27.5.2007 schwere HP Superzelle über dem Erzgebirge

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foto-erzgebirge
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27.5.2007 schwere HP Superzelle über dem Erzgebirge

Beitrag von foto-erzgebirge » Montag 28. Mai 2007, 16:37

Hallo Forum,
Endlich habe ich Zeit die Unwetter der letzten Tage online zustellen. Solch eine Lage bescherte mir fast schlaflose Nächte.
Micha (Midnight) und Ich chasten am 26.5. und am 27.5.2007 zusammen.
Fangen wir an mit dem 26.5.2007. An diesem Tag rechnete GFS mit einer Schwergewitterlage über der Mitte Deutschlands. Estofex hatte Stufe 2 drin. GFS konnte man in die Tonne treten. So eine schlechte Unwettervorhersage habe ich lange nicht mehr gesehen.
Also nicht desto trotz machten wir uns auf den Weg Richtung Thüringen ( Mit ARD im Gepäck), denn da wurde die Konvergenz gerechnet und bestand somit das größte Potenzial auf Unwetter. Da aber bis 22 Uhr noch überhaupt nichts passiert war, entschloss das ARD Team abzurücken, sowie auch Michel. Sie waren eine viertel Stunde weg, die Nacht war schon herein gebrochen, da gab es Auslöse südlich eines MCS mit herrlicher Bow Struktur, welches später auch bis nach Thüringen ragte. Wir entschlossen uns nach Bad Hersfeld zu Oliver zu fahren. Leider waren wir eine knappe halbe Stunde zu spät. Die 3-fache Shelf war schon über uns gezogen. Wir konnten daher nur das Blitzreiche Spektakel des MCS mit erleben. Eine sehr hohe Blitzzahl machte die Nacht zum Tage. Etliche Crawler zogen am Nachthimmel entlang. Diese 2 Blitzbilder konnte ich aus den etlichen entnehmen:
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Nun zum 27.5.2007: schwere HP Superzelle über dem Erzgebirge
An diesem Tag rechnete Estofex mit Auslöse von Superzellen vor einem Auslaufenden MCS. GFS lag wieder mal total daneben und rechnete dies überhaupt nicht.
Folgend nun erst einmal die Radarentwicklung der HP- Superzelle.
Hier sieht man schön das schon sehr auslaufende MCS von der Nacht. Vor dem System Bodennahe SO Winde, in der Höhe durch das auslaufende MCS W bis NW Winde.
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Demnach war mir und Midnight klar; Superzelle, die nehmen wir. Zum Glück, denn wir hatten 15 Minuten zuvor noch geschlafen und sind durch Donnergrollen aufgewacht. Die Superzelle entstand demnach direkt über meinem Kopf...
Die Zelle schoss hoch und hatte höchste Intensität ( bis 67 dBZ)
Die Zelle entwickelte sich weiter mit um die 63 bis teilweise 67 dBz Richtung Osten aus und war somit ein right Mover.
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Danach verclusterte die Zelle immer weiter zu einem MCS, mit teilweise weiterem Mesozyklonalem Charakter Richtung NO.

Wir befanden uns am Anfangstadium der HP Superzelle auf meinem Aussichtspunkt auf der Sehmaer Höhe. Wir sahen nun einen dicken Niederschlagsfuß und schon erste Hagelfallstreifen.
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Wir fuhren dann los Richtung Grenze LK Mittlerer Erzgebirgskreis, Kreis Annaberg. Erste Überflutungen und Hagel um 1,5 cm sowie eine kleine Hageldecke sahen wir. Da ich mein Handy nicht fand, rief meine Freundin Michel an, damit er eine Unwettermeldung abgeben konnte.
Wir fuhren weiter in Richtung Mildenau. Dort sahen wir größere Überflutungen von Straßen, teilweise floss das Wasser schon in die Grundstücke hinein. Auch viel Laub lag auf der Straße.
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Weiter ging es im Mittleren Erzgebirgskreis in Richtung Marienberg. Dort lag viel Geröll auf den Straßen. Wir gelangten Rückseitig der Superzelle wieder in den größten Hagelbereich hinein.
Folgender Anblick erschütterte uns.
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Winterliche Straßenverhältnisse sorgten für eine Rutschpartie auf den Straßen. Hier lag schon Hagel von 2 – 3cm auf der Straße sowie eine Hageldecke von um die 10 – 15cm.

