[Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Forstexperte
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[Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von Forstexperte » Sonntag 8. August 2010, 23:18

Hallo,

im Rahmen meiner diesjährigen Waldzustandserhebung konnte ich massive Waldschäden im Raum Schwalmstadt im südwestlichen Schwalm-Eder-Kreis feststellen.
Die massiven Schäden lagen aber außerhalb unserer Aufnahmegebiete. Da die Arbeit zu zweit durchgeführt werden müssen und wir einen sehr engen Terminplan hatten, konnte ich mich um die Schäden leider nicht kümmern.


Die Schadenshöhe ist sehr groß, beträgt vermutlich mehr als 200.000 Fm Sturmholz auf relativ kleinem Raum. Die intensivsten Schäden finden sich schneisenartig westlich von Treysa. Die Breite dieser Schneise beträgt mehrere 100 m. In einem größeren, offenbar mehrere km bereiten Bereich finden sich zahlreiche nesterartige Schäden. Die genaue Länge des Schadensbereichs kann ich nicht sagen, dürfte aber über 10 km betragen. Die Intensität habe ich bis mind. T4 geschätzt. Auch wenn die Schäden insgesamt nach einem gradlinigen Gewittersturm (mit kleinräumigen, nicht-tornadischen Verwirbelungen) aussahen, schließe ich die Beteiligung eines Tornados oder gar mehrerer Tornados nicht ganz aus.

Durch online Recherche konnte ich den Zeitpunkt des Ereignisses auf Freitagnacht gegen etwa 02:00 MESZ eingrenzen.
Da ich den Fall hier im Forum bislang nicht finden konnte, stelle ich diesen hier mit dem Betreff [Status=?] ein.

Hier zwei einführende Zeitungsartikel
http://www.hna.de/nachrichten/schwalm-e ... 99969.html" onclick="window.open(this.href);return false;

http://www.hna.de/nachrichten/schwalm-e ... 17216.html" onclick="window.open(this.href);return false;

Auch wenn schon ein erheblicher Teil der Waldschäden aufgearbeitet sind, so lassen sich auch noch großflächig zerstörte, unaufgearbeitete Waldteile finden, die evt. zur Aufklärung / Einstufung des Falles beitragen können. Auf jeden Fall ermuntere ich hier zu einer Recherche der Sturmschäden, die wegen ihrer Großflächigkeit und hohen Intensität sicher zu den spektakulärsten des Jahres 2010 gehören!

Leider fehlt mir momentan die Zeit, sonst hätte ich das hier übernommen.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von Norbert Rupsch » Montag 9. August 2010, 03:13

Hallo Martin,

das passt ganz gut hier rein:
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?f=34&t=7983" onclick="window.open(this.href);return false;

Schöne Grüße
Norbert

Morgenstern
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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von Morgenstern » Samstag 14. August 2010, 13:33

Hallo zusammen,

hier mal ein paar Fotos aus dem Raum Schwalmstadt

http://www.nh24.de/index.php?option=com ... Itemid=194" onclick="window.open(this.href);return false;

LG

Forstexperte
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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von Forstexperte » Sonntag 15. August 2010, 21:04

Hallo Morgenstern,

Danke für den Bilderlink!
Ich denke die Intensität des Ereignisse bis in T4 lässt sich aus den Bildern ableiten.
Doch leider nicht, ob auch tornadisches mit beteiligt war.

Schade, dass sich niemand aus der Gegend dort findet, der die noch zu sehenden Schäden in den Wäldern dokumentiert.

Von der Großflächigkeit recht intensiver Forstschäden (T4/F2) war das dort sicher eines der herausragendsten Gewittersturmereignisse der letzten 20 Jahre. Wie schon geschrieben, vermutlich mehr als 200.000 Fm Sturmholz auf relativ kleinem Raum.

