[Status=?] 04.10.2012 - Schmiedehausen (AP|TH)

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Thilo Kühne
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[Status=?] 04.10.2012 - Schmiedehausen (AP|TH)

Beitrag von Thilo Kühne » Freitag 5. Oktober 2012, 14:32

Hallo,

laut Thüringer Allgemeiner Zeitung ereignete sich am gestrigen Donnerstag ein Tornado (bitte überlest die wieder einmal überflüssige Nennung als "Mini-Tornado") im Bereich Bergsulza (Gemeinde Stadt Bad Sulza, Landkreis Weimarer Land, Thüringen).

Neben entwurzelten Bäumen wurden auch Hochspannungsmasten zerstört. Laut Zeitungsangabe soll sich der Schadensverlauf auf bis zu 5 km erstrecken.

Link zum Artikel:
http://www.thueringer-allgemeine.de/sta ... 1107895363

Grüße,
Thilo
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Markus Weggässer
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Re: [Verdacht] 04.10.2012 - Bergsulza (AP|TH)

Beitrag von Markus Weggässer » Freitag 5. Oktober 2012, 18:27

Hallo Thilo,

ich war gestern vor Ort. Die stärksten Schäden entstanden bei Schmiedehausen (Strommasten).

Mir sind gestern keine weiteren Schäden aufgefallen, außer die Bäume, die von der Leitung mit umgerissen worden. Unmittelbar neben den von mir entstandenen Fotos (siehe unten) standen weitere Bäume und eine Windmühle, da war nichts. Ich sprach mit der Feuerwehr, die ebenfalls keine weiteren Schäden im unmittelbaren Umkreis bestätigte.

Entgegen des Tornadoverdachts bitte auch das Posting beachten: http://www.wzforum.de/forum2/read.php?8 ... sg-2517161

Noch ein Link:

Pressemitteilung vom Betreiber "50 Hertz": http://www.50hertz.com/de/file/20121004 ... 281%29.pdf

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Weitere Schadensbilder: http://www.storm-chasing.de/galerie/cat ... cat_id=678

Gruß

Markus
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Thilo Kühne
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Re: [Verdacht] 04.10.2012 - Bergsulza (AP|TH)

Beitrag von Thilo Kühne » Freitag 5. Oktober 2012, 22:11

Hallo Markus,

vielen Dank für deine Vororterkundung. Ich ändere die Ortsmarke noch in Schmiedehausen um.

Der Link zur WZ verweist ja auf die Idee von Schwingungsinterferenzen plus Materialermüdung. Allerdings habe ich von solchen Mastbauwerken keine Schadenskenntnis was das betrifft. Vielleicht könnte sich dazu Erik Dirksen diesen Fall einmal anschauen. Was ich nur aus der Erfahrung der letzten Jahre beitragen kann ist, dass solche Mastschäden mir aus Polen in Bezug auf Tornados bekannt sind, doch waren die Mastsockel in sich dann auch verdreht. Das ist hier für mich so nicht ersichtlich.

http://www.storm-chasing.de/galerie/dat ... G_3402.jpg
Da sieht man sehr schön, wie der vordere Mast wohl durch die Überbelastung der Leitungsstatik bereits am Sockel direkt umfiel. Das könnte das WZ-Argument vielleicht sogar entkräften, denn wenn durch Schwingungsinterferenten die Statik der Masten instabil wird, könnte das dann nicht eher so aussehen wie auf dem verlinkten Foto von dir? Aber wie gesagt...mit 220kV und 380kV-Leitungen bin ich firm.

Nehmen wir 'mal das Argument der Windstärken vom 04.10. auf: Aus Thüringen gab es Windmeldungen der WS der Wetterdienstleister zwischen 70 und 90 km/h, ganz vereinzelt auch darüber, aber im Großteil noch eher "sub-severe". Ähnliche Mastschäden kannte ich aus Deutschland (Sturmereignisse) bisher nur von "Kyrill" aus dem zentralen Sachsen-Anhalt und dem südlichen Brandenburg, und beim 24.05.2010. Allerdings muss hier beim Kaltfrontdurchgang bei "Kyrill" damals von Windgeschwindigkeiten bis 140 km/h im Flachland ausgegangen werden. Das ist schon eine ganz andere Größenordnung. Am 24.05.2010 wurden zwei 220kV-Leitungen bei Colmnitz umgeworfen, hatten aber eindeutig Umwurfschäden am Sockel . sowie auf dem verlinkten Foto - das war damals wohl ein starker Fallwindschaden vom RFD.

