Schäden durch den Orkan Kyrill bitte hier hinein

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Forstexperte
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Beitrag von Forstexperte » Sonntag 4. Februar 2007, 11:37

Hallo,
Chasenewbie hat geschrieben:Besteht bei euch denn kein Verbot ,die verwüsteten Wälder zu betreten? Selbst zweieinhalb Wochen nach Kyrill ,dürfen hier im Sauerland die Wälder ,aufgrund erneutem Windbruchs, nicht betreten werden.
Doch, im Wiehengebirge - in dem auch der Saupark Melle liegt - besteht noch ein generelles, bußgeldbewehrtes Betretungsverbot.
Es gibt aber Außnahmen, wie z.B. dieser EINE Weg vom Nordtor nahe Melle-Buer zur Dietrichsburg. Dort darf man nur auf dem Weg bleibend zur Dietrichsburg hoch. Obwohl wir eine Ausnahemgenehmigung hatten, sind wir bis auf eine Ausnahme (an einer ungefährlichen Stelle wenige m in den Bestand hinein) auf dem Weg geblieben. Ansonsten sind allenfalls bis in den Randbereich vom Weg ab. Dies gebietet die Vorbildfunktion. Selbst wenn man etwas darf, so sollte man sich das überlegen, weil man andere zum Übertreten des Verbotes (warum dürfen die das und wir nicht?) animiert. Und schon steht man im ungünstigen Licht dar.

Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Nina
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Beitrag von Nina » Sonntag 4. Februar 2007, 18:09

Oha, das sieht übel aus... :shock:

Ich kenne den Wald ein bisschen (beliebtes Revier für Naturfotografen wegen der Wildschweine, die sich dort sehr gut ablichten lassen, ohne Zäune), und auf der Bank hab ich auch schon gesessen... :cry:

Mal sehen, wann es das nächste mal zu den Wildschweinen geht, wir hatten es für heute angedacht, aber das Wetter war nicht wie erwartet. Ich glaube, wenn wir gefahren wären, hätte uns der Anblick ganz schön geschockt!

gaby
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Beitrag von gaby » Montag 5. Februar 2007, 14:27

da hat es ja ganz schön gewütet.... :shock:
ich bin froh,das es bei uns bei kleineren schäden geblieben ist.
und das ist auch schon fast alles weggeräumt.

gaby
wat fürn wind aber auch

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Beitrag von Thilo Kühne » Dienstag 20. Februar 2007, 22:25

Hallo zusammen,

bin letzten Samstag bei meinen Großeltern in MV gewesen. Unterwegs fand ich einen umfangreichen Downburstschaden nahe der Ortschaft Düsterförde.

Das betroffene Areal ist ca. 450 m breit und ca. 300 m lang. Nur eine einzelne Kiefer überstand die Windeinwirkung - ansonsten blieb kein Baum stehen.

Bin das letzte Mal am 01.01.2007 dort vorbei gefahren - da standen alle Bäume noch (allerdings wurde hier vor einem Jahr schon einem einige Bäume aus dem betroffenen Areal entfernt - der Wind hatte also eine weitaus bessere Angriffsfläche). Von daher glaube ich, dass Kyrill dafür verantwortlich ist.


Grüße,
Thilo
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Stefan
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Luftbildaufnahmen aus Brilon (HSK)

Beitrag von Stefan » Montag 26. Februar 2007, 18:00

Hallo zusammen,

unter http://diashow.westfalenpost.de/wp/bril ... ameset.php gibt es eine Diashow mit 18 Bildern aus Brilon (Hochsauerlandkreis). Sie zeigen das ganze Ausmaß der Zerstörung aus der Vogelperspektive. Sehr beeindruckende Bilder, die durchaus einen Tornadoverdacht aufkommen lassen könnten.

Grüße

Stefan

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Cumulus Humilis
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Re: Luftbildaufnahmen aus Brilon (HSK)

Beitrag von Cumulus Humilis » Montag 26. Februar 2007, 18:56

Hallo Stefan,
Stefan hat geschrieben:Sehr beeindruckende Bilder, die durchaus einen Tornadoverdacht aufkommen lassen könnten.
die Bilder zeigen schon heftige Zerstörungen, aber was deutet dabei auf einen Tornado als möglichen (Mit-)Verursacher?

