[Verdacht] 18.01.2007 - Michelsrombach (Hessen)

Thomas Sävert
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[Verdacht] 18.01.2007 - Michelsrombach (Hessen)

Beitragvon Thomas Sävert » Freitag 30. März 2007, 13:23

Hallo zusammen,

es geht um einen Schaden, den Bernold auf dem Weg zum EWK aus dem ICE gesichtet hat. Seine Beschreibung war so genau, dass der Schadensort ausfindig gemacht werden konnte. Ich war nun vor Ort und werde dazu in den kommenden Tagen auch mit Bildmaterial berichten, bitte etwas Geduld.

Die Schneise ist 100 bis 200 Meter breit und mindestens 1,5km lang. Die Stärke setze ich erst mal mit T3-T4 an, außerhalb der Schneise gibt es nur geringe Schäden. Ob Gebäudeschäden am Ortsrand von Michelsrombach direkt mit den genannten Waldschäden in Zusammenhang stehen, ist noch nicht geklärt.

Auf jeden Fall vielen Dank an Bernold!

Gruß, Thomas Sävert
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Thomas Sävert
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Beitragvon Thomas Sävert » Freitag 6. April 2007, 13:56

Auch zu diesem Fall nun nähere Erläuterungen mit Fotos der Schäden.

Von dieser Brücke über das Rombachtal erblickte Bernold zur linken Seite (in Fahrtrichtung, also im Vordergrund) eine Schneise mit Schäden:

Bild

Auf dieser Seite waren die Schäden allerdings kaum zugänglich, die Schneise kann in diesem Bereich nur kurz gewesen sein. Dann kam die Brücke, auf die Oberleitung der Bahn zerrissen wurde. Östlich der Bahnstrecke erstreckte sich eine deutliche Schneise, meist mit Totalschäden, die aber zumindest an den leichter zugänglichen Stellen bereits beräumt waren:

Bild

Bild
(Im Hintergrund die Bahnstrecke am Beginn der Brücke)

Weitere Bilder der Schneise:
Bild

Bild

Bild

Die Schneise, die ich gefunden habe, ist mehr als 1,5 Kilometer lang und die Breite schätze ich etwa auf 100 bis 200 Meter. Auch außerhalb gibt es Schäden, aber nicht in dieser Konzentration und in diesem Ausmaß.

Ob Gebäudeschäden am Ortseingang von Michelsrombach noch zu diesem Schadensereignis gehören, kann ich nicht sagen. Die Feuerwehr in Michelsrombach hatte reichlich zu tun.

Meinungen?

Gruß, Thomas Sävert
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Beitragvon Forstexperte » Samstag 7. April 2007, 11:25

Moin Thomas,

also aufgrund der Bilder kann man sicher keinen Tornado ableiten.
Aber Deine Beschreibungen klingen schon verdächtig. Das Verhältnis von Schneisenlänge zu Breite ist mit etwa 10 : 1 schon recht weit, spricht für Tornado. Die im Verhältnis zur Breite recht große Länge und recht scharfe Abgegrenztheit kommt auf den Bildern gut rüber. Auch die - im Gegensatz zum von Stefan aus skizzierten Fall von Hangelsberg (Landkreis Oder-Spree) recht klare Durchgängigkeit der Schäden nur innerhalb der Schneise ist ein weiteres Tornado-Indiz. Die Intensität würde ich hier anhand der Baumschäden noch mit T3 bewerten. T4-verdächtig finde ich die zerrissene Oberleitung auf der allerdings auch sehr exponierten Brücke. Das könnte allerdings auch ein starker Microburst geschafft haben.

Als T.-Verdachtsfall würde ich diesen Sturmschaden im Rombachtal/Hessen aufgrund der Indizien allerdings auf jeden Fall führen.

Viele Ostergrüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitragvon Thilo Kühne » Samstag 7. April 2007, 23:15

Moin,

danke Thomas für die Bilder.

