Neuling mit paar Fragen

Merkwürdige Wolkenformationen? Vielleicht ein Tornado? Du bist unsicher, was Du da gesehen hast? Dann bist Du hier richtig.
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Diabolus
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Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Diabolus » Donnerstag 23. Juli 2015, 20:56

Mahlzeit!

Ich bin sehr neu in der Materie und war eigentlich bis vor ein paar Monaten noch ein Gegner von Unwettern. Unwetter bedeutet Regen und Sturm und das hat nie so wirklich in meine Traumvorstellung von Wetter gepasst. Geändert hat sich das durch die Sendung "Verrückt nach Tornados", bei der ich eigentlich nur hängen geblieben bin, da mich der TIV2 doch fasziniert hat. Dadurch entstand auch ein gewisses Interesse an Tornados, an der Entstehung usw. Natürlich war auch der Tornado von Bützow da mit dafür verantwortlich, war ich doch bislang auch eher dem Irrglauben aufgesessen Tornados gäbe es eigentlich nur in Amerika.

Gut, wie es im Zeitalter des Internets ja schon fast normal ist habe ich angefangen mir Wissen aus dem Netz zusammen zu suchen. So habe ich dann Dinge über Amboswolken gefunden, Wallclouds usw. Seither schaue ich bei jeder Wollke nach Dingen die ich erkennen kann. Wie ich aber in den letzten Jahren feststallen musste, Was man so aus dem Netz an Wissen aufnimmt kann oft durch falsche Zusammenhang ein echter Schwachsinn ergeben. Von daher bin ich mir über den Stand meines Wissens im Zusammenhang Wetter mich sicher und ich denke, hier kann ich das Ganze in die richtige Reihe bringen.

So, nun komme ich auch direkt mit einem Beispiel. Am 17.07.2015 hatte meine Tochter ihren Schulabschluss und anschliessend waren wir essen. Da das Wetter gut war haben wir draussen gegessen. Während wir warteten viel mir eine Wolke auf, welche sich aus Frankreich her zu uns bewegte. Diese fing schnell an einen Turm aufquellen zu lassen was sich in einem gewaltigen Ambos ausprägte. Ich schloss daraus, da müsste doch ein Gewitterchen bei raus kommen. Da ich aber vom Restaurant aus keinen guten Blick hatte beschloss ich auf den Parkplatz zu gehen und siehe da, kaum hatte ich eine gute Position fing diese Wolte auch schon an zu regnen. Auch kam es dann zu einem Gewitter usw. Da man heute ja immer ein Handy dabei hat hielt ich auch direkt drauf und konnte knappe 14 MInuten davon fest halten. Blöderweise nicht mehr, da die Speicherkarte von Bildern und Videos der Abschlussfeier gefüllt war.

Dieses Video ist https://www.youtube.com/watch?v=78s_0UtLMzw hier zu sehen.

Am nächsten Tag habe ich mir das Video dann genauer angeschaut und mit dem verglichen was ich so im Netz gefunden hatte. Interessanterweise ergab sich da eine recht gute Übereinstimmung eines Bildes, welche eine Superzelle beschreibt. Man muss dafür nur mein Video spiegeln, oder das Bild.

Besagtes Bild war folgendes Bild

Bei etwa 8 Minuten, in meinem Video, fokusiere ich ein relativ senkrechter Regen. Ich finde das genau zu der Zeit mein Video am Besten mit dem Bild übereinstimmt, wenngleich ich keine Wallcloud ausmachen kann.

So nun meine Frage. Habe ich da eine Superzelle gefilmt? Für mich macht es den Anschein, aber die Meinung von jemand der da wirklich den Plan von hat würde mich sehr interessieren.

Noch als Anmerkung, ich nutze die die App des deutschen Wetterdienstes und die zeigte ebenfalls dieses Gewitter in grün an. Superzellen wären aber doch rot wenn ich das richtig verstanden habe, oder lasse ich mich dabei dann zu viel von der Serie ablenken?

PS: Habe versucht die Youtube-Funktion zu nutzen, doch dies führte nicht wirklich zum Erfolg.

