Tornadoverdachtsfälle vom 18.01.2007

Bernd
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Beitragvon Bernd » Samstag 20. Januar 2007, 11:40

Hallo zusammen,

nach meiner Mitteilung über den Downburst beim Durchzug der Kaltfront in Hannover vom 18.01.07 gegen 17:18 Uhr kam heute folgender Artikel aus der lokalen Zeitung (HAZ):

"... Bis zum frühen Morgen mussten die Feuerwehrleute auch am Vinzenzkrankenhaus in Kirchrode bleiben. Dort hatte die Böen ein riesiges Baugerüst auf 30 Metern Länge zum Einsturz gebracht. In der der Liebrechtstraße in Waldheim soll eine Windhose gewütet haben. Zwei Schornsteine eines Mehrfamilienhauses knickten ein, das ganze Gebäude drohte, einzustürzen. ..."

Aus diesem Grund bin ich heute nochmals rausgefahren, um ein Schadenskataster zu erstellen. Ergebnis neben ca. 50 Bildern ist eine hohe Wahrscheinlichkeit einen lokalen Tornado in der Kaltfornt beim Durchzug im Bereich Hannover - Waldheim.

Näheres erfolgt in dem Bericht, den ich heute Nachmittag anfertigen werde.

Bernd
Zuletzt geändert von Bernd am Dienstag 23. Januar 2007, 10:42, insgesamt 2-mal geändert.
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Bernd
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Beitragvon Bernd » Samstag 20. Januar 2007, 14:39

Hier folgt nun der Bericht und die Schadensauswertung zum vermutlichen Tornado im südlichen Stadtteil Waldhausen / Waldheim in Hannover.

Ber Bericht ist als PDF-Datei (ca. 1,2 MB) wegen der Menge der Bilder und der Karte abgefaßt.

Bericht Tornado Hannover

Bericht erweitert am 21.01.2007 auf eine noch nicht verifizierte Beobachtung zur westlichen Ausdehnung. Nach einer Ortsbesichtigung am 22.01.07 und diversen Fotos ist eine Fortsetzung der Schadensschneise vom Maschsee her wahrscheinlich. Der Bericht wurde am 28.01.2007 ergänzt.


Nach meiner Meinung könnte es sich um einen Tornado der Stufe F0 - F1 gehandelt haben, da der Schadensbereich sich klar abgrenzen läßt.



Bernd

Bild
Das Ende der Tornadoschneise an der Liebrechtstraße

Damit man einmal den Trümmerschatten sehen kann, hier das Bild der Rasenfläche, von der ich die obere Aufnahme gemacht habe.

Bild
Zuletzt geändert von Bernd am Sonntag 28. Januar 2007, 10:43, insgesamt 9-mal geändert.
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Beitragvon Thomas Sävert » Samstag 20. Januar 2007, 20:30

Hallo Bernd,

vielen Dank, die Stärke würde ich aber eher mit T2/F1 ansetzen, für F0 finde ich die Schäden dann doch ein wenig zu groß.

Gruß, Thomas Sävert
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Bernd
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Beitragvon Bernd » Samstag 20. Januar 2007, 21:45

Hallo Thomas,

leider waren einige Stellen schon beräumt, daher war ich mit der Einstufung etwas vorsichtiger. Nach Vergleichsfotos würde ich jetzt aber auch eher für einen Tornado der Stufe F1 plädieren. Beim nächsten Mal, soweit noch einmal so etwas in meinem Bereich passiert, würde ich direkt nach Anbruch des Tages dokumentieren, um möglichst noch die Originalpositionen der Schäden zu dokumentieren.

Hier noch einmal ein nachträgliches Foto, damit man einmal sieht, welche Trümmergröße es noch in 60-100m Entfernung gegeben hat. Eine Kollegin hat sie von unserem Dienstgelände gegenüber der Liebrechtstraße 1 eingesammelt. Wir können nur von Glück reden, dass dabei niemand verletzt wurde, denn da hätten auch unsere Helme nicht viel abgehalten.

