Sächsische Zeitung - kleiner Artikel im Lokalteil Pirna

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Markus - 7km sw von Pirna
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Sächsische Zeitung - kleiner Artikel im Lokalteil Pirna

Beitrag von Markus - 7km sw von Pirna » Donnerstag 30. August 2012, 20:29

Hallo in die Runde,

am 27.08. traf ich mich mit einem Journalist der Sächs. Zeitung/ Pirna um mir die Schäden bei Obervogelgesang b. Pirna a.d. Elbe näher anzusehen.
Der Kontakt wurde über die WZ hergestellt.

Rausgekommen ist dieser Artikel, ich würde meinen - es steht nicht allzu viel Unsinn drin :wink:
http://www.sz-online.de/nachrichten/art ... id=3143278" onclick="window.open(this.href);return false;

Kritik etc. gern erwünscht.

Gruß, Markus

Heiß auf den Blitz
Von Jörg Stock
Markus Ehrentraut aus Berggießhübel jagt mit seiner Kamera gern Stürmen hinterher. Er träumt davon, einmal einen Tornado abzulichten.
Bildergalerie

Tornadoverdacht? Markus Ehrentraut besichtigt den Sturmschaden vom 22. August im Wald bei Obervogelgesang. Foto: Marko Förster
Blauer Himmel über Struppen. Für einen Gewitterfreund muss das ein furchtbar langweiliger Anblick sein. Aber Markus Ehrentraut hat nichts gegen Sonne. Er geht gern wandern. Da kann er auf Blitz und Donner verzichten. Wir wollen heute auch ein wenige wandern gehen. Wir suchen den Kahlschlag, den ein Unwetter vorigen Mittwoch in den Wald bei Obervogelgesang fräste. Markus Ehrentraut ist gespannt. Könnte es ein Tornado gewesen sein?

Markus Ehrentraut, 24-jähriger Kaufmannslehrling aus Berggießhübel, gehört zur Handvoll Wetterverrückter, die bei Gewittern, anstatt den Kopf einzuziehen, diesen hinterherjagen und ihre Ausbrüche fotografieren. Die Urgewalten faszinieren den jungen Burschen. Manchmal springt er nachts aus dem Bett, wenn es draußen rumpelt. Er träumt davon, einmal einen Tornado zu erjagen. Das ist das Größte, was man als Wetterfreak vor die Linse kriegen kann, sagt er.

Dass ein Tornado für den Baumsalat von Obervogelgesang verantwortlich sein soll, war am Tag des Unwetters gerüchteweise zu hören. Gesehen hat ihn niemand. Wir gehen das Loch im Wald von oben her an, biegen hinter Struppen links in einen Wiesenweg ein und stoßen unter alten Buchen auf den Malerweg, der uns direkt zur Schadstelle führen soll.

Markus Ehrentraut sieht nicht gerade wie der verwegene Sturmjäger aus, den man vom Hollywood-Kino kennt. Er ist ein schmaler Typ mit Jungengesicht, trägt ein kurzes Hemd, kurze Hosen und Turnschuhe. Man staunt, wenn er berichtet, wie er im Mai 2010 seinen Kleinwagen an den Tornado von Großenhain heransteuerte. Zu nahe heran, wie er heute weiß. Ehrentraut musste auf der Autobahn einen Nothalt machen. Der Sturm schüttelte seinen Renault derart durch, dass ihm der Atem stockte.

Das erste zersplitterte Holz liegt am Weg. Markus Ehrentraut betrachtet es neugierig. Manchmal kann das Schadbild verraten, welches Wetterphänomen zugeschlagen hat. Beim Tornado mit seinen rotierenden Aufwinden zum Beispiel fallen Bäume nicht nur in eine Richtung sondern werden nach allen Seiten zu Boden geschleudert, manchmal sogar kreisförmig.

Ehrentraut macht ein paar Aufnahmen mit seiner Nikon-Kamera. Die Fotos wird er später ins Forum von Skywarn stellen, damit die anderen Gewitterfans sie diskutieren können. Skywarn? Das ist englisch und bedeutet so viel wie Himmelswarndienst. Es handelt sich um einen Verein, der nach amerikanischem Vorbild ein ehrenamtliches Unwetterbeobachtungssystem in Deutschland aufbaut. Seit 2007 ist Markus Ehrentraut dort Mitglied und gibt auch selbst Meldungen ab.

Trotz moderner Technik sind Unwetter schwer vorherzusagen. Viele treffen nur ein kleines Gebiet und rutschen durch das Messnetz der Wetterdienste. Die sind froh, wenn Privatleute Unwetter beobachten und melden. Etwas Fachwissen braucht man dazu. Bei Skywarn gibt es einen kleinen Kursus mit Prüfung für die „Spotter“. Den hat auch Markus Ehrentraut durchlaufen, damit man nicht in jeder „Furzwolke“ einen Tornado sieht.