Diabolus
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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Diabolus » Donnerstag 23. Juli 2015, 23:22

Verdammt dafür wäre ein anderes Unterforum besser gewesen :(. Kann das jemand verschieben?

Aaron
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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Aaron » Freitag 24. Juli 2015, 05:46

Hallo Diabolus,

Dein Video zeigt eine sich entwickelnde Gewitterlinie. Man sieht mehrere Aufwindtürme, also die typischen Ambosswolken. Später im Video (auch bei Minute 8 ) sieht man eine Aufwindbasis, aber diese und auch der Niederschlag können zunächst noch nichts darüber aussagen ob das Gewitter eine Superzelle ist.
Damit ein Gewitter sich Superzelle nennen darf müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein. So muss das Gewitter eine langlebige Mesozyklone besitzen (so nennt man den rotierenden Aufwind) und die Mesozyklone muss hochreichend sein, was bedeutet, dass mindestens 1/3 des Aufwinds rotiert. Eigentlich kann man Superzellen deswegen auch nur mit Dopplerradarbildern bestätigen, was aber zum Teil aber schwierig wird, vor allem wenn das Gewitter weit vom Radar weg ist.
Um eine Mesozyklone bei der Beobachtung zu erkennen ist es am einfachsten wenn man direkt die Rotation der Wolken sehen kann. Es gibt auch bestimmte Wolkenstrukturen die darauf hindeuten und zum Teil auch ein sicheres Zeichen für Rotation sind, aber um das zuverlässig zu erkennen braucht man auch einiges an Erfahrung. Am besten du klickst dich einfach mal durch Google und Youtube da findet man schöne Beispiele.
Die Darstellung der Superzelle die du gefunden hast finde ich nicht so gut, vielleicht kann ich nachher mal ein besseres Bild suchen, dann wird der typische Aufbau hoffentlich besser deutlich.
Aber nochmal zurück zu dem Gewitter, das du beobachtet hast. Man sieht zwar eine schöne Aufwindbasis aber eine Meso kann ich da nicht erkennen, aber dafür bildet sich da gerade eine Gewitterlinie.

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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Diabolus » Freitag 24. Juli 2015, 11:44

Also das bedeutet, ich habe wahrscheinlich ein ganz gewöhnliches Gewitter gefilmt. Also gewöhnlich soll jetzt nicht abwertend klingen, mir gefällt die Aufnahme trotzdem nach wie vor ;). Wäre wahrscheinlich interessant gewesen das Ganze noch etwas näher vor die Linse zu bekommen und so ein bisschen das Jucken da näher hin zu fahren hatte ich schon, aber das dann meiner Tochter erklären ;).

Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe ist bei 8 Minuten die Aufwindbasis zu erkennen. Jetzt habe ich mal ein wenig weiter gelesen und das wäre also die Stelle wo es, je nachdem wie sich das Ganze entwickelt, es zu Wallclouds und Tornados kommen würde. Stimmt das?

Ich kann zu dem Gewitter noch ein paar Details liefern. etwa 20 Minuten nachdem ich die Aufnahme beendet hatte fing es an zu regnen bei uns. Natürlich genau in dem Moment wo wir unser Essen bekamen. Schneller Umzug nach drinnen war also angesagt. Dank des Wintergartens konnte man jedoch sehr heftigen Regen und recht starke Winde (aus meiner Sicht) beobachten, was aber nur ca. 10 MInuten gedauert hatte. Etwa 50-60 Minuten nach den Aufnahmen war ich dann wieder draussen und beobachtete. Ich habe auch gefilmt, aber mein Handy kommt mit so wenig Licht leider nicht zurecht. Es sind zwar Blitze aber keine Details erkennbar. Was ich (und zwei weitere Personen) jedoch sehen konnte war eine Rotation der Wolken, wenn auch nicht gerade stark und entgegen dem Uhrzeigersinn. Bedeutet dies nun, dass sich die Aufwindbasis mehr oder weniger in der Zeit über uns befand? Also nicht direkt über uns aber doch stark bei uns in der Nähe.