Aufgrund einer Umleitung mussten wir kurzzeitig die HP Superzelle verlassen und stießen erst wieder in dem Gebiet rund 10 Km südlich von Großhartmannsdorf auf die Superzelle zu.
Hier gab es demnach Hagel bis um die 4cm, teilweise 5 cm. Die nächste Unwettermeldung ging raus. Unterwegs sahen wir auch deutlich bis an die 6cm große Körner.
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Kurz vor Großhartmannsdorf gab es dann auch wieder überflutete Straßen und Keller.
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In Großhartmannsdorf gab es dann Hagel um die 3 cm und eine große Hageldecke um die 20 cm, angeschwemmt fast 40 cm teilweise auch darüber. Durch Midnight`s Fahrkünste kamen wir gerade so wieder aus den doch ziemlich glatten Straßen fort und konnten dann weiter nördlich von Großhartmannsdorf eine erneute Unwettermeldung abgeben.
Nun konnten wir auch ein paar Bilder in diesem Gebiet machen. Alle Bürger hatten Schneeschaufeln in der Hand und die FFW waren alle im Dauereinsatz.
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Als sich die Superzelle dann leicht abschwächte und mehr verclusterte, entschlossen wir uns die Fahrt abzubrechen und die Schäden aufzuzeichnen. Außerdem gab ich eine Entwarnungsmeldung ab.
Folgende Bilder gab es nun rund um Großhartmannsdorf:
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In diesem Gebiet entstanden große Schäden an Autos, Pflanzen, Häusern.
Viele Bürger waren entsetzt von den Schäden des schweren Hagelunwetters.
2. Superzelle über Chemnitz

Nach dem wir zu Hause angekommen waren. Schauten wir weiter auf das Radar um auf weitere Zellen Ausschau zu halten. Gegen 18:30 Uhr positionierten wir uns auf der A4 bei Lichtenstein. Ein sehr Aufwind dominanter Cb stieg in die Höhe.
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Wir beachteten die Zelle nicht weiter. Bei Hohenstein konnten wir den RFD Bereich der späteren Superzelle aufnehmen:
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Scherung zeichnete das System an der SO Seite der Superzelle aus.
Ich verabschiedete mich von Midnight und er fuhr Richtung Leipzig heim.
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Ich dachte mir nichts weiter dabei und fuhr wieder in Richtung LK Annaberg. Kurz vor meinem Heimatort rief Michel an. Eine Superzelle sei bei Chemnitz aktiv. Ich kotzte total ab. Da ich kurz vor der Zelle stand, aber nichts weiter des sich nun bildenden Leading Adge bemerkte. Auch Eyk sah die Superzelle von Schmölln aus. Midnight konnte sie nicht Chasen da der Tank leer war.
Ich konnte dann aber noch einen wunderschönen Regenbogen fotografieren.
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Gegen Abend beschloss ich noch einmal auf den Fichtelberg zu fahren, da über Dresden und CZ noch die Blitzaktive Kaltfront aktiv war. Ein paar nette Erdentladungen konnte ich dennoch fotografieren.
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Eine sehr Unwetterträchtiges Wochenende geht nun zu Ende. Das Chasen mit Midnight hat sehr viel Spaß gemacht. Hoffentlich können wir das bald wiederholen.

