal steil hoch über den südlichen Bergrücken des Kirnitzschtales (aber ihr seid ja jung und sportlich :D ). Dort ist gerade ne Straßenbaustelle zur Beseitigung alter Hochwasserschäden an der Kirnitzschtalstraße.
http://maps.google.de/maps?hl=de&ll=50. ... 5&t=h&z=17" onclick="window.open(this.href);return false;

Hier die Sperrungen im Kirnitzschtal, http://www.sebnitz.de/stadt/strassenspe ... rliste.pdf" onclick="window.open(this.href);return false;
ich lese raus, daß man das Kirnitzschtal mit etwa 3 Baustellen -Ampeln von Bad Schandau aus befahren kann, die einzigen Querverbidnungen von Lichtenhain und von Ottendorf sind bis auf Weiteres dicht, danach kommste nur noch von Saupsdorf ran, so wie wir gestern gefahren sind. Aller 500-800 Meter haste paar Wanderparkplätze.

Alternativ von Schmilka aus unterhalb vom Großen Winterberg den Reit und Roßsteig hoch, sind ca. 3,5 km traumhaft wie anstrengender Wanderweg :wink:
Vielleicht laßt Ihr Euch davon mal inspirieren
http://www.wanderpfade.de/?navi=2" onclick="window.open(this.href);return false;
Vom Großen Winterberg selber dürfte man auch einen guten Gesamteindruck der Lage bekommen:
Bild


Ich weiß nicht, ob ich am Sonntag meine verkaterte Familie nach dem 50. meines Schwagers rückzu zu einer Ausnüchterungswanderung genau dort bewegen kann, hängt vom physischen und launischen Allgemeinzustand ab :scratch:

Markus - 7km sw von Pirna
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Markus - 7km sw von Pirna » Mittwoch 11. Juli 2012, 22:05

Hallo,
wir waren heute vor Ort, und haben hauptsächlich das Gebiet um das große Pohlshorn abgegrast. Teilweise lagen die Bäume regelrecht kreuz und quer - Laubbäume entwurzlt, Nadelbäume abgeknickt

War ein langer unwegsamer Marsch, Bericht kommt morgen mit Karte etc.

Gruß, Markus

Axel F.
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Axel F. » Donnerstag 12. Juli 2012, 21:07

Sören hat was im Fratzenbuch gepostet, bin zwar nicht dort, kann aber über nen Account der Kinder mal rein und mir das morgen genauer anschauen und dann mit in "mein" Fazit mal mit einbauen. Ich denke schon, daß es ein Tornado war, Ausmaß und Merkmale sind doch teilweise recht eindeutig

https://www.facebook.com/media/set/?set ... 505&type=1" onclick="window.open(this.href);return false;

Thilo Kühne
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Thilo Kühne » Donnerstag 12. Juli 2012, 21:38

Hallo Axel,

vielen Dank für den Link. Ich versuche einmal etwas dazu zu sagen. Ich weiß aber nicht in wie fern die FB-Fotolinks auch für Nicht-FB-Mitglieder einsehbar sind. Von daher ist das Verlinken in anmeldepflichte Seiten problematisch.

Was dem Einordnen der Schadenspunkte bzw. der Schäden innerhalb dieser Schadensspur sehr helfen würde wäre eine KMZ für GoogleEarth mit den Schadenspunkten, sodass man dies im Zusammenhang mit den zu beurteilenden Schäden abgleichen kann.

https://fbcdn-sphotos-a.akamaihd.net/hp ... 3084_n.jpg
Es wurde entwurzelt und gebrochen. Was mich verwundert ist, dass manche Kronen anscheinend verfrachtet wurden und andere wiederum genau unter dem Stamm liegen, der man zu ihnen gehörte. Konvergentes Fallmuster wäre zu erkennen.

https://fbcdn-sphotos-a.akamaihd.net/hp ... 0111_n.jpg
Ebenso hier... sofernt entlang des Spurverlaufs fotografiert wurde, hätten wir hier konvergentes Muster, d.h. zur Spurmitte hin ausgebreitet, was ein tornadisches Indiz wäre, aber um es genau beurteilen zu können fehlt mir hier der genaue Überblick an welchem Punkt des Schadensareal hier fotografiert wurde. Bei zwei anderen Fotos könnte man wiederum Ausfächerungsmuster erkennen, was ja bekanntermaßen eher Downburst-Indiz wäre.

Der Bergwald besteht wohl aus Fichten, welche entweder im oberen Teil gebrochen oder entwurzelt wurden. Vereinzelt sehe ich auch Kiefern und Buchen.

Ein ganz großes Problem bei den Fallrichtungen ist das Gelände. Die Berghänge scheinen stark abschüssig zu sein, was das Rollverhalten einen umstürzenden Baumes beeinflussen kann.

Ich denke aber, dass Martin Hubrig hier als Forstexperte eine gute Beurteilung abgeben kann.


Grüße,
Thilo
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Axel F.
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Axel F. » Donnerstag 12. Juli 2012, 22:38

Bin ich dabei, das zu kreieren, wollte nur noch auf Markus´und Sörens´Material warten.