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Cumulus Humilis
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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Cumulus Humilis » Freitag 24. Juli 2015, 15:00

Hallo Diabolus,

das mit der Superzelle hat Aaron ja schon sehr gut erklärt. Was man auf jeden Fall erkennen kann, ist, das das Gewitter recht gut "organisiert" ist. Das bedeutet, in erster Linie, daß es deutliche Trennung zwischen Auf- und Abwind gibt und daher damit zu rechnen ist, daß das Gewitter langlebiger ist, als gewöhnliche "Wärme-" oder Luftmassengewitter, bei denen der Niederschlag durch den Aufwind fällt und die Zelle damit "Selbstmord" begeht.

Was mir Deinem Video aufgefallen ist, ist ein häufig zu beobachtender Fehler, wenn jemand Videos oder Bilder in ein Forum einstellt und Fragen dazu hat, was da nun zu sehen ist: Du konzentrierst Dich sehr auf Details, zeigst aber wenig über die Gesamtstruktur, bzw. Umgebung des Gewitters. Am Anfang erhascht man mal kurz einen Blick auf die Vorder- und Rückseite und auch auf den Aufwindturm, aber dann geht es fast ausschließlich um den Niederschlagskern und die Aufwindbasis. Natürlich ist das die interessanteste Zone, aber der Punkt ist, daß jemandem der nicht dabei war und nur das Video hat, die Zusatzinformationen fehlen, die Du als Beobachter vor Ort ganz unwillkürlich aufnimmst. Bei Aufnahmen zu denen man Fragen hat, ist es also wichtig, neben den Details auch immer einen guten bildlichen Eindruck des Gesamtsystems zu zeigen. Das ist oft nicht so einfach, weil man nicht alles auf ein Bild bekommt, aber dann kann man eine Reihe von Bildern und damit eine Art Panorama machen. Beim Video ist es noch einfacher mit einem Schwenk, der nicht zu schnell sein sollte, damit man eventuell auch Dynamiken erkennen kann. Soviel nur als genereller Tipp für solche Aufnahmen.

Nun nochmal zu dem Gewitter. Zum Beginn Deiner Beobachtung war es die nördlichste Zelle einer sich bildenden Linie, die schnell nach Norden "anbaute", wie man sagt, also weitere Gewitterzellen auslöste. In solche Linien sind, wenn die meteorologischen Voraussetzungen passen, auch gelegentlich Superzellen eingebettet. Allerdings sind dann häufig ihre Strukturen nicht, oder nur für ein sehr geübtes Auge erkennbar. Deine Grafik zeigt eine idealisierte, schematische Darstellung des Aufbaues einer Superzelle. In Realität gibt es eine Menge Varianten, in denen sich das abbildet. In der Praxis unterscheidet man LP-, klassische und HP-Superzellen, die sich optisch, aber auch von ihrem Verhalten unterscheiden. Es ist aber nicht so, daß eine Zelle wärend ihrer gesamten Lebensdauer immer strikt dem einen oder anderen Typ angehören muß. Gewitter, alle Gewitter (!) sind hochdynamische Prozesse, die sich ständig verändern. So können sogar aus "gewöhnlichen" Multizellengewittern Superzellen entstehen, oder auch Superzellen von Multizellenlinien "gefressen" werden und ihre Mesozyklone verlieren. Die Natur "denkt" nicht in Schubladen, wir sind es, die versuchen zu kategorisieren, das darf man nie vergessen, sonst ist der Schiffbruch vorprogrammiert.