Wäre schade, wenn das nicht ausreichend dokomentiert würde.
Leider komme ich in den nächsten Wochen nicht mehr in die Gegend, sonst hätte ich mir dafür wenigstens einen halben Tag Zeit genommen, die ich vorletzte Woche leider überhaupt nicht hatte.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von Forstexperte » Sonntag 15. August 2010, 21:37

Hallo Norbert,
Hi-Lo hat geschrieben:Hallo Martin,

das passt ganz gut hier rein:
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?f=34&t=7983" onclick="window.open(this.href);return false;
Ja ich denke, dass das dasselbe Ereignis war.
Wenn ihr mögt, könnt ihr diesen Thread ja in den anderen einfügen, macht sicher Sinn, um die Übersichtlichkeit bei der Vielzahl der Fälle zu verbessern.
Sonst mache ich das am kommenden Wochenende.
Wichtig ist, dass der Schwerpunkt der Schäden, um die es hier geht, sich im Raum Schwalmstadt im südwestlichen Schwalm-Eder-Kreis befindet. Dies sollte in der Betreff-Zeile auch so rüber kommen.
Das ca. 20 km westlich gelegene Kirchhain passt definitiv nicht zu dem Ereignis um das es hier geht, da bereits wenige km westlich von Schwalmstadt kaum noch Schäden zu finden sind.
Willingshausen und Wasenberg hingegen passen. Diese Ort liegen auf der Zugbahn der von mir beobachteten Schäden.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von bärenfänger » Samstag 15. Januar 2011, 23:06

Verdammt. Hab diesen Thread erst jetzt entdeckt.
Als ich Anfang September mit dem Zug von Kassel nach Treysa gefahren bin, sind mir diese massiven Waldschäden auch aufgefallen. Sie begannen südlich von Borken (Hessen) etwa bei der Ortschaft Neuental. Sie sind oft schneisenartig und gehen über Berg und Tal durch die Wälder, immer in etwa parallel zur Hauptrichtung der Eisenbahnstrecke.
Aber ich habe auch große entwaldete Bereiche auf der östlichen Talseite entdeckt.

Ich weiß nicht, ob es noch was bringt, aber wenn ich demnächst mal ein Auto kriegen könnte, würde ich mal hinfahren.

Gruß und Gut Pfad,
Olli.
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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von bärenfänger » Mittwoch 26. Januar 2011, 22:01

Auto und Digi-Kamera sind bereit.
Werde am Freitagnachmittag mal nach Schwalmstadt fahren und schauen, ob noch was zu sehen ist.
Ich hoffe ja, dass noch nicht alle Schäden, besonders die einfacher erreichbaren, beseitigt worden sind, immerhin handelt es sich ja um riesige Flächen, die betroffen sind.

Gruß und Gut Pfad,
Olli.
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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von Heiko Wichmann » Mittwoch 26. Januar 2011, 22:15

Hi Olli,

sehr schön das du dort hinfährst. Bin gespannt!

Solltest du Schäden finden und bei der Dokumentation Hilfe benötigen, kein Problem bin Freitag zu Hause. Könnte dir telefonisch zur Seite stehen.



Grüsse Heiko
Die Details machen das Ganze !

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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von Forstexperte » Freitag 28. Januar 2011, 14:06

Hallo Olli,

schön dass Du Dich an diesen Fall hängst.
Du wirst bestimmt noch etwas sehen. Allein die noch auf Jahre vorhandenen Schneisen dürften eindrucksvoll sein.
Leider habe ich erst diese Woche den zuständigen Revierföster versucht zu kontaktieren, leider vergeblich. Eine Mobil-Nr. ist auf der Hessen-Forst-Seite nicht angegeben.

Bin allerdings die kommenden 1,5 Wochen beruflich auswarts und werde dann keine Zeit/Gelegenheit haben, hier zu antworten. Werde aber ab Mitte der 2. Februarwoche wieder dabei sein. Du kannst mich aber gerne vorher oder auch dann tel. kontaktieren. Schicke mir einfach eine persönliche Nachricht!

Auf Deinen Bericht bin ich jedenfalls gespannt. Vielleicht lohnt sich auch noch eine 2. Fahrt.
Falls noch viel unaufgearbeitetes Holz liegen sollte, überlege ich mir sogar ,auch noch mal dort hin zu fahren.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Oliver
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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von Oliver » Freitag 28. Januar 2011, 23:02

Hallo Olli,

ich bin auf Deinen Bericht gespannt und würde mir das Ganze auch noch einmal vor Ort anschauen, falls dort sehr viel unaufgearbeitetes Holz liegt. Allerdings ginge das bei mir nur am Wochenende, da ich unter der Woche beinahe rund um die Uhr an meiner Diplomarbeit arbeite.

Solltst Du noch Fragen zur Vorbereitung und zur Arbeit vor Ort haben, so werde ich versuchen diese schnell zu beantworten.

