29.7.05Umfassender Bericht zum Tornadooutbreak im Erzgebirge

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foto-erzgebirge
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29.7.05Umfassender Bericht zum Tornadooutbreak im Erzgebirge

Beitragvon foto-erzgebirge » Donnerstag 9. Februar 2006, 14:53

Hallo zusammen,
Ich habe mich am Samstag den 4.Februar 2006 mit Michel Oelschlägel aus Bernsbach getroffen. Dies liegt ca. 20Km westlich von meinem Ort. Aufmerksam auf sein Interresse für dieses Hobby bin ich durch Martin Hubig geworden, der mir empfahl mich mit Ihm zu treffen und noch einmal ausgiebig und intensiv über dem 29.7.2005 zu diskutieren.
Durch diesem erfolgtem Treffen konnten wir nähere Erkenntnisse zu den Tornadofällen im Erzgebirge feststellen. Dadurch wollte ich und er noch einmal einen umfassenden Bericht zu diesem Thema erstellen.
Zuvor aber eine Karte, wo Bernsbach, Erlabrunn und Sehma liegt
edit

Fangen wir an mit dem 29.7.2005 gegen 19Uhr.
Es bildeten sich ab späten Nachmittag an immer wieder Konvektionszellen mit Unwettercharakter vor der eigentlichen Kaltfront, welche ich später Näher darauf eingehen werde.
Eine Zelle bildete sich an der Grenze zwischen Thüringen und Sachsen. Sie sollte Sachsen näher beeinflussen. Zu dieser Zeit war es drückend Schwül mit Temperaturen um 33°C. Unter diesen umständen entstand ein kräftiger Cumulus Nimbus, welcher rasch weiter anwuchs und ein immer besseres Erscheinungsbild zeigte. Er zeigte dann eine immer besser werdende Organisation an. Daraus entstand eine LP Superzelle mit Wallclouds. Typisch für einer Superzelle ist die Windscherung. Sie verließ zunehmend die Höhenströmung nach Rechts, welche auf den Radarbilder zusehen ist.
An den folgenden Niederschlagsradarbild erkennt man wie der Eisschirm zunehmend Richtung nördl. Sachsen zeigte, die LP-Superzelle aber in östl. Sachsen zog und sich bei Freiberg auflöste. Ein typisches Zeichen einer Superzelle.
Edit

Hier nun Bilder von der Wallcloud, bzw. die Entstehung einer neuen Wallcloud und deren Absterben der alten. Außerdem sieht man schön den Hagelstreifen rechts im Bild. Außerdem sind die turbulenten Wolkenstrukturen gut zu erkennen.
(Bilder von Michel Oelschlägel)
Hier der alte Wallcloud
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Hier der neue Wallcloud
Bild

Bild

Hier ein Bild das zeigt wie die fractus unter dem Wallcloud nach oben geraden.
Bild

gezoomt

Bild

Nun zu den Hagelgrößen. Sie erreichten eine Größe von bis zu 12cm!!!!!!!. Dadurch kam es zu ersten größeren Schäden. Vor allem rund um Auerbach nahe Stollberg kamen die größten Körner herunter. An Hand von den vorhandenen Fotos von Michel konnte man sehen wie ein großes Hagelkorn vielen kleineren entsprach. Leider sind auch diese Bilder nicht zur Verwendung freigegeben.

hier noch ein Link zu den Hagelgrößen im Erzgebirgsvorland von Martin Gräber:
http://home.arcor.de/student.martin/wet ... 9juli.html

Außerdem gab es schon größere Windgeschwindigkeiten in Richtung Auerbach, edit. Zwischen den genannten Gebiet liegen keine 4 Km auseinander. Dort lag sozusagen die Grenze zwischen starkem Hagel und schweren Orkanböen, ausgelöst durch einem Downburst. (jetzt als Tornado vertifiziert

Hier noch ein Bild von Mammatus, welche an der LP-Superzelle gebunden war.
Bild


Man konnte anhand der Bilder sehen, dass dies eine klassische LP Superzelle war. Denn:
Es gab keinen großen Niederschlag
Gab Hagelgrößen bis zu 12cm, typisch LP
Man konnte bloß von Glück reden das aus dieser Superzelle bzw. dem Wallcloud kein Tornado entstanden ist, denn er wäre bestimmt einer, einer größeren Größenordnung geworden!!!!!!!!


