Tornados in Deutschland und deren Warnlage

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JanisStormchasingDE
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Tornados in Deutschland und deren Warnlage

Beitrag von JanisStormchasingDE » Samstag 23. Mai 2020, 14:48

Hallo,
Ich will über ein Thema reden was in den medien häufig harmlos dargestellt wird doch worüber ich mich Monate mit beschäftigt habe. Es geht um Tornados in Deutschland. Pro jahr werden 30-60 Tornados registriert. Da die Dunkelziffer weit höher sein muss weil wir zu wenig Stormchaser haben die Tornados melden können geht man hierzulande von über 200 Tornados aus (ca.70% von denen erreichen aber nur die F0,F1 stufe). Da deutschland nur halb so groß wie Texas ist könnte man sagen, dass Deutschland fast gleich viele Tornados auf 10000km² bekommt. Und deswegen ist es für mich umso mehr unverständlich warum die meisten Menschen nichtmal wissen dass es hier auch stärkere Tornados geben kann. Ich würde gerne eure Meinung zu dem Thema hören und wissen was ihr zu dem Warnsystem hier sagt und was ihr auch besser machen würdet.
Lg aus Teltow, Janis :-)

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bärenfänger
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Re: Tornados in Deutschland und deren Warnlage

Beitrag von bärenfänger » Dienstag 26. Mai 2020, 22:50

Zunächst zum Thema Warnsystem:
Mit Warnsystem "hier" meinst du sicher das Warnsystem in Deutschland. Dazu ist hier im Forum immer wieder mal diskutiert worden, mit dem Konsens, dass es besser sein könnte. Hierzu muss gesagt werden, dass der Deutsche Wetterdienst diesbezüglich eine gute Arbeit leistet. Es kommt in der Regel nicht mehr vor, dass vor einem schweren Unwetter nicht gewarnt wird. Das Warnsystem unterscheidet sich aber auch grundsätzlich z.B. vom amkerikanischen. Dort werden Tornados gesondert bewarnt, während in Deutschland Tornados zu den Begleiterscheinungen von Gewittern gezählt werden. Darüber hinaus unterscheidet der DWD die Hefitgkeit der Unwetter mit einer Skala von grün (keine Warnung), über gelb, orange bis rot (Unwetterwarnung) und violett (Warnung vor extremem Unwetter).

Viele haben hier lange Zeit Sirenen befürwortet oder eine Programmunterbrechung in Rundfunk und Fernsehen.
Sirenen haben den Nachteil, dass sie nicht mehr flächendeckend verfügbar sind bzw. eine Kenntnis der verschiedenen Signale vorausgesetzt werden muss. Im schlimmsten Falle führt das zu Verwirrung. Was Rundfunk und Fernsehen betrifft, so mangelt es an einer gesetzlichen Grundlage dafür, dass der Staat mit dem DWD als Bundesbehörde in das Programm der Sendeanstalten eingreifen darf. Man müsste hier auf die Freiwilligkeit der Sender bauen. Hierbei ergibt sich aber folgendes Problem:
Ab wann wäre eine Situation so relevant, dass sich die Programmunterbrechung lohnt? Es ist in der Regel auch nie das gesamte Sendegebiet betroffen, zumindest bei sommerlichen Gewitterlagen. Und was ist mit Menschen, die gerade nicht vorm Radio oder Fernseher sitzen?

Hier leistet unsere moderne Technik die eigentliche Arbeit. Durch Apps wie DWD Warnwetter oder KATWARN ist es möglich Warnungen personalisiert und für den aktuellen Standort zu empfangen.

Zum Thema Tornados:
Meine persönliche Meinung dazu ist, dass die Dunkelziffer gar nicht mehr allzu hoch ist, da Tornados ja auch von Laien erfasst werden. Fast jeder hat ein Handy dabei, dass foto- und videofähig ist. Über soziale Netzwerke landen die meisten Fälle ziemlich schnell bei tornadoliste.de.
Die Dunkelziffer bei den schwachen Fällen wird vermutlich bleiben, da auch bei einer Funneldokumentation nicht immer Auswirkungen am Boden festgestellt werden, auch wenn der Luftwirbel bis hinunter gereicht haben sollte, da es auch unterkritische Tornados gibt (<F0).
Die Dunkelziffer bei den signifikanten Tornados, also ab F2 aufwärts, halte ich für relativ gering. Da diese selten ohne die entsprechenden Schäden auftreten. Hinzu kommt, dass die Fujita-Skala sich nicht an Messwerten orientiert, sondern an Schäden bzw. Auswirkungen. Sind diese nicht vorhanden, ist auch keine Bewertung möglich.

Ich hoffe, damit etwas geholfen zu haben.

Viele Grüße
Olli.
Regionaler Ansprechpartner Leipzig-Südharz-Nordthüringen

Mitglied Thüringer Storm Chaser e.V.

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