Gruß Bernd März
Viele Grüße aus dem Erzgebirge

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Peter.R.Hofmann
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Beitrag von Peter.R.Hofmann » Montag 28. Mai 2007, 16:43

Super Bericht wie gewohnt

tolle Bilder immer schön was von Dir zu lesen und zu sehen
Ein Frosch der im Brunnen lebt,
beurteilt das Ausmaß des Himmels
nach dem Brunnenrand.

Seb66
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Beitrag von Seb66 » Montag 28. Mai 2007, 17:21

Hallo Bernd. Echt tolle Bilder. Das mit den Hargelkörnern ist ja bei dir wirklich heftig ausgefallen.


Schöner Bericht.

Makolki
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Beitrag von Makolki » Montag 28. Mai 2007, 17:55

Hi, kann es sein, daß dieses Ding auch über Mittweida in eure Richtung gewandert ist? Ich hab da gestern abend auch etwas fotorafiert, aber da ich noch nicht all zu viel Ahnung von der Materie hab könnten das auch recht harmlose Wolken sein.

Gruß Kolki
"Gum biodh Eòin Gràidh nan Gàidheal fillte ri dealbh fo bheatha."

Forstexperte
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Beitrag von Forstexperte » Montag 28. Mai 2007, 22:16

Hallo Bernd,

echt beeindruckende Bilder, sowohl von den durch die HP-Superzelle im Erzgebirge hervorgebrachten Erscheinungen (Hagel, Hageldecke, Sturzflut) als auch der 2. Superzelle über Chemnitz. Da ist es doch fast egal, das Du zu früh wieder in Deinen Heimatkreis gefahren bist.

Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Benjamin
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Beitrag von Benjamin » Montag 28. Mai 2007, 23:07

Beeindruckender Hagelschlag, schöner Bericht.

Aber wenn man mit "Superzelle" aufmacht, dann doch bitte mit dem
Beleg der andauernden und hochreichenden Aufwindrotation.

Das mal als allgemeine Anmerkung.

Gruß
Benjamin

knolt
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Beitrag von knolt » Montag 28. Mai 2007, 23:41

Benjamin hat geschrieben: Aber wenn man mit "Superzelle" aufmacht, dann doch bitte mit dem
Beleg der andauernden und hochreichenden Aufwindrotation.

Das mal als allgemeine Anmerkung.
Einen sicheren Beleg erbringen dürfte in den meisten Fällen wegen nicht öffentlich zugänglichen Velocity-Bildern der deutschen Dopplerradare nur in den seltensten Fällen möglich sein. Im aktuellen Fall mit Hagel bis 6cm und den gesehenen Bildern halte ich zwar eine Superzelle auch für recht warscheinlich , bewiesen ist sie letztlich aber weder durch den Bericht noch durch eine hohe Radarreflektivität.

Ich bin aber auch eindeutig dafür nur bei wirklich gesicherten Fällen wiklich von einer Superzelle und sonst vom einem Superzellenverdachtsfall zu sprechen, so wie das ja auch bei den Tornado(Verdachtsfällen) gemacht wird. Dieses Vorgehen sollte, um einen halbwegs wissenschaftlichen Anspruch erheben zu können und um nicht unerfahrenere Chaser zu motivieren bei vergleichsweise harmlosen Zellen von Superzellen zu sprechen, eingehalten werden.


Meine Meinung, wie immer bin ich bereit drüber zu diskutieren :wink:

Gruß Malte
Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel. - Paul Watzlawick

foto-erzgebirge
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Beitrag von foto-erzgebirge » Dienstag 29. Mai 2007, 00:43

Hi,
naja Mittweida klar das war die die ich verpasst hatte. Die hatte auch noch mal ordentlichen Hagel im Gepäck gehabt... zog so in deiner Gegend herum

Eine Wallcloud wurde von einem aus der Wz gesichtet und dokumentiert.
Bei fast 67 dBz und dem Hagel kann es bloß eine Superzelle sein. Scherte demnach noch deutlich und ne Multizelle solch Hagel nee, daher dürfte dies hier eindeutig Fall...

