[plausibel] 22.06.2017 - Elsterwerda/Hirschfeld (EE|BB)

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Michel
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[plausibel] 22.06.2017 - Elsterwerda/Hirschfeld (EE|BB)

Beitrag von Michel » Freitag 14. Juli 2017, 13:53

Hallo zusammen,

Elsterwerda wurde am 22.06. schwer von einem Unwetter getroffen.Es handelte sich um die sehr starke Superzelle, welche von Wolfsburg über Magdeburg, Dessau, Elsterwerda, Königsbrück bis weit nach CZ rein zog. Das Unwetter verursachte in einem etwa 400 km langen und 15-30 km breiten Korridor vielfach Orkanböen, teils schwere Orkanböen (Downbursts). Ich selber habe das Unwetter in Elsterwerda erlebt - ein trockener Downburst mit Orkanböen, teils schweren Orkanböen rauschte über die Stadt hinweg und führte dort zu einem der größten wetterbedingten Einsätzen der Feuerwehren. Im Elbe-Elster-Kreis wurde kurz darauf aufgrund der Großschadenslage der Ausnahmezustand ausgerufen. Das Mobilfunknetz war teilweise zusammengebrochen, stundenlange Stromausfälle waren die Folge. Es war sehr schwierig, wieder aus dem Gebiet rauszukommen, da überall Äste und Bäume lagen. Mehrere Autos wurden von Bäumen getroffen, auch ein LKW. Zum Glück gab es keine Schwerverletzten oder gar Todesopfer (was immer noch ein kleines Wunder ist - da Berufsverkehr war). Hier mein Video aus dem Bereich:

https://www.youtube.com/watch?v=1h79GFFNWnw

Und der Bilder- bzw. Chasingbericht dazu (auch mit weiteren Gewittern an dem Tag): http://www.frontgewitter.de/Unwetterlage22062017.html

Schwere Schäden gibt es auch bis Pulsnitz nach Sachsen hinein. Die Waldschäden sind immens und die Aufräumarbeiten werden Monate, wenn nicht gar Jahre dauern. Unter den Downburstschäden befinden sich auch einige Tornadoverdachtsfälle, wobei sich einer deutlich erhärtet hat - und zwar der Fall Elsterwerda.

Ich habe mich später nochmal um Elsterwerda umgesehen. Grund waren verdächtige Strukturen im Chasingvideo (Staubaufwirbelungen nach dem Downburst direkt vor mir) und ein Funnel (später auf dem Video entdeckt) sowie die Ausbildung eines extremen Hook-Echos südöstlich bei Elsterwerda am 22.06.2017. Ich bin dabei der Zugbahn des Hooks gefolgt und wurde belohnt. Es lassen sich Schäden finden, die nicht mehr mit Fallböen (die es ja verbreitet mit >120, teils >150 km/h gab) erklärbar sind. Ich habe viele Stunden dort in der Region zugebracht und detaillierte Karten erstellt, auf welchen die Fallrichtung einzelner Bäume erkennbar ist. Damit lässt sich alles gut überblicken und zuordnen. Tatsächlich passt alles zusammen, der Funnel und der sich wohl ausbildende Tornado vor mir im Video (nach dem trockenen Burst) sowie die einsetzenden "konvergenten" Schäden, welche sehr gut dem Hook auf den Radarbildern folgen. Die Intensität würde ich auf T2-T3 einstufen - bin aber auf andere Meinungen gespannt.

http://www.frontgewitter.de/Unwetterlage22062017_4.html (Analyse zum Tornadoverdacht Elsterwerda + Fallwindschäden inklusive Radarbilder und Video mit genaueren Sequenzen zum Tornadoverdacht)

Eine Gesamtübersicht über die dokumentierten Schäden in dem gesamten Gebiet von Bad-Liebenwerda bis Königsbrück mit Karte gibt es hier:

http://www.frontgewitter.de/Unwetterlage22062017_2.html (gesamte Analyse zu allen Schäden im Gebiet um Elsterwerda)

Darunter ist auch ein besonder starker Downburstfall bei Schadewitz. Hier wurden Wälder zerstört und Starkstrommasten umgeworfen. Hier ist mit sehr hoher Sicherheit von einem nassen Downburst auszugehen - ein Tornadoverdacht hat sich nicht erhärtet.

http://www.frontgewitter.de/Unwetterlage22062017_3.html (Analyse des Ereignisses Schadewitz-Theisa)

Zur Intensitätseinschätzung: Gehe im Bereich Schadewitz von über 160 km/h aus, gerne bin ich dort und auch allgemein auch auf weitere Meinungen gespannt.

Letztlich war es wohl eines der schwersten Unwetter seit Jahren in Deutschland. Die Schadensspur ist gewaltig und auch die fast durchgehend hohe Intensität des Gewitters mit den folgenschweren Begleiterscheinungen ist sehr beeindruckend. Neben den Orkanböen trat auch vielfach Hagel von 3-5 cm Durchmesser auf (lokal auch etwas über 5 cm).

Beste Grüße,
Michel Oelschlägel

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