Besonders interessant finde ich den extremen Bruchschaden. Wie kann man sich das Fallen dieses Baumes erklären? Die Aufsplitterung müsse man sich mal genau ansehen. Hast du noch mehr Fotos zu diesem Baumschaden?

Grüße,
Thilo
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Thomas Sävert
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Beitragvon Thomas Sävert » Sonntag 8. April 2007, 07:06

Hallo Martin und Thilo,

vielen Dank für Eure Anmerkungen. Ich sehe das genauso, verdächtig ist das allemal, aber selbstverständlich kein Beweis für einen Tornado.

Forstexperte hat geschrieben:T4-verdächtig finde ich die zerrissene Oberleitung auf der allerdings auch sehr exponierten Brücke. Das könnte allerdings auch ein starker Microburst geschafft haben.


Die zerrissene Oberleitung löste übrigens noch einen Brand aus. Sie zerriss nicht mitten auf der Brücke sondern nahe dem südlichen Ede der Brücke, wo sich auch die Schneise befidet.

Besonders interessant finde ich den extremen Bruchschaden. Wie kann man sich das Fallen dieses Baumes erklären? Die Aufsplitterung müsse man sich mal genau ansehen. Hast du noch mehr Fotos zu diesem Baumschaden?


Leider war der Boden durchnässt und ich konnte nicht dichter ran. Ein weiteres Foto habe ich noch:

Bild

Vielleicht lohnt es sich doch mal, wenn jemand aus der Nähe sich die Schäden näher anschaut.

Grüße und schöne Ostertage,

Thomas Sävert
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Beitragvon Gerrit Rudolph, Limburg/L » Montag 9. April 2007, 11:30

Hallo,

Ich möchte Thomas´ Wunsch aufgreifen. Ich habe gestern schon überlegt, spontan (Aufenthalt in Fulda) hinzufahren, aber dann dachte ich: Es gibt hier in Osthessen den einen oder anderen, der vielleicht das gleiche denkt- oder schon da war. Ich denke da z. B. an Björn Stumpf, den ich auch schon in der Sache angemailt habe.
Außerdem sind meine Kenntnisse in der Waldschadensbesichtigung noch nicht so berühmt- Ein Alleingang wäre also nicht sehr ratsam.
Unanbhängig davon: Ich könnte im Laufe des nächsten WE schon wieder, allerdings nur Samstag nachmittag oder Sonntags.
Die Frage ist nur: Alleingang oder mit anderen? Ich kann bei einem Alleingang keine Qualitätsgarantie abgeben.
Ich warte mal die Woche ab, und dann entscheide ich, was ich mache.

Schönen Ostermontag noch, und eine schöne Frühlingswoche,

Gerrit Rudolph

Forstexperte
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Beitragvon Forstexperte » Montag 9. April 2007, 13:44

Hallo Thomas und Thilo,

Forstexperte hat geschrieben:T4-verdächtig finde ich die zerrissene Oberleitung auf der allerdings auch sehr exponierten Brücke. Das könnte allerdings auch ein starker Microburst geschafft haben.


Die zerrissene Oberleitung löste übrigens noch einen Brand aus. Sie zerriss nicht mitten auf der Brücke sondern nahe dem südlichen Ede der Brücke, wo sich auch die Schneise befidet.

Aha, interessant. In meinen Augen ein weiteres Tornadoindiz.

Besonders interessant finde ich den extremen Bruchschaden. Wie kann man sich das Fallen dieses Baumes erklären? Die Aufsplitterung müsse man sich mal genau ansehen. Hast du noch mehr Fotos zu diesem Baumschaden?

Leider war der Boden durchnässt und ich konnte nicht dichter ran. Ein weiteres Foto habe ich noch:


Bild

Dieser Sturmschaden ist aber nicht ungewöhlich. Ich habe selbst viele derartig abgebrochene Fichten gesehen und auch Bilder davon (die ich mal heraussuchen muss).