Nach dem Zerfall dieser Superzelle schossen weitere Konvektionszellen nach oben. Der Zerfall der Superzelle regte eine explosionsartige Entwicklung weitere Zellen an. Dies sieht man schön an Hand der Niederschlagsradarbildern. Es entstand sogar eine kleine Squalllinie über Leipzig welche aber dann mehr in einzelnen Zellen zerbröckelte.
Hier Squalllinie über Leipzig
Edit
Hier wie sie in einzelnen Zellen zerbröckelte
Edit


Nun zu der Squallinie welche uns gegen 23 Uhr erreichte

Die vielen Konvektionszellen sind mit ein wichtiger Indiz dafür das ein solch schwer Organisiertes Gewitter, welches dann später uns beschäftigten würde, entstehen konnte.
Schon in Bayern und Badenwürttenberg schlossen sich mehrere Superzellen zusammen. Schließlich ergab sich daraus ein kräftige Squalllinie. Anhand der Analyse von Infrarot Bildern und anderen Sat- Karten konnte man feststellen das dieses Gewittersystem ein MCC war. Außerdem erkannte ich und Michel das, dass komplette System Zyklonal rotierte.
Wenn man dies nennen darf kann man dazu ein zyklonal rotierents MCC System dazu sagen.

An den Radarbildern erkennt man außerdem schön wie das komplexe System die einzelnen Zellen mit einbeschlossen hat. Leider kann ich diese auch nicht zeigen.

Hier Radarbilder wo Zellen in Sachsen immer mehr eingeschlossen wurden.
Edit

Durch einen Radarfehler von Stationen erkennt man erst hier die sehr stark ausgebrägte Squalllinie, welche bis weit nach CZ reichte (Copyright wetteronline.de)
Bild

Die nachfolgenden Bilder von diesem System sind von Michel aus Bernsbach gemacht worden. Da ich leider keine machen konnte
Das komplette System erreichte uns nun mit einer kräftigen Böenfront, welche die ersten Downburst Schäden brachte. Ich denke, wenn man dies am Tage gesehen hätte, würde sie viel mörderischer ausgesehen haben. Man konnte unmittelbar vor der Böenfront keine Blitze erkennen, sie verdeckte sie.
Danach setzte ins Bernsbach heftiger Starkregen ein und heftige Orkanböen durchschlugen den Ort. Die Blitzaktivität nahm dann stark zu, hier paar Foto´s:

Bild

Bild

So war dies Ereignis in Bernsbach.

Bei mir im Sehmatal war dies schon wieder ein klein wenig anders. Bei mir zog die Böenfront durch und es flogen die ersten Gegenstände durch der Gegend. Danach nahm der Sturm kurz ab. Ich fuhr los und blieb dann auf Grund des Durchzuges eines Tornados stecken. Außerdem war die Blitzrate extrem hoch, jede 2sek. ein Blitz in Bernsbach war die Blitzrate viel niedriger.
Wir vermuteten das es sich erst um ein Gustnado handelte. Er würde aus gelöst, wenn ein Teil der Böenfront auf den Boden reichen würde und es dann zu Verwirbellungen kommen würde, woraus durch aus ein Tornado entstehen kann. Dies konnte leider nicht bestätigt werden, da:
Zwischen Durchzug der Böenfront und Durchzug des Tornados min. 3 min vergangen waren. Außerdem zog dieses ganze System ziemlich schnell. So das es sich um einen Tornado handeln muss, welcher in einer eingelagerten Superzelle entstanden sein muss. Schließlich handelt es sich hierbei bei dieser Squalllinie in Bow Form um Zusammenschließung mehrer Superzellen, bzw. einzelnen Konvektionszellen.

Ein wichtiger Indiz dafür ist auch mit die topografische Lage unseren Gebietes. Denn:
Unserer Erzgebirgskamm war für dieses System wie eine Rampe. Zwischen Grenzübergang und Ostrov (CZ) liegen über 700 m Höhenunterschied. Im Egertal waren noch Temperaturen um die 33°C vor dem unmittelbaren Erscheinen der Front. Die warme und schwüle Luft wurde zum größten Teil durch ganz CZ vor sich hingezogen und erst am Erzgebirgskamm zum Aufsteigen gezwungen!! Schoss sozusagen den ganzen Kamm hinauf. Dadurch konnte sich quasi ein zyklonal drehender Aufwärtsstrom erstellen, welcher die Tornados in ASZ und ANA auslöste.
Auch die warme Luft in den Tälern, welche dort noch vorhanden war konnte als Energie genutzt werden.

Dies wäre wie in der Feuerwehr bei einem Flash Over es sammeln sich Entzündbare Gase an der Decke bis sie verbrennen und der gesamten Decke erstrecken und an der Wand wieder ansinken. Dieses Schema umgedreht würde den Erzgebirgskamm entsprechen nur halt als Feuchter und schwülwarmer Luft entsprechen, statt Gase.

Außerdem entstanden alle Tornadofälle kurz nach der Überquerung des Kammes, sowie die heftigen Downburstschäden ereigneten sich auch kurz nach der Überquerung des Kammes. Sobald es wieder Richtung Erzgebirgsvorland hinunter ging nahmen auch die Sturmschäden wieder ab, da Energie, welche dem Erzgebirgkammes hochgeschossen wurde „verbraucht“ wurde.
Deshalb sind solche Schäden auch nur im westlichen Erzgebirge aufgetreten , denn im Osten ist der Höhenunterschied viel geringer.