Entscheidend ist aus meiner Sicht vor allem folgendes:
- In welche Richtung hat die Kraft gewirkt?
- Was für Schäden sind aufgetreten (z.B. bei Kronenbrüchen kann es sehr hilfreich sein, wenn man weiß, was an Geäst noch dran ist bzw. was vorwiegend fehlt)?
- Wie sieht das übergeordnete Muster aus (was sich ergibt, wenn man die Position und Fallrichtung einiger zehn bis hundert Bäume maßstabsgetreu eingetragen hat)?

Das Ziel ist nämlich immer folgendes: über alle oben gesammelten Indizien den physikalisch möglichen Bereich zu bestimmen, was für ein Windereignis mit welcher Geschwindigkeit den Schaden verursacht hat. Wir haben leider noch keine Möglichkeit um wirklich sehr genaue Rechnungen vornehmen zu können, denn dafür bräuchten wir Materialproben von den einzelnen beschädigten Objekten, die im Labor auf ihre maximale Scherspannung und den maximalen Druckwiderstand untersucht werden müssten. So viel Aufwand wäre nur möglich, wenn wir Zeit und Zugang zu einer entsprechend ausgestatteten Forschungseinrichtung hätten. Das wäre dann der Schritt, der über die F/T-Skala hinausgeht.

Viele Grüße
Oliver

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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von Oliver » Samstag 29. Januar 2011, 12:34

Den Link mit den Schadensfotos habe ich erst jetzt gesehen. Bei Borken deutet aus meiner Sicht einiges darauf hin, dass das Ereignis entweder eine langsame Verlagerungsgeschwindigkeit besaß oder aber dort etwa im unteren T3-Bereich lag. Es sind überwiegend Druckschäden an den Bäumen zu erkennen (daher entweder geringe Maximalgeschwindigkeit oder geringer zeitlicher Geschwindigkeitsgradient).

Als Ursache liegt für mich ein starker Macroburst nahe, da im Zeitraum von 1:40 bis 2:00 ein voll entwickeltes Bow Echo über die Region hinweggerauscht ist. Die Fallrichtung müsste überwiegend von Süden nach Norden gehen. Es ist aber durchaus möglich, dass sich am linken und rechten Rand des Bows eine Mesozyklone befand, die einen Tornado produziert haben könnte. Die Entwicklung des Bows mit massiver Verstärkung des Hauptabwindbereichs (plötzliche Zunahme der Radarreflektivität auf Spitzenwerte jenseits 60dBz bei einer Zuggeschwindigkeit um die 90 km/h) kurz vor Schwalmstadt und Ausprägung eines markanten rear inflow notch ist in den Radardaten der Station Flechtdorf gut erkennbar.

Das wird eine Mammutaufgabe, alle Schäden in den Waldgebieten zu sichten und zu kartieren. Ich hatte vor zwei Jahren mit dem Macroburst von Herxheim schon viel zu tun. Das Gebiet umfasste einige dutzend Quadratkilometer und die Schäden waren teils punktuell, teils schneisenartig. Sofern noch ein Großteil unangetastet ist, schaue ich mir das auch selbst mal vor Ort an.

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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von bärenfänger » Samstag 29. Januar 2011, 19:09

So. Die gestrige Analyse, meine bisher zweite Analyse überhaupt, erwies sich doch als wesentlich kompizierter als ich es mir zunächst vorgestellt hatte.
Dies ist vor allem der unüberschaubaren Größe und dem komplexen Relief des betroffenen Gebietes geschuldet.
Hinzu kommt meine völlige Unkenntnis der Gegend und der daraus resultierenden schwierigen Orientierung.
Ich wählte auch ob meiner begrenzten Zeit nur ein Waldstück nahe der Ortschaft Frankenhain westlich von Schwalmstadt-Treysa aus.
Hier sah ich schon bei der Einfahrt in den Ort punktuelle Waldschäden aber vor allem große entwaldete aber bereits instandgesetzte Flächen, die wohl dem Verdachtsfall vom 30.05.2008 angehören.