Zu den Erscheinungen wie Tornado, Downburst, Großhagel, etc. Die aktivste und damit interessanteste, aber auch gefährlichste Zone eines organisierten Gewitters ist das so genannte Auf- / Abwindinterface. Das ist die Region in denen Auf- und Abwind dicht beieinander liegen, hier gibt es i. d. R. die heftigsten Wettererscheinungen. Das heißt aber nicht, daß nicht auch an anderen Stellen etwas passieren kann. Ein Tornado kann sich auch an einer anderen Stelle des Aufwindes bilden oder (gar nicht so selten) am RFD, ein Downburst auch im Hauptniederschlag. In den USA habe ich sogar mal einen Tornado an einer Versorgungslinie beobachtet, in der eine neue Zelle entstand. Rotation tritt praktisch immer in Gewittern auf. Sie ist eine Folge der dynamischen Prozesse. Entscheidend ist, ob sie nur kurz oder persistent an der gleichen Stelle ist und ob es zu Begleiterscheinungen wie Wallclouds oder Funnelbildungen kommt. Dann lohnt es genauer zu beobachten.

Ich weiß, das alles ist eine Menge an Stoff wenn man anfängt sich mit der Materie zu beschäftigen. Das ging mir und auch jedem anderen nicht anders. Es gibt aber heutzutage eine Menge Informationen im Internet und sicher lohnt auch ein Blick in unser Schulungszentrum um sich damit vertraut zu machen. Da das aber auch ziemlich verwirrend sein kann, empfehle ich wirklich Interessierten mal zusammen mit einem erfahrenen Spotter oder Chaser zu beobachten, dabei lernt man viel mehr als man es alleine aus der Literatur kann. Und es ist weniger riskant, als unerfahren mal "näher ran" zu gehen. Immer dran denken: Gewitter sind hochdynamische Prozesse! Aus der "schön" und "interessant" aussehenden Struktur kann in wenigen Minuten ein gefährliches Biest werden, das einem den Tag versaut. Ich will Dich damit keinesfalls abschrecken, denn Gewitter haben durchaus etwas Fazinierendes, aber man darf nie den Respekt vor den Naturgewalten verlieren und muß sich bewußt sein, daß die Natur keine Rücksicht nimmt.

Wenn Du weitere Fragen hast, oder Unterstützung brauchst, schreib hier ruhig im Forum. Dazu ist es ja da. Es kann manchmal etwas dauern, bis jemand antwortet, aber auf eine ordentliche Frage gibt es eigentlich immer auch eine ordenliche Antwort. :wink:

Gruß,
Andreas

Edit: Ich habe den Thread mal verschoben, weil er m. E. hier besser hinpasst. Andreas.
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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Diabolus » Freitag 24. Juli 2015, 15:38

MIt dem Verschieben bin ich absolut einverstanden! Erwähnte ich es ja schon in meiner ersten Antwort.

Du hast aber recht, es ist viel Stoff der auch durchaus verwirrend sein kann. Auch das es sinnvoll ist das Ganze zu filmen war mir nicht so klar, wird aber in Zukunft, wenn es sich ergibt, erledigt.

Interessant ist das Ganze auf jeden Fall! Eben weil es so dynamisch ist. Statische Prozesse verlieren ja schnell an Reiz da man das ja "schon gesehen" hat. Da macht das Dynamische doch mehr Spass. Auch will ich mal dazu sagen, das ich kein Bedarf daran habe, hals über Kopf in ein Gewitter rein zu fahren. Ich habe davor genug Respekt, denn wie man ja an Tim Samaras gesehen hat schütz auch Erfahrung vor Naturgewalten nicht und auch wenn ich nicht denke das uns hier mal die nächste Zeit ein F5 über die Birne schiesst, man hat in Bützow ja gesehen was ein F3 kann und wenn ich die Videos sehe da habe ich kein Bedarf mal so etwas hautnah zu erleben ;).

Was ich natürlich sagen muss, die Kommunikation mit Leuten die sich damit auskennen ist nartürlich deutlich aufschlussreicher wie die reine Lektüre. Und ich bin mir sicher das ich hier noch öfters was posten werde. Zwar habe ich jetzt keinen Bedarf quer durch Deutschland zu eiern um Stürme zu beobachten, aber ich weiss aus Erfahrung das ich hier bei uns im Saarland genug davon finden werde ;). Und irgendwie finde ich es auch besser mich auf ein Stürmchen zu freuen wie einen dicken Hals zu haben, wenn mal nicht die Sonne scheint.