Man sollte sich auch nicht an der Windgeschwindigkeit in Zinnwald festhalten, denn wie Michel sagte, messen die in 30m Höhe die Windgeschwindigkeit die anderen Stationen messen nur in 10m Höhe, dann wäre auch in Zinnwald, in 10m Höhe, „nur“ 140Km/h registriert geworden.
Hier mal noch die Spitzenböen (Copyright wetteronline.de)
Bild

Und Regenmengen (Copyright wetteronline.de)
Bild

Nun haben wir die Entstehung des Systems und die Entstehung der Tornados geklärt.

Nun die Beweise die, die Tornados bestätigen könnten.

Wir fangen im LK Annaberg an.
Erst einmal möchte ich sagen das Sehmatal und Erlabrunn ca. 20Km Luftlinie auseinander liegen, da ich in einem anderen Thread auf Erlabrunn näher darauf eingehen werde.
Legende:
Weiße, roten Pfeile= Fallrichtung der Bäume
Schwarzer Pfeil = Zugrichtung des Tornados

Hier erst einmal eine Karte zur Orientierung der gesamten Tornados. Ich habe da alle eingezeichnet.
Gesamtkarte
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Und unterteile dies.


Teil1 Tornado Nr.1
Hier eine Karte zur Zugbahn des Tornados Nr.1 Er entstand kurz nach dem Fichtelberg und endete Ende Neudorf (Siehe Karte).
Karte1:
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Die Schneise des Tornados variiert ziemlich was man auf Bild 1 schön sieht. (eingezeichnete Pfeile Zugrichtung), deshalb Downburst eher unwahrscheinlich. Er legte eine Strecke von ca. 4km ab.
Foto 1
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Hier Bilder, welche von der Zugbahn des Tornados 50-100m westlich liegen, außerdem einheitliche Fallrichtung der Bäume und ziemlich großflächig. Deshalb eher ein Downburst neben der Tornadoschneise.
Foto 2
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Hier zog der Tornado wieder leicht in dem Waldrand hinein und über diesem Feld entlang und beschädigte das Haus (Augenzeugen bestätigen den Tornadoindiz).
Foto 3
Bild
Foto 4
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Foto 5
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Foto 6
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Foto 7
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Hier zeichne ich die Fallrichtung der Bäume an Hand eines vorhanden Fotos ein, welches aber Urheberrechtlich ist.
Foto 8
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Außerdem ist die Schneisenbreite relativ gleich.


Teil2 Tornado Nr.2

Hier erst einmal eine Karte welche zeigt wo er entstanden ist und sich auflöste.
Er entstand Ende Neudorf und zog bis nach Sehma, wo er sich Ortsausgang auflöste.
Er ist auch durch Augenzeugen bestätigt worden. Ich kann den Tornado auch zu 80% bestätigen. Er hat eine Länge von bis zu 6km abgelegt.
Karte2:
edit
Ich möchte einmal ein Schadensbild zeigen was kurz nach der Entstehung ist, sowie die Fallrichtung an Hand eines vorhanden Fotos, welches nicht veröffentlicht werden darf.
Foto 9
Bild
Hier sind Schadensbilder an seiner höchsten Intensität. Er muss aber zu vor schon höhere Intensität gehabt haben, denn auf dem Kreuz in dieser Karte wurde ein Dachstuhl eines Hauses leicht hochgerissen, man sieht auch noch eindeutig einen Spalt welcher bis zu 40cm groß ist und nach hinten abnimmt, außerdem sind Scheiben nach außen zu Bruch gegangen.
Nun die Fotos der höchsten Intensität
Foto 10
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Foto 11
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Foto 12
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An den folgenden Foto´s sieht man schön wie der Tornado langsam an Boden Kontakt verliert (kurz vorm auflösen).
Hier ein Foto von relativen Bodenkontakt
Foto 13
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und hier 40m von dem vorhergehenden Foto entfernt, „nur noch abgeknickte Kronen und Äste.“
Foto 14
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Teil3 wahrscheinlich Tornado Nr.3