Als Kind hatte Ehrentraut Angst vor Gewittern. Er wäre nie auf die Idee gekommen, vor die Tür zu gehen. Aber irgendwie, sagt er, müssen ihn die Blitze schon damals in den Bann gezogen haben. Mit genügend Abstand, das weiß er heute, ist das Risiko vertretbar. Sechs Kilometer sollten es schon sein, sagt er. Beim Verfolgen des Sturms hilft ihm sein Laptop. Als Skywarner kann er laufend auf die neusten Radarbilder des amtlichen Wetterdienstes zugreifen. Die verraten dem Gewitterjäger, wo ein Unwetter entsteht und wohin es zieht.

Baumfriedhof gibt Rätsel auf

Wir sind da. Der ehemalige Wald sieht aus, als hätte ein Riese im Vorbeigehen einen Zahnstocher gesucht. Die Bäume liegen entwurzelt in Büscheln herum, andere Stämme ragen zwar kerzengerade empor, sind aber sauber geköpft – Indiz für die große Kraft des Windes.

Markus Ehrentraut schaut staunend über den Baumfriedhof. Das ist nicht die Hinterlassenschaft eines normalen Sturms, sagt er. Andererseits ist ihm die Fallrichtung der Stämme zu gleichförmig für einen Tornado. Am späten Abend stehen die Fotos bei Skywarn zur Diskussion. „Was hier am Werk war, weiß ich nicht“, schreibt Ehrentraut. Vielleicht haben seine Sturmjägerkollegen ja eine Idee?

http://www.skywarn.de/forum" onclick="window.open(this.href);return false;

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Sven Lüke
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Re: Sächsische Zeitung - kleiner Artikel im Lokalteil Pirna

Beitrag von Sven Lüke » Donnerstag 30. August 2012, 20:34

Mir gefällt der Artikel, gut gemacht.... :up:

Grüße, Sven

Gerrit Rudolph, Limburg/L
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Re: Sächsische Zeitung - kleiner Artikel im Lokalteil Pirna

Beitrag von Gerrit Rudolph, Limburg/L » Donnerstag 30. August 2012, 20:45

Ja, das ist sauber geschrieben. Hätte nicht gedacht, dass es noch Artikel zum Thema geben kann, an denen man nichts zum mosern findet. Ein Lob an den Reporter! :up:

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Cumulus Humilis
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Re: Sächsische Zeitung - kleiner Artikel im Lokalteil Pirna

Beitrag von Cumulus Humilis » Donnerstag 30. August 2012, 23:59

Hallo,

ja, wirklich ein schöner Artikel. Gut, daß es noch Journalisten gibt, die nicht aus allem nur eine "Sensationsstory" machen wollen. :up:

Gruß,
Andreas
--
Potz Blitz!

Axel F.
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Re: Sächsische Zeitung - kleiner Artikel im Lokalteil Pirna

Beitrag von Axel F. » Freitag 31. August 2012, 06:47

wirklich sympathisch/sachlich geschrieben, den Redakteur sollte man sich merken.
Gut gemacht Markus
:up:

Und gleich noch hinterher von gestern nachmittag, nur 2 km von Obervogelgesang entfernt, ich schau es mir dann gleich mal an, ob es das Eröffnen eines Verdachtsfalls rechtfertigt. Immerhin reden wir hier von 5 km Schneise bei plausiblen Radardaten gegen 16 Uhr.
Umgekippte Bäume versperren Autos die Weiterfahrt
Von Marko Förster
Bei einem Gewittersturm stürzten gestern Bäume auf die Straße zwischen Pirna und Struppen. Die war bis zum Abend gesperrt.
Bild
Mit der Wurzel lagen Bäume auf der Straße. Foto: Marko Förster
Gestern, gegen 16 Uhr, zog ein heftiges Gewitter mit Sturm und Hagel über die Sächsische Schweiz. Auf der S168 zwischen Pirna und Struppen kippten etwa zehn Bäume auf die Straße. Acht Autos saßen dazwischen fest. Wie durch ein Wunder wurde kein Fahrzeug von einem Baum getroffen. Etwa 40 Feuerwehrleute aus Struppen, Ebenheit, Pirna, Naundorf, Thürmsdorf und Weißig zersägten die Bäume und räumten die Straße frei. Auch ein Radlader von den Obstplantagen half. Nach gut eineinhalb Stunden konnten die eingeschlossenen Fahrzeuge weiterfahren. Die Polizei sperrte die Straße bis zum Abend. Auch auf der B172 zwischen Pirna und Krietzschwitz war bei dem Gewitter ein Baum umgekippt und blockierte die Straße.

Hasenzahn
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Re: Sächsische Zeitung - kleiner Artikel im Lokalteil Pirna

Beitrag von Hasenzahn » Freitag 11. Januar 2013, 14:07

Sehr schöner Artikel. Einer der Wenigen aus der letzten Zeit, die mir gefallen haben :up:

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