Gruß,
Andreas
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Re: Luftbildaufnahmen aus Brilon (HSK)

Beitrag von Stefan » Montag 26. Februar 2007, 19:16

Hallo Andreas,

: Hallo Stefan,
: die Bilder zeigen schon heftige Zerstörungen, aber was deutet dabei
: auf einen Tornado als möglichen (Mit-)Verursacher?

das kann ich nicht sagen, ich bin kein Experte. Aber aus meiner Sicht des Laien ist es doch vielleicht denkbar, dass angesichts der überaus heftigen Schäden auch eine Windhose irgendwo in dem Gebiet aufgetreten sein könnte. Daher meine Formulierung, dass ein Tornadoverdacht aufkommen könnte.

Grüße

Stefan

Michel
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Beitrag von Michel » Montag 26. Februar 2007, 19:44

Wirklich heftige Schäden, aber einen Tornadoverdacht sehe ich dort nirgends. Schöne, breite einheitliche Wurfflächen sprechen vielmehr für schwere Orkanböen, welche diese Schäden verursacht haben. Wo die heftigsten Orkanböen aufgetreten sind, ob Warmsektor (war ja teilweise in bergnähe bereits destabilisiert), an der Kaltfront oder rückseitig bei der Trogpassage (oder überall), ist ohne nähere Kenntnis über den genauen Ablauf des Orkans Kyrill in dieser Region nicht zu sagen.

Auch der kräftige Regen in der Region hat dazu beigetragen, da der Boden aufgeweicht war und so wohl das Entwurzeln der Bäume erleichtert wurde. Allerdings haben die Orkanböen von Kyrill auch so bereits für Flächenwürfe gereicht, wie ich hier im Erzgebirge erleben musste (stark geregnet hatte es hier erst mit der Kaltfront).

Viele Grüße
Michel

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Re: Luftbildaufnahmen aus Brilon (HSK)

Beitrag von Forstexperte » Montag 26. Februar 2007, 21:26

Hallo Stefan,
Stefan hat geschrieben: unter http://diashow.westfalenpost.de/wp/bril ... ameset.php gibt es eine Diashow mit 18 Bildern aus Brilon (Hochsauerlandkreis). Sie zeigen das ganze Ausmaß der Zerstörung aus der Vogelperspektive. Sehr beeindruckende Bilder, die durchaus einen Tornadoverdacht aufkommen lassen könnten.
Danke für den Link zu den interessanten Luftbildern!

Tornadoschäden sind das dort aber definitiv nicht. Da schließe ich mich vorbehaltlos Andreas und Michel an.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitrag von Chasenewbie » Montag 26. Februar 2007, 22:31

Gelöscht
Zuletzt geändert von Chasenewbie am Mittwoch 28. Februar 2007, 13:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Cumulus Humilis
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Beitrag von Cumulus Humilis » Montag 26. Februar 2007, 23:36

Oh ja, das ist schon ein gewaltiger Schaden. Erstaunlich finde ich immer wieder die Gruppen und Reihen von Bäumen, die den Sturm offenbar unbeschadet überstanden haben, obwohl rundherum praktische totale Zerstörung herrscht. Das hat irgendwie etwas Befremdliches - aber es ist ja bereits einiges dazu geschrieben worden.

Gruß,
Andreas
--
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max. Windgeschwindigkeiten + besondere Sturmschadensbilder

Beitrag von Forstexperte » Sonntag 4. März 2007, 19:48

Betrachtungen zu maximalen Windgeschwindigkeiten + Beispiele mit eindrucksvollen Sturmschadensbildern

Hallo zusammen,

am Freitag hatte ich mit einem Revierförster im Wesergebirge (Bereich Rinteln, Hess. Oldendorf, etwas südwestl. von Hameln) einen Ortstermin.
Dabei haben wir auch über die dort nicht überall vorhandenen, aber stellenweise doch sehr starken Sturmschäden gesprochen. Nach meiner Einschätzung reichen kleinflächig die schlimmsten Schäden bis in T4/F2. Als ich dann davon sprach, dass in einzelnen exponierten Kuppenbereichen, wo massive Schäden auftraten, sicherlich Windgeschwindigkeiten um die 200 km/h aufgetreten sind, antwortete er mir, dass die Versicherungswirtschaft von Windgeschwindigkeiten von 160 – 180 km/h ausgeht. Wie er dieser Wert genau zu Stande kam, konnte er mir nicht sagen. Ich vermute daher, dass die Versicherungswirtschaft diesen aufgrund indirekter Berechnungen aufgrund eingetretener Gebäudeschäden ermittelt hat. Da der Wald (insbesondere die zerstörten Waldteile) i. d. R. deutlich exponierter liegt, würde T4/F2 als obere Schadensintensität gut passen. Aufgrund der Schäden ist sogar oberer T4 mit Tendenz zu T5 zu veranschlagen.
Auch dies wird durch eine Messung von 226 km/h auf dem Generator eines Windrades in 90 m Höhe bei Lotte-Halen nahe Osnabrück gestützt.
http://www.wetter-zentrale.com/cgi-bin/" onclick="window.open(this.href);return false; ... ad=1070717
Als ich dem Förster dieses mitteilte, meinte er nur lapidar, dass beim großen Sturm 1972 auf dem Pfanni-Turm bei Cloppenburg sogar 240 km/h registriert wurden bevor der Mast mit dem Gerät darauf abgenickt sei.