lg
Viele Grüße aus dem Erzgebirge

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knolt
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Beitrag von knolt » Dienstag 29. Mai 2007, 01:30

Hi Bernd

Hab ich ja auch geschrieben,dass ich bei 6cm Hagel usw. denke, daß es sich warscheinlich um ein Superzelle handelt aber wenn man der Definition nach Doswell folgt, muss man um eine Superzelle zu bestätigen beweisen dass sie die bei Doswell genannten Kriterien erfüllt und die heißen halt nicht Hagelgröße, Reflektivität oder vorhandene Wallcloud sondern vorhanden sein einer deep persistent Mesocyclone. Und die kannst du praktisch nur mit Velocityimages eines Dopplers beweisen. Deswegen ist es meiner Meinung nach "nur" ein Verdacht (wie bei den meisen anderen Superzellenverdachtsfällen. Leider :!: Mir wäre auch lieber man könnte solche Fälle schnell mit entsprechenden Radarbildern klären) ohne dir deine SZ kaputtreden zu wollen.


Gruß Malte
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knolt
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Beitrag von knolt » Dienstag 29. Mai 2007, 10:23

Hi Leute

Nur noch zur kurzen Ergänzung um das klarzustellen. Meine Meinung bezieht sich nicht nur speziell auf diesen Fall sondern es geht mir um den generellen Umgang mit dem Begriff Superzelle.


Gruß Malte
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foto-erzgebirge
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Beitrag von foto-erzgebirge » Dienstag 29. Mai 2007, 10:50

Tja dann kann es bei uns im Erzgebirge nie eine Superzelle gegeben haben, da wir nicht im Bereich des Dopplers liegen :?
Was machst du denn nun bei dem Fall hier: 29.7.2005
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?t=1526
unten von Michel,
ist das auch keine SZ sondern ein Verdacht :D :D

Also einige Superzellen sollte man schon anHand von den Intensitäten festlegen können ;)
Oder kennst du noch ein andere Gewitterform in der Größe die solch Hagel produziert. Ich kenne keine weiter :P

lg
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Benjamin
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Beitrag von Benjamin » Dienstag 29. Mai 2007, 12:19

Über die Hagelkorngröße ist eine Bestimmung problematisch. Ob z.B. das klassische Hagelvorkommen im Alpenvorland oder am Erzgebirge primär
superzellenverursacht ist, ist umstritten. Gerade in diesen Hagelzonen
ist Großhagel eher kein sicheres Anzeichen.
Besser ist (vom Doppler mal abgesehen) die optische Identifizierung
einer Meso. Nur ist die hierzulande vergleichsweise schwer da die
klassische Lehrbuchform aus der Alley nunmal selten auftritt. In den
meisten Fällen bleibt es bei der Spekulation, und die sollte man auch
kenntlich machen.

Gruß
Benjamin

knolt
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Beitrag von knolt » Dienstag 29. Mai 2007, 12:50

Hi Bernd

Hab so´n bisschen das Gefühl das du dich persönlich angegriffen fühlst und ich sage deshalb nochmal das es mir nicht um speziell von dir gepostete Fälle geht sondern um den Umgang mit dem Wort Superzelle allgemein.

So nun zu den Fakten:
Tja dann kann es bei uns im Erzgebirge nie eine Superzelle gegeben haben, da wir nicht im Bereich des Dopplers liegen
Ich bin kein Radartechniker vom DWD aber nach deren Karte scheint das nicht zu stimmen, oder interpretiere ich die Karte falsch?. Siehe hier:
http://www.dwd.de/de/Technik/Datengewin ... ndorte.htm
Auf dem Dopplerbild welches Jan Hoffman letzt in der WZ zur Zittauer Superzelle gepostet hat sind m.M. nach auch schon große Teile des Erzgebirges zu sehen und das ist nur eins von drei Dopplerradaren der Region

Also einige Superzellen sollte man schon anHand von den Intensitäten festlegen können.