Hier wieder eine Karte des Tornados Nr.3
Karte 3:
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Es entwickelte sich an der Richterstraße zog durch den Gemeindewald und dem Prager Wald, über der B95 hinweg, bis nach Königswalde und löste sich erst dort auf.
In Königswalde muss es auch ein Tornado gewesen sein, denn in einem MDR Beitrag zeigten sie Tornadoindizien aus Königswalde welche mir Michel an Hand des Videos schon einmal bestätigte.
Nun die Bilder
Gemeindewald
Foto 15
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Foto 16
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Foto 17
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Prager Wald
Foto 18
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Foto 19
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Foto 20
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Dies war der Teil mit dem Sturmereignis im LK Annaberg. Zu der Intensität lasse ich später Forstexperte noch einmal etwas dazu schreiben, da er sich damit besser auskennt.
Auf den Bildern ist schön zu sehen, das es bei Tornado Nr.1 neben der Tornadoschneise auch zu Downburstschäden neben des Tornados gekommen ist, was man schön auf dem Foto2-4 schön erkennt, das selbe System trat auch in Erlabrunn auf, wo es neben der Tornadoschneise auch zu schweren Downburst gekommen ist. Auch in Sehmatal gab es noch Downburstschäden, welche aber im unteren Bereich sind und ich nur als normale Sturmschäden benennen möchte.

@Forstexperte:
hier das Foto, welches du größer haben wolltest. Es ist das Foto 38.
Abrufbar unter http://bm.srv2.bitcams.de (Dateiname Martin)

Ich hoffe euch hat’s gefallen

Lg Bernd
Zuletzt geändert von foto-erzgebirge am Samstag 23. August 2008, 23:16, insgesamt 6-mal geändert.

madmars
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Beitragvon madmars » Donnerstag 9. Februar 2006, 15:42

Wow, was ein Bericht! Super Arbeit, sehr interessant zu lesen...
Da war ja einiges los bei euch im "Erzjebirge".
Das Mammatusbild ist ja genial. Die Schadensbilder sind sehr beeindruckend, wenn man beachtet was da für Bäume zerstört wurden.
Allerdings eine Frage: Warum dürfen manche Bilder nicht veröffentlicht werden?

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Cumulus Humilis
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Beitragvon Cumulus Humilis » Donnerstag 9. Februar 2006, 16:28

Gute Arbeit Bernd!
Gegenüber dem ersten Bericht ist das nun viel übersichtlicher und besser nachzuvollziehen. Ich finde es auch gut, daß Du Erlabrunn in einem separaten Bericht behandeln willst, so wird es einfach besser zu handhaben. Was ich mir noch wünschen würde ist eine Übersichtskarte des gesamten Berichtsbereiches, wo neben Sehma auch Erlabrunn und Bernsbach drauf ist. Das erleichtert Ortsunkundigen die Orientierung. Danke und weiter so!

Beste Grüße,
Andreas

@Forstexperte:
Martin, Du wolltest doch das vergrößerte Bild 38 nur um die Mädels genauer zu betrachten, gib's zu!? :wink:
--
Potz Blitz!

Sascha/35440Linden

Danke

Beitragvon Sascha/35440Linden » Donnerstag 9. Februar 2006, 16:30

Hallo Bernd

Vielen lieben Dank für diesen wunderbaren Bericht und für deine große Arbeit. großes LOB dafür :D

Ich finde den Bericht einfach sehr schön geschrieben und die Fotos sehr beeindruckend.

Danke.

Ich wünsche noch einen schönen Tag.

Es grüßt freundlich

Sascha Baran

foto-erzgebirge
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Beitragvon foto-erzgebirge » Donnerstag 9. Februar 2006, 16:43

Hi,
@madmars:
Manche Bilder sind aus der Feuerwehr teilweise sind noch Schäden an Gebäuden zu sehen. Da ich gefragt habe, wollen die Geschädigten Ihre Foto´s nicht veröfentlicht haben. Ein paar Radarbilder darf ich nicht veröffentlichen, so hat´s Michel zu mir gesagt.

@Cumulus Humilis:
Mache ich sofort

Gruß Bernd

Meino

Beitragvon Meino » Donnerstag 9. Februar 2006, 22:23

8)
Zuletzt geändert von Meino am Donnerstag 14. September 2006, 22:31, insgesamt 1-mal geändert.

foto-erzgebirge
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Beitragvon foto-erzgebirge » Freitag 10. Februar 2006, 07:59

Mit 80% meine Ich, dass ich Ihn nicht ganz gesehen habe. bei 100% hätte ich richtig mit allem gesehen, habe ich aber nicht ganz, deshalb nicht ganz 100%

Zu den Superzellen, in einer Sqaulllinie kann es auch Tornados geben, ist klar. ABER:
1. Michel aus Bernsbach war auch der Meinung, dass die Tornados mit Verbindung einer Superzellen entstanden sind. Zuvor gab es ja mehrere Zusammenschließung von Superzellen zu einem großem Komplex.
2. Auch unser topografisches Gebiet ist zu beachten. Man denke an Erzgebirgskamm (näher im Beitrag beschrieben).

Wie schon gesagt, ich und Michel denken es waren eingelagerte Superzellen, die für die Entstehung der Tornados verantwortlich sind.