Direkt nördlich an Frankenhain schließt sich ein Tal an. Auf der Nordseite dieses Tales sieht man schon von Weitem große entwaldete Gebiete von mindestens 50ha Fläche, die mehr oder weniger zusammen hängen. Mein Hauptaugenmerk richtete sich dabei auf die hier eingezeichneten Gebiete.
frankenhain.jpg

Das von mir betrachtete Gebiet ist das mittlere mit den eingetragenen Hauptfallrichtungen der Bäume.
Wie man sieht ist die Hauptfallrichtung Nord bis Nord-Nordost. Weiter unten weicht sie auch bis Nordost ab, was der relativ starken Hangneigung geschuldet ist. Die meist vertretenen Baumarten waren Lärchen, Kiefern, Buchen und einzelne Fichten.
Dieses Gebiet war allerdings auch nicht mehr ganz unbearbeitet. Es waren sowohl zerschnittene Stämme als auch abgesägte Stümpfe zu sehen. Aber es lagen auch genügend abgebrochene oder gar geworfene Bäume da.
Wenn man den Grad der Entwaldung als reell betrachtet, muss die Intensität mindestens im T3/F1-Bereich liegen.

Hier nun die Bilder.

Blick Richtung Tal (Südost)
DSC02500 - Kopie.JPG
Blick hangparallel (West-Südwest)
DSC02501.JPG
Weitere Aufnahmen
DSC02502 - Kopie.JPG
DSC02504 - Kopie.JPG
Fortsetzung folgt...
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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von bärenfänger » Samstag 29. Januar 2011, 19:26

Analyse Teil II

Weitere Bilder des betrachteten Gebietes.
DSC02507 - Kopie.JPG
DSC02508 - Kopie.JPG
DSC02509 - Kopie.JPG
So sieht das Gebiet etwas aus der Ferne betrachtet aus.
DSC02516 - Kopie.JPG
Daran schließt im Nordosten ein von weitem sichtbares entwaldetes Gebiet an, das noch wesentlich größer ist. Hier sieht man aber, dass so gut wie alle Bäume bereits weggeräumt worden sind.
DSC02513 - Kopie.JPG
Es ist in der Karte das nordöstliche große Gebiet mit Fragezeichen. Fragezeichen deshalb, da zumindest von meiner Seite aus keinerlei Aussagen möglich sind bezüglich Fallrichtung und Intensität, wobei diese Punkte wohl ähnlich denen des betrachteten Gebeites gewesen sind. Die Baumarten könnten sich jedoch unterscheiden.
Außerdem sind auf der Kuppe des Berges im Hintergrund weitere flächige Schäden sichtbar. Ob und wie dieser Bereich bearbeitet wurde kann ich nicht sagen.

Fortsetzung folgt...
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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von bärenfänger » Samstag 29. Januar 2011, 20:02

Analyse Teil III

Auch das von mir betrachtete Gebiet scheint sich in nordwestlicher Richtung fortzusetzen.

Nun zu einem weiteren Gebiet, bei dem ich mir allerdings nicht sicher bin, ob es zum gleichen Fall gehört.
Es ist das unmittelbar an die Ortslage anschließende Gebiet auf der südlichen Talseite. Es ist im Vergleich zu den anderen relativ klein (2 bis 5ha) und schien fast ausschließlich aus Fichten zu bestehen. Es ist bereits bearbeitet worden, alle Stämme sind in einheitliche Stücke zerlegt. Es ist in etwa trapezförmig und die umliegende Bewaldung ist von einzelnen Entastungen nahezu intakt. Doch diese Entastungen legen nahe, dass es sich wohl um denselben Fall handeln könnte.

Hier eine Aufnahme dieses Bereiches.
DSC02498 - Kopie.JPG
Erstaunlicherweise sind, von einzelnen Kronenschäden der unmittelbar an das Tal angrenzenden Bäume abgesehen, innerhalb der ausgesprochen exponiert liegenden Ortslage so gut wie keine Sturmschäden feststellbar.

Zum Schluss noch ein weiteres Gebiet an ganz anderer Stelle, das aber sicher vom gleichen Gewitter herrührt.
Es fiel mir schon während meiner Zugfahrt im September auf.
Es befindet sich östlich der Ortschaft Schlierbach nördlich von Treysa etwa 10km nordöstlich von Frankenhain.
Hier ist fast ein halber Berghang (von weitem sichtbar) Opfer des Sturmes geworden. Die Fallrichtung ist fast ausschließlich Nord. Das Gebiet ist nicht aufgearbeitet und kein Baum innerhalb hat den Sturm überstanden.
schlierbach.jpg

FAZIT:

Ich denke, dass es noch eine Weile dauern wird, bis alle Schäden beseitigt sind, da selbst die Aufarbeitung älterer Schadensgebiete noch nicht abgeschlossen zu sein scheint.