Nach der Definiton von Doswell kann man das nicht, ausserdem gibt´s dafür keine einheitlichen Richtlinien, oder? Und wenn da jeder seine eigenen (machmal auch vom Wunsch eine Superzelle zu dokumentieren beeinflussten) Vorstellungen verwirklicht ist eine Vergleichbarkeit der Fälle untereinander definitiv nicht gegeben.

Aber du könntest ja mal schreiben ab welcher Reflektivität denn nach deiner Meinung es sich nur noch um eine Superzelle handeln kann.

Oder kennst du noch ein andere Gewitterform in der Größe die solch Hagel produziert. Ich kenne keine weiter
Ich habe doch schon im letzten Posting geschrieben, dass m.M. nach so großer Hagel ab 4-5cm ein deutliches Indiz ist was eine Superzelle wahrscheinlich macht, aber nach der Definition von Doswell ist auch das kein Beweis. Mir ist auch kein Dokument bekannt in dem genau angegeben wird welche Größe Hagel in nicht superzelligen Systemen maximal erreichen kann, wenn du eins kennst bitte link posten.

Auch hier würde mich interessieren bei welcher Größe du die Linie ziehst ab der es für dich nur eine Superzelle gewesen sein kann.

Was machst du denn nun bei dem Fall hier: 29.7.2005
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?t=1526
unten von Michel,
ist das auch keine SZ sondern ein Verdacht
Aus meiner subjektiven Sicht ist das klar ne Superzelle zumal durch die Tornadofälle,aber ich habe bis jetzt keine Velocity-Bilder der Zelle gesehen. Deswegen wäre das nach der Definition nur ein Verdacht, wenn auch mit 99%iger Sicherheit,dass es sich um ne Superzelle gehandelt hat. Wenn jemand irgendwann mal eine wissenschaftliche bestätigte Arbeit erarbeiten würde in der Hagelgröße, Reflektivität, Dauer einer rotierenden Wallcloud, usw. als eindeutige Identifizierungsmerkmale für Superzellen festgelegt würden, dann könnte man nach diesen Kriterien sicher festlegen ob Superzelle oder nicht. Aber solange eine solche Definition einer Superzell nach den auftretenden Wettererscheinungen nicht existiert, ist die eindeutige Bestätigung halt nur durch Velocity-Bilder möglich.

Wenn sich jetzt jeder anfängt seine eigenen Kriterien für Superzellen zu schaffen, dann wird es a.) absolut unübersichtlich, unwissenschaftlich und auch fast unmöglich echt SZ von falschen zu trennen und b.) ist die Vergleichbarkeit der Fälle untereinander wegen der nicht definierten Kriterien absolut nicht gegeben.

Ich hatte ja schonmal die Idee geäußert ein Superzellen(Verdachtsfälle)-Forum zu schaffen und nicht eindeutige (Beweiß durch Doppler) Fälle in einer 5-stufigen Skala von SZ sehr unwarscheinlich bis SZ sehr warscheinlich zu bewerten. Ich halte die Idee immer noch für gut und sinnvoll Siehe hier: http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?t=3467

Freue mich immer über kritische aber sachliche Gegenargumente.


Gruß ins Erzgebirge
Malte
Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel. - Paul Watzlawick

Forstexperte
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Beitrag von Forstexperte » Dienstag 29. Mai 2007, 20:46

Hallo Malte,

ganz so pauschal wie Du das jetzt darlegst, sollte man in der Praxis die Unterscheidung von Superzelle vs. Nicht Superzelle allerdings auch nicht durchführen.

Allerdings sollten bzgl. einer gesicherten Aussage die Bildbelege klarer sein als in den meisten Fällen der vergangenen Tage.