Wir können uns aber auch teuchen
Gruß Bernd

Sturmjäger
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Beitragvon Sturmjäger » Freitag 10. Februar 2006, 12:29

Ein echt guter und sehr schön lesbarer Bericht! Find ich Klasse das du ihn geschrieben hast, und danke das du dir solche Mühe gegeben hast!

mfG Benny
"Es ist besser, Genossenes zu bereuen, als zu bereuen, dass man nichts genossen hat."
<i>Boccacio</i>

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Beitragvon Forstexperte » Freitag 10. Februar 2006, 16:10

Hallo Bernd,

Danke für die aufwändige Neubearbeitung der Dokumentation zum 29.06.2005!
Ist wirklich gut geworden - viel kompakter und doch mehr Infos als beim 1. Mal!

Morgen gehe ich naoch mal genauer drauf ein.

Das Bild was ich in Groß suche, ist nicht das, was Du geschrieben hattest (Mißverständnis) sondern das eins darunter, also die Nr. 17.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

Michel
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Beitragvon Michel » Sonntag 12. Februar 2006, 18:45

Hallo zusammen,

@Bernd: Wie ich sehen, hast du nochmal einen schönen und umfassenden Bericht zu den Ereignissen des 29.7.05 geschrieben. Ich werde nächstes Wochenende nochmal einen Bericht zu Erlabrunn online stellen, welchen ich auch in diesem und im wetterzentrale-Forum veröffenlichen werde.

Nach gut einem halben Jahr seit dem Unwetterereignis konnte man so allerhand Parallelen zu ähnlichen Ereignissen festellen. Sehr interessant sind hier sicherlich mehrfache Übereinstimmungen zu einer ähnlichen Lage am 29.6.97, wobei damals Thüringen, Bayern und vor allem Niedersachsen betroffen war. Dank Martin Hubrig, welcher mir bezüglich dieses Ereignisses einen umfassenden Analysebericht zur Verfügung gestellt hat, konnten auch Übereinstimmungen zwischen dem Schadensbild eines eindeutig verifizierten Tornados (besser gesagt 2) am 29.6.97 mit dem Verdachtsfall von Erlabrunn am 29.7.05 gefunden werden. Auch im Vergleich zu einem weiteren Großtrombenereignis am 22.6.98 im Vogtland konnten nützliche Übereinstimmungen gefunden werden, wenngleich der Tornado damals nicht in Verbindung mit einer Squallline entstand, sondern bei einer ausgeprägten HP-Superzelle). Alles in Allem verdichtete sich darausfolgend die Wahrscheinlichkeit für einen starken Tornado in Johanngeorgenstadt und Erlabrunn am 29.7.05, für welchen es leider keine bedeutenden Augenzeugen gab, die "etwas" gesehen haben. Grund hierfür war wohl die spät vorangeschrittene Tageszeit, immerhin ereignete sich das Ereignis nach 23:00 Uhr. Dennoch waren die Aussagen einiger Bewohner des umnittelbaren Schadensgebietes recht nützlich für die Einordnung des Starkwindereignisses. Diesbezüglich werde ich am nächsten Wochenenende nochmals genauer eingehen.

Nochmals kurz zu der Erwähnung von eingelagerten Superzellen in eine Squallline:
Typische Superzellen sind meistens Einzelgänger und entwickeln sich in der Regel kurz vor der eigentlichen Kaltfront. Da sich solche Zellen häufig in keiner nennenswerten Konkurenz zu Nachbarzellen befinden, also meist die gesamte unmittelbar umliegende labile und energiereiche Luft zur Entwicklung einbeziehen können (zu welcher sie auch aufgrund der exponierten Lage auch von allen Seiten her die Möglichkeit haben), entwickeln sich hier meist die stärksten Superzellen. Beispiele sind hierfür z. Bsp. eine fast klassische Superzelle am 8. Mai 2003 über dem Erzgebirge mit bis zu 7 cm großen Hagelkörnern in Scheibenberg oder eben die LP-Superzelle (aufwinddominant) am 29.7.05. Gerade die typischen "Hagel-Superzellen" entstehen meist in größerer Distanz zur Kaltfront. HP-Superzellen (umfangreiches Niederschlagssystem, ausgeprägter Abwind) dagegen weisen eine etwas geringere Hagelwahrscheinlichkeit auf (Hagelkörner meist "nur" noch bis 5 cm groß), dafür treten hier häufiger Tornados auf. Am 29.7.05 entstand die für Sachsen interessante Kaltfront aus 2 mächstigen HP-Mesozyklonen über Bayern und BW. Typische Superzellen gab es am 29.7.05 nur 3-4. Einige Zellen wiesen jedoch superzellähnliche Strukturen auf, beispielsweise einige weitere Einzelzellen über Sachsen oder einige Strukturbereiche der Squallline. Allerdings würde ich diese Strukturen nicht als typisches Superzellengewitter ansehen, wenngleich auch dort kurzzeitig extreme Unwetterbedingungen erfüllt werden konnten. "Echte" Superzellen findet man bei Squalllines am ehesten an der Südflanke, was ja am 29.7.05 nicht der Fall war.