Hier im Thread finden sich auch (v.a. bei Chasenewbie) ganz ähnliche Bilder:
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.p ... c&start=30
z.B. dies:
http://sorpetalwetter.de/public/29.1.07/PICT0017.jpg

Als Ursache für den langfaserigen Stammbruchs an der Fichte nehme ich eine starke Biegung des im Inneren vermutlich rotfaulen und damit geschwächten Stammes vor dem Bruch (Aufreißen wahrscheinlich zuerst am Wurzelanlauf) an. Der Stamm ist offenbar entlang der geschwächten Stelle (am Rande des Fäulebereichs) von zu den Wurzelanläufen bis zur eigentlichen Knickstelle und dann etwa die gleiche Distanz oberhalb dieser aufgespalten (hier schaut das Holz gesund aus). Die eigentliche Knickstelle markiert offenbar den Übergang vom im Inneren rotfaulen zum völlig gesunden Stamm.

Grüße und noch einen schönen Ostermontag,

Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Bericht über eine Begehung am 14.04.07

Beitragvon Gerrit Rudolph, Limburg/L » Sonntag 15. April 2007, 12:50

Hallo,

Am 14.4.2007 haben Micha Wenzel und ich eine erneute Begehung des Schadens durchgeführt. Wir sind beide keine Forstprofis und in der Begehung von Sturmschäden ungeübt, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und ob wir zum Erkenntnisgewinn beitragen können, sei der Diskussion überlassen.
Micha ist aus dem WZ- Forum als "Micha (Hünfeld/Osthessen, 255m)" bekannt. Er hat die allermeisten Fotos geschossen und die hier geposteten Skizzen angefertigt. Rot: Fotostandorte.

Hier mal der Link zur Karte in Thomas Säverts Liste:
http://www.saevert.de/bilder/tornados/0 ... hkarte.jpg

Und als Vergleich unsere Begehungsskizze, gemalt von Micha über Google Earth:
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Die Fallrichtungen, die hier angezeigt werden, beruhen auf dem, was noch feststellbar war. Einige der gefallenen Bäume lagen noch in Gänze da, in anderen Fällen konnte man nur noch aus der Richtung der Wurzelteller, Baumstümpfe und bei Druckschäden etwas herauslesen. Daher ist eine gewisse Vorsicht geboten.
Die Schadenspur ist nicht durchgängig, es wechseln Totalschäden mit Bereichen ab, in denen auch Fichten unversehrt geblieben sind.
Wir haben beide den Eindruck, dass Divergenz und Geradlinigkeit deutlich überwiegen, oder anders gesagt: Der Eindruck von konvergenten Fallmustern oder gar entgegengesetzten, chaotischen Mustern drängt sich nicht auf. Die Schadensspur muss wohl etwas weiter westlich als in Thomas´ Karte angesetzt werden und ist demnach überwiegend auf Fraurombacher Gebiet. Wir wissen auch nicht genau, ob es westlich der eingezeichneten Spur noch weiterging, dort mussten wir wegen Unwegsamkeit und einer verlorenen Schuhsohle (meine Stiefel waren halt alt..) umkehren.
Beginnen wir im Westen. Die Spur beginnt gleich mit einem Schadensfeld (Fotostandorte 1 bis 4) mit Wurf- und Bruchschäden, aber auch Druckschäden in einem Fichtenbestand, südlich des eingezeichneten Wegs. Teile der Bäume lagen noch auf dem Weg.
Foto 1:
Bild
Foto 2, Blickrichtung Westen, rechts ist der begangene Weg. Micha dazu: "Da sieht man schön die Divergenz"
Bild
Foto 3, vom Weg aus in südöstliche Richtung
Bild
und Foto 4, "senkrecht" drauf, Wurf- Druck- und Bruchschäden:
Bild

Weiter östlich erstmal geringere Schadensintensität- wir konnten aber durch den Wald vom Weg aus sehen, dass eine junge Birkengruppe starke Druckschäden aufwies. Micha ist mal den Berg hochgejumpt und hat Foto 5 gemacht; im Vordergrund der Wurzelteller einer Fichte, im Hintergrund die Birken:
Bild