Die LP- Superzelle am frühen Abend des 29.07.2005 über dem Erzgebirge ist sicher ein gutes Beispiel für die Identifikation einer Superzelle anhand der Wolkenausprägung und des aufgetretenen Großhagels:
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.p ... 6&start=60

Derartige Ausbildungen und Niederschlagserscheinungen (Hagelkorngröße) können mit Sicherheit von keiner anderen Gewitterart verursacht werden.
Bzgl. der Mindestkriterien kann ich Dir allerdings auch keine präzisen Angaben machen,; die Grenzen sind sicher fließend. Aber irgendwo sollte Schluss sein und man befindet sich jenseits der Grenze, also im Superzellen-Bereich. Ein starker F3 - Tornado oder 6cm Hagel können ganz sicher nicht mehr von Nicht-Superzellen erzeugt werden – dass ist das, was Nikolai Dotzek, Christoph Gatzen, Johannes Dahl & Co., also unsere Experten diesbezüglich - an Meinung hierzu vertreten.

Dass bei derartigen Wolkenbildern oder Wettererscheinungen wie Großer Hagel oder starke/verheerende Tornados auch die Radarsignaturen die Dowell-Definition einer Superzelle erfüllen dürften, versteht sich von selbst.

Übrigens ist „Superzelle“ gar kein Begriff aus dem US-amerikanischen, sondern wurde erstmalig 1962 vom Briten Keith Browning verwendet.
Diese untersuchten sowohl visuell als auch per Radar ein lang anhaltendes Gewitter, welches am 9 Juli 1959 von Frankreich über den Kanal nach SO-England zog und in England auf einem 130 Meilen langen Streifen großen Hagel erzeugte.

http://en.wikipedia.org/wiki/Keith_Browning

hier das Original-Papier als pdf-Dokument:
http://www.rmets.org/pdf/qj62browning.pdf

Links mit weitgehenden Informationen zur Superzelle (auf englisch):
http://en.wikipedia.org/wiki/Supercell
http://www.cimms.ou.edu/~doswell/Confer ... rcell.html

Und auch im WZ-Forum gibt’s derzeit eine Diskussion zum Thema:
http://www.wetterzentrale.de/forum2/read.php?2,1139606


Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

knolt
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Beitrag von knolt » Dienstag 29. Mai 2007, 22:46

Hi Martin

Ich versuch mal auf deine Antwort einzugehen.
ganz so pauschal wie Du das jetzt darlegst, sollte man in der Praxis die Unterscheidung von Superzelle vs. Nicht Superzelle allerdings auch nicht durchführen.
Ich denke mal das bezieht sich auf meine Aussage: Velocity-Image vorhanden = SZ, kein Velocity-Image = keine SZ.
Der Definiton folgend ist das bewerten nach einsicht von Velocitybildern die mit abstand sicherste Bewertungsmethode und am besten sind alle verdächtigen Zellen so zu bewerten.
Ich hab ja auch schonmal geschrieben, dass z.B. Hagel ab 4-5 cm für mich ein deutliches Indiez für ne SZ ist und auch eine sehr hohe Reflektivität ist ein deutliches Indiez für ne SZ. Aber wie gesagt, wer bestimmt die Grenze ab der es eindeutig ist? Gibt es da genauere Untersuchungen zu? Meines Wissens nicht und deshalb halte ich es für spekulativ eine SZ nur daran festzumachen solange es dazu keine klaren Kriterien gibt


Die LP- Superzelle am frühen Abend des 29.07.2005 über dem Erzgebirge ist sicher ein gutes Beispiel für die Identifikation einer Superzelle anhand der Wolkenausprägung und des aufgetretenen Großhagels:
Hab ich ja auch schon vorher zu geschrieben:

Aus meiner subjektiven Sicht ist das klar ne Superzelle zumal durch die Tornadofälle.

