01.07.2007: Meso und/oder Wallcloud auf Webcam?

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Sven Lüke
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01.07.2007: Meso und/oder Wallcloud auf Webcam?

Beitrag von Sven Lüke » Montag 2. Juli 2007, 12:40

Hallo,

meine Webcam hat gestern Abend gegen 21.40 Uhr ziemlich genau zum Sonnenuntergang die folgenden Bilder aufgenommen. Standort der Webcam: Lotte-Wersen bei Osnabrück (A1 in der Nähe), Blickrichtung Nordwesten (etwa Mettingen, Kreis Steinfurt). Auf dem Radar ist zum Zeitpunkt eine kleine Zelle sichtbar, Stärke etwas über 50 dBZ.

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Die Form ist ja nun erstmal ins Auge stechend. Ich saß gerade am PC und hatte mich auf das Bild der Webcam draufgeschaltet, als ich dann die obigen Wolken direkt sah. Bin dann sofort zum Westflügel unseres Hauses gestürmt und hatte noch mit dem Camcorder etwas gefilmt, das Material werde ich am Abend nachliefern.

Auffällige Rotation habe ich keine beobachtet. Eure Meinungen sind erwünscht. Hat die Optik uns nur einen Streich gespielt oder war das tatsächlich etwas mehr im Gange?

Grüße, Sven

foto-erzgebirge
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Beitrag von foto-erzgebirge » Montag 2. Juli 2007, 14:37

Ich wüde sagen wenn sie rotiert hätte dann könnte die Zelle eine Mesozyklone beeinhaltet haben.
Strukturen einer SZ sehe ich nicht gerade. Sind auch kaum auffällige Strukturen vorhanden. Man hat aber dennoch einen schönen Aufwindbereich.
SZ, m.M eher nicht
bei Rotation; beinhaltete Mesozyklone ja aber auch keine SZ....

Mal sehen was SZ-Experte Ansgar meint....


lg
Viele Grüße aus dem Erzgebirge

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gaby
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Beitrag von gaby » Montag 2. Juli 2007, 14:47

hallo,
das passt zu der waagen info,die ich bekommen habe,
guck mal bei verdachtsfälle in D.

gruß gaby
wat fürn wind aber auch

Erik Dirksen
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Beitrag von Erik Dirksen » Montag 2. Juli 2007, 15:06

Eine deutliche Absenkung ist erkennbar. In Bild 4 bin ich mir nicht sicher, ob es sich um einen Inflow-Tail oder um eine kurzzeitige schwache Ausbildung einer Wallcloud handelt. Du hättest keinen besseren Beobachtungspunkt finden können.

Gruß

Erik
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Bernold Feuerstein
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Mesozyklone/Superzelle

Beitrag von Bernold Feuerstein » Montag 2. Juli 2007, 17:36

Hallo,

noch mal zur Definition: Eine Mesozyklone liegt vor, wenn der Aufwind in irgendeiner Form rotiert. Eine Superzelle setzt eine Mesozyklone voraus, welche zwei Mindestkriterien erfüllen muss (nach Doswell):
Der Aufwind muss "hochreichend" und "persistent" rotieren; "hochreichend" heißt hier, dass mind. 1/3 der Gesamthöhe des Aufwindturmes rotieren muss (im Winter kann das erstaundlich "flach" sein, z.B. 1 km bei einer Gesamthöhe von 3 km) -
"persistent" bezieht sich auf die Lebensdauer der Rotation, welche mindestens von der Größenordnung der Zeit sein soll, die ein Luftpaket zum Aufstieg im Aufwindschlot bis zum Gleichgewichtsniveau braucht. Als Richtwert kann man hier 15 min. ansetzen.

Nicht selten wird ja eine Rotation der Wolkenbasis beobachtet (bei kleiner Skala spricht man hier von einer "Misozyklone"); reicht aber diese Rotation nicht hoch genug, so war es nach obiger Definition keine Superzelle. Umgekehrt kann es Superzellen geben, deren Aufwind im mittleren Niveau langandauernd rotiert, davon aber an der Wolkenbasis keine Spur davon sichtbar ist. Dennoch wäre es dann eine Superzelle (z.B. über Dopplerradar detektiert).