In der Nähe der Rombachtalbrücke der ICE- Trasse wieder stärkere Schäden, und zwar beiderseits des Weges, den wir gegangen sind. Foto 6, Standort westlich der Talbrücke, Blickrichtung nördlich: Hinter der "Galerie" aus stehengebliebenen Fichten verläuft die Landesstraße zw. Fraurombach und Michelsrombach. In den nördlichen Abschnitten der Schdensspur gibt es eine größere nördliche Komponente bei den Fallrichtungen, soweit dies aus der Lage der Wurzelteller erkennbar ist.
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Foto 7, ein bisschen mehr in Richtung Brücke zeigend:
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Die Fotos 8 und 9 stammen auch von der Seite westlich der Talbrücke, Blickrichtung aber vom Begehungsweg aus in den Bestand nördlich:
Bild
Foto 9, die vorne liegenden Fichten halten sich an die vorgegebene Richtung:
Bild

Jetzt erst wechseln wir auf die östliche Brückenseite! Wir haben schon ein gutes Stück der Schadensspur hinter uns. Unmittelbar östlich der Brücke gehen die Schäden weiter. Hier hat Micha die Fotos 10 bis 12 geschossen.

Bild 10: Wir sehen links den Begehungsweg, die Brücke ist hinter uns. Die Schadensspur endet vor diesem Fichtenbestand und geht unweit dahinter mit enormer Intensität weiter.
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Bild 11, ein bisschen weiter nach rechts, also südlich, gehalten:
Bild
Und Bild 12, diesmal noch weiter südlich geschwenkt:
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Wir verlassen jetzt die Bahnbrücke und gehen auf dem Weg weiter nach Osten. Es folgt nach einigen Metern mit geringer Schadensintensität wieder ein Feld mit Totalschaden nördlich des Weges; hier wurde Bild 13 gemacht; man erkennt die Straße im Hintergrund. Die Grenze zwischen Totalschaden und fast unversehrten Fichten (wie an vielen Stellen) ist sehr scharf. Die Richtung der Baumstümpfe bleibt aber einheitlich und tendenziell divergent.
Bild

Bild 14 ist eine Nahaufnahme eines Wurzeltellers; wir befinden uns noch weiter östlich an einem großen, zusammenhängenden Schadenfeld hauptsächlich nördlich des Begehungsweges. Die "Schneise" hatte hier eine Breite von geschätzt 300m. Der Boden basiert hier auf Buntsanstein.
Bild
Bild 15: "Totale" auf dieses Schadensfeld, Blickrichtung nach Süd
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Wir verließen nun den Begehungsweg. Nachdem ich meine Schuhe gewechselt habe und Micha sich etwas zu trinken besorgt hatte, fuhren wir zum Wald zurück und gingen auf einem anderen Weg in den Wald hinein. In obiger Skizze befindet sich über dem Weg die Nummer 16. Der Weg führte zuerst quer durch die Spur durch und dann ein Stück oberhalb an ihr entlang. An der Biegung dieses Wegs, südlich der Ziffer 16, befindet sich auch der von Thomas so schön in Szene gesetzte abgebrochene Baum. Auch dessen Stamm liegt "richtig".
Foto 16 wurde von diesem Bogen aus nach westlicher Richtung geschossen. Die (wieder "richtig") liegenden Bäume sind Fichten und Buchen aus einem Mischbestand. Interessanterweise sind ganz ähnliche Bäume hier stehengeblieben und scheinen unversehrt. Es findet sich auch kein Totalschaden mehr, sondern eine "Ausdünnung". Hier das Bild:
Bild

Von der Biegung nach Osten gesehen: Auch hier "nur" noch ein Ausdünnungseffekt mit gefallenen Bäumen und solchen, die noch unversehrt sind. Die Fallrichtung auch hier einheitlich und "richtig":
Bild 17:
Bild
Die Schadensintensität schien weiter östlich bereits abzunehmen. Um sicher zu gehen, verließen wir den zweiten Weg, gingen zur Straße zurück und betraten den Wald erneut auf einem dritten Weg, der in der obigen Skizze auf das Schadensfeld mit der 17 führt. Hier trafen wir kaum noch Schäden an; auf dem Weg ganz nach Osten schließlich fanden wir keinen Schaden mehr. Auch von außerhalb des Waldes ist hier nichts mehr zu erkennen gewesen; das bedeutet, dass die zusammenhängende Schadensschneise etwa östlich der 17 endet.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass es an einem Birkentrupp am südlichen Rand der Schneise auch entgegengesetzte Druchschäden gab; aber eben nur an dieser Stelle.