Ich mail die beiden mal an, ob ich ihre Fotos mit hier uppen kann.

Markus - 7km sw von Pirna
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Markus - 7km sw von Pirna » Freitag 13. Juli 2012, 22:20

Hallo,

der komplette Bildersatz zur Schadensbegutachtung vom Mittwoch ist unter folgenden link einsehbar
--> http://www.album.de/album.cfm?albumID=66905" onclick="window.open(this.href);return false;

Die Nummerierung der Fotos passt folgendermaßen zu den in der Karte eingezeichneten Punkten
A
3466-3470
B
3477-3507
C
C3508-3513
D
3514-3533
E
3534-3543

Die gelben Punkte markieren unsere abgelaufene Strecke - das rote spraying natürlich die verorteten Schäden, mit der entsprechenden (Haupt)- Fallrichtung - die bei Areal B allerdings sehr streute.

Nun folgt noch ein Posting mit detaillierteren Beschreibungen zu einzelnen Bildern...

Markus - 7km sw von Pirna
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Markus - 7km sw von Pirna » Freitag 13. Juli 2012, 22:54

A - Wanderweg Kirnitzschtal -
Bild
DSC_3466 von Markus - Pirna - Album.de

Bemerkenswert, dass die Bäume dem Hang nach oben gefallen sind, Fallrichtung klar Südwest

Punkt B
Bäume liegen kreuz und quer, sind mal entwurzelt, mittig abgeknickt o. unten abgedreht.
Diese liegen spiegelnd parralel zueinander.
Bild
DSC_3477 von Markus - Pirna - Album.de


Bild
DSC_3479 von Markus - Pirna - Album.de


Bild
DSC_3492 von Markus - Pirna - Album.de


Bild
DSC_3493 von Markus - Pirna - Album.de


Bild
DSC_3498 von Markus - Pirna - Album.de


Bild
DSC_3502 von Markus - Pirna - Album.de


Punkt C, Randgebiet der Hauptschneise, an einer Lichtung. Die dünnen Laubbäume gebogen rtg. Süden
Bild
DSC_3513 von Markus - Pirna - Album.de


Punkt D
Bild
DSC_3524 von Markus - Pirna - Album.de


Bild
DSC_3525 von Markus - Pirna - Album.de


Weitere Bilder wie in oberen Post beschrieben zu finden.
Wenn das OK vom DWD kommt, würde ich gern noch ein paar Radarbilder nachreichen - die das Schadensmuster in Richtung Tornado bestätigen.

Und das ist nur ein Bruchteil der Schneise, Jens und Axel haben schon einiges dokumentiert.
Summa summarum sehen die Hauptfallrichtungen schon sehr unterschiedlich aus.

Vor allem Areal B unterhalb des großen Pohlshorn war chaotisch anzusehen.
Wir hätten an dem Tag gern noch mehr von der Schneise dokumentiert, aber ein vorankommen war wirklich sehr schwierig, reinster Hürdenlauf.
Und dazu das unebene Sandstein-Gelände...

Ich bin gespannt auf weitere Einschätzungen.

Gruß, Markus

Thomas Sävert
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Thomas Sävert » Freitag 14. September 2012, 00:35

Hallo zusammen,

zum Fall noch dieser interessante Artikel:
Der Umbruch
Von Hartmut Landgraf
Im Hinterhermsdorfer Revier warfen im Juli Sturmböen Tausende Fichten um. Nun öffnen sich dort Räume für einen ganz anderen Wald.

Revierleiter Matthias Protze (links) und Nationalparksprecher Hanspeter Mayr untersuchen einen Fichtenstamm auf Borkenkäferspuren.
Anfang Juli erkannte Hinterhermsdorfs Revierförster Matthias Protze einen Augenblick lang seinen Wald nicht mehr. Protze war an jenem Sonnabend, dem 7.Juli, nur aus einem unbestimmten Gefühl heraus ins Auto gestiegen. Im Dorf war der Strom ausgefallen. Und es sei windig gewesen, erinnert sich der Förster. Schwache Worte für das, was sich nur wenige Kilometer entfernt in den Wäldern abspielte. Spätestens, als er in den Oberen Hirschewaldweg einbog, muss Protze die Katastrophe geahnt haben. Im Wald sei es ungewöhnlich hell gewesen, sagt er.

Das Phänomen entpuppte sich unweit vom Großen Pohlshorn als ein Windwurf riesigen Ausmaßes. Auf einer Fläche von drei bis vier Hektar hätten die Fichten wie Streichhölzer dagelegen, sagt der Förster, alle in einer Richtung.