Link zum Pfanni –Turm:
http://www.intersnack.de/index.php?id=110" onclick="window.open(this.href);return false;

Der Bereich von Cloppenburg lag im Hauptsturmfeld von Quimburga, bekannter als Niedersachsen-Orkan. Viele 1000 ha Wald wurden dort dem Erdboden gleichgemacht. Flächendeckend T4 (vereinzelt sicher auch T5-Intensität) ist lt. den Beschreibungen aus der Forstliteratur anzunehmen. Prof. Otto sprach auch damals schon von Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h in den Baumkronen, die sich ja oft in 20-30 m (manchmal noch darüber) befinden
Lt. Otto u. Kremser reichten damals die Skalen der Anemometer teilweise nur bis 80 kn, so dass die max. Spitzenböen nie ermittelt werden konnten. Lt. Cappel und Emmerich (Berichte des DWD Nr.135, S.39 und eigener Anschauung!) lief auf dem Flughafen der Geophys. in Celle-Wietzenbruch das Gerät 2 x bis zum Anschlag bei 90 kn = 166,7 km/h (ca. 46 m/s) und verharrte dort für ca. 3-4 s, so dass hier auf 2 noch höhere Spitzenböen geschlossen werden kann. Aus eigener Erfahrung weis ich, dass die Spitze einer starken Bö ganz erheblich über dem Mittel auch von wenigen s liegen kann. Daher will ich auch hier eine Böe von über 180 km/ h nicht ausschließen. Siehe dazu den Bericht hier:
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.p" onclick="window.open(this.href);return false; ... c&start=30

Die Daten vom Pfanni-Turm und dem Windrad bei Halen versuche ich noch zu verifizieren. Wäre schön, wenn des klappen würde. Vom Pfanni-Turm dürfte das allerdings schwierig werden, da auch der Eigentümer nicht mehr derselbe ist.

Und hier möchte ich noch einige besonders eindrucksvolle Baumschäden, die durch Kyrill verursacht wurden und die besondere Stärke einzelner Böen verdeutlichen sollen, zeigen:

Die am tiefsten wurzelnde Fichte, die ich bislang finden konnte. Die max. Wurzeltiefe (links unterhalb des 2 m langen Kartierer-Zollstocks) gut 1,5 m. Und das im sehr skelettreichen Kammbereich des Wesergebirges. Genützt hat das der Fichte nichts.
Bild

Dieses Bild zeigt die Situation - bedingt durch kleinräumige, sehr intensive Sturmböen - mind. T4 (die über das allgemeine Maß deutlich hinausgingen). Fichten, die noch fester im Boden verankert waren, sind gebrochen.
Bild

Der gewaltigste Wurzelteller, den ich bislang gefunden habe. Es handelt sich um eine über 80 cm starke (BHD), ca. 200-jährige Buche am Nordabfall des Wesergebirges. Der Kartiererzollstock hat eine Länge von 2 m!
Bild

Hier der Buche-Wurzelteller von der Seite - kommt auf dem Foto nicht so gut rüber. Der Kartiererzollstock ist bei 1,8 m ausgefahren. Der Wurzelteller hatte eine max. Tiefe von ca. 2 m, und das bei einem Durchmesser von ca. 4 m!
Bild
Wenn ich bei einem durchschnittlichen Radius von 1,75 m und einer durchschnittlichen Tiefe von 1,5 m bei einem spezif. Gewicht des Systems von ca. 2 t/m³ (stein- und blockschuttreicher Boden) ausgehe, dann komme ich auf ein Gewicht des Wurzeltellers von ca. 30t!