Zum Schluss noch drei Fotos von mir, die aus dem Bereich westlich der Bahnbrücke stammen und in südliche bis südwestliche Richtung aufgenommen wurden. Sie zeigen neben der Vielfalt der Schäden meines Erachtens erneut, dass hier Einheitlichkeit der Fallrichtungen vorliegt.
Bild
Bild
Bild

So, das war es erstmal. Fragen?

Viele Grüße, Gerrit
Zuletzt geändert von Gerrit Rudolph, Limburg/L am Samstag 21. April 2007, 11:59, insgesamt 3-mal geändert.

Thomas Sävert
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Beitragvon Thomas Sävert » Sonntag 15. April 2007, 18:35

Hallo Gerrit,

nach ein paar Tagen Pause, lese ich gerade Deinen ersten Berichtsteil und muss erst mal ein Dankeschön aussprechen, dass Ihr vor Ort gewesen seid! Ich selbst hatte ja nur sehr kurz Zeit und auch nicht die richtige Kleidung dabei, um mich in die Schneise selbst zu begeben, daher ist die Skizze auch nur sehr grob. Schön, dass Ihr den Fall näher untersucht habt. Es sieht schon mehr nach einem gradlinigen Ereignis aus, mit einem endgültigen Urteil möchte ich aber noch warten.

Gruß, Thomas Sävert
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Bericht ist fertig

Beitragvon Gerrit Rudolph, Limburg/L » Montag 16. April 2007, 22:01

Hallo Thomas, hallo zusammen,

Mein obiger Bericht über die Begehung am 14.04. ist soeben fertig geworden. Feuer frei! (aus ästhetischen Gründen: Rechtschreibedition am 21.04.07)

Gruß, Gerrit
Zuletzt geändert von Gerrit Rudolph, Limburg/L am Samstag 21. April 2007, 12:01, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Forstexperte » Donnerstag 19. April 2007, 22:13

Hallo Gerrit,

vielen Dank Dir und Micha für die Begehung des Schadensgebietes und die Dokumentation der Schäden.
Aufgrund der von Dir erstellten Beschreibungen und der anschaulichen Übersichtskarte gehe ich mit großer Sicherheit nicht von einem Tornado aus.
Allerdings:
Kleinräumig sieht das zumindest auf mehreren Fotos etwas anders aus. Hier gibt es nicht nur, wie von Dir beschreiben, einheitliche oder divergente Fallbilder, sondern auch konvergente. Doch das Gesamtbild sollte für eine Einstufung eintscheiden. Und das spricht - den schneisenartigen Verlauf zunächst ausgenommen - wohl stark gegen einen Tornado.

Hier muss man sich fragen wie die Schäden entstanden sind.
Waren es mehrere Böen?
Wie groß war der Einfluss des Geländes, verschiedener Waldecken, der Talbrücke?

Zumindest dem Gelände schreibe ich hier einige Effekte zu.
Und wenn erst mal ein Teil vom Wald durch eine Böe umgelegt wurde, ist eine neue Waldecke entstanden, die bei der nächsten schadenbringenden für ein "wirbelhaftes" Fallmuster sorgen kann.
Sowohl an der ursprünglichen Schadenstelle als auch im weiteren Verlauf durch sogenannte "Überfallwinde" 1-2 Baumlängen dahinter wird die Schadensfläche erweitert.
So kann bei einem länger dauerndem Ereignis wie bei einem Wintersturm auch eine längere Schneise entstehen. Auch dies halte ich hier, wenn man sich die Karte und damit den Geländeverlauf oberhalb des Rombachtals ansieht, für wahrscheinlicher als einen Tornado.