Bild

Gruß

Bernd
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Thilo Kühne
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Beitragvon Thilo Kühne » Samstag 20. Januar 2007, 21:58

Hallo zusammen,

habe Neuigkeiten zum Kemnitz-Fall (bzw Brachwitz, Kemnitz) aus Brandenburg. Ein Augenzeuge der Schäden beschreibt, das von einigen Gebäuden (Scheunen) nur noch Mauerreste übrig seien:

http://www.wetter-zentrale.com/cgi-bin/ ... ad=1065443

@Thomas:

Das sollte für einen eigenen Verdachtsfall reichen. Eine Verbindung zu Brachwitz (bei Treuenbrietzen) möglich. Werde mich am Montag selber nach Kemnitz bewegen.

Grüße,
Thilo
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Thilo Kühne
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Beitragvon Thilo Kühne » Sonntag 21. Januar 2007, 02:55

Hallo,

würde vorschlagen, dass wir den Tornadofall von Wittenberg noch einmal hier ein wenig ausführlicher diskutieren sollten. Die Beiträge in der WZ haben ja keine lange Lebensdauer :wink: . Schon jetzt sind die Fotos von Andreas nicht mehr verfügbar (21.01.2007, 02.30 MEZ).

Bei einem (möglicherweise) T6/F3 sollte die Argumentation schon auf festen Beinen stehen und nicht nur auf ein oder zwei Sätzen zur Einschätzung basieren.


Mein Beitrag dazu:

T6 wäre für mich plausibel, auch aufgrund der Gebäudeschäden. Die langen Mietshäuser stammen aus den 50er / 60er Jahren des 20. Jahrhunderts (die vorliegenden Häuser scheinen zwar noch nicht voll saniert zu sein, die Dächer wurden aber schon einmal erneuert - wohl nach 1990... vermutlich wurde auch die gesamte Dachstuhlkonstruktion erneuert).

Die Giebelmauern bei mindestens zwei dieser Häuser wurden nebst der Dächer ebenfalls heruntergerissen.
Andere Gebäude weisen für mich Schäden zwischen T3 und T5 auf, allerding kann das auch daran liegen, dass andere Gebäude von dem Tornado nur gestreift wurden oder nicht von der aktivsten Seite des Tornados getroffen wurden.


viele Grüße,
Thilo
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Thomas Sävert
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Beitragvon Thomas Sävert » Sonntag 21. Januar 2007, 07:23

Hallo zusammen,

die Bilder von Andreas Kämmer sind in der Tornadoliste verlinkt, der Link ist aktualisiert.

In der Liste steht derzeit noch F2-F3, aber ich gehe auch eher von T6/F3 aus. Gründe sind für mich eher weniger die Dachgeschosse, weil ich bei deinen nicht richtig einschätzen kann, wie stabil diese gebaut waren und wir nicht wissen, ob die gesamte Dachkonstruktion erneut war.

Stutzig macht mich der PKW, der ja nicht einfach umgekippt sein kann, wenn man die Seitenlage bedenkt. Er muss auf jeden Fall angehoben und durch die Luft transportiert worden sein. Weiterhin zeigt das viertletzte Bild völlig zerrupfte Bäume, wie sie mit T5 kaum noch erklärbar sind.

Gruß, Thomas Sävert
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Beitragvon Forstexperte » Sonntag 21. Januar 2007, 09:21

Hallo Thomas und Thilo,

ich kann die kommende Woche aus beruflichen Gründen da auswärts unterwegs und viel zu tun, mal wieder nichts schreiben.

Habe aber z.B. mich in jedem der gestrigen mir relevant erscheinenden Threads der WZ beteiligt. Das erleichtert über Archivfunktion ein Wiederauffinden dieser im dortigen Dschungel.

Zu Wittenberg:
Ich kann bei der Vielzahl der Fälle nicht überall viel schreiben. Für mich ist das recht klar ein T6-Tornado. Dazu stehe ich und mündlich kann ich da in kurzer Zeit sicher mehr zu sagen.
Bei älteren oder historischen Faällen standen oft viel weniger Infos zur Verfügung. Da wurde auch nicht stundenlang diskutiert, sondern abgewogen und dann entschieden.

Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitragvon Forstexperte » Sonntag 21. Januar 2007, 09:25

Hallo Thilo,

Thilo Kühne hat geschrieben:Hallo zusammen,

habe Neuigkeiten zum Kemnitz-Fall (bzw Brachwitz, Kemnitz) aus Brandenburg. Ein Augenzeuge der Schäden beschreibt, das von einigen Gebäuden (Scheunen) nur noch Mauerreste übrig seien:

http://www.wetter-zentrale.com/cgi-bin/ ... ad=1065443

@Thomas:

Das sollte für einen eigenen Verdachtsfall reichen. Eine Verbindung zu Brachwitz (bei Treuenbrietzen) möglich. Werde mich am Montag selber nach Kemnitz bewegen.