So, ich melde mich dann nächstes Wochenende wieder, bin über die Woche in Freiberg.

Viele Grüße
Michel

Forstexperte
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Beitragvon Forstexperte » Sonntag 12. Februar 2006, 21:16

Hi Bernd,

da ich mich derzeit noch ein bisschen auf den kommenden Extremwetterkongress in HH vorbereiten muss, gibt’s genaueres nächstes Wochenende. Michel möchte dann auch noch mal etwas zu Erlabrunn hier schreiben, so dass dass das Thema dann wohl endlich „abgehandelt“ werden kann.

Zur Stärke der Tornados vorab:

Nr.1: T3/F1,
Nr.2 T4/F2,
Nr.3 T3/F1

Die Begründungen hatte ich schon - in den nun gelöschten Thread beschrieben. Ich werds noch mal auf ein paar Bilder hier beziehen. Das muss dann aber bleiben!
Tornado 1 ist für mich etwas unsicher = Tornado. Von daher wäre ich über die Bilder mit den Fallrichtungen, wie Du diese eingezeichnet hast, sehr dankbar. Versichere, dass ich diese nur für mich für diesen Zweck hier verwende und nicht weitergebe!

Vergrößert, bzw. in voller Auflösung möchte ich noch mal die Nr. 17, bzw.
http://bm.srv2.bitcams.de/Imag0039.jpg
betrachten.
Es war nicht das Foto 38!

Du kannst mir Foto 17 auch separat per EMail schicken.

Das die Reflektivitäten während des Durchzugs der Squallline in den Radarbildern nicht stark genug abgebildet wurden, liegt möglicherweise auch daran, das zuvor ein Blitz das Radar in Eisberg (gut 100 km im Südwesten gelegen) für mehrere Stunden außer Gefecht gesetzt hat.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück

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Beitragvon foto-erzgebirge » Montag 13. Februar 2006, 16:41

@ Michel:
Schön das du den Weg zu uns gefunden hast, echt super. Wir treffen uns dann Ende Februar, melde mich da noch einmal bei dir.
Mit dem Bericht zu den Erreigniss in Erlabrunn, wirst du sicherlich einen reinstellen. Brauche ich mir "die Mühe" nicht zu machen.
Danke das du nocheinmal auf das Gewittersystem eingegangen bist.
Kannst ja bei dem Bericht nochmal ein wenig genauer eingehen, z.B. Zusammenschließung der Gewitterzellen in Bayern und BW.
@Forstexperte:
Jetzt weis ich einmal wie es anderen geht, die Zählen müssen um ein nicht gekennzeichnetes Foto zu erkennen.
Ich weiß das du Bilder nicht weider verwenden wirst. Aber leider komme ich einfach nicht an die Bilder ran
Die Fallrichtung der Bäume des Foto´s Nr. 38:
Pfeile=alle Bäume eingezeichnet, die dort standen.
Ich denke wir lassen es dabei bei einem Tornadoverdacht. Auch wenn es angeblich Augenzeugen gibt, wenn die Schäden nicht hinhauen, können auch Augenzeugen, aus einer Mücke einen Elefanten machen
Dein Foto werde ich wahrscheinlich am Don. reinstellen, da ich zurzeit auf Arbeit viel zu tun habe :wink:
Gruß Bernd
Zuletzt geändert von foto-erzgebirge am Dienstag 19. September 2006, 09:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon foto-erzgebirge » Dienstag 14. Februar 2006, 17:52

Hallo Martin
hier das gewünschte Foto noch einmal, genau der selbe Link wie vorher also:
http://bm.srv2.bitcams.de/Martin.jpg (Größe 1600 Pixel)
Gruß Bernd

Michel
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Analyse des Extremhagelereignisses am 29.7.05 im Erzgebirge