Im Prinzip habe ich derartige Schäden nach Kyrill oft beobachtet. Und bei einem anfänglichen Tornado-Verdachtsfall am Harderberg bei OS sah es ja ähnlich aus:
http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.p ... harderberg

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Gerrit Rudolph, Limburg/L
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Beitragvon Gerrit Rudolph, Limburg/L » Dienstag 24. April 2007, 22:35

Hallo Martin, hier ein paar Anmerkungen:

Hier muss man sich fragen wie die Schäden entstanden sind.
Waren es mehrere Böen?
Wie groß war der Einfluss des Geländes, verschiedener Waldecken, der Talbrücke?

Es handelt sich um den Nordosthang des Rombachtals, der hier nicht gleichmäßig abgedacht, sondern leicht in Rücken und Mulden gegliedert war. Der Wald war uneinheitlich hinsichtlich der Altersstruktur, der Dichte und der Baumarten. Die Grenze der "Schneise" war häufig auch die Grenze der Fichtenkultur. Die Talbrücke hat wahrscheinlich keine große Rolle gespielt- sie ist sehr hoch und filigran. Aber ihr Bau war eine (von mehreren) Ursachen für die uneinheitliche Waldstruktur. Als sie errichtet wurde- vor ca. zwei Jahnzehnten- wurden unter ihr die Fichten teilweise gefällt- wegen der Baustelle.

Waren es mehrere Böen...? Man müsste mal herauskriegen, ob es im Verlauf von Kyrill überhaupt eine Zelle in der Gegend gab, die zu einem singulären kleinräumigen Starkwindereignis in der Lage war. (Hoffnung ruht auf Radararchiven). Außerdem: Eine Serie von Microbursts? So viele hintereinander...? Bei der schmalen Kaltfront?
Oder genügte hier einfach das Zusammenspiel der Geländeform, der Waldstruktur und der bloßen Dauer, in dem der Wald dem (späteren Trog-) Sturm ausgesetzt war- vielleicht nachdem er von einem initialen (Micro?)burst angerissen wurde? Gab es Düsen- und Kanalisierungseffekte?

Sowohl an der ursprünglichen Schadenstelle als auch im weiteren Verlauf durch sogenannte "Überfallwinde" 1-2 Baumlängen dahinter wird die Schadensfläche erweitert.

Kann gut sein, dass Überfallwinde eine Rolle spielten, die Schneise ist ja nicht durchgängig.

Zu den Fallrichtungen: Ein so schönes "Mikado" wie in den Fotos zum Fall Binsförth (http://www.skywarn.de/forum/viewtopic.php?t=3254) fanden wir nirgends. Allerdings war ja auch schon sehr viel aufgeräumt worden, wie gesagt mussten wir uns häufig mit den Stümpfen und Wurzeltellern begnügen.

Viele Grüße, Gerrit

Thomas Sävert
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Beitragvon Thomas Sävert » Mittwoch 25. April 2007, 06:55

Gerrit Rudolph, Limburg/L hat geschrieben:Waren es mehrere Böen...? Man müsste mal herauskriegen, ob es im Verlauf von Kyrill überhaupt eine Zelle in der Gegend gab, die zu einem singulären kleinräumigen Starkwindereignis in der Lage war. (Hoffnung ruht auf Radararchiven). Außerdem: Eine Serie von Microbursts? So viele hintereinander...? Bei der schmalen Kaltfront?


Hallo Gerrit,

auf die Frage möchte ich gern kurz eingehen. Gegen 19:45 bis 19:50 Uhr MEZ ging die Kaltfront von "Kyrill" durch. Eingelagert waren schon einzelne zellartige Strukturen, sehr kleinräumig und auch in diesem Bereich. Das würde also schon passen und die Schäden sind auch um diese Zeit entstanden.

Gruß, Thomas Sävert
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