Grüße,
Thilo

Ja, den Beitrag in der WZ hatte ich auch gelesen. Im Thread steht auch was von mir (allerdings nicht zu diesem Beitrag). Hier würde ich sogar einen potentiellen F4-Schaden mit in Betracht ziehen. Freilich muss so etwas vor Ort oder anhand aussgekräftiger Bilder und/oder glaubwürdiger, präziser Beschreibungen überprüft werden.

Dem lohnt sich allemal nachzugehen!

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Bernd
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Beitragvon Bernd » Sonntag 21. Januar 2007, 09:28

Hallo Thomas,

das blaue Fahrzeug ist nicht nur auf die Seite gelegt und verschoben worden. Dafür gibt es gleich mehrere Anhaltspunkt:

1. Fahrzeug weisst Überschlagspuren auf, was bedeutet, dass dieses Fahrzeug mindestens sich einmal um die eigene Achse gedreht hat und dabei mehrfach Bodenkontakt hatte. Das Fahrzeug hat ein Gewicht von ca. 870 kg

2. Wenn man davon ausgeht, dass das Fahrzeug auf der Strasse stand, hindert der Bordstein (auch bei dieser Höhe) ein direktes Verschieben. Das Fahrzeug steht aber mit der Front in die falsche Richtung. Dieses wäre ein zusätzlicher Hinweis, dass sich dieses Fahrzeug entweder komplett überschlagen hat oder über das Dach gedreht wurde (wofür allerdings die dementsprrechenden Drehspuren auf dem Dach fehlen).

Die Seitenbeschädigung deutet eindeutig auf ein Aufschlagen des Fahrzeuges auf die Seite und nicht auf ein Überkippen über die Seite. Die Fahrzeugseite ist in kompletter Breite gestaucht. Somit kann davon ausgegangen werden, dass dieses Fahrzeug angehoben wurde oder massiv gegen eine Mauer gedrückt wurde. So etwas könnte man aber nur durch Lackspuren an Gebäuden und Fahrbahn vor Ort klären. Wenn ich bessere Detailaufnahmen hätte, könnte man ggf. sogar die vermutliche Fallhöhe einschätzen.

Bei den Bäumen sieht man übrigens auch Drehschäden (wie in Hannover nur tiefer und mit wesentlich mehr Gewalteinwirkung).


Gruß Bernd
Zuletzt geändert von Bernd am Sonntag 21. Januar 2007, 13:30, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Forstexperte » Sonntag 21. Januar 2007, 10:20

Hallo Bernd,

vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht!

Bernd hat geschrieben:Hier folgt nun der Bericht und die Schadensauswertung zum vermutlichen Tornado im südlichen Stadtteil Waldhausen / Waldheim in Hannover.

Ber Bericht ist als PDF-Datei (ca. 1,2 MB) wegen der Menge der Bilder und der Karte abgefaßt.

Bericht Tornado Hannover


Nach meiner Meinung kann es sich um einen Tornado der Stufe F0 - F1 gehandelt haben, da der Schadensbereich sich klar abgrenzen läßt.

Schon erhebliche Schäden, sicher im T3-, also oberen F1-Berich. T2/F1-Intensität wurde von Kyrill ja in einzelnen Böen offenbar nahezu überall erreicht. Ein sich von diesen Böen deutlich abhebender Sturmschaden muss eine höhere Sturmintensität als Ursache gehabt haben.

Aber ich frage mich, warum du so sicher von einem Tornado als Verursacher ausgehst?
Deine dramatischen Beschreibungen zum Durchgang der Kaltfront passen sehr gut zu einem Microburst, der ohne weiteres bis T4/F2-Intensität erreiche kann. Dies ist bei mir auch vereinzelt geschehen. T3 wurde hier an einigen Orten sogar relativ großflächig erreicht. Und ein scharf abgegrenztes Schadensfeld kann auch von einem Microburst verursacht worden sein.
Ohne ganz eindeutiges Schadenbild oder glaubwürdige Augenzeugenbericht oder Bilder /Videos vom Ereignis würde ich hier, da anhand der Bilder (im Gegensatz z.B. zu Wittenberg) nur von einem Tornado-Verdachtsfall sprechen.