Einer allein kann hier nur wenige Aussagen treffen. Die Ausdehnung der betroffenen Gebiete ist so gewaltig, dass, um sich einen Überblick zu verschaffen, nur ein Überflug sinnvoll erscheint.

Ich denke, auch aufgrund meiner Beobachtungen von der Zugfahrt, dass sich das Schadensgebiet noch weiter nördlich fortsetzt. Wahrscheinlich lohnt es sich deshalb, auch die Wälder um Elnrode, Schlierbach bis nach Waltersbrück zu betrachten.

Zur Einschätzung des Ereignisses kann ich mich nur auf das von mir betrachtete Gebiet beschränken.
Aufgrund von Fallrichtung, Lage und Fläche des Gebietes halte ich HIER einen Tornado weitgehend für ausgeschlossen.
Ich schließe mich Olivers Einordnung an und sehe ebenfalls einen sehr starken Macroburst als Ursache an.

Die Intensität liegt, wie schon oben gesagt, mindestens im Bereich T3/F1 wahrscheinlich aber teilweise schon im T4/F2 Bereich, da ich mir nicht vorstellen kann, dass T3/F1 für eine so flächenhafte Vernichtung von Lärche-Kiefer-Buchen-Wäldern ausreicht.

Ergänzungen sind erwünscht.


Gruß und Gut Pfad,
Oliver.
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Re: [Status=?] 11.06.2010 - Schwalmstadt (HR|HE)

Beitrag von Forstexperte » Sonntag 30. Januar 2011, 13:43

Hallo Oliver,
bärenfänger hat geschrieben:FAZIT:

Ich denke, dass es noch eine Weile dauern wird, bis alle Schäden beseitigt sind, da selbst die Aufarbeitung älterer Schadensgebiete noch nicht abgeschlossen zu sein scheint.

Einer allein kann hier nur wenige Aussagen treffen. Die Ausdehnung der betroffenen Gebiete ist so gewaltig, dass, um sich einen Überblick zu verschaffen, nur ein Überflug sinnvoll erscheint.

Ich denke, auch aufgrund meiner Beobachtungen von der Zugfahrt, dass sich das Schadensgebiet noch weiter nördlich fortsetzt. Wahrscheinlich lohnt es sich deshalb, auch die Wälder um Elnrode, Schlierbach bis nach Waltersbrück zu betrachten.

Zur Einschätzung des Ereignisses kann ich mich nur auf das von mir betrachtete Gebiet beschränken.
Aufgrund von Fallrichtung, Lage und Fläche des Gebietes halte ich HIER einen Tornado weitgehend für ausgeschlossen.
Ich schließe mich Olivers Einordnung an und sehe ebenfalls einen sehr starken Macroburst als Ursache an.

Die Intensität liegt, wie schon oben gesagt, mindestens im Bereich T3/F1 wahrscheinlich aber teilweise schon im T4/F2 Bereich, da ich mir nicht vorstellen kann, dass T3/F1 für eine so flächenhafte Vernichtung von Lärche-Kiefer-Buchen-Wäldern ausreicht.
Vielen Dank für Deine Analyse!

Ich denke auch, das hier ein starker Macroburst, in dem zahlreiche noch stärkere Microbursts eingebettet waren, am Werke war. Ob auch ein oder mehrere Tornados für die lägeren, durchgehenden Schneisen verantwortlich waren, will ich immer noch nicht ausschließen. Die max. Intensität stufe ich, nach dem was ich Anfang August gesehen habe, sogar in mind. T4 ein.
Ich werde auf jeden Fall das zuständige Forstamt kontaktieren. Hier sind mit Sicherheit mehrere Reviere betroffen.
Leider bin ich ab gleich für die nächsten 1,5 Wochen beruflich auswärts. Aber ab der 2. Februarwoche werde ich mich intensiv um diesen Fall kümmern. Vielleicht können wir ja auch mit Olli zusammen noch eine vor Ort - Analyse machen - sofern ab Mitte Februar noch genügend unaufgearbeitete Bäume vorhanden sind.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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