Beitragvon Michel » Samstag 18. Februar 2006, 17:21

Die für das Erzgebirge später bedeutend werdende Unwetterfront bildete sich aus mehreren kräftigen Zellen aus dem südlichen Raum von Bayern und Baden-Württemberg. Gegen Nachmittag des 29.7.05 lag die Kaltfront eines über den Britischen Inseln befindlichen Tiefs nahe der Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland. Hier war bereits kräftige konvektionale Aktivität festzustellen. Zudem waren die Bedingungen für die Entstehung von Schwergewitterzellen recht günstig, zumal einerseits die Labilität und die Hebung sehr günstig sowie die Feuchtigkeit in den unteren und mittleren Luftschichten doch sehr hoch war, andererseits eine markante Winddrehung mit zunehmender Höhe zu verzeichnen war, man spricht von starker Windscherrung. Gegen 18 Uhr (16 UTC) kam es schließlich in den südlichen und westlichen Gebieten zu einem starken Gewitterausbruch. Betroffene aus den von schweren Unwetterzellen beeinflussten Gebieten berichteten neben starkem Hagelschlag, mit Korndurchmessern von bis zu 5 cm, auch verbreitet von schweren Sturm- und Orkanböen. Zeitgleich bildete sich eine weitere Zelle über dem südwestlichen Bayern, welche ebenfalls unwetterartig wirkte durch Orkan und Hagel, sowie eine Gewitterzelle über dem südwestlichen Thüringen, also weit entfernt der der regen Aktivität im Süden. Während im Süden vorrangig der schwere Sturm die gefährlichste Begleiterscheinung darstellte und dort mittlerweile auch mesozyklonale Entwicklungen stattfanden (hauptsächlich "high precipitation supercells" mit starken Niederschlag und Sturm/Orkan), wüteten die sich nun entwickelten Unwetter im Gebiet Sachsen anfangs auf ganz anderer Art und Weise. Die über Thüringen entstandene einzelne (Doppel-)Zelle entwickelte sich in der folgenden Stunde ebenfalls zu einem Mesozyklon, allerdings nicht zu einen HP-Superzelle, sondern zu einer "low precipitation supercell" (LP Superzelle), deren Gefährlichkeit weniger in starkem Wind, sondern vielmehr in enormen Hagelschlag lag. Diese Zelle trat unter starker Rechtsbewegung aus der vorherrschenden Höhenströmung heraus und beeinflusste im Folgenden das sächsische Erzgebirgsvorland. Diese Annahme wurde durch Hagelmeldungen aus den Landkreisen Zwickau, Stollberg, Chemnitz, Annaberg sowie dem mittleren Erzgebirgskreis bestätigt. Diese Superzelle wies zwar überwiegend eine LP-Struktur auf (enormer Hagelschlag, aber recht niederschlagsarm), zeigte jedoch auch die Eigenschaften einer klassischen Superzelle mit sehr heftigen, aber örtlich noch recht begrenzten Niederschlag, beispielsweise in Zwickau und in Teilen von MEK. Folgend eine kleine Zusammenfassung der größten Hagelkörner aus dem Duchzugsgebiet der Superzelle:

Auerbach (LK Stollberg): 10-12 cm, oval
Brünlos (LK Stollberg): 9-10 cm, kugelförmig
Gornsdorf (LK Stollberg): 7-8 cm, Kugelform
Lichtentanne (LK Zwickau): 5-7 cm, Kugelform
Thalheim (LK Stollberg): 5-7 cm, oval
Gelenau (LK MEK): 5-7 cm, oval
Amtsberg (LK MEK): 4-6 cm, kugelförmig

Interessant waren die engen Hagelkorridore, in welchen die unterschiedlichen Korngrößen gefunden wurden. Diese waren in der Regel nur wenige Kilometer breit. Während am südlichen Rand des schwachen Abwindes, also in unmittelbarer Nähe des Aufwindes, die größten Hagelbrocken vom Himmel fielen, welche entweder bis zu 10 cm groß und sehr kompakt waren oder sogar bei unregelmäßiger Form ("zusammengebacken" aus mehreren kleinen Hagelkörnern) eine Größe von 12 cm erreichten, so war hier jedoch die Falldichte recht gering. Meist fielen gelegentliche große Brocken vom Himmel, zerschlugen und beschädigten aber beim Auftreffen jedes Hindernis. Je weiter man nach Norden in den Niederschlagsbereich hineinkam, desto kleiner wurden der Durchmesser, jedoch nahm die Falldichte zu. Im Bereich der 6-8 cm großen und meist recht kompakten Hagelkörner gab es aufgrund einer größeren Falldichte auch die größten Schäden. Regen gab es in diesem und in dem zuvor genannten Korridor nur kurzzeitig und dieser war auch nicht besonder kräftig. Erst noch weiter nördlich nahm der Hagelkorndurchmesser schließlich auf 2-4 cm ab (hier jedoch kam es aufgrund einer hohen Falldichte zur Ausbildung einer kleinen Hageldecke) und es gab nun auch heftigen Platzregen, welcher beispielweise in Zwickau auch mehrere Keller unter Wasser setzte. Letzteres ist dabei eher untypisch für LP-Superzellen. Allerdings könnte neben einer vorrangig auftretenden LP-Struktur mit reichlich Hagel, aber weniger Regen, auch periodisch immer wieder eine klassische Struktur beobachtet werden, beispielweise beim Zerfall der alten Wallcloud und der umittelbaren Bildung einer Neuen.