Ich habe bei Osnabrück (zwischen GM-Hütte und OS-Nahne, quer zur B51) übrigens selbst einen Tornado-Verdachtsfall und werde die Örtlichkeit gleich aufsuchen. Es soll auch einen glaubwürdigen Augenzeugen geben. Den werden Sven und ich sicher in kommender Zeit noch befragen. Bin gespannt.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitragvon Bernd » Sonntag 21. Januar 2007, 12:56

Hallo Martin,

abgesehen davon, dass ich selber Augenzeuge war, bin ich auch erst einmal von einem Downburst ausgegangen. Erst durch die Mitteilung der Zeitung und das vor Ort gefundene räumlich in Linie erfolgende Schadensbild kam ich auf den Tornado. Ausserhalb dieses ca. 75-100m breiten Bereiches kam es zu keinen nennenswerten Schäden. Stutzig gemacht hat mich die Winddrehung in kontinuierlicher Richtung bei dem Ereignis. Dieses ist auch deutlich im Trümmerschatten zu erkennen. Da ich schon einige Downburst miterleben durfte, war es diesmal doch deutlich anders von der Erscheinung. Ich habe ja auch geschrieben, es kann sich um einen Tornado gehandelt haben. Bilder oder Videos waren trotz vorhandener Ausrüstung zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, da ich direkt im Einflußbereich war (wenn man sich die Trümmerteile vor unserer Tür ansieht, hätte ich danach wohl eher einen Krankenbericht schreiben können - Eigenschutz geht immer vor -). Ich war froh, dass wir in einem stabilen Gebäude waren.


Nachtrag:

Ich habe übrigens gerade von einem Kollegen erfahren, dass es in der Verlängerung der von mir dokumentierten Schadensschneise eine weitere im Anschluß nach Westen führende mit ganz eng begrenzten linearen starken Baumschäden geben soll. Dann wäre der Tornado (Verdacht) unter Umständen sogar über dem Maschsee entstanden. Ich werde mir das morgen einmal ansehen und ggf. meine Dokumentation ergänzen. Dann hätte die Zugrichtung eine Länge von ca. 2000 m gehabt.

Bernd
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Beitragvon Thilo Kühne » Sonntag 21. Januar 2007, 14:38

Forstexperte hat geschrieben:Hallo Thilo,


Ja, den Beitrag in der WZ hatte ich auch gelesen. Im Thread steht auch was von mir (allerdings nicht zu diesem Beitrag). Hier würde ich sogar einen potentiellen F4-Schaden mit in Betracht ziehen. Freilich muss so etwas vor Ort oder anhand aussgekräftiger Bilder und/oder glaubwürdiger, präziser Beschreibungen überprüft werden.

Dem lohnt sich allemal nachzugehen!


Hallo Martin,

ich werde morgen früh meine Zelte in Dresden abbrechen und mir in erster Linie den Schaden in Kemnitz anschauen. Wenn dann noch Zeit ist, schaue ich mich auch in der Region um Zerbst um. Am Dienstag fahre ich dann mal nach Berkenbrück (werde das morgen nicht schaffen, da das in einer anderen Region ist - bei Frankfurt/Oder).

Bei einem F4-Schaden müssten ja auch markante Schäden an Bäumen vorzufinden sein (Sandstrahleffekt?).

Wie gesagt, mal schauen was ich vor Ort vorfinde.


viele Grüße,
Thilo
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Pieter

Zur Einstüfung Tornado

Beitragvon Pieter » Sonntag 21. Januar 2007, 16:36

Hallo zusammen,

Als Tornado-interessierte und ESSL und ESTOFEX Mitglied möchte ich gerne meine Meinung über die Einstüfung dieses Tornados und des Tornados in generell geben. Vielleicht werde ich etwas provokativ sein, und bitte im Voraus um Entschüldigung dafür.

