[Plausibel] 18.01.2007 - Düsterförde (MST, Mecklenburg - V.)

Heiko Wichmann
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[Plausibel] 18.01.2007 - Düsterförde (MST, Mecklenburg - V.)

Beitragvon Heiko Wichmann » Sonntag 9. Dezember 2007, 22:51

Hallo,

dieser Fall steht im Zusammenhang mit Orkan "Kyrill".
Belegt ist , durch Einsatzzeiten der FF Fürstenberg, der Zeitpunkt des Ereignisses. Demnach wurde die Feuerwehr um 22.21Uhr alarmiert, da die B96 beidseitig durch Bäume versperrt war. Ein Zusammenhang mit dem Durchgang der Kaltfront kann also ausgeschlossen werden.
Thilo und ich haben schon kurz über diesen Fall gesprochen. Da wir nicht sicher sind ob es eine weitere Ausdehnung zu einer Schneise gibt, stelle ich diesen Fall ein.

Mit Karte und Bildern vom 20.01.2007
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Gesamtübersicht:
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An der B96
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Detailbilder Blickrichtung Ost
http://img235.imageshack.us/img235/5163/img2965rw1.jpg
http://img123.imageshack.us/img123/3825/img2968vq8.jpg
http://img88.imageshack.us/img88/512/img2969xb1.jpg
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http://img70.imageshack.us/img70/8185/img2978tq9.jpg
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Grüsse Heiko
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Beitragvon Thilo Kühne » Montag 10. Dezember 2007, 14:12

Hallo Heiko,

danke für die Fotos. Das witzige ist, zum Teil liegen die Wurzelreste und abgesägten Stümpfe heute noch da rum... rein theoretisch könnte man eine Fallrichtungsanalyse noch durchführen.

Wenn man die B96 von Neustrelitz her kommt, dann steht doch auf der letzten Kuppe vor dieser Kurve ein einzelnes Haus - von dort kann man kurz in den Schadensbereich hineinblicken und man kann erkennen, dass auch auf der anderen Seite des Sees eine Art "Schneise", oder nennen wir es "Schadensbereich" weitergeht. Was aber auch zu sehen war ist, dass die Bäume direkt an dem Ufer des Sees (es handelt sich dabei um den Kleinen Schwaberow See) nicht umgestürzt sind.

Grüße,
Thilo

PS: Bild
Aha, das ging dann also doch noch ein wenig östlich der Straße weiter? Interessant.
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Beitragvon Gerrit Rudolph, Limburg/L » Montag 10. Dezember 2007, 22:55

Hallo,

Belegt ist , durch Einsatzzeiten der FF Fürstenberg, der Zeitpunkt des Ereignisses. Demnach wurde die Feuerwehr um 22.21Uhr alarmiert, da die B96 beidseitig durch Bäume versperrt war. Ein Zusammenhang mit dem Durchgang der Kaltfront kann also ausgeschlossen werden.


Aufgrund dieser Daten lässt sich das Ereignis nicht hundertprozentig zeitlich einordnen. Je nach Verkehr kann zwischen Eintreten des Schadens und Alarmierung der Feuerwehr einige Zeit vergehen. Es war zwar eine Bundesstraße, es ist aber denkbar, dass gerade am fraglichen Abend sehr lange niemand unterwegs war. Rein gefühlsmäßig ist eine Viertelstunde aber das Maximum. Also +/- 22:15 als Zeitpunkt?
Gab es denn um diese Zeit oder unweit früher- nach der Kaltfront nämlich- eine verdächtige Zelle?

Gruß, Gerrit

Heiko Wichmann
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Beitragvon Heiko Wichmann » Dienstag 11. Dezember 2007, 12:33

Hallo Gerrit,

vielen Dank für die Hinweise. Du hast vollkommen Recht. Das Zeitfenster für die Analyse hier muss wesentlich grösser gewählt werden als das Zeitfenster des Einsatzes.
Mit Durchgang des Troges sind ja noch einige Schauerstaffeln über das Verdachtsgebiet gezogen. Die Intensität der Schauer ist noch nicht geklärt.
Fakt ist, das nach 21.30Uhr MEZ noch einmal verbreitet schwere Böen über 100kmh auftraten, die, belegt durch Einsatzzeiten, weitere Schäden (Einzelschäden) verursachten. Den Zusammenhang, ob Trogsturm oder Einzelereignis muss dann, wie Thilo schon sagte, durch eine Fallrichtungsanalyse bestimmt werden.

Eine grössere Recherche zu diesem Fall gibt es noch nicht. Allerdings habe ich noch einen Einsatzbericht der Polizei, welcher den Zeitpunkt des Ereignisses untermauert, aber in der Ortsangabe (in der Nähe der Landesgrenze) recht oberflächlich ist. Da bin ich aber dran.