Ein örtlich begrenzter Wirbelsturm richtete am 7. Juli in der hinteren Sächsischen Schweiz in einem Gebiet, das vom Zeughaus bis nach Saupsdorf und Hinterhermsdorf reicht, immense Verwüstungen an. Auf einer Fläche von vielleicht 200 Hektar wurden Tausende Bäume zerbrochen oder umgeworfen. Inzwischen beziffert die Nationalparkverwaltung die Schäden auf 7000 Festmeter Holz. Die Zerstörungen in den beiden Revieren Hinterhermsdorf und Zeughaus erreichen in Summe beinahe das Ausmaß der Verluste, die der gesamte Nationalpark vor fünf Jahren durch den Orkan Kyrill erlitt. Protzes Revier hat den größten Schaden davongetragen: 5500 Festmeter. Der Förster – eher ein ruhiger, wenig emotionaler Typ – steht mitten in einer gähnenden Leere am Oberen Hirschewaldweg und muss sich an den neuen Anblick erst gewöhnen. „Das war mal ein gepflegter Bestand“, sagt er nur. Nun liegen da nicht mal mehr tote Stämme. Nur riesige Wurzelteller spicken noch in die Luft, und ein dicker Reisigteppich erinnert an die Bäume.

Holzabfuhr in aller Eile

Die meisten dürften inzwischen in den Sägewerken des Holzkonzerns Klausner zu Brettern verarbeitet worden sein. In nur wenigen Wochen hat die Nationalparkverwaltung im Hirschewald aufgeräumt. Die letzten Polder werden gerade abgeholt. Eile war geboten – aus zwei Gründen: Erstens drohte den verbliebenen Fichtenbeständen eine Borkenkäferinvasion, denn frisches Bruchholz und warmes, trockenes Wetter sind ideale Bedingungen für das gefräßige Insekt.

Mit dem Wetter hatte Protze Glück. Es blieb feucht. Aber es hätte anders kommen können – und was das bedeutet, kennt er aus früheren Jahren. „Dann steht man da und kann nichts mehr machen.“ Auch so denkt Protze, dass ihm der Windbruch den Käfer in die gesunden Bestände reingezogen hat. „Wir merken es nur noch nicht.“

Antreiber Nummer zwei schert sich wenig ums Wetter: der Bläuepilz. Unweigerlich zieht er in jeden frisch geschlagenen Stamm. Will die Forstverwaltung, die mit dem Aufräumen ungeplante Kosten hat, nicht doppelten Verlust erleiden und das Sturmholz zumindest noch zu anständigen Preisen verkaufen, bleiben ihr vom Hieb bis zur Abfuhr nur sechs Wochen Zeit. „Später taugt es vielleicht noch als Dachschalung“, sagt der Förster.

In Protzes Waldbrachen rückte schwere Maschinentechnik an. An einem einzelnen Tag im Juli seien in seinem Revier zeitgleich zwei Vollerntemaschinen (Harvester), drei Rückezüge (Forwarder), ein Seilkran und 16 Leute beschäftigt gewesen, um den riesigen Holzberg aufzuarbeiten. Allzu große Sorgen, darauf sitzen zu bleiben, musste sich der Förster aber wohl doch nicht machen. Die Industrie hungert nach dem begehrten Rohstoff und zahlt gute Preise. In den vergangenen Wochen kam viel Hinterhermsdorfer Fichte, denn in den Monokulturen hat der Sturm am gründlichsten aufgeräumt.

Wird das Wild zum Problem?

Nun beginnt im Hirschewald Phase drei des Umbruchs – und deren Ende ist schwer vorherzusagen. Der nach Süden exponierte Hang wäre gut für eine lichtbedürftige Baumart wie die Traubeneiche geeignet, die hier früher einmal zu Hause war. Auf der Kahlfläche wird sie jetzt wieder eingebracht – zusammen mit ihrer Schwester, der Stieleiche und der vom Aussterben bedrohten Weißtanne. Dem Naturwald Impulse geben, heißt das im Nationalparkjargon. Auch die Buche, sagt der Förster, könnte hier wieder wachsen. Die aber ist im benachbarten Gehölz schon vorhanden und kommt „von ganz allein“.

Es wäre ein besserer, gesünderer Wald, der da käme – ein weniger sturmanfälliger zumal. Ob er aber überhaupt eine Chance hat, hängt davon ab, wie kräftig die Gene der alten Fichten sind, deren Nachwuchs schon begonnen hat, die Kahlfläche zurückzuerobern. Und es hängt noch von etwas anderem ab. Protze zeigt auf einen schüsselförmigen Erdfleck, auf dem ein ovaler, gespaltener Abdruck zu sehen ist – eine Hirschspur. „Junge Eichen vertragen Verbiss überhaupt nicht“, sagt der Förster. Und fügt hinzu: „Der Tisch ist gedeckt.“
Quelle: Sächsische Zeitung, 13.09.2012

Grüße, Thomas Sävert
Tornadoliste Deutschland
http://www.tornadoliste.de

Forstexperte
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Re: [Verdacht] 07.07.2012 - Saupsdorf (PIR|SX)

Beitrag von Forstexperte » Freitag 14. September 2012, 21:32

Danke zusammen für das interssante Material hier.

Ich denke, dass wir auch diesen Fall bei der JHV besprechen sollten.

Viele Grüße,
Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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