Ich denke dass es in Deutschland zu einer ziemlich höhe Einschatzung der Schäden kommt... allerdings in Vergleich mit England und den Niederlanden. Ich kümmere mich insbesondere darum, weil ich mit meiner Tätigkeit bei der ESSL beitragen will zur Erfassung ( http://www.eswd.eu ) einer europaweiten Klimatologie. Da ist grenzüberschrittende Konzistenz sehr wichtig.

Wenn wir z.B. dieser Fall in Wittenberg nehmen, wird als Hauptargument ein einzelne PKW genannt den aufgehoben werden ist oder die Waldschäden. Ich gucke mich zur Einschätzung der F-Skala mal die ursprüngliche Schadensbeschreibungen von Fujita an.

http://www.spc.noaa.gov/faq/tornado/f-scale.html

Es ist klar dass die Schadensbilder etwas zeigen dass F2 oder F3 entspricht.

Die Beschreibung von F3:
"Roofs and some walls torn off well-constructed houses; trains overturned; most trees in forest uprooted; heavy cars lifted off the ground and thrown."

In unserem Fall würde ein PKW über einen kleinen Abstand verschleppt und wahrscheinlich recht kürz vom Boden aufgehoben. Es hört sich jedoch im Vergleich mit "heavy cars lifted off the ground and thrown" ein bisschen minimal an... oder ist das einzelne Auto richtig "geworfen" worden? Die Beschreibung "Roofs and some walls torn off well-constructed houses" klingt auch etwas schlimmer als wir hier sehen, weil es sich hier nur um Dächer handelt die von den Häusern abgerissen worden sind, aber von zerstörten Mauern ist eigentlich kein Sprache.

Zum Schluß gibt es dann noch die Vegetationsschäden. Die sind in der Tat erheblich. Ich würde damit aber doch vorsichtig sein.
Ich mag der Arbeit von M. Hubrig, aber meine dass eine noch etwas ausführlichere Kalibrierung der Vegetationschäden mit gemessenen Windgeschwindigkeiten und Bauschäden wertvoll sein würde (hier liegt noch einen schönen Job). Ich habe seine Publikation zu diesem Thema bestudiert ( http://www.essl.org/pdf/Hub04.pdf ) und die Tabelle in dieser Arbeit angeschaut.
Bestuderung dieser Tabelle ergibt das der Unterscheid zwischen zwischen F2 und F3... bzw. T5 und T6 eigentlich schwer zu machen ist. Bei T5 steht:

T5: "Auch stabilste Bäume oder Sträucher, wie Randbäume, winderprobte Hecken, Büsche und Felgeholze werden stark geschädigt oder bereits zerstört; entweder durch entwurzeln (herausreißen, Stamm- oder Kronenbruch oder durch abreißen der überwiegenden Zahl der Äste, insbesondere fast allen Feinreisigs."

T6:"Kein heimisches Holzgewächs übersteht - falls der Stamm stehen bliebt - solch einen Sturm ohne schwerste Schäden. Stehenbleibende Bäume werden weitgehend entastet".

Ob wir hier in Wittenberg, (siehe Bilder auf http://www.wetter-zentrale.com/cgi-bin/ ... ad=1064621)
mit "stablisten Bäume und Sträucher" zu tun haben weiß ich nicht. Der Unterscheid zwischen einem "Mehrzahl der Äste" und "weitgehend entastet" ist auch ja nicht so groß. Ich bin deswegen also überrascht das der Martin Hubrig selbst schon so sicher davon ist dass es sich um T6/F3 Schäden handelte. Inbesondere denke ich dass wir in diesem Fall vorsichtig sein müssen diese Vegetationsschäden zu schwer mitzuwiegen während es auch Bauschäden gibt... und die weisen nach meiner Meinung nicht deutlich auf F3 bzw. T6 hin.

Ich bin auf euren Meinung gespannt ,
Viele Grüße

Pieter Groenemeijer

Thomas Sävert
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Beitragvon Thomas Sävert » Sonntag 21. Januar 2007, 16:49

Hallo Pieter,

vielen Dank für Deine Einschätzung. Zum PKW: Das Fahrzeug stand nicht direkt neben dem Ort, wo er dann lag, sondern wurde in der Tat geworfen. Daher ist dies zumindest ein Indiz für die Stärke T6/F3, ein weiteres sind die Baumschäden, die auch meiner Meinung nach auf T6 hindeuten.

Gruß, Thomas Sävert
Tornadoliste Deutschland

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