Wie sieht es mit Exponiertheit aus?
Laut GE liegt das Schadensareal ca. auf 225 m üNN. Bad Sulza, NW davon, liegt auf 140 m ü NN. Niedertrebra in Richtung W liegt ebenfalls auf 140 m üNN, doch ist der Hügel in die Richtung noch flacher abfallend. Eine direkte Exponiertheit sehe ich im Gelände da nicht, außer, dass die Masten dort das höchste in der Umgebung waren.

Da die Vegetation nach deinem Bericht nach keine Sturmschäden ausweisen, ist ein flächiger Fallwind eigentlich auszuschließen. Das bekräftigt einen Tornado natürlich nicht, aber wenn der Schaden wirklich in seiner Ursache Materialermüdung + Schwingungsinterferenzen sein könnte, dann frage ich mich, warum es nicht mehr solcher Fälle bisher gab. Natürlich ist ein lokal einzelner Baufehler auch möglich.

Mehr kann ich dazu leider nicht beitragen aktuell, aber ich werde den Status 'mal auf "?" heruntersetzen, denn das ist mir nicht indizienlastig für einen deutlichen Verdacht.


viele Grüße,
Thilo
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Re: [Verdacht] 04.10.2012 - Bergsulza (AP|TH)

Beitrag von Markus Weggässer » Sonntag 7. Oktober 2012, 10:45

Thilo Kühne hat geschrieben:Allerdings habe ich von solchen Mastbauwerken keine Schadenskenntnis was das betrifft. Vielleicht könnte sich dazu Erik Dirksen diesen Fall einmal anschauen.
Für mich ist das ebenso Neuland. Erik's Meinung würde mich ebenso interessieren.
Thilo Kühne hat geschrieben: Wie sieht es mit Exponiertheit aus?
Laut GE liegt das Schadensareal ca. auf 225 m üNN. Bad Sulza, NW davon, liegt auf 140 m ü NN. Niedertrebra in Richtung W liegt ebenfalls auf 140 m üNN, doch ist der Hügel in die Richtung noch flacher abfallend. Eine direkte Exponiertheit sehe ich im Gelände da nicht, außer, dass die Masten dort das höchste in der Umgebung waren.
Im Nachhinein habe ich mich geärgert, dass ich kein Panorama machte. Ich kann auch nicht versichern, ob ich nochmal hinkomme in den nächsten Tagen. Die Masten stehen in einer Art kleinen Senke, links und rechts sind Hügel. Die Senke zeigt gen WSW (also fast genau in Windrichtung an diesem Tag). Keine 100m neben den Masten steht auf der Spitze des Hügels eine Reihe Bäume und eine alte Windmühle.
Thilo Kühne hat geschrieben:....aber wenn der Schaden wirklich in seiner Ursache Materialermüdung + Schwingungsinterferenzen sein könnte, dann frage ich mich, warum es nicht mehr solcher Fälle bisher gab. Natürlich ist ein lokal einzelner Baufehler auch möglich.
Könnte vielleicht durchaus in diesem speziellen Fall die Ursache gewesen sein. Ich werde den Betreiber "50Hertz" diesbezüglich nochmal anschreiben.

Gruß

Markus
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Re: [Status=?] 04.10.2012 - Schmiedehausen (AP|TH)

Beitrag von Erik Dirksen » Montag 5. November 2012, 18:20

Hallo,

mit Sicherheit wird es in dem Fall so gewesen sein, dass 1 Mast kollabiert ist und die anderen durch den plötzlichen Zug der Kabel umgerissen wurden. Bezüglich der Intensität habe ich irgendwo (weis nicht mehr welcher Fall das war) mal gelesen, dass man hier in etwa von T4 ausgehen muss. Überlandleitungen unterliegen ähnlichen Normen inklusive Windzonen wie normale Gebäude. Allerdings waren die Masten auch schon alt und scheinen ein eher ungünstiges Verhältnis der Gewichtsverteilung zu besitzen. Daher würde ich hier eher T3 annehmen.

VG

Erik
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