Aber mal zur Info, also es wäre Sinnvoll die ganze Wolke immer mal wieder im Blick zu haben, darauf zu achten ob ein Gewitter "organisiert" ist usw? Auf was sollte man da noch achten?

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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Diabolus » Samstag 25. Juli 2015, 17:07

Da würde mich aber doch mal interessieren, wäre es denn möglich gewesen das mein Gewitter da sich so verstärkt das es einen Tornado hätte hervorbringen können?

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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Diabolus » Samstag 25. Juli 2015, 23:00

Kann das sein das man Beiträge nur einen bestimmten Zeitraum ändern kann? Hätte meine Frage dann an die letzte Antwort angehängt.

Hab mir mein Video nochmal angeschaut. Bei 12 Sekunden zoome ich an kleine Auffälligkeiten der Wolke hin. Das wollte ich noch fragen, was war das?

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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Cumulus Humilis » Sonntag 26. Juli 2015, 16:52

Hallo Diabolus,
Diabolus hat geschrieben:Da würde mich aber doch mal interessieren, wäre es denn möglich gewesen das mein Gewitter da sich so verstärkt das es einen Tornado hätte hervorbringen können?
die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht sehr hoch, weil die Voraussetzungen für Tornados nicht wirklich gut waren. Möglich ist bei einem Gewitter aber grundsätzlich alles. :wink:
Diabolus hat geschrieben:Kann das sein das man Beiträge nur einen bestimmten Zeitraum ändern kann?
Ja, das ist so.
Diabolus hat geschrieben:Hab mir mein Video nochmal angeschaut. Bei 12 Sekunden zoome ich an kleine Auffälligkeiten der Wolke hin. Das wollte ich noch fragen, was war das?
Hm, ich sehe bei 12 Sekunden keinen Zoom, nur einen kurzen Schwenk zur Rückseite des Zellkompexes. Was meinst Du genau?

Gruß,
Andreas
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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Diabolus » Sonntag 26. Juli 2015, 17:37

Also kann prinzipiell aus jedem Gewitter ein Tornado hervor gehen? Bei dem Einen die die Wahrscheinlichkeit nur grösser wie dem Anderen?
Unbenannt.png
Unbenannt.png (112.37 KiB) 8526 mal betrachtet
Diese Stelle meinte ich.

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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Cumulus Humilis » Sonntag 2. August 2015, 20:09

Hallo,
Diabolus hat geschrieben:Also kann prinzipiell aus jedem Gewitter ein Tornado hervor gehen? Bei dem Einen die die Wahrscheinlichkeit nur grösser wie dem Anderen?
Ja, grundsätzlich ist das richtig. Man muß aber nicht nur die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines Tornados an sich betrachten, sondern dabei auch, welche Art von Tornado sich bilden könnte. Wir unterscheiden zwischen mesozyklonalen und nicht mesozyklonalen Tornados. Starke und verheerende Tornados der Intensität F3 - F5 bilden sich nur an Gewittern mit einer hochreichenden Mesozyklone, so genannten Superzellen. Nicht mesozyklonale Tornados können sich an jeder hochreichenden Konvektion, also im Prinzip auch an einer Schauerzelle bilden. Ein verbreitetes Beispiel für nicht mesozyklonale Tornados sind die vor allem im Herbst auftretenden Wasserhosen. Aber Vorsicht: Auch hier muß man genau hinsehen, denn nicht jede Wasserhose ist grundsätzlich ein nicht mesozyklonaler Tornado. Auch über Wasser können Superzellen entstehen.

Unbenannt.png
Diese Stelle meinte ich.
Ja, das ist mir auch aufgefallen. Ist ein bisschen weit weg, könne aber eine so genannte Blindtrombe gewesen sein, vor allem, da sich das Gebilde doch einige Zeit gehalten hat.

Gruß,
Andreas
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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von Diabolus » Sonntag 2. August 2015, 21:07

Vielen Dank, langsam ergibt das Alles ein Bild was ich bisher so gelesen habe. Du erklärst das wirklich gut!