Am Nordhang der Westendorfer Egge - von der A2 (zwischen dem Abschnitt Bad Eilsen und Rehren) gut zu sehen gab es einen mehrere ha großen Totalschaden an einem Buchen-Altbestand. Auch hier weisen teils riesige Wurzelteller auf die ungeheuren Hebelkräfte hin
Bild

Man beachte auch die abgerissene Starkwurzel oben rechts im Bild, bzw. das Pendant im Boden etwas links der Bildmitte:
Bild

Solch einen Schaden wie hier auf dem Kamm des Wesergebirges ca. 2 km östl. der Paschenburg hab ich bislang noch nicht gesehen – beweist dieser doch gut die ungeheuren Kräfte, die dort am Werke waren:
Bild

Bild

Bild

Auch hier haben gewaltige Kräfte auf das „abgetakelte“, weil winterkahle Segel Buchenkrone gewirkt. Viele 100 kg schwere Felsblöcke wurden mit heraus gehebelt:
Bild

Großflächiger Totalschaden in einem Altbuchenbestand wenige km östl. von Bissendorf (das mit den Tornados von 1997, die diesen Bestand aber nicht trafen):
Bild

Dass der Wind nicht überall gleich stark war zeigen eindrucksvoll die stehen gebliebenen Fichten. Die Druckschäden an den davor stehenden Fichten haben übrigens schön konserviert, wie stark die Bäume nieder gepeitscht wurden - insbesondere diejenige ganz rechts.
Bild

Divergentes Fallbild oberhalb der kleinen Ortschaft Rhoden unterhalb eines auslaufenden, exponierten Rücken („Ostende“ des Wesergebirges):
Bild
Der vorherrschende Bodentyp ist hier ein Kolluvisol über einer Pseudogley-Braunerde aus Kolluvium über Lößlehm-Fließerde über Dogger-Bröckeltonen (brauner Jura).

Wenn ich diese Bilder resümiere, dann muss Kyrill (zumindest lokal) auf eine Stufe mit Quimburga, Anatol und Lothar gestellt werden - auch wenn die offiziellen Messwerte eine etwas andere Sprache sprechen. Aber letztere geben den Zustand eben nicht flächig, sondern nur punktuell wieder. Im Gegensatz zu den Schadensbildern, die sich ja auf ganzer Fläche finden - und durch unterschiedliche Ausprägungen auf unterschiedliche Inputs hindeuten.

Übrigens war das Fotografieren nicht ganz ohne - oftmals war ein bisschen Kletterei angesagt - und immer der Blick nach oben, bevor man weiter geht. Goldene Regel: Man darf nie unterhalb eines Bereichs mit lose hängenden Ästen gehen - diese können auch ohne Windeinwirkung plötzlich herunterfallen. …


Viele Grüße, Martin
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Beitrag von Cumulus Humilis » Montag 5. März 2007, 00:08

Hallo Martin,

vielen Dank für die eindrucksvollen Bilder und die guten Erklärungen dazu. Die riesigen Wurzelteller sind schon bemerkenswert, vor allem, da diese starken Bäume ja im unbelaubten Zustand geworfen wurden.

Gruß,
Andreas
--
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Vergleich Lothar - Kyrill in Deutschland

Beitrag von Michel » Montag 5. März 2007, 00:19

Beim Anblick all der Schäden habe ich mal einige Daten zu Orkan Lothar heraus gesucht, welcher ja angeblich viel stärker war als Kyrill. Zumindest wurde dies des Öfteren in der Presse, in Foren und dergleichen erwähnt.

Folgend mal ein kurzer Vergleich von Lothar und Kyrill auf Bundesebene. Zu zeigen gilt es, dass Kyrill und Lothar gar nicht so verschieden waren hinsichtlich der Böenspitzen und Schäden.

Gehen wir zuerst auf die Schäden in der Forstwirtschaft ein.

Forstschäden durch schwere Orkantiefs in Deutschland
----------------------------------------------------------------------

Orkanserie 1990: 70 Millionen Festmeter, allerdings verursacht von 6 Orkantiefs!

Orkan Lothar 1999: ca. 33 Millionen Festmeter

Orkan Kyrill 2007: ca. 27 Millionen Festmeter

Wie man erkennt, liegt Kyrill von den Forstschäden her gar nicht so weit von Lothar entfernt. Zwar war das Orkanfeld von Kyrill größer, aber die stärksten Orkanböen traten in einem Streifen über Mitteldeutschland von NRW bis nach Sachsen auf. Die Fläche dieses Spitzenfeldes ist also auch nicht viel größer gewesen als das von Lothar.

Nun betrachten wir, wie die Waldverteilung allgemein aussieht. So nimmt der Waldanteil nach Süden hin immer weiter zu. Damit war eventuell die allgemeine Waldfläche im heftigsten Sturmfeld von Lothar auch größer als die im Spitzenfeld von Kyrill. Hätte damit Kyrill auch noch etwas höhere Waldschäden anrichten können, wenn er südicher gezogen wäre? Vermutlich ja, aber das bleibt Spekulation.

Betrachten wir nun die Windspitzen, zuerst im Flachland.