Grüsse Heiko
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Beitragvon Forstexperte » Mittwoch 16. Januar 2008, 19:46

Hallo Heiko und Thilo,

interessanter Fall, den ich mir erst jetzt richtig angeschaut habe.
Zum fraglichen Zeitpunkt gab es in einer Line auf der Höhe von Berlin einzelne Entladungen. Weiter nördlich ist zwar nichts gewesen, aber es gab im Trogsektor von Kyrill vermutlich auch dort einzelne kräftige Schauer.

Einzelne Bilder finde ich zunächst höchst „tornadoverdächtig“:

Hier sind die Kiefern im Vordergrund von links nach rechts gefallen, in der mitte von rechts nach links und am Schneisenrand im Hintergrund ebenso (dort einzelne „angeschobene“)
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Ob der Teil der Kiefern, der im Vordergrund um 180° gegenüber denjenigen dahinter versetzt liegen, durch reguläre Baumfällarbeiten zu Fall gebracht wurden, kann ich aus der Ferne nicht sagen. Die Möglichkeit besteht aber zumindest, wenn man sich diese Bild ansieht:
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Auch hier unterschiedliche Fallrichtungen & Mikado:
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Allerdings brachte das Sturmfeld von Kyrill um bis zu ca. 90 ° voneinander abweichende Fallrichtungen mit sich. Zunächst SW Sturm, dann beim Durchzug der KF Drehung auf WNW und im Trogsektor auf NW.

Hier scheinbar deutlich konvergentes Fallmuster:
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Könnte aber auch zu unterschiedlichen Zeiten von Kyrill entstanden sein.

Verdächtig ist hier, dass einige unbelaubte Laubbäume quer zur allgemeinen Fallrichtung zur Schneisenmitte zeigen. Die labileren Fichten links sind stehen geblieben.
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Auch hier könnten neben einem Tornado unterschiedliche Windrichtungen beim Durchzug Kyrills eine Erklärung sein.

Ob bereits weit vor dem Einsatz, also noch im Warmluftsektor zahlreiche Bäume zu Fall gekommen sind, darf nach Deinen Angaben, Heiko, zumindest in Zweifel gezogen werden.
Bliebe als reguläre Fallrichtung eigentlich nur noch von WNW nach OSO und NW nach SO.
Damit stellt sich die Frage, wie weit erklärt die anscheinend kurz vorher gelaufene reguläre, selektive Nutzung (Altforstung) das konvergente, bzw. gegenläufige Fallmuster?
Wohl nur teilweise (siehe die durch Sturm angeschobenem Laubbäume auf dem letzten Bild) .

Fazit:
Für mich ist dieser Fall in hohem Maße Tornadoverdächtig!

Die Intensität stufe ich wegen der angeschobenen, stabilen Randlaubbäume bereits in T4/F2 ein. Auch die Stärke des Ereignisses spricht damit für Tornado.
Ein Microburst kommt wegen des Fallmusters hier nicht in Frage!

@ Heiko, bleibt abzuwarten, was Du noch via Polzei o. ä. herausbekommst.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitragvon Forstexperte » Donnerstag 17. Januar 2008, 11:34

Hallo Heiko,

unbedingt hinzufügen sollte man noch diese Angaben von Thilo im Gramzow - Thread:
In Düsterförde war ich heute übrigens... die Schneise startet schon auf der anderen Seite vom See nahe der Eisenbahntrasse. Leider ist dieses Gelände sehr weitflächig und unwegsam (Sees, Sümpfe).

http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?t=4748

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Re: [Verdacht] 18.01.2007 - Düsterförde (MST, Mecklenburg - V.)

Beitragvon Thilo Kühne » Donnerstag 14. August 2008, 21:40

Hallo Martin und Heiko,

dieser Fall hier schwebt ja auch noch im Dunkeln. Tornado sei aber äußerst wahrscheinlich? Ok, ich setze diesen
Fall daher auf "Plausibel".

@Martin:

Ich kann dir zum Ort bzw. zum Waldzustand vor dem Schaden diese Angaben machen:

1. Das Schadensgebiet befindet sich auf einem kleinen Hügel zwischen einem See in W-Richtung und einer Wiese in O-Richtung. Höhenunterschied zum Unland ca. 10 bis 15 Meter.
2. Der Waldbereich war früher einmal sehr dicht mit Fichten und Kiefern bewachsen. Vor drei oder vier Jahren hat man dort den Waldbestand etwas ausgedünnt (ca. jeder 5. oder 6. Baum wurde gefällt).

Grüße,
Thilo
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