Wo du aber die Herbststürme ansprichst wollte ich sowieso noch fragen, da sind doch eigentlich auch viele Faktoren gegeben die einen Tornado hervorbringen könnte oder? Wenn ich dich richtig verstanden habe können dann auch auch nicht mesozyklonale Tornados bei uns entstehen. Entsprechend hätten wir ja quasi zwei Saisons für Tornados oder?

Ich habe mal ein Diagram gesehen (ich glaube beim DWD) nach welchem die gemeldeten Tornados im Juli in Deutschland am höchsten ist, man also da von der "deutschen Saison", wenn ich das mal so nennen darf, sprechen kann. Wenn ich aber nun bedenke, dass ich bei uns in der Regiom (Saarbrücken) im Herbst auch schon rotierende Wolken gesehen habe, wenngleich ich da auch noch der Fehlinformation unterlegen war, Tornados gäbe es nur in Amerika.

Dabei kam mir auch wieder in Erinnerung, dass ich vor einigen Jahren (2007 oder 2008) in Mannebach (nähe Trier) ein Erlebnis hatte, was vielleicht auch analysierbar sein könnte.

Wir waren ein Gerüst an einem Neubau am Bauen. Das Wetter an sich war gut. Es zog aber sehr schnell zu, wurde sehr dunkel Kurz darauf fing es an zu regnen. Wir in den LKW. Hagel gab es auch, aber keine allzu grossen Körner. Dann hörte es auf mit dem Regen und es wurde windig. Richtig heftig windig, so dass der LKW (dürfte noch so zwischen 6 und 9 Tonnen gesamt gehabt haben) richtig heftig gewackelt hat. Also ernsthaft heftig so das ich persönlich Sorge hatte. Noch vor einem Tornado aber eben so gewackelt hatte das Ding vorher nie. Der Wind hat auch extrem geheult. Das führe ich zwar prinzipiell auf den Strassenzug zurück, aber wenn ich mir die Videos von Tornados angucke klang das schon ähnlich. Das Dauerte vielleicht fünf Minuten, dann war es wieder ruhig. Gab noch bisschen regen aber danach war der Himmel wieder hell und was war als wäre nie was gewesen. Ausser das man danach durch dem Schlamm warten musste, während vorher das Arbeiten super gut lief.

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Re: Neuling mit paar Fragen

Beitrag von ignis_pugnatur » Sonntag 2. August 2015, 22:44

Ein ähnliches Erlebnis hatte ich auch. Allerdings war es ein einfaches, leichtes Gewitter. Ich dachte auch dass es nicht "schlimm" werden könne, da ich nicht innerhalb sondern neben der Zugrichtung positioniert war.
Also ging ich davon aus, dass es an mir vorbei ziehen würde.
Grundsätzlich tat es das eigentlich auch, bis ca 1.000 - 1.500 Meter entfernt ein Downburst entstand.
Die Windartige Welle die sich ausbreitet (wie die Wellenringe im Wasser wenn man einen Stein rein wirft) wurden durch das Gelände kanalisiert und zogen zum Teil plötzlich genau auf mich zu.
Es war nun nicht die Welt, keine Bäume in der Nähe etc. so dass mir hätte was passieren können, aber es war mir eine Lehre auch beim Chasen besser auf die Geländetopographie zu achten (nicht nur ob Bäume da sind die man meiden sollte usw.). Denn mein Standort war ca 400 entfernt von der Talmulde auf einer Hügelkette und ich konnte durch den Regen wunderbar die Windböen beobachten die ca 2 Minuten lang durch die Senke fegten. Dort waren Armdicke Äste von den Bäumen gebrochen.

Was ich damit sagen möchte ist, dass Windböen auch durch Topografische oder Bautechnische Gegebenheiten (Strassenschluchten) andere Zugrichtungen bekommen können als die Wetterzugrichtung und dadurch auch ein gravierender Einfluss auf die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten habe könnten. Es muss allgemein kein heftiges Ereignis sein, aber Stellenweise kann es doch durch Kanalisierungen heftiger werden als das eigentliche "Unwetter".

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