Höchste Böen im Flachland bei Lothar:
151 km/h: Karlsruhe ca. 112 m
144 km/h: Stuttgart ca. 400 m

Höchste Böen im Flachland bei Kyrill:
146 km/h: Berlin-Adlershof 40m (Berlin)
150 km/h: Eppendorf 450 m (Sachsen)

Man sieht, dass sich die Werte gar nicht so wirklich unterscheiden (wenn man auch noch die Höhenlagen berücksichtigt), zumal bei Lothar als auch bei Kyrill mancherorts noch höhere Böen im Flachland auftraten, wie manche Schäden zeigten.

Nun zu den Spitzenböen auf den Bergen.

Höchste Böen bei Lothar:
259 km/h Wendelstein 1832m (Bayern)
212 km/h Feldberg 1493 m (Baden Würthemberg)

Höchste Böen bei Kyrill:
202 km/h Wendelstein 1832m (Bayern)
198 km/h Brocken 1142m (Sachsen-Anhalt)
184 km/h Fichtelberg 1214 m (Sachsen) *Stromausfall der Station beim Orkanhöhepunkt, eventuell höhere Werte?!
163 km/h Hochwald 749m (Sachsen)

Lothars maximales Sturmfeld ist ja direkt über die höchsten Berggipfel Deutschlands hinweggezogen, wobei die Spitzen > 200 km/h meist auf Bergen mit über 1400 m Höhe aufgetreten sind. Bei Kyrill lag das maximale Sturmfeld weiter nördlich, wo keine Berge über 1400 m zu finden sind, sodass eben auch nicht solche Spitzen aufgetreten sind. Dennoch sind auf dem Wendelstein weit südlich des Maximalsturmfeldes immer noch 202 km/h gemessen wurden, auf Berggipfeln in der Schweiz sogar weit über 200 km/h (225 km/h Aletschgletscher). Die Schneekoppe im tschechischen Riesengebirge lag dagegen im Maximalfeld von Kyrill, wobei dort auf 1400 m über 200 km/h erreicht wurden (Schneekoppe 216 km/h).

Wenn ich Alles in Allem abgleiche, so unterscheidet sich Kyrill von den Schäden und Windspitzen gar nicht so sehr von Lothar. Nur die Zugbahn Lothars hatte eben höhere Windspitzen aufgrund der höheren Bergregionen in diesem Bereich zugelassen.

Auch die Schäden, die Kyrill und Lothar verursacht haben, sind durchaus vergleichbar.

Also zumindest in meinen Augen ist Lothar nicht wirklich schlimmer gewesen (auf Deutschland bezogen) als Kyrill, sondern eher ähnlich. Das stützten auch die "extremen" Luftaufnahmen, welche hier vor einigen Tagen mal gepostet wurden, jedoch leider wieder herausgenommen wurden.

Viele Grüße
Michel

Thomas Sävert
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Beitrag von Thomas Sävert » Montag 5. März 2007, 07:54

Hallo zusammen,

@ Michel: Danke für die Gegenüberstellung.

In der Tat sieht es in dem genannten Streifen recht schlimm aus, auch hier im nördlichen Bergischen Land. So sieht es aktuell bei uns aus: Totales Betretungsverbot der Wälder vorläufig bis zum 30. April, Ausnahmen nur für Anwohner auf bestimmten, halbwegs gesicherten Wegen, damit sie überhaupt nach Hause kommen können. Der Forstbeauftragte der Stadt sagte mir, dass das Verbot wahrscheinlich noch verlängert wird. Die meisten Friedhöfe sind wieder freigegeben, der größte bleibt aber noch ca. 10 Tage gesperrt, allein hier sind mehr als 400 Bäume umgestürzt, kaum einer ist stehen geblieben. Der größte Park der Stadt bleibt bis zum Sommer gesperrt, hier sind ebenfalls sehr viele Bäume (vor allem Buchen, Linden, Eichen) teils entwurzelt worden, teils gebrochen. Von dieser historischen Allee

Bild

haben gerade mal 2 Bäume den Orkan überstanden. Auch bei mir in der Straße sieht man die Spuren noch deutlich: Die zerstörte Telefonzelle hat man mittlerweile abgebaut, aber Reste der Bäume sieht man noch und ein paar Häuser weiter steckt immer noch eine Dachpfanne tief in Rasen des Vorgartens (ist mehr als 100m weit geflogen).Auch an den Häusern sind noch nicht alle Schäden beseitigt. In vielen Wäldern liegt noch alles wie vor 6 Wochen.

Gruß, Thomas Sävert
Zuletzt geändert von Thomas Sävert am Montag 5. März 2007, 08:03, insgesamt 1-mal geändert.
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