Gruß,
Bernold

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Sven Lüke
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Beitrag von Sven Lüke » Montag 2. Juli 2007, 23:16

Hier der versprochene Videoclip im DivX-Format:

http://www.4elements-earth.de/beobachtu ... 70701a.avi (DivX)

Der "Wurmfortsatz" ab Sekunde 25 ist ganz leicht am rotieren. Vor allem bei Rohmaterial fällt es auf, wenn man den Zeitregler hin- und herschiebt. Die letzten Sekunden vom Video zeigen den Himmel knapp 5 Minuten später.

Grüße, Sven

Eyk
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Beitrag von Eyk » Sonntag 29. Juli 2007, 14:22

Ich halte das ganze für den Beginn oder den Versuch eine Meso zu bilden... aber noch nicht für eine vollständige Miso oder Meso.
Auf dem Video sieht man aber dennoch eine lange auffällige regenfreie Basis und kräftige Aufwindstrukturen. Sieht so aus als wenn die Meso schon recht hochreichend war, und bereits die Strömung in der Zelle beeinflusst hat.

Hab hier solche gleichartigen Strukturen, die sich meist nur im unteren bis zum mittleren Teil der Zelle erstrecken, öfters an gescherten Schauern oder dynamischen Einzelzellen und wenn die Labilität und Grundschichtscherung recht hoch ist. Aber meist wird nichts draus, obwohl die Superzellen und Tornadogefahr nicht von der Hand zu weisen ist
Nicht selten wird ja eine Rotation der Wolkenbasis beobachtet (bei kleiner Skala spricht man hier von einer "Misozyklone"); reicht aber diese Rotation nicht hoch genug, so war es nach obiger Definition keine Superzelle. Umgekehrt kann es Superzellen geben, deren Aufwind im mittleren Niveau langandauernd rotiert, davon aber an der Wolkenbasis keine Spur davon sichtbar ist. Dennoch wäre es dann eine Superzelle (z.B. über Dopplerradar detektiert).
Dem stimme ich vollkommen zu.
Das kennre ich unter Shallow oder Mid Level Mesocyclone
Nur sind diese visuell auf die Distanz kaum zu erahnen da der obere Teil einer solchen Zelle oft nicht auf die Anwesenheit einer solchen Zelle hinweist, da die Meso keine große vertikale Mächtigkeit aufweist, mit der sie dann die Strömung der gesammten Zelle beeinflusst ,in der sie entstanden ist.
Wäre diese der Fall wäre es ab dann sowieso bereits eine Superzelle und davor wäre es eine Hybridzelle.
Meist haben die Zellen mit flachen Mesos einen 2 oder 3 stöckigen CB

Sowas hab ich schon öfters beim Chasen und Beobachten gesehen

Wie hier am 3.5.04 bei einer Lage mit Höhentrog und guter Scherung

Bild

Hier sieht man den 2 stöckigen CB sehr gut
Habe mal 2 Anims aus alle 30 sek aufgenommenen Digibildern erstellt die deutlich die Rotation zeigen.
Dabei verläuft die Rotation erst schräg und dann sogar fast horizontal in die Zelle hinein. Danach geht der Aufwind wohl wieder nach oben.. in welcher Form lässt sich aber nicht erkennen. Aber der Amboss der gegen die Strömung geht llässt vermuten das hier auch was stärkeres im Gange war.

http://www.sturmjagd.de/video/sz1.wmv
http://www.sturmjagd.de/video/sz2.wmv

Ich denke das solche Biester echt heimtückisch sind da am
DopplerRadar nur schwer zu orten bzw per Velocity Scan
Wenn das ganze dann inkooporiert oder rainwrapped ist, oder gar direkt neben oder vor einem Downburst, dann gute Nacht.
Dann helfen manchmal wohl nichtmal Augenzeugen zur einwandfreien Klärung eines Tornadoverdachtfalles wenn ein Downburst fast zeitgleich im betroffenen Gebiet auftrat.
Denke da dieses bei vielen Fällen passiert ist die noch nicht geklärt sind.

MFG

Eyk
Die Probleme und deren Verlagerung und das Auftreten derselben tritt ein mit der Änderung des Aggregatzustandes von Wasser.

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