Und ich gebe auch offen zu, dass meine "Auf´s Radar verlassen"-Theorie bei einer LP-SZ ziemlich an ihre Grenzen stoßen kann.
Derartige Ausbildungen und Niederschlagserscheinungen (Hagelkorngröße) können mit Sicherheit von keiner anderen Gewitterart verursacht werden. Bzgl. der Mindestkriterien kann ich Dir allerdings auch keine präzisen Angaben machen,; die Grenzen sind sicher fließend. Aber irgendwo sollte Schluss sein und man befindet sich jenseits der Grenze, also im Superzellen-Bereich. Ein starker F3 - Tornado oder 6cm Hagel können ganz sicher nicht mehr von Nicht-Superzellen erzeugt werden – dass ist das, was Nikolai Dotzek, Christoph Gatzen, Johannes Dahl & Co., also unsere Experten diesbezüglich - an Meinung hierzu vertreten.


Ich will mich hier auch ganz bestimmt nicht als Experten darstellen, ich denke ich hab oft genug im Forum erwähnt dass ich mich nicht für einen solchen halte.

Ich gehe auch davon aus, daß ein F3 von einer Meso verursacht wird, aber
gibt es da eine Berechnung o.ä die ausschließt daß ein Nicht-Superzellentornado zumindest schwache F3 Intensität erreichen kann?

Beim Hagel kenne ich kein Dokument was aussagt wie großen Hagel ein nicht superzelliges System max. produzieren kann und deshalb weiß ich nicht ob die Grenze nun bei 3,4,5,6cm oder wo auch immer liegt, ich kann es nur vermuten. Wie gesagt gehe ich auch davon aus daß es ab 4-5cm warscheinlich eine Superzelle ist. Aber das ist nicht wissenschaftlich gestützt sondern nur meine subjektive Meinung. Und genau deshalb finde ich es nicht gut die Haglegröße als Kriterium zu nehmen. Der nächste sagt für ihn liegt die Grenze bei 5cm, für den nächsten bei 4cm,bei 3cm. Und dann ist die Inflation wieder im Gange. Bei wem willst du dann sagen: Dem vorher hab ich seine Sz durchgehen lassen, aber deine ist keine mehr. Du hast ja selbst geschrieben das der Übergang schwammig ist.
Dass bei derartigen Wolkenbildern oder Wettererscheinungen wie Großer Hagel oder starke/verheerende Tornados auch die Radarsignaturen die Dowell-Definition einer Superzelle erfüllen dürften, versteht sich von selbst.
Bei starke/verheerende Tornados stimm ich dir zu. Beim Hagel bleibt für mich die Frage ab wann versteht sich das von selbst :wink:


Ich hab ja jetzt denk ich auch schon oft genug auf diese Idee hingewiesen :

Ich hatte ja schonmal die Idee geäußert ein Superzellen(Verdachtsfälle)-Forum zu schaffen und nicht eindeutige (Beweiß durch Doppler) Fälle in einer 5-stufigen Skala von SZ sehr unwarscheinlich bis SZ sehr warscheinlich zu bewerten

Oder man könnte ( eine hochkarätige Zusammensetzung vorausgesetzt) versuchen in einer Projektgruppe o.ä. Kriterien für eine SZ-Bestimmung anhand von Hagelgröße Reflektivität usw. zu erarbeiten. Aber solange es sowas nicht gibt werde ich beim heranziehen solcher Kriterien zur SZ-Bestimmung nicht in jubel ausbrechen, weil so m.M. nach die zwischen SZ und nicht SZ immer mehr verwaschen wird.


P.S.: Bei den links sollte dann aber auch die Diplomarbeit von Johannes Dahl mit dem Titel Supercells-Their dynamics and prediction erwähnt werden: http://www.estofex.org/files/dahl_thesis.pdf Übrigens auch in englisch :lol:.
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich deine ganzen links zum Thema Superzelle so nen bisschen nach dem Motto empfunden hab: Du hast keine Ahnung lese erstmal nach. Aber vielleicht ist mir das auch einfach ein bisschen in den falschen Hals gerutscht.


Trotzdem nen netter Gruß

Malte
Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel. - Paul Watzlawick

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