Zudem sollte auch auf die hohe Tornadogefahr während der Superzellpassage hingewiesen werden. Auch wenn LP-Superzellen im Vergleich zu HP-Superzellen nach eigener Erfahrung weniger Tornados hervorbringen, so hätte es durchaus einen größeren Tornadooutbreak geben können. Verdächtige Strukturen waren immer wieder vorhanden (Fractus, eventuell Funnel). Im Bereich Thum (LK Stollberg, in der Nähe von Auerbach) gab es durch ein Sturmereignis (Tornadoverdacht) größere Sturmschäden in Verbindung mit der Superzelle.

Diese LP-Superzelle lebte etwa 3 h, bis sie im Raum Freiberg zusammenbrach. Durch den extremen Hagel gab es bereits die ersten großen Schäden im Raum Sachsen. Die Gesamtschäden an Gebäuden und Fahrzeugen gehen in die Millionen! In Auerbach, Brünlos und anderen Orten im Landkreis Stollberg, Zwickau und MEK (Mittlerer Erzgebirgskreis)wurden Fensterscheiben ein- und Schieferdächer zerschlagen. Bautafeln oder Sonnenkollektoren wurden ebenso zertrümmert wie Regentonnen, Gewächshäuser oder auch Fahrzeuge. Vielerorts wurden neben den deutlichen Dellen in den Fahrzeugen auch die Front- und Heckscheiben zerschlagen. Die hohe Anzahl an Fahrzeugschäden verursachte einen Abfertigungsengpass bei den heimischen Reperaturunternehmen, sodass Spezialfirmen aus anderen Regionen mit eingesetzt werden mussten. Insgesamt wurden 2 Personen durch den Hagelschlag verletzt, beide erlitten Platzwunden am Kopf und mussten ambulant behandelt werden.

Die sterbende Superzelle verursachte eine wahrliche Explosion in der Zellentwicklung. Fast überall kam es nun zu verbreiteter Konvektion im Raum Sachsen, Ostthüringen und Südbrandenburg. Die entstehenden Zellen fielen mitunter sehr heftig aus, wobei hier Starkregen und großkörniger Hagel, Sturm dagegen kaum oder nur sporadisch das Problem darstellte.

Viele Grüße
Michel
Zuletzt geändert von Michel am Samstag 22. März 2008, 22:39, insgesamt 1-mal geändert.

Forstexperte
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Re: Analyse des Extremhagelereignisses am 29.7.05 im Erzgebi

Beitragvon Forstexperte » Samstag 18. Februar 2006, 20:08

Hallo Michel,

vielen Dank für die sehr schön aufgearbeitete Doku zur eindrucksvollen Superzelle vom frühen Abend des 29.07.05 im Erzgebirge.

Zudem sollte auch auf die hohe Tornadogefahr während der Superzellpassage hingewiesen werden. Auch wenn LP-Superzellen im Vergleich zu HP-Superzellen nach eigener Erfahrung weniger Tornados hervorbringen, so hätte es durchaus einen größeren Tornadooutbreak geben können. Verdächtige Strukturen waren zwar vorhanden (Fractus, eventuell Funnel), aber einen "rotierenden" Touchdown gab es anscheinend nicht. Allerdings gab es im Bereich Thum (LK Stollberg, in der Nähe von Auerbach) größere Sturmschäden in Verbindung mit der Superzelle. Davon habe ich allerdings erst recht spät erfahren, sodass ich nichts zur Ursache (Downburst, Tornado) sagen kann.

Eine Frage hierzu: Welche Infos zu den Schäden im Bereich Thum (LK Stollberg, in der Nähe von Auerbach) hast Du denn? Ich vermute mal, dass dort alles aufgearbeitet war, nachdem Du dort hingefahren bist. Aber gibt es denn keine Bilder/Augenzeugen? War ja hell zur Zeit der Passage.
Denkbar ist für mich dort auch beides:
Kurzlebiger Tornado (nicht oder unvollständig auskondensiert) aus der sehr gut ausgebildeten Wallcloud oder RFD-Downburst.

Leider lässt sich Deine Seite im Moment nicht richtig öffnen, so dass man sich die Bilder nicht noch mal betrachten kann.

Die 1. Karte ist sehr schön und anschaulich, die 2. allerdings finde ich etwas verwirrend.
Hier würde ich zuerst die Farbeinzeichnungen für die Hagelgrößen rausnehmen (die übereinander gelegten Farben ergeben z.T. andere Töne und verwirren nur unnötig) und dann die Legende für die Hagelgrößen durch die dBZ - Stufen ersetzen (weil hier ja die Farben für letztere relevant sind). Miteinander vergleichen kann man die beiden Einzelkarten doch auch gut separat untereinander abgebildet - ohne hier etwas in einer Karte übereinander zu legen.

Auf den Bericht zur spätabendlichen Squall und den damit einhergehenden Schäden bin ich schon gespannt.

Viele Grüße, Martin
Melle-Wellingholzhausen, 20 km sö. Osnabrück


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